11. Dezember 2015

Vom Familiengold

Unter meinen Ausweispapieren hatte ich lange Jahrzehnte eine Bescheinigung meiner Schule verwahrt. Darauf stand zu lesen, daß der „Vorzeiger dieses“ berechtigt sei, Goldstücke zu sammeln. Das ist wahr und wahrhaftig geschehen, und zwar kurz nach Beginn des ersten Weltkrieges.

Dieses gemünzte Gold ist nun freilich nicht gemeint, auch kein Goldschatz, welcher Art auch immer. Wenn Frau Roser-Kirchhof im folgenden vom Familiengold spricht, so meint sie damit das, was uns heute weithin verloren gegangen ist: den Schatz heiterer oder ernster Erlebnisse aus Verwandtschaft und Bekanntschaft. [...]

17. Juli 2015

Das Lemgoer Armsünderglöcklein

Immer wieder klangen mir diese Worte in den Ohren, als ich daran ging, die Geschichte des Lemgoer Sünderglöckleins zu erforschen. Es war mir, als habe dem Dichter bei seinen Versen das Bild unserer Alten Hansestadt vor Augen geschwebt. Denn auch Lemgo hatte im Mittelalter einen gewandten Glockengießer und eine „Sünderglocke“, die ein Meisterwerk der Glockengießerkunst war.
26. Juni 2015

Das Lemgoer Leinengeschäft seit dem Dreißigjährigen Kriege

In der Lemgoer Kaufmannschaft war während des 30jährigen Krieges der alte Hanseatengeist erstorben. Unternehmungslust und Wagemut waren dahin. Doch als das erste, schlimmste Jahrzehnt nach dem Kriege überstanden war, kamen einsichtige Kaufleute zu der Überzeugung, daß sie ohne Belebung des Exporthandels weiterhin eine kümmerliche Existenz fristen müßten.
9. April 2015

Lieme, eine der Urgemeinden des Lippischen Landes

Den Fahrgast der Eisenbahn Hameln bis Bielefeld, der in der Nähe der Station Hörstmar seine Blicke nach Nordwesten schweifen läßt, grüßt in etwa zwei Kilometer Entfernung der schmucke Turm der neuen Kirche in Lieme. Von den Häusern des Dorfes ist kaum etwas zu sehen; sie ducken sich in die Niederung des Begatales, das sich schon hier zu der Schötmarschen Ebene hin ausbreitet, in der sich Bega und Werre vereinigen.
26. Februar 2015

Bauernschaft und Bauernrichter in der Stadt Lemgo

Kulturbilder aus Alt-Lemgo

Als ich jüngst auswärtigen Besuch zu den schönsten Bauten in meiner Vaterstadt Lemgo führte, fiel ihm eines jener alten Straßenschilder auf, die noch aus den Zeiten unserer Großväter übriggeblieben sind, während andere moderneren Platz gemacht haben. Auf den alten stehen außer den Straßennamen rätselhafte Buchstaben: ..Mittelstraße N. B.“ oder „Breite Straße H. G“. Verwundert fragte er nach dem Sinn. Ich erzählte ihm, daß früher alle Häuser der Stadt neben einer Zahl durch solche Buchstaben gekennzeichnet waren; über der [...]

14. Februar 2015

Kinder, die des Teufels sind

Die Hexenjustiz ist, aufs Ganze gesehen, von einer grauenhaften Einförmigkeit in allen Teilen Deutschlands. Als eine der Besonderheiten in den lippischen Prozessen aber verzeichnen wir die ungewöhnlich verhängnisvolle Rolle, welche die Kinder dabei gespielt haben.
31. Januar 2015

Die Entstehung des Dorfes Wiembeck

Zu den jüngsten Siedlungen im Lipperlande gehört auch das Dorf Wiembeck in der Reihe der sogenannten Hagendörfer. Es war im 12. und 13. Jahrhundert, zur zeit der Gründung der ersten deutschen Kolonie im Baltenlande, als fleißige, knorrige Bauern gen Osten zogen, um brachliegenden fruchtbaren Boden zu bebauen.
22. Januar 2015

Alt- und Neu Lemgo

Von Dr. Ernst Weißbrodt – Aus Lippischer Kalender 1926 Zu dem “Lippischen Kalender“ hat Lemgo als die älteste Buchdruckerstadt des Landes engere Beziehungen als die anderen Städte; war doch der erste Kalenderdrucker, Albert Meyer, ein Lemgoer Bürger, der am 15. Februar 1676 von dem damaligen Grafen Simon Henrich “Privilegium und Freiheit“ erhielt, “daß alle dasjenige, was in dieser Grafschaft von Gesang und anderen Büchern, Leich-Predigten, Verschen, Calendern und sonsten . . . aufzulegen oder zu trucken vorkömt, nirgend anders als zu [...]

31. August 2014

Gewerbliches Leben in Lemgo um 1900

Die große Industrie fehlte völlig, doch waren fast alle Handwerke vertreten. Viele sind inzwischen der Konkurrenz der Maschinenarbeit erlegen, so die Leinen- und Drellweber12Der Drellweber fertigte Drillichgewebe, Zeugmacher und Wollspinner, die Blau- und Schönfärber, die Filzschuh- und Filzhutmacher, die Holzschuh- und Galoschenmacher, Meerschaumdrechsler, Pfeifenschneider, Zinngießer sowie Nagel- und Kupferschmiede. Alle Handwerker, ja selbst Tagelöhner und Einlieber betrieben nebenher in größerem oder geringerem Umfange Garten- und Ackerbau mit Viehzucht.

Hempelmanns Scheune, Ostseite der Breiten Straße, ehemals Gerberei.

Es gab in der Stadt auch viele Bürger, die den [...]

29. Juli 2014

Bilder aus Kirchheides Vergangenheit

Bilder aus Kirchheides Vergangenheit und die Anfänge der Dorfschaft Brüntorf

Dieser Beitrag ist die überarbeitete und erweiterte Fassung eines vor mehreren Jahren auf Einladung des Landwirtschaftlichen Vereins Kirchheide gehaltenen Vortrags. Dabei war es ein besonderes Anliegen des Referenten und der Veranstalter, möglichst ausführlich die überlieferten historischen Zeugnisse selbst zum Sprechen zu bringen. Alle wörtlichen Zitate stammen aus Unterlagen im Staatsarchiv Detmold.

Der KrämerUnter der Regentschaft der Fürstin Pauline, am 21. Mai 1802, erschien beim zuständigen Amtsvogt in Varenholz, der damals auf Gut Niederntalle saß, Bernd [...]

18. Februar 2014

Lemgoer Strohsemmel

Es ist ein besonderes Merkmal der deutschen Bäckerei, daß sie außerordentlich viele Brotsorten und Gebäcke anbietet. Nahezu jede Stadt und jeder Bezirk hat insbesondere beim Kleingebäck Spezialitäten, die zum Teil auf eine lange Geschichte zurückblicken können und die zum Teil auch nur an bestimmten Tagen des Jahres hergestellt werden. In ihrer geschichtlichen Entwicklung gehen diese Gebäckspezialitäten in vielen Fällen auf die sogenannten Gebildbrote in der Vorzeit zurück, also auf Opferbrote, die den Göttern bei den großen Festen des Jahres und bei [...]

16. September 2013

110 Jahre »Eben-Ezer«

Ein Beitrag zur 110 jährigen Geschichte Eben-Ezer’s  – von Hubertus Brennig aus der Zeitschrift „Heimatland Lippe“ 03/1972

Topehlen-Denkmal vor der Hauptverwaltung der Anstalt. Im Hintergrund das große Männerhaus.

„Eben-Ezer“ ist eine Stätte im Alten Testament (1. Sam. 7, 12) und bedeutet „Stein der Hilfe“. „Stein der Hilfe“ für geistig behinderte Menschen will auch die „Heilerziehungsund Pflegeanstalt Eben-Ezer“ in Lemgo sein. Rund 1 200 Pflegebefohlene — Kinder und Erwachsene, pflegebedürftig oder noch zu fördern und zu erziehen — werden in den Häusern der Anstalt [...]

9. September 2013

Von Beguinen, Klosterdamen und verborgenen Schätzen

Das Beguinenhaus ist wohl eine der ältesten Stiftungen der Stadt Lemgo; es wird schon in einer Urkunde aus dem Jahre 1285 erwähnt, … ist dann wohl im Laufe der Jahrhunderte etwas heruntergekommen, denn jetzt ist es der letzte Unterschlupf für alte, arbeitsunfähige Jungfrauen der niederen Stände. Auf uns Kinder übte es eine große Anziehungskraft aus. Es kam uns vor wie das Häuschen der sieben Zwerge im Märchen; denn auch hier war alles für sieben Personen zugeschnitten. Nur daß es dort [...]

11. August 2013

Hexenverfolgungen und städtische Gesellschaft im frühneuzeitlichen Lemgo

„Hexenjagden" - zeitlich dicht gedrängte Serien von oft miteinander verknüpften Prozessen - fanden in unterschiedlicher Intensität in den Jahren zwischen 1550 und 1700 in ganz Deutschland und zeitlich versetzt auch in anderen mitteleuropäischen Staaten statt Lemgo war 1550 bereits lutherisch und behauptete seinen Glauben zunächst gegen einen katholischen und in der 1617 beendeten Lemgoer Revolte gegen einen reformierten Landesherrn. Es verteidigte auch seine städtische Autonomie gegen die vereinnahmenden Tendenzen des entstehenden lippischen Territorialstaates, und diese Autonomie basierte nicht zuletzt auf seiner wirtschaftlichen Kraft.
9. August 2013

Als Schloß Brake noch Landesresidenz war

Über eine Sonderausstellung im Weserrenaissance-Museum

Vom 27. Mai bis zum 4. November 1990 wurde im Weserrenaissance-Museum Schloß Brake die Sonderausstellung „Residenz der Renaissance — Schloß Brake“ gezeigt. Nach der Eröffnungsausstellung, in der programmatisch die künftigen Arbeitsgebiete des Museums umrissen wurden, geht es nun darum, besonders interessante Aspekte zu vertiefen. Anhand der bewegten Bau- und Kulturgeschichte des Wasserschlosses Brake bei Lemgo werden in dieser Ausstellung exemplarisch Aufgaben und Funktion eines Residenzschlosses, mit dem Schwerpunkt der Zeit um 1600, erläutert.

Nicht nur die Museumsbesucher [...]

22. März 2013

Der „Kropsche“ Folterkasten im Museum Hexenbürgermeisterhaus

„DIE RACHE GOTTES ERWACHE …“ ANNO 1773/74:

Ein dreifacher Mord und die letzte Hinrichtung in Lemgo

1. Die Opfer der Mordtat und ein mögliches Tatmotiv

1.1 Die Entdeckung der Mordtat Am Pfingstmorgen des Jahres 1773 um 6 Uhr früh wurde der Lemgoer Obrigkeit ein dreifacher Mord gemeldet. Eine Stunde später begaben sich die beiden Bürgermeister Johann Anton Benzler und Christian Friedrich Helwing, der Stadtsekretär Johann Albert Hermann Heldmann, der Stadtphysikus Dr. Christoph Heinrich Kruse und der Chirurg Johann Dietrich Mische in das Haus des Bäckers [...]

22. März 2013

Kanonen auf Schloss Brake gerichtet

Kanonen auf Schloß Brake gerichtet

Lemgo/Brake. Die Rebellion der Lemgoer Bürger gegen den Landesherrn Simon. Graf und Edler zur Lippe, weitet sich aus. Nachdem in den vergangenen Tagen die Stadtwälle erhöht und verstärkt und Barrikaden errichtet wurden, sind jetzt alle Tore und Türme mit städtischen Milizen besetzt. Die Rebellen habe alle verfügbaren Geschütze auf die Wälle gerollt. Fünf Kartauen (von Experten als stärkste Kanonen eingestuft) sind auf das gräfliche Residenzschloss Brake vor den Toren der Stadt gerichtet. Auch die Fahnen wurden bereits [...]

22. März 2013

Graf Ludwig zur Lippe, Gründer der Abtei des Stiftes St. Marien in Lemgo und Schöpfer des Abteigartens

Das Kerckmannsche Haus

Das ehemalige Abteigebäude des Lemgoer Marienstifts an der Breiten Straße gibt dem Betrachter einige Rätsel auf. Die geschwungene Freitreppe, der auf Säulen ruhende Balkon, das von Rokoko-Ornamenten flankierte Doppelwappen mit der Jahreszahl 1769 alles das deutet auf einen Barockbau hin. Dagegen weisen die beiden Giebel mit darüberhin laufenden Gesimsen das Haus in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der ungewöhnlich große Massivbau ist bezeugt als Kerckmannsches Haus. Als Erbauer ist der Licentiat Henrich Kerckmann anzunehmen, der von 1579 bis [...]

22. März 2013

Die alte Ölmühle zu Brake

Nirgendwo habe ich den Rhythmus der ewig wesenden Natur, geheimnisvoll und eindringlich zugleich, so stark empfunden wie an der alten Ölmühle zu Brake. In der Erstarrung des Winters, im drohenden machtvollen Rauschen der Wasser in den Tagen der Schneeschmelze, im frühen Frühling, wenn die Weiden sich bräunen, im Mai, wenn die Blattknospen aufbrechen, in der feierlichen Ruhe eines Sommertages, wie im jauchzenden Aufschrei des Herbstes lädt dieses Bild den Besinnlichen zum Verweilen ein.

Sicher gehören Mühlen dieser Art der Vergangenheit an. [...]

22. März 2013

Karl Junker und das Junkerhaus

Einen der seltsamsten Bewohner Lemgos, den Maler Karl Junker, lernten wir schon kennen, als wir noch Kinder waren. Er saß damals oft im Schloßhof neben der Böttcherstube mit seiner Zeichenmappe auf den Knien und malte den Schloßturm. Ein großer schwarzer Schlapphut bedeckte sein finsteres Gesicht mit den sonderbar scheuen Augen, und um den ganzen Mann war eine Welt von Einsamkeit, die sogar wir respektierten. Es ging die Sage, daß er als junger Mann Mitarbeiter des Bayernkönigs an dessen Schlössern gewesen war, [...]