Das ehemalige Rittergut Braunenbruch in Detmold

Rittergut Braunenbruch in Detmold

Geschichtliche Entwicklung

Im Jahre 1348 gab der Edelherr Otto zur Lippe (diesseits des Waldes, 1344-1360) dem Detmolder Burgmannen „Alrad der Schwarze“ (1306-1350) die Zustimmung zur Errichtung eines Hauses und einer „Vestene“ auf einem Walle, genannt der „freie Winkel“ bei Odermissen. Der Weiler Odermissen wurde schon im Mittelalter aufgegeben, doch der Besitz Braunenbruch besteht als Ensemble seit über 600 Jahren an dieser Stelle. Es handelt sich bei Braunenbruch um den wohl ältesten lippischen Sitz des niederen Adels. Das Wappen des Alrad oder auch Alhard der Schwarze trägt die schwarze fünfblättrige Rose auf goldenem Schild. Eine Urkunde von 1443 nennt den Ort Brunenbroke an der Lechthope (Lichthope gleich Knochenbach). 1530 führte die Stadt Detmold einen Rechtsstreit mit de Schwarte von Braunenbruch, dem sie, die Stadt, wegen einer Übertretung die Pferde weggenommen hatte. Seine Verwandten sandten eine Beschwerde an Simon V. Die Familie von Schwarz saß fast 400 Jahre auf Braunenbruch, bis sie 1716 mit dem in Braunschweigisch-Lüneburgischen Diensten stehenden Rittmeister Adolf Victor von Braunenbruch, der mit Phillipine v. Kerssenbrock verheiratet war, ausstarb. Aus dessen Nachlaß erwarb das Gut, infolge Heirat mit einer Tochter von Schwarz, die Familie von Scheele. Diese verkaufte das Gut 1752 oder 1756.

Gut Braunenbruch. Die von Süden kommende Allee

Die Verkaufsakte beginnt 1746: Oberstleutnant v. Schel auf Schelenburg, Verkauf des Gutes Brunenbrok. Die Akte enthält auch 2 Zeichnungen des Herrenhauses, die darauf schließen lassen, daß es sich hier um einen Bau handelt, der vor 1752, aber nach 1716 errichtet wurde. In der Verkaufsakte heißt es: Mein Wohnhaus zu Braunenbruch, Mashiv aus einem Waßer graben gemauert, (die alte Gräfte, Anm. Verfasser) lang 140 Fß, breit 33 Fß. Der Verkauf erfolgte an den Amtmann Henrich Conrad Niemeyer zu Sternberg nach 1752, aber wahrscheinlich 1756. 1786 wird als Besitzerin Frau Oberamt-männin Niemeyer genannt, deren Landtagsstimme ruht, da sie bürgerlichen Standes ist. Ihr gehörte auch das Gut Herberhausen. Ihr Sohn Friedrich August Niemeyer verkaufte 1802 das Gut Braunenbruch an Philip August Merckel. Die lippische Verfassung von 1836 nennt 29 landtagsfähige Güter, hierzu gehört Braunenbruch. Die Familie Merckel verkaufte das Gut 1967 an die Stadt Detmold. In den folgenden Jahren wurde das Grundstück m. E. ungünstig zerteilt.

Baugeschichte und heutiger Zustand

Wir müssen als Vorläufer der heutigen Gesamtanlage eine Wasserburg annehmen, von der noch einige Reste erkennbar sind. Die alte Burg hat sich sicher um einen viereckigen Hof entwickelt, der südlich vorbeifließende Knochenbach gewährleistete die Flutung der alten Gräften und dadurch den ausreichenden Schutz der Anlage im freien Gelände vor der Stadt. Das alte Herrenhaus soll 2 Türme gehabt haben. Das heute bestehende Herrenhaus ist ein fast vollständiger Neubau des vorigen Jahrhunderts, von 1842, mit älteren Bauresten. Das Aquarell von Emil Zeiß von 1875 im Landesmuseum zeigt die Südansicht noch ohne die, heute die alte Gräftenbrücke flankierenden, Pyramideneichen.

Gut Braunenbruch. Knochenbach mit Mühlenwehr

Ein einflügeliger Bruchsteinbau, verputzt, auf hohem Sockel wird in der Mitte durch den 3-geschossigen Torbau betont. Das Pyramidendach mit Laterne gipfelt in einer Wetterfahne mit der Jahreszahl 1944. Im Hauptgesims eine Uhr. Der westliche Bauteil erfuhr einige Veränderungen seit 1875, während der östliche nur eine lange Dachgaube erhielt. Das östliche Firstende trägt eine Windfahne mit Wappen, das Haupttor das Wappen Merckel und die Inschrift G. Merckel 18.. Die Eckquader und die Gliederungen und Fensterrahmungen sind teilweise angeputzt. Ältere Bauglieder sind erkennbar: Das Torgewölbe, einige Türgewände und zwei mit Renaissance-Reliefs aufgelegte Gewände an der östlichen Giebelseite. Der „Hohe Garten“ an der Nordseite des Herrenhauses, etwa in Höhe des Hauptgeschosses, verfolgt einen romantischen Gartenbaugedanken des vorigen Jahrhunderts und wird an seinem nördlichen Ende durch die Reste eines sehr viel älteren Bruchsteinturmes gestützt. Die unteren Räume der Turmsubstruktionen tragen Gewölbe, hier handelt es sich mit Sicherheit um Reste der mittelalterlichen Burg. Nach alten Quellen soll hier ein Inschriftstein „ANO 1605″ erhalten sein. Die Brücke über den Knochenbach wurde 1822 durch P. A. Merckel errichtet. Schlußstein Ostseite PA Merckel, Schlußstein Westseite 1822. Sie soll zwei ältere Wappensteine getragen haben, die auf die lange Geschichte des Hofes hinweisen. Das Wappen des Drosten Adolf v. Schwarz (gest. 1601) und seiner Gattin Margarete v. Kerssenbrock (gest. 1567). Ihr Epitaph befindet sich in der Marktkirche von Detmold und stammt wahrscheinlich aus der Hand des Lemgoer Künstlers Herman Wulff. Weiter trägt die Brücke noch einen Inschriftstein in der Mitte der Westseite, der mit Sicherheit den Namen Hinrich Conrad (Niemeyer?) enthält und die Jahreszahl 1775.
Die noch erhaltenen Wirtschaftsgebäude im Westen (bereits im Besitz des Fabrikanten Wortmann) zeigen die Formensprache des vorigen Jahrhunderts, lediglich der südlich stehende Ochsenstall, das sog. Vorwerk, birgt noch ältere Reste. Das östliche Wirtschaftsgebäude, in Bruchstein aufgeführt, mit hohem Ziegeldach, etwa 50 m lang, stammt ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert. Ein kleines Nebengebäude, westlich der eben genannten Scheune, unmittelbar am Knochenbach, diente als Mühle. Das Stauwehr, mit reizvollen Bögen in Bruchstein gemauert, läßt ahnen, wie die aufgestaute Wasserkraft ausgenutzt wurde. Über einem Tor der Schlußstein mit Inschrift: G Merckel, H Merckel geb. Niemeyer 1862. Etwa 200 m südöstlich des Herrenhauses, südlich des Knochenbaches, hat sich das Mausoleum der Familie Merckel aus der Zeit nach 1871 als Ruine erhalten: Ein auf quadratischem Grundriß errichteter Putzbau, mit Eckpfeilern mit aufstehenden Deckelvasen, von einem Obelisken gekrönt. Das Ganze befindet sich in keinem guten Zustand. Inschrift: Philip August Felix Eberhard Merckel * 9.1.1854, f 25. 12.1871.

Gut Braunenbruch. Herrenhaus von Südost

Park und Baumbestand

Die gesamte Grüninsel des alten Gutshofes mit ihrem alten Baumbestand ist für dieses städtebaulich eintönige Gebiet von besonderem Reiz. Ein besonderes erhaltenswertes Unikum ist die auf das Gut von Süden zuführende Pappelallee mit den als Ausrufezeichen gepflanzten beiden Eichen an ihrem nördlichen Ende vor der Brücke. Diese Pappelreihe markiert die Richtung einer Allee in südsüdwestlicher Richtung von etwa 1100 m Länge auf den Hiddeser Berg. Das erste Stück der Allee wurde mit Birken gesäumt, die unbedingt als städtebauliche Idee erhalten werden sollte. Bei anstehenden Neuplanungen müßte überlegt werden, diese alte erkennbare Planidee aufzunehmen um den Neubaugebieten am Hiddeser Berg einen Bezugspunkt zu geben. (Paul Hans Peters am 27. 1. 77 in seinem Vortrag über Stadtbildqualitäten.) Besonders erwähnenswert sind die beiden Pyramideneichen in der Hauptachse des Herrenhauses, an der Flanke der ehemaligen Brücke über die innere Gräfte, typisch-moderne Bäume der Bauzeit des Herrenhauses. „Der Hohe Garten“ mit seinen Grotten und seinem alten hochstehenden Baumbestand ist ein Garten der Romantik. Die Kastanie dürfte wohl an die 200 Jahre alt sein. Der nördliche Hauptpark enthält zahlreiche exotische, alte Bäume, deren genaues Aufmaß durch die Verwaltung der Stadt Detmold bevorsteht. Der südlich des Knochenbaches liegende kleine Waldbestand ist jüngeren Alters, vielleicht 50 Jahre alt, wenn auch eine ganze Reihe alter Bäume hier zu finden ist. Hier ist beim Mausoleum noch der Rest eines ehemaligen Teiches erkennbar. Hier schließe ich eine „vorläufige Baumliste“ der bedeutendsten Bäume an, die auch die Bäume in dem bereits abgetrennten Teil mit aufnimmt. Die Liste könnte der Vorläufer eines „Baumschutzplans“ werden. Heute ist die Anlage von einem Gewerbegebiet umgeben. Das Gut wird privat bewohnt.

Quelle: Heimatland Lippe, April 1977 – von Dr. Herbert Hitzemann

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