14. Oktober 2017

Des Zieglers Lust und Last

oder: Simon sein Bilderbuch, mit kurzer Beschreibung zu jedem Bilde, von ihm selber. Es sagt Salomo: „Ein jeglicher Mensch, der da isset und trinket und hat guten Mut in aller seiner Arbeit, das ist eine Gabe Gotte.” (Pred. 5, 13.)*

Vorrede. Hier ist mein Bilderbuch. So viel mir bewußt ist, ist nichts Böses darin. Warum sollte ich es also geheim halten. In der Steuer werden Sie mich deswegen ja auch wohl nicht höher setzen, weil ich zuweilen an einem langen Winterabend die [...]

20. September 2017

Aus den Jugenderinnerungen alter Lipper

Der alte Ziegenhirt

Der alte Ziegenhirt von Blomberg, wie er in seiner Jugend zweimal zehn Silbergroschen auf Einmal verdient hat. Das war so zugegangen: Im Jahre 1848, als er noch ein junger, flinker Kerl war, der von enger Brust und rauher Luft nichts wußte, war Abends nach 10 Uhr der Hausknecht von dem alten Theopoldschen Gasthause gekommen, und hatte so lange an der Thür geklopft, bis sich unser Ziegenhirt die Augen rieb und ans den Federn kroch. Fremde Offiziere waren zu [...]

5. Mai 2017

Wie sahen unsere alten Schlösser aus?

Wohl wissen wir, daß sie einstmals da waren, auch daß sie die Geschicke der engeren aber weiteren Heimat weitgehend beeinflußt haben.Sie sind aber zum Teil ganz verschwunden, zum Teil nur in Resten oder Einzelbauten erhalten geblieben, haben ihre Wehrhaftigkeit verloren und lassen die ursprüngliche Größe nach Bedeutung kaum noch ahnen. Mancher hätte aber eine Vorstellung davon, wie sie aussahen und wie ihr Schicksal bis auf den heutigen Tag gewesen ist.

Burg Lipperode

Gewiß sind viele Besucher, die erwartungsvoll zu der alten Lippeburg [...]

10. Dezember 2016

Die alten lippischen Papiermühlen

Vor der Erfindung des Papiers wurde bekanntlich Pergament als Schreibmaterial benutzt. Das Papier ist eine chinesische Erfindung, die um das Jahr 1140 nach Deutschland gelangte, von Frankreich und Italien her; doch noch bis ins 14. und 15. Jahrhundert überwog das Pergament. Die älteste lippische Papierurkunde stammt etwa aus der Zeit vor 1347. Mit der Ausbreitung der Buchdruckerkunst stellte sich jedoch ein immer größerer Papierverbrauch ein und die Zahl der Papiermühlen nahm zu. Auch im lippischen Lande entstanden Papiermühlen. Im Rheinland [...]

21. November 2016

Horn-Bad Meinberg – Zick-Zack-Fahrt durch Lippe“ (1954 – 1958)

Jeden Samstag, als Wochenend-Lektüre zum nostalgischen Schmunzeln, veröffentlichte August Meier-Böke seine bebilderten Dorfbeschreibungen, in insgesamt 204 Folgen ohne Unterbrechung. Am 24. April 1954 begann er die Serie mit dem „längsten Dorf in Lippe“: Augustdorf. Und als die Artikelfolge am 22. März 1958 mit Meier-Bökes Heimatdorf Langenholzhausen zuendeging, erlebte ihr Autor selbst dies nicht mehr mit: Er starb am 31. Oktober 1956, hatte jedoch zuvor die Manuskripte für alle Dörfer fertiggestellt. Horn – Stadt der Ackerbürger Holzhausen – halb Dorf, halb Gästesiedlung Schmedissen – [...]
23. August 2016

Vom Kohlpott bis Lopshorn

Maimorgen mit Buchfinkengeschmetter und Lerchengetriller. Eine erquickende Brise hat sich erhoben, schaukelt sanft die frischgrünen Buchenwipfel und macht, daß das zahllose Heer der Roggenhälmchen eine aufgeregte Unterhaltung beginnt.

Jetzt aber, da ich, von Norden kommend, ins Werretal zum Dorf und Bahnhof Nienhagen hinabschreite, verlassen mich Buchenwipfel und Roggenhalme. Unvermittel bin ich vom Lehm- auf den Sandboden geraten. Eine neue Vegetation umgibt mich: Fichten und Kiefern und zwischen dem dunklen Grün leuchtete bisweilen ein Birkenstämmchen auf.

Da ist der „Kohlpott“, wo nach den bemerkenswerten [...]

26. Dezember 2015

Das Hagenrecht der lippischen Ostmark

Herr Archivdirektor Professor Dr. Philippi veröffentlicht gemeinsam mit Herrn Dr. Grotefend in der diesjährigen Zeitschrift unseres Vereins für Geschichte und Altertumsfunde Westfalens daß einer Corveyschen Handschrift entnommene Hagenrecht von Wichenhofen.
26. November 2015

Kreuzsteine und Steinkreuze in Lippe

Er steht unweit der Schule in einer Gartenmauer, an dem Wege, der nach dem Schling hinanführt. Eine schlichte Sandsteinplatte, 1,3 m hoch, 0,8 breit und 0,2 dick. 1924/25 ist die Kurve vor der Schule verbreitert, der Stein mitsamt der Mauer versetzt. Dietrich Rosenstock hat ihn 1946, als er sich aus der Mauer gelöst, wiederaufgerichtet und mit Draht verklammert.
31. August 2015

Das Fürstlich Lippische Wappen

Die Edlen Herrn zur Lippe gehören einem uralten Herren­geschlechte an. Wir können sie unter diesem, ihrem Familien­ oder Geschlechtsnamen in Urkunden bis in den Anfang des 12. Jahrhunderts (1123) verfolgen, d. h. bis in eine Zeit, in der in Niedersachsen überhaupt erst der Familienname von den edlen Geschlechtern angenommen und erblich fortgeführt wurde.
22. August 2015

Flachsverarbeitung in alter Zeit

Aus Großväter und Urgroßväter Zeiten schreibt ein alter Lipper aus dem Amte Brake, dessen Handschrift erkennen läßt, daß sie noch aus jener Zeit stammt, da man auf „Schönschreiben“ noch großen Wert legte, eine sehr anschauliche Schilderung des Flachsbaues in Lippe, der noch vor hundert Jahren in großer Blüte stand.
7. August 2015

Die unterirdische Glocke

Es waren ein paar ganz gerissene Jungs, der Hinnerk und der Ludewig. Nicht, daß sie ihrem alten Kantor gerade viel Freude machten. Der war im Gegenteil nicht wenig erbost, daß er immer wieder Strafrichter seiin mußte über die Streiche, mit denen die beiden rotbackigen, kräftigen Bauernjungs das Dorf beunruhigten.
15. Juli 2015

Alte Mühlen heute

So richtig es ist, daß die Windmühle im norddeutschen Flachland zum Bilde der Landschaft gehört, so unbestritten dürfte aber auch sein, daß in unserem lippischen Bergland zwar nicht die Windmühle, so doch die Wassermühle seit jeher ein landschaftbelebendes Element darstellt.
20. Juni 2015

Eine Reisebeschreibung Lippes aus dem Jahre 1821

Im Besitze des Herrn Erich Weisser in Hillegossen, Heeperstraße Nr. 60, Papieringenieur der Feldmühle, Papier- und Zellstoffwerke A. G., Werk Hillegossen bei Bielefeld, befindet sidi aus dem schriftlichen Nachlaß seines Urgroßvaters Karl Friedrich Weisser, zuletzt Kanzleidirektor des Geheimen Rats in Stuttgart (geb. 25. September 1796, gest. 7. Juli 1873) ein zweibändiges „Tagebuch auf einer Reise durch die Rheinlande, das Bergische, die Niederlande nach Holland, von da durch Westphalen, Kurhessen, das Königreich Hannover, den Harz und die Mark Brandenburg nach Berlin und zurük über Dresden, Leipzig und Nürnberg nach Würtemberg, angefangen den 19ten Mai 1821, [...]

12. Juni 2015

Die Armen in der Senne

Von den Höhen des Teutoburger Waldes sieht man in eine weite Ebene, die Senne genannt, deren ödester Theil sich zwischen Paderborn, Bielefeld und dem Fürstenthum Lippe hinzieht. Sie gewährt einen eigenthümlichen Anblick, der sich wohl am besten mit der Aussicht vergleichen läßt, die man in der Abenddämmerung, von einem hohem Punkte des Strandes, auf die See hat. Die Täuschung wird noch größer, wenn in den Strahlen der untergehenden Sonne, oder im Mondlicht, die dunklen Wasserflächen einiger Teiche zu leuchten beginnen, die hin und wieder den Sand durchschneiden, [...]

22. Mai 2015

Bergbau in Lippe in alter Zeit

In früheren Jahrhunderten wurde in Lippe an vielen Orten Bergbau betrieben. Man schürfte, grub und bohrte eifrig nach Eisen, Kohle, Blei, Kupfer, Silber und Kali. Bis in die neueste Zeit wurden diese Versuche angestellt, mit wechselndem Erfolge. Auch die Bohrungen nach Heilquellen gehören hierher, in Bad Salzuflen und in Bad Meinberg, die einen vollen Erfolg ergaben und heilsame Quellen erschlossen.

Die Eisenschmiede zu Kohlstädt

Eine Urkunde von 1365 besagt, daß Junker Simon III zur Lippe den Brüdern Ritter Heinrich und Johann gen. Westphelinge seinen Hagen zu Kohlstede (Kohlstädt) versetzt, mit [...]

17. Mai 2015

Die romanischen Dorfkirchen in Lippe

Wenn an den Feiertagen die Glocken zum Kirchgang rufen, so beleben sich auf dem Lande die Straßen und Feldwege mit den Kirchgängern. Viele haben die Kirche gleich im Dorfe, aber zahllose andere müssen einen tüchtigen Weg zurücklegen, um zu ihrem Gotteshaus zu kommen. Besonders im Westen unseres lippischen Landes liegen die Kirchen weit voneinander entfernt, und erst in neuester Zeit hat man sich, angesichts der wachsenden Bevölkerung, bemüht, die Lücken zu schließen.
18. April 2015

Ein Feiertag im Tagesablauf der Vorfahren

Sophie Topp, geb. Tegt, aus Istrup, sagte mir, schon 79jährig, einmal: „Wenn doch kein Sunndag wör, nai, denn möchte eck gornich up de Welt soin.“ Und nach einer Besinnung setzte sie hinzu: „Iuse Herrgott schall wall wußt häbben, worümme heu den Sunndag maket het. Heu hät’n sicher sümst neidig hat na oll de Klabasteroige met de Schöpfunge.“
15. April 2015

Soll das vergessen werden ?

Wie war es früher? Was haben sich unsere Vorfahren dabei gedacht, wenn sie allem, was in ihrem Lebensablauf eine Rolle spielte, und wenn sie ihrem Glauben an übersinnliche Dinge in Sprichwörtern, Redensarten und Bräuchen Ausdruck verliehen? Waren sie so primitiv und rückständig, wie um dies heute oft erscheinen mag? Haben wir ein Recht, über ihre Anschauungen mitleidig oder erhaben zu lächeln?
3. April 2015

Altlippische Tischsitten

Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Nach solchem trachteten sie zu Großmutters Zeit beinahe noch mehr als heute und waren doch ebensowenig „Heiden“ wie wir. Es geschah ja nicht aus einer Lust des Lebens, sondern aus seiner Last; besonders im Zeitalter des Untertanen- und des Dreiklassenwahlrechts.
2. April 2015

Auf den Spuren der Hugenotten in Lippe

Im Lippischen Kalender 1951 hat Karl Meier, Lemgo, uns an die zeit erinnert, wo auch in Lippe Hugenotten einwanderten. Wir haben also nicht nur heute ein Flüchtlingsproblem in unserem Lande. Vielmehr suchten nach der Aufhebung des Edikts von Nantes im Jahr 1685 die Hugenotten Frankreichs unter unter unsäglichen Leiden und Gefahren heimlich die Grenze zu gewinnen, um sich in Holland, England, der Schweiz und Deutschland niederzulassen. Man sah auf den Straßen unseres Landes große Scharen von Flüchtlingen . Frankreich verlor [...]