Das westfälische Freilichtmuseum bäuerlicher Kulturdenkmale in Detmold

Blick auf den Mindener Hof im LWL-Freilichtmuseums. Lippe2Web

Zur Geschichte des Museumsgeländes

Nach dem innermünsterländischen Gräftenhof, dem Mindener Hof, dem osnabrückischen Wiehengebirgshof, dem Doppelheuerhaus und dem Tecklenburger Kötterhaus ist im letzten Jahre der lippische Meierhof im Freilichtmuseum fertiggestellt und zur Besichtigung freigegeben worden. Das ist ein willkommener Anlaß, sich an die Geschichte des Museumsgeländes zu erinnern, das zu einem großen Teil bis zum 17. Jh. zu einem lippischen Meierhof gehört hat.1Das Freilichtmuseum bäuerlicher Kulturdenkmale, Heimatland Lippe, 1. Sonderheft, Detmold 1964.

Der Grund und Boden für das Freilichtmuseum wurde, nachdem der Landschaftsverband Westfalen-Lippe 1960 den Beschluß gefaßt hatte, vor den Toren der Stadt Detmold ein Freilichtmuseum bäuerlicher Kulturdenkmale zu errichten, vom Landesverband Lippe in einer Größe von etwa 80 ha zur Verfügung gestellt. Allerdings mußte der Landesverband, bevor ihm das möglich war, ein Teil des Geländes noch aus privater Hand zu erwerben.

Zwei Drittel des Geländes standen bereits vor der Museumsplanung im Eigentum des Landesverbandes Lippe. Dabei handelte es sich überwiegend um den Besitz des ehemaligen Meiers zu Pöppinghausen, eines Meiers der Bauerschaft Hiddesen. Sein Hof wurde im Jahre 1634 vom Landesherrn im Tausch gegen den Köllerhof in Heiligenkirchen erworben. Nach einer Zeit landwirtschaftlicher Nutzung wurde auf dem Grund und Boden des Hofes nach dem Vorbild von Versailles ein Lustschloß errichtet, das den Namen Friedrichstal erhielt. Die Anlage wurde mit dem Residenzschloß in Detmold durch einen schiffbaren Kanal verbunden, der bis zu einer Viertürmeinsel bei Friedrichstal führte. Von dem lippischen Versailles ist nur eine bildliche Darstellung erhalten. Sie entstand beiläufig auf einer Flurkarte der Bauerschaft Hiddesen aus dem Jahre 1728, die der ehemalige Hofmaler und spätere Landmesser Johann Christoph Friemel angefertigt hatte. Bereits im folgenden Jahre hätte das Lustschloß nur noch aus der Erinnerung gezeichnet werden können, denn es brannte bei einer großen Festlichkeit ab. Das Krumme Haus, das jetzige Verwaltungsgebäude des Freilichtmuseums, und das Fürstliche Mauso- leum, die ehemalige Grotte, erinnern noch an die nach dem Brande allmählich verfallene Anlage. Die zum ehemaligen Meierhof zu Pöppinghausen gehörenden Gebäude werden das Lustschloß Friedrichstal überdauert haben und erst 1736 nach Verlegung der landesherrlichen Meierei, die sich bis dahin auf dem Schloßplatz in Detmold befunden hatte, abgebrochen worden sein. Zu diesem Zeitpunkt wurden der Grundbesitz der Meierei Detmold und der ehemalige Besitz des Meiers zu Pöppinghausen zur Meierei Johannettental vereinigt.

Lustschloß Friedrichstal, Ausschnitt ans der Friemelschen Flurkarte von Hiddesen (1728).

Die Lage des Meierhofes zu Pöppinghausen ist bisher nicht genau bekannt. Vermutlich ist der Hofraum zwischen dem jetzt dort errichteten innermünsterländischen Gräftenhof und dem lippischen Meierhof zu suchen. Der hinzugehörige Grundbesitz wurde vom Alten Postweg durchschnitten, grenzte im Süden an die Heiligenkirchener, im Südosten an die Hornoldendorfer Flur, im Norden und Nordosten berührte er das Gebiet der landesherrlichen Meierei Detmold und die städtische Feldmark. Seine westliche Begrenzung bildete in etwa das Bachtal der Berlebecke. Das Gelände des Freilichtmuseums besteht also zu einemgroßen Teil aus dem Grundbesitz des ehemaligen Meiers zu Pöppinghausen. Nur ein kleiner Teil des vom Landesverband Lippe zur Verfügung gestellten Geländes gehörte ursprünglich zur Meierei Detmold.

Etwa ein Drittel des Museumsgeländes mußte aus der Heiligenkirchener und Hornoldendorfer Gemarkung hinzuerworben werden. Der Grund und Boden war alter bäuerlicher Besitz. Besondere Aufmerksamkeit erregt in diesem Teil der Flurname Steinkreuz, Steinernes Kreuz, Kreuzkamp, der in den genannten Variationen an einer ausgedehnten Fläche auf der Höhe des Königsberges, an einem Gebiet mit einer Größe von etwa 21 ha, haftet und auch auf den Besitz des ehemaligen Meiers zu Pöppinghausen übergreift. Die Überlieferung für diesen Flurnamen reicht weit zurück. In einer Urkunde vom 27. September 1451 wird Länderei bei Hilgenkerken zu 2½ Molt Einsaat „by dem drogen cruce an den Rysen“ erwähnt. Hier ist allerdings nicht von einem steinernen Kreuz, sondern von einem drogen cruce die Rede. Rysen, Rysne oder Riesen ist der ursprüngliche Name des Königsberges.

Auf ihn bezieht sich daher auch die Urkunde vom 6. Dezember 1342, deren Ortsangabe Rysne die Regestenherausgeber nicht zu deuten vermochten. Der Name Königsberg reicht nach bisherigen Feststellungen nur bis ins 18. Jh. zurück, darf daher nicht ohne weiteres mit altem Königsgut oder gar mit Karl dem Großen in Verbindung gebracht werden. Der ältere Flurname Steinernes Kreuz hat die Landesgeschichtsforschung seit 1926 mit größerem Recht beschäftigt. Dabei ging es um die Frage, ob man den Flurnamen mit jener Sage in Verbindung bringen könnte, nach der Karl der Große in der Schlacht bei Detmold (Theotmalli) — von den Sachsen schwer bedrängt — die Heiligen Nothelfer angerufen und nach seinem Siege aus Dankbarkeit auf dem Berge „zur heiligen Hülfe“ eine Kapelle errichtet haben soll. Die Sage hat Albert Krantz 1520 erstmalig niedergeschrieben und dabei ausgeführt, daß der Berg noch zu diesem Zeitpunkt so genannt werde. Zu fragen wäre also, ob die Sage einen historischen Kern enthalten und ob der Flurname Steinernes Kreuz auf die Örtlichkeit einer Kirche hindeuten könnte.

Die Recke auf der Höhe des Königsberges

Zur Klärung der ersten Frage können vielleicht die Lebensbeschreibungen der Paderborner Bischöfe Haimerad und Meinwerk beitragen. In der Lebensbeschreibung Haimerads werden für die Zeit von etwa 1009 — 1019 zwei Kirchen in Diethmelle (Thietmella) erwähnt, von denen die eine alt und verlassen war. Es muß allerdings offenbleiben, ob sich die Notiz auf Kirchditmold bei Kassel oder auf Detmold bezieht. Für beide Lösungen lassen sich Argumente anführen. Sollte es sich um Detmold handeln, so könnte man an eine Verbindung denken zu jener Kirche, aus der 1023 ein Altarstein nach Paderborn geholt worden ist. Die Lebensbeschreibung des Bischofs Meinwerk berichtet davon, daß in diesem Jahre ein Altarstein von ansehnlicher Größe von der Kirche zu Thietmelle zum Kloster Abdinghof gebracht worden ist. Der Altarstein sei im Jahre 799 von Papst Leo III. geweiht worden. Die historische Echtheit der Aussage über die Altarweihe ist von der Wissenschaft sowohl bezweifelt als auch akzeptiert worden. Es bleibt aber festzuhalten, daß im 11./12. Jahrhundert eine Altarweihe durch Leo III. Detmold zugeschrieben wurde. Von Detmold abgesehen soll Leo III. in Westfalen auch noch Altäre in Marsberg (bei der Eresburg) und Hohensyburg geweiht haben. Bei Marsberg und Hohensyburg handelt es sich um die beiden ersten Sachsenfestungen, die Karl der Große nach dem Beginn der Kriege im Jahre 772 erobert hatte. Die Eresburg hat er im Jahre 772, die Sigiburg im Jahre 775 bezwungen. So endete der erste Krieg im Jahre 777 mit einer Reichsversammlung in Paderborn. Bereits im folgenden Jahre begann ein neuer sächsischer Aufstand, und im Jahre 783 fand eine entscheidende Schlacht bei Detmold statt. Historisch wäre es einleuchtend, wenn Papst Leo III. an den drei Schlachtorten selbst Altarweihen vorgenommen hätte. Die Kirchen der drei Orte würden dann auf Karl den Großen zurückgehen. Selbst wenn man die Nachricht über die Altarweihe nicht ohne weiteres für historisch echt hält, so läßt sich für Detmold immerhin feststellen, daß die Aussage über eine Kirchengründung durch Karl den Großen nicht nur bis 1520, sondern bis 1023 zurückzuverfolgen ist. Damit entfallen Bedenken, die damit begründet waren, daß die Sage erst verhältnismäßig spät niedergeschrieben worden sei. Im Raum Detmold wird also mit einiger Wahrscheinlichkeit wohl eine Kirche aus der Zeit Karls des Großen gesucht werden dürfen.

Wo aber könnte diese Kirche gestanden haben? Detmold selbst ist eine Gründung des 13. Jh. Der Stadtgrundriß läßt die planmäßige Anlage erkennen. Es bestehen daher durchaus Zweifel, ob an der gleichen Stelle vor der Stadtgründung bereits eine Siedlung dieses Namens gelegen hat. Es erhebt sich also die Frage, wo man das in der früheren Überlieferung genannte Thietmelle2In der Überlieferung ist von einer Altarweihe in Thietmelle die Rede. Es ist fraglich, was man vor der Gründung der Stadt darunter zu verstehen hat. Einerseits könnte es sich um den auch sonst überlieferten Gaunamen handeln, andererseits deutet der Flurname Thiesplatz in Heiligenkirchen vielleicht auf einen Volksgerichtsplatz, der mit der Ortsbezeichnung Thietmelle in Verbindung zu bringen wäre. Kunstgeschichtliche Gründe für ein höheres Alter der Detmolder Kirche lassen sich nicht anführen. Die von Otto Gaul genannten Argumente, die sich auf den Aufbau des Mauerwerks aus langen, flachen Bruchsteinschollen beziehen, entfallen hier ebenso wie in Herford (vgl. Uwe Lobbedey, Zur Baugeschichte der Herforder Nikolaikirche, in: Westfalen 50, 1971,S. 127 – 148, hier S. 146). Die Kirchein Heiligenkirchen überlagert in ihrem Bau I eine Kulturschicht des 8. bzw. frühen 9. Jh. (ursprüngliche Lage des Paderborner Haupthofes?). Lobbedey datiert sie daher in das 9./10. Jh. (vgl. Uwe Lobbedey, Kurze Berichte über Ausgrabungen, in: Westfalen 50, 1972, S. 11-29, hier S. 17).zu suchen hat. Nach der 1520 von Albert Krantz festgehaltenen Sage käme als Örtlichkeit für die Kirche der Berg „Zur Heiligen Hülfe“ in Betracht. Diesen Namen soll er nach Krantz noch zu Beginn des 16. Jh. geführt haben. Bei einem Berg in der Nähe des Schlachtfeldes im Raum Detmold wäre durchaus an den Königsberg zu denken (vgl. Abb. 2).

Abb. 2, Lippe auf einer westfälischen Karte von 1579

Die beiden auf Karl den Großen zurückgeführten Kirchen in Marsberg und Hohensyburg sind im Burgbezirk, d. h. auf einem Berge, errichtet worden. In beiden Fällen ist für die Kirchen das Peterspatrozinium nachweisbar. Das ist für die Kirchen im Raum Detmold — also in Detmold und Heiligenkirchen — auf den ersten Blick nicht möglich. In Detmold selbst handelt es sich um eine Vituskirche. Die Heiligen der Kirche in Heiligenkirchen heißen Cosmas und Damian. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß für Heiligenkirchen noch als dritter Schutzpatron St. Peter in Betracht kommt. Nach Kirchenrechnungen der Zeit ab 1599 muß von einem Grundstück mit dem Flurnamen S[ankt] Peters Brincke eine Abgabe an die Kirche in Heiligenkirchen entrichtet werden . Handelt es sich um einen weiteren Kirchenheiligen, dann könnte die Kirche in Heiligenkirchen in der Tat eine Nachfolgekirche der von     Karl dem Großen möglicherweise gegründeten Kirche sein. Ob auch der zum Meier zu Pöppinghausen gehörende 52 Morgen große Petersberg seinen Namen von St. Peter bekommen hat, muß offenbleiben. Nach einem Schreiben des Klosters Busdorf aus dem Jahre 1613 gehörten Watermeier in Heiligenkirchen, der Meier zu Hornoldendorf und der Meier zu Pöppinghausen zum sogenannten Backamt und hatten jährlich zusammen 18 Paderborner Schillinge zu zahlen. Da der Meier zu Hornoldendorf und Watermeier je 7 Schillinge zu entrichten hatten, würde auf den Meier zu Pöppinghausen der halbe Betrag — nämlich 4 Schillinge — entfallen. Möglicherweise haben die Höfe Watermeier und Meier zu Pöppinghausen zusammen den im Jahre 1036 genannten Paderborner Haupthof in Heiligenkirchen gebildet. Der Hof Watermeier wird 1322 ausdrücklich als niederer Hof bezeichnet. Man kann sich eventuell fragen, ob es nicht vielleicht auch einen oberen Hof gegeben hat. Vermutlich ist die Urbarmachung der zwischen den beiden Höfen gelegenen Waldhufen, die in der Zeit um 1200 erfolgt sein muß, auf Paderborner Initiative zurückzuführen. 1322 sind die Edelherren zur Lippe als Lehnsinhaber des Watermeierschen Hofes festzustellen. Sie haben das Lehn von Paderborn erhalten. 1350 sind sie nachweislich Grundherrn des Pöppinghauser Hofes, und 1342 bereits ist der Risser Zehnt (Zehnt über den Königsberg) ein lippisches Lehn. Es ist nicht unmöglich, daß die Vorläuferkirche der Kirche in Heiligenkirchen an einer anderen Stelle im Bereich des alten kirchlichen Besitzes — etwa auf dem Königsberge — gestanden hat. Interessanterweise ist auf einer westfälischen Karte des Jahres 1579 von Christian Schrot an der Stelle, wo Heiligenkirchen stehen müßte, Eleyligeberg zu lesen. Ist das nur ein Irrtum des Kupferstechers oder vielleicht doch ein Name des Königsberges, den man auf das Dorf übertragen hat? Der Berg spielt unabhängig von der westfälischen Karte auch im Skizzen- und Reisetagebuch des Arztes Georg Faber aus dem Dreißigjährigen Krieg eine Rolle. In seinem Tagebuch wird Heiligenkirchen Kirchberg genannt.

Kreuzstein in Heiligenkirchen (15. ]h.)

Es erhebt sich die Frage, ob der Flurname Steinernes Kreuz auf die Örtlichkeit einer Kirche hinweisen könnte. Sicherlich kann er nicht mit dem in Heiligenkirchen noch vorhandenen Kreuzstein gegenüber der alten Schule, dem heutigen Postamt, in Verbindung gebracht werden, und zwar insbesondere aus zwei Gründen. Einerseits darf ein steinernes Kreuz nicht mit einem Kreuzstein, einem Stein mit erhabenem oder ausgehauenem Kreuz, verwechselt werden, und in Heiligenkirchen handelt es sich bei dem bekannten Stein eindeutig um einen Kreuzstein, der ein gotisches Nasenkreuz zeigt, andererseits hat der Kreuzstein mindestens seit 1769 — vermutlich schon früher — etwa an der jetzigen Stelle bei dem früheren Wellnerschen Hof gestanden. Die Bedeutung des Steins ist allerdings nicht geklärt. Der Volksmund spricht von einem Zoll- oder Poststein, eine mit Rücksicht auf die vorbeiführende alte Poststraße nicht unmögliche Erklärung. Doch bleiben dort, wo Inschriften fehlen, Zweifel bestehen. Brockpähler hat sich bemüht, die Kreuzsteine und steinernen Kreuze in Westfalen zu erfassen und möglichst die Bedeutung der Steine zu ergründen.3Wilhelm Brockpähler, Steinkreuze in Westfalen, Münster 1963.Es wird deutlich, daß die Frage nur für jeden Einzelfall untersucht werden kann, daß generelle Deutungen also leicht fehlgehen. Der Flurname Steinernes Kreuz auf dem Königsberg bei Heiligenkirchen ist ihm entgangen. Wohl aber weist Brockpähler darauf hin, daß nach kirchlicher Vorschrift beim Abgang eines Gotteshauses dort, wo der Altar gestanden hatte, ein Kreuz errichtet werden mußte. Als Beispiele führt er an: Dörenthe, Kr. Tecklenburg, Westereiden, Kr. Lippstadt, Sankt Benediktskapelle in Dortmund, Emmerke bei Borgentreich, Kr. Warburg. Es ist nicht unmöglich, daß das Steinerne Kreuz auf dem Königsberge hinzugerechnet werden muß. Das Siegelbild der aus Heiligenkirchen stammenden Hamelner Bürgerfamilie von Heiligenkirchen zeigt an der Stelle des Altars, dem Turm gegenüber, ein übergroßes Kreuz. Eine endgültige Klärung der Frage, ob der Flurname Steinernes Kreuz mit einer Kirche oder Kapelle in Verbindung gebracht werden kann oder sich lediglich auf die Härtlinge auf der Höhe des Königsberges bezieht, kann nur die Spatenforschung bringen. Ziel dieser Ausführungen kann nur sein, die Aufmerksamkeit auf das noch zu lösende Problem zu lenken.

Siegel der Familie von Heiligenkirchen von 1312

Die westlich des Alten Postweges das Museumsgelände begrenzende Anhöhe beim Steinernen Kreuz erregt unser Interesse noch aus einem anderen Grunde. Auf ihr befindet sich ein Hainebuchenwäldchen mit einer urtümlich anmutenden Baum- und Strauchflora. Es handelt sich um ein Grundstück, das zum alten Privatbesitz zweier Bauernhöfe in Heiligenkirchen gehört, nämlich der Höfe Timmermeier Nr. 5 und Dammeier Nr. 6, die zusammen mit anderen in der Nähe der Kirche gelegenen Höfen handtuchartige Besitzstreifen — sogenannte Waldhufen — bewirtschafteten. Es läßt sich angeben, wie lange die Grundstücke im Besitz dieser Höfe gewesen sind, denn die Wissenschaft hat die Entstehung solcher Waldhufen zeitlich fixieren können. Sie fällt in die Zeit um 1200. Seit dieser Zeit dürfte der Wald- streifen im Besitz der Höfe der bäuerlichen Nutzung gedient haben. Er ist wohl ein Relikt des ursprünglich größeren Waldbestandes auf dem Königsberge, der ab etwa 1200 weitgehend gerodet wurde. Die Beschreibung der Flora dieses Grundstücks muß einem besonderen Aufsatz Vorbehalten bleiben.

Soweit Salbücher, d. h. Vorläufer unserer heutigen Katasterbücher, zur Verfügung stehen, d. i. seit 1721, führt das Wäldchen die Bezeichnung Recke oder Reckte, ein Flurname, der in Lippe durchaus auch sonst nachweisbar ist und immer ein langgestrecktes Grundstück bezeichnet, das grundsätzlich mit Wald bestanden ist und auf Grenzen oder Landwehren hinweisen kann. Das Gebiet um die Recke ist auch archäologisch interessant. In und bei der Recke konnten drei bronzezeitliche Steinhügelgräber ermittelt werden, die Heinrich Schwanold 1924 ausgegraben hat.4Heinrich Schwanold, Hügelgräber der Bronzezeit in Lippe, in: Lipp. Mitt. 12, 1926, S. 106- 139.Der Königsberg weist mithin einige interessante Besonderheiten auf, die hier aufgezeigt werden sollten. Durch die Gründung des Westfälischen Freilichtmuseums bäuerlicher Kulturdenkmale hat er nun noch einen besonderen volkskundlichen und kulturgeschichtlichen Akzent bekommen.

Quelle: Heimatland Lippe – Von Herbert Stöwer