Aus Veldroms vergangenen Tagen

Name, Lehrerbesoldung, ein Siedlungsprojekt, eine soziale Tat

Das unmittelbar an der ehemaligen Landesgrenze gelegene zweigeteilte Dorf Veldrom gehörte immer mit 377 ha und etwa 300 Einwohnern zu den kleinsten Gemeinden Lippes. Die Entwicklung stagniert seit sehr langer Zeit. Sein Name wurde 1160 als Druc, 1259 als Trucheim, 1530 als Veldtodrome, 1630 als Veldrohm erwähnt.

1211 wurden Bewohner von Beken und Ostlangen (Schlangen) wegen Beschädigung des Besitzes des Klosters Hardehausen in Druheim exkommuniziert!

1392 verpfändet Bischof Ruprecht von Paderborn unter Vorbehalt der Wiedereinlösung dem Johann von Malsberg Getreideeinkünfte in Drohm.

1448 verzichtet das Domkapitel von Paderborn dem Kloster Hardehausen gegenüber auf eine Mark Geldes, welche es aus dem Gut und Zehnten des Klosters Norde jährlich zu erheben gehabt, wogegen ihm das Kloster seine z. Z. wüsten Güter an vier jetzt nicht mehr nachzuweisenden Orten abtritt, sowie alles Gut und Gerechtigkeit, das es hat zu Drom.

1527 muß es eine Glashütte hier gegeben haben, denn ein Reffträger wird nach dem Felde to Drome entsandt. Glashütten befanden sich ja noch in späterer Zeit in Kohlstädt und Nassesand.

1564 wird auf dem Feld zum Drome von Graf Simon VI. eine Meierei angelegt, nachdem 1530 Johann Böger als erstem namentlich nachweisbaren Siedler verschiedene Plätze auf dem Veldo to Drome angewiesen worden waren.

1724 erhielt der Schnatschütze Beckmann und ein „Pferde- und Wildwahrer“ zur Erbauung eines Hauses Plätze an der Velmerstot angewiesen. Die Endung Stot ist vielleicht mit Gestüt oder Stötten (junges Pferd) in Verbindung zu bringen.

Nach Gründung der Meierei fanden sich auch weitere Anbauer ein, doch blieb Veldrom eine kleine Ansiedlung. An die gräfliche Vieh- und Weidewirtschaft erinnern heute noch die Flurnamen Herrenrott, Hude, Fohlenkamp, Ochsenkamp, Rintelfeld.

Als die Landesherrschaft die Notwendigkeit der verbesserten Volksbildung erkannte, wurde auch in Veldrom eine Schule eingerichtet.

1694 wurde ein Schulhaus an das herrschaftliche Meierhaus angebaut. Schon 1723 errichtete man ein neues Schulgebäude. 1841 entstand das heutige Schulhaus, das 1927 und 1950 umgebaut und erweitert wurde. Der erste namentlich festzustellende Lehrer hieß Holsten (1714 bis 1725). Einer seiner Nachfolger (1743 bis 1773) war Nevelyn Meyer, 1708 in Horn geboren und 1773 in Veldrom gestorben.

Wie es noch im vorigen Jahrhundert üblich war, bestanden die Stelleneinkünfte bei Lehrern und Pfarrern z. T. in Naturalien. Sogar aus Pr. Feldrom mußten noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts von den Stätten Nr. 1—6 jährlich zusammen 36 Eier und 3 Scheffel 6 Metzen Hafer an die Küsterstelle in Horn geliefert werden, obwohl die Besitzer katholisch waren. Die Zugehörigkeit preußischer Stätten zur Parochie Horn wurde erst im Zuge der Säkuralisierung von der westfälischen Regierung unter König Jerome aufgehoben. (Feldrom und Kempen gehörten früher zum Küchenamt Neuhaus im Rentamt Dringenberg des Bistums Paderborn-Oberwaldischer Bezirk.)

Nevelyn Meyer gibt selbst als seine kärglichen Einkünfte an: Was zu Lebensunterhalt der schule zum Felderom gehöret ist wie folgt:

  1. daß Haus mit einem Kleinen Kohlgarten
  2. ein Büchen Baum zu Bren Holtzes
  3. von der Kammer 12 Thl
  4. von den Schule Monatsgeldern 4 Thl
  5. sechs Scheffel Rocken Welche ich von dem Meyers zu Brünterop selbst langen muß
  6. vor die Beht Stunde 16 Schöbe Korn welche ich von dem Felde da es wechset langen muß
  7. auch habe ich nicht mehr als 17 schule Kinder von einem jeden Jährlich 18 Groschen schule geldt opfergeld und Kermißegeldt Kriege ich nicht

Die Zeit Meiner Bedienung ist 29 Jar 7 Monate
Feldrom den 3 October 1772
Neveliens Meyer Schulmeister daselbst.

1 von der Kammer 12 rthl
2 schulmonatsgelder 5 rthl
3 Rocken 6 scheffel
ä. 24 grsch. 7 rthl
4 16 schöbe 1 rthl 28 grsch
5 schulegeld 18 Kinder 9 rthl
6 Büchenbaum 2 rthl
7 Wohnung u. garten 3 rthl
36 rthl 28 grsch

Eine wahrhaft fürstliche Entlohnung!

 

Von 1865—1890 wirkte als Lehrer in Veldrom Heinr. Schacht, der sich als Ornithologe einen Namen machte und seine Vogelbeobachtungen in der „Vogelwelt des Teutoburger Waldes“ festhielt. (Man lese Karl Meier-Lemgo, Wanderfahrten durch Lippe.)

Nach den Schriftzügen zu urteilen entstand in Detmold im 18. Jahrhundert ein dem Jahre nach in der vorliegenden Skizze (mitgeteilt durch W. Meier-Detmold) nicht festlegbares Siedlungsprojekt. Es sah Haus und Garten vor für 10 Halbspänner, 15 Großkötter, 13 Mittelkötter, 22 Kleinkötter. Die Stätten sollten eng aneinandergereiht parallel zur „Paderborner Schnat“ zwischen Veldrömer Egge und Bach liegen, etwa dort, wo heute die Landstraße I. O. Horn—Altenbeken verläuft, die jedoch erst 1860 — etwa gleichzeitig mit den Straßen nach Leopoldstal und Bellenberg — entstand. Die einzige Verbindung nach Horn war ein tiefer, an vielen Stellen heute nur noch von Kundigen feststellbarer Hohlweg. Er verlief zunächst entlang der Landesgrenze, durchquerte den Silberbach oberhalb der Kattenmühle und zog sich etwa parallel zur jetzigen Straße am Hang des Buchenberges und der Schwarzen Heide entlang zur Brücke über den Tangenbach beim Waldschlößchen.

Die genannten Neusiedlungen sind nie zur Ausführung gekommen. Sie hatten beim Haus nur wenig Raum. Wenn auch anzunehmen ist, daß das Kammerland auf dem Fohlenkamp und vielleicht weiteres zur Meierei gehöriges Land an die zu erwartenden Siedler aufgeteilt werden sollte, so lag dieses Land weit entfernt und über 400 m hoch, so daß auf kurzer Strecke ein Höhenunterschied von 60—70 m zu überwinden war. Vermutlich fanden sich deswegen keine oder nur wenige Interessenten.

Die Armut der Einwohner rührt bei dem Mangel an Erwerbsmöglichkeiten nach Isermann daher, daß „Veldrom in einer der unfruchtbarsten und ärmsten Gegenden des Landes liegt, in einer Gegend, von der es in einem — wie ich meine, von dem Sanitätsrat Dr. Fr. W. Weber zu Thienhausen herausgegebenen — Werke der Neuzeit heißt, daß da jährlich 10 Monate Winter und 2 Monate schlechtes Wetter sei.“ So schlimm wie Weber, der Dichter des Epos „Dreizehnlinden“, es schildert, ist es gottlob nicht, so daß heute bei der verbesserten Anbauweise durchaus erträgliche Ernten erzieh werden.

Gerührt durch die Notlage der Bewohner Veldroms, kaufte 1854 die Frau Hofjägermeister von Donop zu Detmold die Stätte Nr. 33 mit Haus und Landbesitz und gründete hier eine Armenspinnschule. Die Aufsicht über das Stiftungsvermögen wurde dem Konsistorium übertragen. In diesem Hause Nr. 33 wurden die Kinder, auch von Preußisch Feldrom (!), von einer Spinnlehrerin im Spinnen und Handarbeiten unterrichtet und auch beköstigt. Die Stiftung, die heute nicht mehr den ursprünglichen Zweck erfüllen kann, besteht noch. Das Barvermögen aber ist durch die Währungsveränderungen verfallen. Von einer besonderen Notlage kann auch heute in Veldrom nicht mehr gesprochen werden.

(Die älteren Angaben wurden den Lippischen Regesten und Isermanns Nachrichten aus Horn entnommen.)

Quelle: Heimatland Lippe 09.1964 – Von Otto Rehme

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