Der Blomberger Feuerteich

Der alte Blomberger Feuerteich. Lippe2Web 2013

Innerhalb der weiten Kurve, mit der die Bundesstraße 1 beim Forsthaus Blomberg zur Gaffel hinaufführt, liegt nur 100 m vom flitzendem Verkehr — versteckt hinter Gebüsch und Bäumen — ein klarer Teich von rd. 40X50 m Größe, der eng verbunden mit Blombergs Stadtgeschichte von jeher den Namen „Feuerteich“ gehabt hat. Als solcher ist er allen alten Blom-bergern wohlbekannt und vertraut. Durch Abdämmen einer natürlichen Senke hat er sich leicht anlegen lassen, um die letzte, wichtige Löschwasserreserve im wasserknappen Blomberg zu sein. Er hängt mit dem Huxwiedebach zusammen und ist wahrscheinlich bald nach ihm, vielleicht aber auch im großen Wurf gleichzeitig mit ihm geschaffen worden.

Für diesen alten Zweck wird er schon seit Ende des vorigen Jahrhunderts nicht mehr benötigt, nachdem die städtische Wasserleitung mit Hydrant-Anschlüssen verlegt worden war und die 1877 gegründete freiwillige Feuerwehr nach und nach immer methodischer und moderner mit Pumpen und Schläuchen Bränden zu Leibe gehen konnte. Was Wunder, daß heute der Sinn des alten Namens „Feuerteich“ nicht mehr verstanden und immer gedankenloser von einem Löschteich im heutigen, alltäglichen Sinne gesprochen wird. Die Turbulenz dieses Jahrhunderts mag das ihre noch beigetragen haben. Aus Kindheitserinnerungen ist uns Alt-Blombergern der Feuerteich ans Herz gewachsen. Ich möchte deshalb mit diesen Zeilen versuchen, allen Heimatfreunden seinen Namen, seine Funktion und heute kaum noch vorstellbare Bedeutung verständlich zu machen.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, daß Feuerteich und Schützenteich nicht miteinander verwechselt werden dürfen.

Für beide Teiche setze ich die gleiche Tiefe von 0,75 m ein (sehr zum Nachteil des Inhaltes des Feuerteiches gegenüber dem des Schützenteiches).

Es ergeben sich nun folgende Inhalte: Feuerteich

40 m x 50 m x 0,75 m = 1500 m3

*) Schützenteich

20 m x 55 m x 0,75 m =    825 m3

Gefüllt und durchflössen wird der Feuerteich von dem Bächlein, das von der Gaffel herabkommt. Wenige Meter nach dem Ausfluß mündet in dieses erste Bächlein ein zweites ein, das unterhalb der Nordwesthänge des Winterberges im Kleinen-Bärental (rechts neben der wunderschönen Waldstraße Forsthaus — Turm — Hiddensen — Eschenbruch) entspringt. Obwohl dieses zweite Bächlein heute das schwächere ist, gilt es doch als das Quellwasser des Diestelbaches. Mit dem Zusammenfluß dieser beiden stetigen, aber auch rasch anschwellenden Bächlein tritt der Oberlauf des Diestelbaches in Erscheinung. Von diesem markanten Punkt an möchte ich den Laufbeginn des Diestelbaches in meinen Ausführungen festlegen.

Allgemein bekannt ist, daß in Alt-Blom-berg vordringlich für die Heranführung des existenzwichtigen Löschwassers (auch Tränk-und Gebrauchswasser — aber kein Trinkwasser) bereits in einem früheren Jahrhundert der für ein so kleines Gemeindewesen bewunderungswürdige, rd. 3 km lange Huxwiedebach gegraben worden war. Es hat damals für die Lösung der Wasserfrage tatsächlich keine andere Möglichkeit bestanden. *) Gespeist wurde der Huxwiedebach ursprünglich wohl nur aus dem Stadtbrunnen etwa in Höhe Forsthaus. Nach Durchlauf des Huxwiede-baches wurde das Wasser dann direkt vor den Mauern der Stadt im Schützenteich gespeichert.

Wenn jetzt in Verbindung mit der damaligen Brandbekämpfung in Blomberg noch ein weiterer Teich — der genannte Feuerteich am Oberlauf des Diestelbaches — auftaucht, so kann nur die Möglichkeit vorgelegen haben, daß die aus dem Hux-wiedebach/Stadtbrunnen allein zur Verfügung gestandene Wassermenge, vielleicht mit Wachsen des Stadtwesens, nicht mehr ausgereicht hat. Aber Huxwiedebach und Diestelbach sind doch zwei ganz getrennte Wasserläufe! Wie kam denn das Wasser des Feuerteiches in den Huxwiedebach? Wir werden gleich sehen, wie unsere Altvordern das sehr einfach und geschickt gemacht haben, wobei ihnen allerdings die große Lehrmeisterin „Not“ im Nacken gesessen haben wird.   •

Feuerteich (von Osten gesehen)

Doch wenden wir uns zunächst einmal der möglich gewesenen Leistung des alten Stadtbrunnens zu. Sein Sprudeln ist leider ganz versiegt, nachdem die Quelle mit der Verlegung der städtischen Wasserleitung abgefangen werden mußte. Aber das alte Brunnenportal — eine Mauer aus gutgefügtem Trocken-Bruchstein-Mauerwerk rd. 1 m hoch und 4 m lang — hat die Zeiten überdauert und ist noch gut erhalten vorhanden. Hier am alten Stadtbrunnen be-

ginnt der Huxwiedebach. Es wird wohl nichts mehr darüber vorliegen, wie stark die Schüttung des Stadtbrunnens einmal gewesen ist. Wir müssen sie als starke Quelle mit 9 cbm Wasser je Stunde schätzen. Billigerweise müssen wir aber im 3 km langen, offenen Huxwiedebachgra-ben mindestens 20% —1,8 cbm für Versickern und Verdunsten abziehen. Und nun ergeben sich folgende interessante Zahlen:

Nutzmenge des Huxwiedebach es in Blomberg stündl. 7,2 m3, min. 120 1, sec. 2 1

Durchflußzeit durch den Huxwiedebach (angen. Inhalt 3 km X 20 1 = 60 m3) 7,4 Std.

Totalfüllzeit des Schützenteiches (Inh. 0,75*) X 20  X  55 m = 825 m3) = 4,8 Tage.

So knapp war das Löschwasser, so klein der Speicher „Schützenteich“ und so lange die Füllzeit. Das waren wirkliche Wassersorgen! Interessant ist es, was die Uralt-Blomberger nun zur Behebung oder wenigstens zur Besserung der Wasserkalamität machten. In Höhe Stadtbrunnen (km 41,4 der B 1) fließen Huxwiedebach und Diestelbach in nur rd. 80 m Entfernung kurzstreckig in fast gleicher Richtung und Höhenlage  in  derselben  Talmulde nebenein-

ander her. Bei außerordentlich günstigen örtlichen Verhältnissen — der Diestelbach fließt hier in einem Einschnitt am Hang — wurde mittels eines Grabens eine Verbindung zwischen beiden Bächen geschaffen und ein Stau im Diestelbach angebracht. Und nun konnte das Diestelbachwasser nach Belieben in den Huxwiedebach hinüber geleitet werden. Die Wasserführung des Diestelbaches hier am Oberlauf mag heute rd. 15 1 je Sek. betragen. Zapfte man ihm nur 10 1 ab, so war der Huxwiedebach schon um das Fünffache verstärkt (2 : 10).

Nun war der Wasserzulauf in Blomberg vergrößert. Was man aber scheinbar nicht hat vergrößern können, das war der Schützenteich — diese wichtige Löschwasserreserve bei Bränden. Er lag an einem Hang. Ich möchte annehmen, daß die Erdarbeiten bei einer Erweiterung deshalb schwierig und umständlich gewesen sein dürften. Mit viel einfacheren Mitteln ließ sich oberhalb des Staus im Diestelbach ein zweiter Löschwasserteich anlegen, indem nur eine natürliche Mulde abgedämmt wurde. So entstand unser Feuerteich, der im Ernstfall dem Schützenteich zeitlich rasch nachgeschaltet werden konnte. Der Löschwasserversorgung in Blomberg war damit tatsächlich die Krone aufgesetzt.

Lageskizze Feuerteich

Aus der beigefügten Lageskizze „Feuerteich —Diestelbach    —    Huxwiedebach“    ist   der wichtige Zusammenhang zu erkennen.

*) Früher ist wegen der primitiven Löschmöglichkeiten der Wasserverbrauch bei Feuersbrünsten sehr groß gewesen. Wie uns dargestellt worden ist, mußten zur Löschwasserherbeiführung öfters in Zugangswegen und Straßen rasch offene Gräben ausgehoben werden. Unter solchen Bedingungen sind auch die 825 cbm Löschwasser des Schützenteiches in wenigen Stunden verbraucht gewesen. So weit wird es aber nicht gekommen sein, denn bis dahin war das Wasser aus der Notreserve „Feuerteich“ da.

Nun ist es verständlich, wie in der alten Zeit mit dem 3 km entfernten Feuerteich mit seiner Wasserreserve von mindestens 1500 cbm gearbeitet worden ist. Wurden in Blomberg dem Schützenteich durch Brand oder andere Vorkommnisse viel Wasser entnommen, dann mußte ein Läufer oder Reiter (das Reitpferd war zu jener Zeit das schnellste Beförderungsmittel über Land) auf schnellstem Wege zum Feuerteich. Das Stau am Verbindungsgraben wurde ganz geschlossen und erhöht und das Schutt im Feuerteich nach und nach gezogen. So langsam der Huxwiedebach normalerweise auch dahinfloß, ließ man auf die geschilderte Weise vom Feuerteich durch Diestelbach-Verbindungsraben einen Wasserschwall in ihn einschießen, dann war die Flutwelle des Reservewassers in kurzer Zeit in Blomberg. Länger als eine Stunde dürfte die ganze Einschaltung des Feuerteiches wohl nicht gedauert haben. Bis dahin war der Schützenteich noch nicht leer.

Aber der Huxwiedebach diente ja in ebenfalls wichtiger Weise dem Alltagsleben in der Ackerbürgerstadt Blomberg als Tränk- und Gebrauchswasser *).. Bei dem verzweigten und doch schon weitreichenden Leitungsnetz möchte ich annehmen, daß Sparsamkeit im Wasserverbrauch immer notwendig gewesen ist. Vielleicht hat man die   Stadtwasserversorgung   nachts   abge-

stellt. Der Schützenteich konnte tagsüber in begrenztem Maße Zuspeisen, nachts wurde er wieder aufgefüllt. Der eingesetzte Wassermeister (Huxwiedeverwahrer*) wird mit Überwachung, Kontrolle, An- und Abstellen und Einregulieren des gesamten Teich- und Grabensystems tagtäglich voll beschäftigt gewesen sein.

Auf einen wichtigen Nebenzweck des Feuerteiches darf noch geschlossen werden. Er diente auch der Sauberhaltung des langen und träge durchflossenen Huxwiede-bachgrabens, der bei kräftiger Einschaltung des Feuerteiches praktisch und gründlich durchspült wurde, wie es sicherlich von Zeit zu Zeit notwendig gewesen ist.

Wir haben nun gesehen, wie segensreich sich der kleine Diestelbach schon an seinem Laufbeginn für die Blomberger Stadtwasserversorgung ausgewirkt hat. Der Huxwiedebach ist eigentlich als Querverbindung im Bogenlauf des Diestelbaches um Blomberg anzusprechen, in Höhe des heutigen Bahnhofsplatzes mündete er wieder in ihn ein.

Am alten Stadtbrunnen (von Osten gesehen)

Am alten Stadtbrunnen (von Osten gesehen)

Um 1900 war der alte Stadtbrunnen bereits versiegt, aber der Schützenteich wurde noch lange Zeit weiter vom Diestelbach aus gefüllt gehalten. Er bildete wohl immer noch eine Löschwasserreserve, von der man sich nicht trennen wollte. Im Winter wurde er für die Eiskeller abgeeist. Noch um 1905 sind wir Kinder auf ihm Schlittschuh gelaufen. Um 1910 waren noch Reste des Staus im Diestelbach vorhanden.

Was ich versucht habe zu schildern, halte ich für das Herzstück der alten Blomberger Stadtgeschichte. Rat, Bewohnern und Freunden dieser reizenden Stadt sollte klar sein, daß, von Natur aus auf knappster Basis, nur diese Wasserversorgung möglich war und ihre glückliche und geschickte Kombination „Schützenteich — Huxwiedebach — Stadtbrunnen mit Verbindungsgraben — Diestelbach — Feuerteich“ noch bis zum vorigen Jahrhundert ihre Lebensund Entwicklungsmöglichkeit bedeutet hat.

In noch nicht einmal 75 Jahren hat sich bereits weitgehend der Schleier des Ver-gessens über das einmal so wichtig gewesene alte Teich- und Grabensystem gebreitet. So schnell geht das Vergessen! Name und Zweck des Feuerteiches erschienen mir hierbei am gefährdetsten. Ich würde mich   freuen,  wenn   ich  mit diesen Zeilen der so wichtigen Überlieferung gedient hätte.

Diese Abhandlung lehnt sich an den interessanten und ausführlichen Artikel „Der Huxwiedebach“ von Studienrat H.-W. Rolf, Blomberg, im Märzheft 1964 „Heimatland Lippe“ Daraus entnommene Angaben sind mit *) gekennzeichnet.

Hier an der B1 zwischen Blomberg und Barntrup, gegenüber der Abfahrt nach Siekholz, finden sie den alten Blomberger Feuerteich.