10. März 2015

Klötterjönken und seine Sippe

„Schickt juck, de Christkindken komt!“

Mit diesem Ruf, schreckhaft erregt und freudig zugleich, flüchteten wir Kinder, klabaster, klabaster — dem Hause zu, immer am Heiligabend nach der „Lichterkirche“, denn das war der „Christkindken“ Zeit in Langenholzhausen vor dem ersten Weltkriege. Und dann standen sie, der ganze „Tropp“, fünf bis zehn, manchmal noch mehr, es gab im Dorfe verschiedene Tropps nach Nachbarschaften, auf der Deele oder in der Stube, alle unkenntlich, maskiert, aus der Konfektion von Kaufmann Hermsmeier, Busch, Kuhlmeier oder eigener [...]

6. März 2015

Maße und Gewichte

Maße Man unterscheidet Längenmaße, Flächenmaße und Körper- oder Hohlmaße. Längenmaße. Teilt man einen Meridian (Mittagslinie) der Erde in vierzig Millionen gleiche Teile, so erhält man in diesem Teile eine Strecke, die den Namen „Meter“ = „Maß“ erhalten hat.
4. März 2015

Lippische Feldpostbriefe 1914 – 1916

Vlotho, 1. August 1914 Liebe Mutter! Die Würfel sind gefallen. Eine schwerwiegende Entscheidung, aber doch eine Erlösung. Endlich weiß man doch, wie es steht. Es ist mobil, aber doch kein Krieg. Vielleicht kommt es doch noch nicht zum Äußersten. Sollt es aber doch eintreffen, so wird der Herr uns schon zum Siege helfen. Liebe Mutter, laß den Mut nicht sinken. Nicht jede Kugel trifft; man muß jedoch auf alles gefaßt sein.
18. Februar 2015

„Sinalco“aus Detmold ein Begriff für die Welt

Werbung aus dem Lippischen Dorfkalender 1955

Im Jahre 1902 brachte der Lippische Getränke-Fachmann Franz Hartmann zusammen mit dem weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt gewordenen Reformer und Heilkundigen Friedrich E. Bilz ein Getränk heraus, das zunächst „Bilz“ genannt wurde. Dieses alkoholfreie Getränk, das aus den verschiedenen Südfrüchten und deutschem Gartenobst hergestellt wurde, zeichnete sich durch seine Eigenschaften, „erfrischend, bekömmlich und wohlschmek- kend“ zu sein, aus und wurde somit bald ein von allen Bevölkerungskreisen begehrtes Getränk.

Bereits ein Jahr später führten über [...]

17. Februar 2015

Hannes Hecker – Eine lippische Zieglertragödie

Als sie Johann Hecker mit durchstochener Brust aus dem Krugsaal getragen und auf das Sofa in der Schankstube gebettet hatten, blieb nur eben noch Zeit, die Sterbesakramente zu reichen. Der Blick Heckers ruhte unentwegt, aber langsam erlöschend,  im Gesicht seines Sohnes, der, breitschultrig und von hoher Gestalt, vor dem Tische stand, bis in die Lippen hinein erblaßt, die leise zitternden Finger auf die Platte gestützt. Stoßweise, doch nur den Nächststehenden vernehmbar, ging die röchelnde Stimme durch die atemlose Stille: „Hannes [...]

13. Februar 2015

Ein Bauernschicksal aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Man schrieb das Jahr 1622. Auf Johann Rügges Hofe in Langenholzhausen ging es heute hoch her. Man hatte den Emtehahn eingeholt, hatte dem Herrgott einen feierlichen Dank dargebracht, und nun wollte auch der Frohsinn sein Recht. Es war ein gutes Jahr gewesen, und der Bauer zeigte sich nicht knauserig.
8. Februar 2015

Eigentümlichkeiten im Charakter der Lipper

Wer stets an seiner heimischen Scholle geklebt hat, wird nicht leicht zu einem unbefangenen Urteil über seine Landsleute gelangen. Weil der höhere Gesichtspunkt zur Beurteilung fehlt, wird die Perspektive nur zu leicht eine unrichtige sein: Die Vorzüge sowohl wie die Schwächen der Stammesgenossen erscheinen zu groß, ähnlich wie in der Optik ein Gegenstand, der aus zu großer Nähe betrachtet wird, in seinen Verhältnissen nur schwer erkannt wird.

Zu dieser Betrachtung fühlte ich mich veranlaßt, als in einem thüringischen Universitätsstädtchen eine hochgebildete [...]

7. Februar 2015

Wie Graf Simon August einen Maurer bestrafte

Graf Simon August, „Vater des Vaterlandes“, wie ihm sein dankbarer Sohn Leopold auf dem Denkmal im Büchenberge (jetzt im Kurpark Bad Meinberg) bezeugt, war ein tüchtiger Regent, der dem Luxus seiner verschwenderischen, prachtliebenden Väter tüchtig zu Leibe ging und durch seine harte Sparsamkeit den schlechten Finanzzustand des Landes bald wieder ausglich. Er war daher auch ebenso genau bei Lieferungen und Leistungen an den Hofhalt. Das hat im September 1773 der Maurer Georg Emilius Br. aus dem Kampe erfahren müssen. Br. hatte nach der Anzeige des Landbaumeisters Willich an [...]

29. Januar 2015

Vorgeschichtliche Eisenfunde

In vorgeschichtlichen Siedlungen findet man neben Waffen und Werkzeugen aus Eisen nicht selten auffallend schwere, unregelmäßig geformte Brodten von blasiger Struktur, die vielfach starken Rostansatz aufweisen. Es handelt sich hier um Eisenschlacken, ein Beweis dafür, daß an dieser Stelle in vorgeschichtlicher Zeit Eisen verarbeitet oder vielleicht ausgeschmolzen worden ist. Derartige Anhäufungen von Eisenschlacken sind z. B. vor Jahren in Kohlstädt geborgen worden. Im Leistruper Walde liegen mehrere Hügel, die zwar durchaus den Eindruck von Steinhügelgräbem machen, sich von diesen aber [...]

7. Januar 2015

Die Schlacht bei Minden

Ein Ereignis, von dem im allgemeinen wenig gesprochen wird, obwohl der Schauplatz uns so nahe liegt, ist die Schlacht bei Minden am 1. August 1759. Der Ruhm des großen Friedrich war damals schon so hoch gestiegen und der Glanz seiner Siege bei Roßbach und Leuthen strahlte so hell, daß sein Feldherr auf dem westlichen Kriegsschauplatze, Herzog Ferdinand von Braunschweig, und seine Taten unverdienterweise etwas zurücktreten.
7. Januar 2015

Gestalten aus der Hexenzeit

Ein Bauernfänger

Es war zur Zeit des 30-jährigen krieges, im Jahre 1625.

. . . Um den „Kak“ auf dem Marktplatz zu Lemgo — Kak ist der Pranger oder Schandpfahl —drängen sich die Leute.  Aufgeregt und zornig reden die Bürger durcheinander. Es ist aber auch zu toll. Da soll ein braver Bürger, der Krämer Balthasar Wißmann ausgepeitscht werden. Und warum? Bloß weil er ein paar dumme Bauern angeschmiert hat!

Der Bauer Finke aus Homeien hat ihn verklagt. Und der ehrbare Rat hat ihn [...]

7. Januar 2015

Das Bataillon Lippe in Danzig in den Jahren 1812—13

Infolge des Bündnisses der Grafschaft Lippe mit Frankreich, denn das Land war am 18. April 1807 dem Rheinbund beigetreten, hatte es für die Feldzüge Napoleons in Europa entsprechende Truppenkontingente zu stellen. So nahm es auch Anteil an dem Zug der Großen Armee nach Rußland mit insgesamt 850 Mann (568 Mann Lippe-Detmold, 282 Mann Schaumburg-Lippe) als 1. Bataillon des 5. Rheinbund-Regiments im Verbände der 2. Deutschen Brigade.

Am 27. Mai 1812 meldete der Bataillonskommandeur Oberstleutnant Reineke von Berlin aus den Abmarsch für den folgenden Tag nach Danzig, wo das Bataillon am 19. [...]

7. Januar 2015

Das Lippische Ausbildungs-Batallion und das Weserunglück 1925 bei Veltheim

Die Ausbildungsbatallione sind eine Einrichtung im deutschen Heere, die uns durch den Versailler Friedensvertrag vorgeschrieben ist. Jedes unserer 21 Infanterie-Regimenter hat außer 3 Vollbatallionen noch ein Ausbildungsbatallion dessen Hauptaufgabe es ist, die Rekruten für das Regiment auszubilden. Die Ausbildung dauert ½ Jahr, sodann werden die Rekruten zu den Vollbatallionen geschickt, um deren inzwischen freigewordenen Stellen auszufüllen.

Am 31. März dieses Jahres (1925) war die Ausbildung des größten Teils der Rekruten bei Detmolder Ausbildungsbatallion (des 18. Infanterie-Regiments) beendet. Die kriegsmäßige Übung an [...]

12. September 2014

Die Entstehung des Landes Lippe

Aus dem hohen Mittelalter, der Zeit der sächsischen, salischen und Staufischen Kaiser, liegen vor dem 13. Jahrhundert nur verhältnismäßig wenige unmittelbare Nachrichten für das später Lippe genannte Gebiet vor. Seine schon erwähnten Gaue und Kirchspiele im Paderbomer und Mindener Diözesanbereich gehörten zum sächsischen Stammesherzogtum der Liudolfinger, die mit Heinrich I. 919 auch den deutschen Königsthron bestiegen.
12. September 2014

Sachsen und Franken in Lippe

Die Sachsenkriege Karls des Großen, die mit der für die deutsche Geschichte so wesentlichen und folgenreichen Einbeziehung des sächsischen Stammes in das christliche Frankenreich endeten, waren eine Folge der sächsischen Ausdehnung nach Westen. Im 6. Jahrhundert verteidigte sich der Frankenkönig Chlotar I. gegen sie, im 8. Jahrhundert waren es Karl Martell und König Pippin, die in Feldzügen bereits vor Karl in das sächsische Gebiet vorstießen. Bonifatius begann seine Missionstätigkeit bei Fritzlar im fränkischen, aber noch heidnischen Hessenland 719 in einem durch wiederholte sächsische Einfälle heimgesuchten [...]

8. September 2014

Das Bauernhaus in der lippischen Kulturlandschaft

Diese Arbeit ist keine wissenschaftliche Abhandlung, und sie möchte sich 
auch nicht den Anschein geben, eine zu sein. Sie ist zunächst und vor allem 
dem Heimatfreunde gewidmet, und darum möchte ich die Veröffentlichung 
meiner Dorfinventarisation, die ich im Jahre 1970 im Aufträge des Deutschen 
Heimatbundes im Kalletal, im Siedlungstrio Brosen, Rafeld und Selsen
 durchgeführt habe, im Plauderton nahebringen. Dazu gehört u. a., daß ich 
dem Heimatfreunde auseinandersetze, was ein Zwei-, Drei- und ein Vier
ständerhaus, ein niederdeutsches Hallenhaus und ein Flettdeelenhaus [...]

23. August 2014

Das letzte Fuder

Schon mehrere Wochen vor dem großen Tag pusten die Mägde Eier aus, reihen sie auf Bindfäden, hängen sie als Ketten unter den Holzhahn, den der Großknecht oder ein sonst dazu Begabter nach Feierabend oder während der Mittagsnone geschnitzt und angemalt hat. Meist erhebt sich so ein „Erntehahn“ über zwei rechtwinklig sich kreuzenden Tannen- oder Buchsbaumkränzen. In Augustdorf blieb für all das keine Zeit. „De Luie hür herümme hadden seoveel Arbeit up den dreigen Sanne. Seu können sick nicht jümmer graut Erntehahnens maken we jensoits van den Bergen.“

22. August 2014

Verordnungen der Landesherrschaft im 18. Jahrhundert

Ein Spiegelbild der intensiven Staatstätigkeit des absolutistischen Regiments sind die Fülle von Verordnungen und Gesetze, durch die reglementierend in alle Lebensbereiche eingegriffen wurde. In unzähligen Einzelmandaten setzte die Landesherrschaft fest, was Rechtens sei in Sitte und Religion, woraufzu achten und was zu schaffen sei in Dingen der Wirtschaft, des Handels und der bürgerlichen Wohlfahrt. Selbst die Privatsphäre blieb davon nicht unberührt, wie die in den Jahren 1765 und 1768 erlassenen Verordnungen „wegen des Caffeetrinkens“ beispielhaft zeigen.

Verordnung wegen des Caffetrinkens, von 1768

Verordnung wegen übermäßiger Kleiderpracht, [...]

6. August 2014

Leben an einer großen Straße

Bilder aus 2000 Jahren westlippischer Landesentwicklung

Das Buch „Auf den Spuren der Menschen im lippischen Westen” enthält den Versuch, das Überkommene in Landschaft und Siedlung nach der Entstehung zuordnen und über­schaubar zu machen. Die gestaltenden Kräfte, die das bewirkten, wurden in der Untersu­chung nicht gesondert dargestellt. Auf 6 Druckbogen war dafür kein Platz. Die Einbin­dung des Überkommenen in die überregiona­len Kräfte möchte ich in Umrissen hier nachholen.

Natürlich ist das Land an der großen Straße — von Niedermarsberg über Paderborn bis Verden [...]

25. März 2014

Der Heimkehrer

Eine Erzählung von August Meier Böke

Er war ganz seiner Arbeit verpflichtet und erschrak fast, als ich, die Tageszeit bietend, plötzlich vor ihn hintrat. Mein Anliegen nahm er nur widerstrebend an. Er sagte, das Kinn dem Spatengriff aufstützend und indem er mich zunächst abweisend, fast feindlich, zuletzt aber mit wachsendem Wohlwollen anblickte: „Lebensläufe suchen Sie? Schicksale gewissermaßen? Dann sind Sie hier richtig. Und sicher in der Gnade der rechten Stunde. Drüben geht eines hinter den Pferden. Die Pferde selbst auch sind Schicksale. [...]