Bergbau in Lippe in alter Zeit

Bergbau im 16. Jahrhundert - Vor dem Einsatz der Wasserkraft hoben “Haspelknechte” Bergleute, Erz, Gestein, Wasser und Werkzeuge ans Tageslicht

In früheren Jahrhunderten wurde in Lippe an vielen Orten Bergbau betrieben. Man schürfte, grub und bohrte eifrig nach Eisen, Kohle, Blei, Kupfer, Silber und Kali. Bis in die neueste Zeit wurden diese Versuche angestellt, mit wechselndem Erfolge. Auch die Bohrungen nach Heilquellen gehören hierher, in Bad Salzuflen und in Bad Meinberg, die einen vollen Erfolg ergaben und heilsame Quellen erschlossen.


Die Eisenschmiede zu Kohlstädt

Eine Urkunde von 1365 besagt, daß Junker Simon III zur Lippe den Brüdern Ritter Heinrich und Johann gen. Westphelinge seinen Hagen zu Kohlstede (Kohlstädt) versetzt, mit den Meierhöfen, Smeden (Schmieden) und Schmiedewerken und gestattet, daß die „Ysern Smede“ auf seinem „Yserstein“ graben und in seinem Walde kolen (Kohlen brennen), soviel sie zu der Schmiede bedürfen. Das Dorf Kohlstädt, das schon 1015 und 1036 erwähnt wird, lag in früheren Zeiten mitten im Walde und hat seinen Namen zweifellos von dem Kohlenbrennen. 1410 verpfändet Bernhard zur Lippe „dat Ysern“, die Eisenhütte zu Kohlstädt, an Johann de Buck und in einem Landschaftsregister von 1535 wird erwähnt, daß Graf Simon „nach der Eisenhütte oberhalb Horn“ (Kohlstädt) dem „Ysernmester“ 40 Gulden zahlt. Dann hört man nichts mehr vom Eisenwerk zu Kohlstädt, es geriet allmählich in Vergessenheit.

Silber, Blei und Kupfer bei Horn

Dagegen unternahm um 1591 der Graf Simon VI. auf seine Kosten in der Nähe von Horn einen Bergbau auf Silber- und Kupfererze. Man setzte die größten Hoffnungen auf dieses Beginnen; Bergleute aus dem Erzgebirge und aus dem Harz wurden herangeholt und viel Geld wurde vertan. Der Graf erwirkte ein kaiserliches Berg- und Münzprivilegium, bestellte Münzmeister aus dem Jülischen und aus dem Hessischen und plante die Errichtung einer eigenen Münze in Lemgo, an Stelle der alten Lemgoer Münze, die schon in Urkunden aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts vorkommt. Aber Silber wurde nicht gefunden, oder nur in ganz unzureichenden Mengen. Auch bei Grevenhagen legte man eine Grube an und glaubte, Silbererze gefunden zu haben; aber es war auch wieder eine Täuschung. In der Gegend von Rothensiek und bei Heesten schürfte man nach Steinkohlen, und ebenso bei Oerlinghausen und an der lippischen Grenze bei Marienmünster. Bei Bremke in der Vogtei Heiden grub man nach Erzen, bei Holzhausen im Amt Horn nach Bleierzen. Doch alles erwies sich als vergeblich und nach kurzer Zeit wurden diese Versuche aufgegeben.

Bergbau beim Köterberg

Eingehender beschäftigte man sich mit einem um 1592 bei Falkenhagen begonnenen Kupferbergwerk. Einige Jahrzehnte vorher schon, 1520 bis 1536, war am Köterberg Bergbau betrieben worden. Nun hatte man die alte verfallene Grube wieder entdeckt und setzte große Hoffnungen auf deren Neuerstehung. Ein Hüttenwerk wurde bei Rischenau errichtet, Wohnungen für die Bergleute wurden erbaut, ein Bergverwalter aus der Grafschaft
Mansfeld, wo der Silberbergbau in Blütestand, angestellt, und dann eifrig gearbeitet. Aber der Segen des Bergbaues wollte nicht kommen. Zwar fand man Schwarzkupfer und andere Erze; bei Wörderfeld entdeckte man einen 20 Fuß mächtigen Gang von rotem Erz. Alles das ergab jedoch keinen nennenswerten Ertrag. Mit einem Aufwand von 4 1/2 Tausend Talern war ein Pfund Garkupfer hergestellt. Das war bitter wenig und entmutigte den Grafen. Der Bergbau beim Köterberg schlief ein.

Gold- und Silbersucher

Um diese Zeit trat auch ein Scharlatan in Lippe auf, der Gold machen zu können vorgab. Die Alchimisten waren damals überhaupt große Mode. Der Graf fiel auch darauf hinein, mußte viel Geld für den Schwindel hergeben, aber Gold bekam er natürlich nicht zu sehen. Jedoch er hatte ja das kaiserliche Münzprivilegium. Also ging er daran, eine eigene Münzstätte anzulegen, und da die alte Lemgoer Münze so verfallen war, daß die Instandsetzung sich nicht lohnte, so wurde die neue Münze in den Gewölben des Schlosses zu Detmold eingerichtet. Die lippischen Bergwerke aber lieferten, wie wir gesehen haben, kein Silber, nicht einmal Kupfer, so ließ der Graf für mehrere Tausend Taler Silber in Braunschweig kaufen und im Jahre 1598 nahm die Detmolder Münze ihren Betrieb auf. Man prägte Taler, Fürstengroschen, Mariengroschen und Dreier. Eine Anzahl dieser Münzen, wie auch der alten Lemgoer, ist noch erhalten.

Kohle

An anderen Stellen des Landes wurde der Bergbau zwar nicht ganz aufgegeben, stellenweise auch wieder auf genommen; man beschränkte sich aber auf Kohle. Doch nirgends war ein günstiges Ergebnis zu erzielen. Im Jahre 1788 wurde am Sternberg bei Berlebeck nach Kohle gesucht. Bergleute aus Minden fanden dort auch Kohlenspuren, „aber nur wenig“. Ebenso fanden sich bei Oerlinghausen Spuren von Steinkohlen. Jedoch auch hier mußte der Bergwerksbetrieb wieder eingestellt werden, weil nach bergmännischen Erfahrungen nicht zu erwarten war, daß ohne Zubuße abgebaut werden könnte. In neuester Zeit, vor ein paar Jahrzehnten, schürfte man in der lippischen und preußischen Senne nach Kohle. Man fand auch einige Brocken, wie dort schon früher, und schon sah man in der Senne ein Kohlenrevier entstehen. Aber es wurde nichts daraus, der Abbau wäre nicht lohnend gewesen.

Und dann Kali

Zu Anfang dieses Jahrhunderts befaßte man sich, wie anderwärts, so auch in unserem Lipperlande sehr eingehend mit Kalibohrungen. An drei Stellen im Lande wurden 1910—1911 die Bohrungen angesetzt, in den Ämtern Detmold, Lage und Oerlinghausen, auf der Waldheide bei Heidenoldendorf, bei Hardissen und bei Wistinghausen. Aber auch sie hielten nicht, was man sich von ihnen versprochen hatte. So hatte man in Lippe schließlich auf den Bergbau gänzlich verzichten müssen.

Heilquellen

Um so schöneren Erfolg hatte man mit Bohrungen nach Heilquellen in dem schon im Jahre 1048 in den Paderborner Annalen als Salis Uflen erwähnten Bad Salzuflen. Thermal- und Solquellen traten dort zu Tage; die mächtigste, der Leopoldsprudel, wurde 1906 in 534 Meter Tiefe erbohrt. Bad Meinberg mit Schwefelmoor, Kohlensäure und Mineralwasser ist schon seit 1676 als vortreffliches Heilbad bekannt. — Als Dritter im Bunde wollte oder sollte Detmold sich hinzugesellen. Vor etwa 30 Jahren bohrte man beim Neuen Kruge und bei der Inselwiese nach Heilquellen. Man wollte „Bad Detmold“ schaffen. Das Palais an der Neustadt und der , Palaisgarten sollten Kurhaus und Kurgarten werden, die Inselwiese, die schon einmal Lustgarten war, zum Konzertgarten gemacht werden. So war der damalige Plan. Aber es blieb bei Projekt und Geldausgeben, Wasser kam nicht zum Vorschein. Und Detmold blieb und ist auch ohnedies die wunderschöne Stadt.

Quelle: Lippischer Dorfkalender 1954 – Von W.Bruder.