Der Bau des Barntruper Schlosses 1584-1604

Schloß Barntrup. Aquarell von Emil Zeiß

Bauvorgänge, Meister, Handwerker und Werkleute

Vom 18. bis 24. Mai 1976 veranstaltete die Stadt Barntrup eine eindrucksvolle Festwoche zur Erinnerung an die Verleihung des Stadtprivilegs vom 21. Mai 1376 durch den Grafen Heinrich V. von Sternberg. Während dieses Jubiläums mit Festsitzungen und einzelnen Unterhaltungen, einem großen Festzug mit 4 Dutzend Wagen durch die Altstadt, darstellend Bilder aus der geschichtlichen Entwicklung, besonders auch Vorgänge um die ferne Privilegverleihung, aber auch lebende Gruppen von Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Industrie der neuen Großgemeinde zeigend, fand am Festsonntag vormittags ein ökumenischer Gottesdienst statt auf dem äußeren Schlosshof.
Vier evangelische Pfarrer und ein katholischer Dechant richteten die Feier aus. Bei sonnigem Maiwetter war das weite Rund vor der schönen Renaissancefassade von vielen Hunderten von Festteilnehmern gefüllt, die den Weisen der Posaunen und den Ansprachen der Festredner lauschten, sich aber auch an der schönen Rundkulisse erbauten. Nach der Feier wurden mancherlei Fragen einzelner interessierter Besucher laut über dieses Kleinod der Weserrenaissance mit den vier wuchtigen Türmen, die herrliche Wappenutlucht, das Triptychon vom Weinkellermeister, das Rittergeschlecht der von Kerßenbrock, sowie über die Bauherrin Anna von Ganstein, die zwischen 1577 und 1588 das Schloss durch Eberhard von Wilkeningk erbauen ließ, der ihr mit einer kleinen Halbskulptur auf dem Gesims über dem Treppenturmeingang ein Denkmal setzte. Es wurde auch gefragt nach den Bauvorgängen, den Werkleuten, der Bauzeit und den Kosten einer solch großen Schlossanlage. Wir sind einmal den letzteren Fragen nachgegangen und haben folgende Einzelheiten aus Akten jener fernen Zeit gefunden.

Grundriss vom Erdgeschoß des Herrenhauses. (Foto: Knese)

Wir erfahren aus den Bauakten, dass am 18. und 20. Mai 1584 in Gegenwart des Edlen Gerlagen von Kerßenbrock von Meister Eberhardt Wilkeningk das neue Schlossgebäude abgemessen und berechnet wurde. In- und außerhalb wurde an Ort und Stelle gemessen, was an Hau- und Mauersteinen und Arbeit für das Schloss nötig waren, vom Fundament bis an das Sperrwerk, das obere Dachgesimse mit eingerechnet, alles in- und außerhalb der Häuser, die Türen, Keller, Tritt und Treppen, Kragsteine, Fenster, Rendeln. Bei der Abmessung und Berechnung wurden ausgeschlossen die Tür vor der Küche, die Windeltreppentür, die eine Auslage zum Platze, „die auf Vergleichung stehen“, d. h. gesondert vergeben werden sollen, ferner die Tür vor dem Saal und die Streben gegenüber sowie die Tritte in der größten Wendeltreppe, die besonders verdingt wurden. Zunächst wurde aufgeschrieben, was an Hausteinen beim Schlossbau verwandt, abgemessen und berechnet wurde.
Man rechnete bei den HAUSTEINEN nach „Schnur“ und „Ellen“. Eine Schnur wird mit 50 Ellen berechnet. (1 Schnur = 50 Ellen = 28,95 m; 1 Elle = 2 Werkfuß = 0,579026 m) Die Kosten für jede Schnur Hausteine betragen 9 Taler 3 Groschen 3 Goßler. Die Elle kostet 6V2 Groschen. Ein Taler = 5V2 Ellen Hausteine.
Bei der Bauabnahme kommt man zu folgendem Ergebnis:

1. 76 Schnur 19 Ellen = 3 819 Ellen 50 Ellen
2. 1 Schnur an der großen Kellertür für Hausteine und Quadern = 50 Ellen
3. 5 Schnur 25 Ellen an der Windeltreppe, mit Gesimsen, Erkern und Friesen Gesamtsumme an Hausteinen in Schnur und Ellen: 82l/a Schnur 19 Ellen
Laut Aufstellung kosten diese bisher aufgeführten Steine: 753 Taler 16 Groschen 4 Goßler
Es kommen noch dazu 105 Kragsteine. Jeder Kragstein ist IV2 Ellen lang. Das macht 157 1/2 Ellen
oder 3 Schnur 71/* Ellen. Diese Kragsteine kosten 28 Taler 2 Groschen IO 1/2 Goßler (d.)
Es ergibt sich somit folgende Gesamtsumme an HAUSTEINEN: 86 Schnur I 1/2 Ellen oder 4 3011/2 Ellen
In Summa an Geld: 782 Taler 3 Groschen 3 Goßler
3 819 Ellen 50 Ellen
275 Ellen 4 144 Ellen

Im Abmessungsprotokoll von 1588 ist von Meister Eberhardt Wilkeningk weiter notiert, was neben den Hausteinen an MAUERSTEINEN verbraucht, abgemessen und berechnet wurde. Es sind die südliche und nördliche Breitseite des neuenliche und nördliche Breitseite des neuen Ost- und Westgiebel, das Quermauerwerk darunter, die „Windeltreppe“ (im Treppenturm in der Südseite), der eckige „Zwinger“ (Eckturm) sowie die beiden anderen „Rundzwinger“. Die Baumaße werden in Ruten und Ellen, die Preise in Talern, Groschen und Goßlern errechnet.

Die Abrechnung zeigt folgende Einzelheiten: (1 Rute 16 Werkfuß = 4,63221 m).

Nord- und Südseite sind jeweils lang 71/« Ruten, hoch 3 Ruten 1 Ellen, errechnet auf jeder Seite 23 Ruten 7 Ellen oder für beide Längsseiten: 46 Ruten 7 Ellen
Ost- und Westgiebel sind jeweils breit 4 Ruten minus l/i Ellen, hoch 3 Ruten 1 Ellen, errechnet für jeden Giebel 12’/4 Ruten, für beide Hauptgiebel: 24 1/2 Ruten – Ellen
Quermauern an jeder Wand unter den Giebeln in der Breite 3Va Ruten, in der Höhe 3 Ruten 1 Ellen, errechnet für eine Quermauer IOV2 Ruten 372 Ellen, für beide Quermauern unter den Giebeln: 21 Ruten 7 Ellen
„Windeltreppe“ oder Treppenturm: im Protokoll heißt es darüber wörtlich: „Windeltreppe ahn Mauerwergh rhumbher „begriffen“: 3 Rudhen minus IV2 Ellen. In die Hohede in massen vorhin gesetzet, thutt ein enhall gemessen: 9 Rudhen IV2 Ellen. Es muß aber dieselb zweimhall gemessen werden (Einschub: wegen der Höhe des Aufgangturmes in der Südseite durch zwei Stockwerke. K.) thut“: 18 Ruten 3 Ellen
Der „eckige“ Zwinger mißt „in die Weite“: 5 Ruten minus 2V2 Ellen, „in die Hohede“: 3 Ruten, 1 Ellen. Errechnet: 14 Ruten 5 1/2 Ellen
Die andern zwei runden „Zwinger“: In die Weite Jeglicher 5 Ruten Vi Ellen, in die Höhe: „in massen vorhin gesetzet, thut ein jeglicher“: 15 Ruten 6V2 Ellen. Ergibt für beide Rundtürme: 31 Ruten 5 Ellen
„Summa Summarum thut alles Maurwergk“ heißt es im Aufmessungsprotokoll: 157 Ruten 7 1/2 Ellen.
Eine Rute MAUERSTEINE kostet: 2 Taler 27 Groschen Für Rauh- oder Mauersteine: Eine Elle: 12 Groschen 4 1/2 Taler.
Summa: 434 Taler 11 Groschen 4 1/2 Goßler

Es findet sich im Aufmessungsprotokoll noch folgende Eintragung auf Seite 3, welche die Hau- und Mauerarbeit Eberhardt Wilkeningks zusammenrechnet: „Summa Summarum Meister Eberhardt ahn Maur und Hawarbeit bis heute den 21. May (1588) vermueg deser Rechnung und vertzeignus verdienet: 1185 Taler 19 groschen 8V2 dz.“ — Später finden wir zwei andere höhere Endsummen, die aus Positionen herrühren, die wir in weiteren Einzelheiten erwähnt finden. So erfahren wir, dass Meister Wilkeningk zu dem Betrag für Hau- und Mauersteinen noch 30 Taler zugesagt bekommt „wegen alle fuegen ahn gesemesen (Gesimsen) und friesen, eins vor alle. Die übrigen fuegen sein gemessen und berechnet worden“.
Auf der großen Baustelle am Niedernhof ist noch ein großer Vorrat an behauenen Steinen vorhanden, der taxiert und von Gerlagen von Kerßenbruch übernommen wird. „So taxirt er die Thur ahn der Windeltreppen und Kuchen Thuer in der grossen Auslage/: die Kleine ist gemessen worden:/ und den Hawstein, so itzo in Vorradt und diesen Winter gehawen ist, uff 400 Thaler und trüber“.

Dieser Vorrat an Steinen, die zum Teil schon behauen sind, stammt aus dem Sün-tel und ist besonders für Steinmetzarbeit geeignet. Meister Eberhardt hat die Hausteine 1585 und 1586 nach Barntrup auf die Baustelle bringen lassen und hat die Gesellen bei den Hauarbeiten „gelohnet“. Sie haben aus den Steinen Fensterumrahmungen, Posten und Stürze geschlagen. Die Eintragung darüber lautet: „So hatt er auch, vermueg der geltrechnung der Frawen von Kerssenbruch (Anna von Canstein) verkauf« und übergelassen Sünteller stein bhuiff Fenster, Posten Steurt-zelen und sonsten, welchem er uffm Süntell gebrochen, bei seiner verostung, und zum teill beschlagen lassen. Wegen der beschlagenen aber sein jhederzeit die gesellen gelhonett.“ — Es wurden 1585 18 Fuder Süntelner Steine angeliefert und Anno 1588: 38 Fuder.
Meister Eberhardt Wilkeningk war ein vielseitiger Baumeister, Steinmetzmeister und Architekt. Wir hören an dieser Stelle, daß er wegen „der Niederreißung an der Auslag“ „zur Verehrung emtpfangen“: 10 Taler. Es handelt sich hier um die kunstvolle, durch beide Stockwerke gehende Ut-lucht in der Südfront des Schlosses, für die Meister Eberhardt als „Architekt“ und Künstler den Entwurf gezeichnet hat, ein glanzvolles Schmuckstück aus Diamantquadern mit den Wappen aus der Ahnenreihe des Erbauerehepaares in der oberen Brüstung.
Eberhard Wilkeningk hat noch einiges Restgeld zu bekommen, so von den Wendeltreppen im Aufgangsturm. Er hat bisher nicht mehr als 28 Taler empfangen. Auch wegen der Krautgartentür sind ihm noch 11 Taler zugesagt. Aus den 400 Talern für die Sünteler Steine, die er zurückgibt, einigen Restgeldern und „Verehrungen“ für sein künstlerisches Tun, entsteht später die höhere Summe von 1688 Taler 3Va Groschen „Borechnett 21 ten May Anno 88 vermueg einer Rechnung, so er bei sich hatt und ich mit ihme hab gehalttenn“

Am Rande der Vermessungsblätter finden wir folgende Notiz: „Empfangen wegen der „Bilder“ über der Kellerthür: 1 tahler. 25 May“. Es handelt sich um das Reliefbild des Weinschenken im Tympanon über dem Kellereingang, darstellend wohl den 1576 verstorbenen Gatten der Bauherrin, den in den Hugenottenkriegen reich gewordenen Söldnerführer Franz II. von Kerßenbrock. Wenn man das farbige Bild Franz IL aus dem Stammbuch der Catha-rina von Canstein aus dem Verlöbnisjahr Annas kennt, glaubt man eine Ähnlichkeit zwischen Bild und Süntelsteinrelief zu erkennen, das Eberhardt Wilkeningk 1 Taler „zur Verehrung“ einbrachte. Wilkeningk war nicht nur Architekt und Baumeister des neuen Schloßgebäudes, sondern auch maßgeblich als Steinmetzkünstler daran tätig. Eine Bemerkung auf der Außenseite des Bauprotokolls könnte darauf hindeuten: „2 thaler 24 groschen uff Hawstein zu figuren Meister Eberhardt und demselben 32 groschen behuiff dannen deelen.“ Hier mit dem Datum des „newen gebewer 21 marty A 88″ (1588). Die Abnahme ist also an mehreren Tagen erfolgt.
Zwischen 1584-88 war der neue von Anna von Canstein vom Rat der Stadt Barntrup hinzuerworbene Teil des alten Hagens oder Knicks — nunmehr zum Schloßhof umgestaltet — eine große Baustelle und bildete mit dem alten schon 1496 an den von Kerßenbrocks verliehenen Sattel- oder Lehnshof am Niederen Tor einen vergrößerten Adelssitz, auf dem in vier Jahren das schöne Renaissance-Schloß nach den Entwürfen von Eberhardt Wilke-ningks — sicher auch von der Bauherrin ideell beeinflußt — errichtet worden war. Der in unseren Bauakten auftretende Gerlach von Kerßenbrock war ein Vetter von Franz IL, dem Gemahl der Anna von Canstein. Er saß auf Mönchshof und war von der Witwe Anna von Canstein gebeten, die Bauabnahme und Vermessung zu tätigen. In einer Urkunde vom 3. Dezember 1588 siegeln Anna von Canstein und Gerlach von Kerßenbrock ihre Unterschrift unter einem Vertrag. Es handelt sich um einen Grenzstreit und Vergleich wegen eines Holzes oberhalb von Hillentrup, wo die von Kerßenbrocks Holz besaßen. Betagte Männer, Altsassen, hatten die Grenze begangen, beschrieben und nun neu „flur-namentlich“ festgelegt.
Wann Anna von Canstein mit Wilke-ningk Kontakt aufgenommen und ihn für den Neubau gewonnen hat, ist nicht bekannt. Sie hat jedenfalls bald nach dem Tode ihres Mannes mit Erweiterungsplänen des Niederen Hofes und Bauplanung für die Errichtung eines Schlosses für sich und ihre unmündigen Kinder begonnen und muss eine sehr energische, tatkräftige und hochgebildete Trau gewesen sein. Dass die Schlossanlage schon früh geplant worden ist, deutet die Jahreszahl 1577 im großen Torbogen zur Stadtseite hin. Wilkeningk und seine Bauhütte haben keine Steinmetzzeichen hinterlassen, nur in der Spitze des Westgiebels die Jahreszahl 1588 angegebracht.

Anna von Canstein (in Witwentracht), Gemahlin Franz II. von Kerßenbrock, Bauherrin des Schlosses Barntrup, * 1536 ✞ 1591 (Foto nach dem Ölgemälde im Schloß Barntrup. Foto: Knese).

Nach der Bauabmessung und Rechnungsabnahme ist noch bis 1604 stark an dem umfangreichen Baukörper im Innern weiter gearbeitet worden. Unbeachtet der Aufzeichnungslücken in den einzelnen Jahren, können wir errechnen, was das Schloss im ganzen ungefähr gekostet haben mag nach den „Nachrichten über den Bau des Wohnhauses auf dem Hofe Barntrup, extrahiert aus den vorhandenen Registern“:
5 813 Taler 15 Groschen 7 Goßler. Wir erfahren, was für die einzelnen Vorgänge veranschlagt und später in Rechnung gestellt wurde, weiter auch die Namen einzelner Bauleute, nicht aller, die beim Schlossbau tätig waren.
Es sind im ganzen 11 Meister und Handwerker, deren Namen wir aus der Voranschlags- und Rechnungsaufstellung erfahren.
1. Meister Eberhardt Wilkeningk — im Belegheftchen meist als Meister Eberhardt auftretend — war der Architekt, Bau-und Steinmetzmeister des Schlosses. Wie dem Meister Hermann Wulff der Braker Schloßbau des Landesherren, so war Meister Eberhardt Wilkeningk der Barntruper Schloßbau verdingt worden. Beide Baumeister haben nach der Verdingung auch ihre Knechte von dem Geld bezahlen müssen. In der Barntruper Verdingungs- und Abmessungsrechnung stoßen wir auf manche Einzelheit, so daß „dem M. Eberhardt Anno 1585 eine Windeltreppe zu machen „veraecordirt“ sei, 6V2 Fuß weit, jeden Tritt zu 27 Groschen; Hawwerk 5’/ä Ellen für 1 Thaler, Mauerwerk je Ruhte 2 Th. 27 Gr.“
Nicht nur in den Hauptbaujahren von 1584-88, sondern auch noch in den weiteren Jahren treffen wir Wilkeningk an. In den Jahren 1588-1590 erhält er die Summe von 922 Talern 13 Groschen 3 Goßler. Im Jahre 1589 sind ihm die Keller zu „wällern“ verdingt samt den Pilaren, Fenstern, Türen und Treppen zu 150 Talern und 3 Talern Weinkauf, „wobei er allen Handlang selber stellen muss“. 1590/91 sind ihm nochmals 20 Taler zugelegt worden. Wilkeningk, dem die „Veraccordirung“ also im ganzen für diese Position 170 Taler zubilligt, überschreitet den Voranschlag kaum. Er bekommt nach dem Rechnungs-heftchen 173 Taler, außerdem noch in den Jahren 1590/91 und 1601/02 zusammen 36 Taler 31 Groschen 4Vi Pfennig. Im ganzen werden Meister Eberhardt Wilkeningk ausgezahlt für „Steinhauer- und Maurerarbeit“: 1 132 Taler 8 Groschen 7V« Pfennig.
Nach der ersten Aufmessung vom 18. und 21. Mai 1588 erfolgt im August 1590 eine weitere „Baumessung“. Der Bau war weiter fortgeschritten, und man wollte die im Verding festgesetzten Preise, die Durchführung weiterer Bauarbeiten und ihre Kosten überprüfen. Zu dieser Vermessung wurde als unparteiischer Fachmann Meister Hermann Wulff hinzugezogen. Zweimal wurde ein Bote zu ihm geschickt, ein zweitesmal am 5. August 1590, bis er wohl Ende August nach Barntrup kam, um mit Gerlach von Kerßenbrock die Baumessung und Abrechnung vorzunehmen. Die letzte Baumessung hat am 10. September 1590 stattgefunden. Dann verschwindet Meister Eberhardt Wilkeningk aus den Bauakten, obwohl ihm auch der Kellerbau verdingt worden war. Ein weiterer Meister setzte die begonnenen Arbeiten Wilkeningks fort. Es handelt sich um
2. Hans Rade von Blomberg — im Rechnungsheft schlicht M. Hans von Blomberg auftretend. Er ist der zweite namentlich vorkommende Meister. Es sind ihm die Gewölbe in den Türmen „accordirt a 8 Taler, wobei ihm aber Handlanger gegeben und er aufs Ganze noch erhalten sollte 1 Scheffel Roggen und eine Seite Speck.“ Die Verdingung wird aufgeführt unter Anno 1591/92.
Hans Rade von Blomberg ist auch das Zurechthauen und Legen der Pflastersteine in der Küche verdingt und das Umändern der Türen zu 40 Talern, außerdem 3 Taler als Weinkauf. Für die Gewölbe in den Türmen erhält er später 48 Taler 16 Groschen, für das Legen der Pflastersteine in der Küche und die Türänderungen im ganzen 43 1/2 Taler. Im hiesigen Gebiet war Hans Rade von Blomberg ein bekannter Bau- und Maurermeister, der am Barntruper Schloss von 1591 bis 1593 gearbeitet hat, wie aus dem Baurechnungsregister hervorgeht. Bei seinen Arbeiten am Schloss muss Hans Rade schon ein bejahrter Mann gewesen sein, Kunsthistoriker Gaul berichtet von ihm, Rade habe auch das steinerne Erdgeschoß des neuen Saalbaues im Ostflügel der Blomberger Burg erbaut, das geschah 1560-61. Auch im Bauregister von Mönchshof (St. Dtm. A. v. Kerßenbrock L. 114) tritt Hans Rade von Blomberg auf. Als Gerlach von Kerßenbrock 1570 in einem Teilungsvertrag Mönchshof erhalten hatte — damals noch Ointrup geheißen — zuvor hatte Gerlach sich 1562 sein Stadthaus in der Papenstraße in Lemgo (jetzt Nr. 22 Zahnarzt Dr. Räker) neben dem Hause seines Vetters Franz erbauen lassen — ging er 1590 daran, in Mönchshof Neubauten errichten zu lassen, die 1592 vollendet wurden. Der Bau des Wohnhauses in Mönchshof wurde dabei dem „Maurer“ Hans Rade verdingt. Hans Rade erhielt dabei zum Weinkauf und für die Affcontrafetunge (Entwurfzeichnung) des zu bauenden Hauses 1 ½ Taler und eine Kuh. Besondere Werkstattarbeiten, für welche man auch die Steine aus Obernkirchen bezog, ließ man durch „Steinhauer“ ausführen, unter denen Christoff Reickert, Hermann Wulff und unser Evert Wilkeningk genannt werden, welche die Freitreppe, Kamine und Wappen arbeiteten.

Kleine Halbfigur Anna von Cansteins auf dem Gesimse über dem Eingang des Schlossturmes. (Foto: Knese)

Kamine und Wappen arbeiteten. Für die stattliche Summe von 62V2 Talern schuf Hermann Wulff den Kamin im Backhause und zwei Wappen am Tor. Nichts ist davon mehr erhalten infolge des Neubaues im Jahre 1764. Nicht nur in Blomberg, Mönchshof und Barntrup war Hans Rade abwechselnd tätig, sondern am 28. Mai 1592 begann er auch Bauarbeiten am Schloss in Varenholz. Im März 1592 arbeitete Hans Rade am Wohnturm des Varenholzer Schlosses. Nachdem Meister Hans am 26. und 27. Mai noch einmal in Barntrup war, begann er am 28. Mai den Neubau des Renaissanceschlosses in Varenholz.
Vermutlich war man seinerzeit nicht ganz zufrieden mit Hans Rades Weggang, da die Arbeiten in Barntrup noch nicht abgeschlossen waren, aber er verpflichtete sich, „wenn die Junker (die Söhne Franz II. von Kerßenbrock) allhier kämen, die Arbeiten am Barntruper Schloss fortzuführen und die verfertigten Steine zu versetzen.“ Die Arbeiten wurden aber erst 1599-1601 weiter fortgeführt, wie uns die Bauregister berichten. Diese Weiterarbeiten führte aus
3. Meister Peter Steinbaum. Von ihm steht in den Bauregistern nur ein Satz. Es heißt da: „Peter Steinbaum hat vorzüglich an den Schornsteinen verdient Anno 1599-1601″. Für diese Arbeiten bekommt er die beachtliche Summe von 144 Talern 1 Groschen 1 ½ Pfg.
Ehe Meister Peter Steinbaum nach Barntrup kam, hatte er im Sommer 1598 am Schloss Sternberg gearbeitet und die zierlichen Türen im Erdgeschoß des Pallas auf der Burg geschaffen, die denen im oberen Saal des Barntruper Schlosses sehr ähnlich sind, und den ziemlich schlichten Kamin im Saal mit den Wappen von Lippe und Schaumburg. Die Steine dazu waren aus einem Steinbruch zu Hörn geliefert.
Blicken wir zurück, so stellen wir fest, dass zwischen 1588 und 1602 am Schlossbau in Barntrup für Steinhauer- und Maurerarbeiten im ganzen 1 368 Taler 8 Groschen und 3 Pfennig ausgegeben wurden und aktenmäßig in den Vorbemerkungen zum Verding und bei den Rechnungsausgaben die bisher genannten und skizzierten Meister Eberhardt Wilkeningk, Hans Rade von Blomberg und Peter Steinbaum (Stein-boim) genannt werden.
Das große Gebäude „abzubereiten“ nach dem Rohbau geschah zunächst 1589/90 im Tagelohn für 17 Rtl. 34 Gr. 3 d. Die fernere Arbeit wurde 1590/91 auch an Meister Eberhardt Wilkeningk verdingt für 50 Reichstaler, wovon er jedoch auch die Handlanger löhnen musste. Die übrigen Handlanger bekamen 1590/91: 10 Rtl. 14 Gr. 2 d. — Im ganzen wurden für die „Abbereitung“ des Rohbaues 78 Rtl. 13 Gr. 55 d. ausgegeben.
Aus den Bauregistern werden zwar keine namentlichen „Handlanger und Tagelöhner“ bekannt, jedoch, was für jeden ausgegeben wurde. Täglich bekam jeder Handlanger oder Tagelöhner, er habe Kalk geschlagen, Steine oder Kalk getragen 5 Groschen (1 Taler = 36 Groschen). Aus der Gesamtsumme, die in den einzelnen Jahren in dieser Position ausgegeben wurde, können wir errechnen, wieviel Tagelohneinheiten jeweils erfolgten. Ausgabe für 1588/ 89: 120 T. 8 G. 4 d.; 1589/90: 93 T. 2 G. 4 d.; 1590/91: 13 T. — G. 3 d.; 1591/92: 18 T. 23 G. IV* d.; 1599/1600: 1 T 22 G. — Im ganzen wurden ausgezahlt: 246 Taler 21 Gr. = 246.36 = 8 856 und 21 = 8 877 : 5 = 1 775 Tagelohneinheiten.
Für manche Handwerker wurde auch Schlaf- oder Quartiergeld ausgegeben. Solche, die von auswärts kamen, erhielten wöchentlich 1 Fürstengroschen, d. i. 1 Mariengroschen 3 Denare. Modern gesprochen, es gab auch schon damals Arbeitspendler. Auch hier lassen sich aus dem Quartiergeld die Einheiten ausrechnen. Im ganzen wurden zwischen 1588-91: 38 Taler 21 Groschen 5Vi Denare ausgegeben.
Bei den Bauhandwerkern spielten auch die Sagenschneider eine Rolle. Der Sagenschneider erhielt täglich 6 Groschen 1 Kortling. In der ersten Zeit war ihnen der Kortling (= 2 d) „abgehandelt“, musste ihnen aber 1592 wieder zugelegt werden. Von 1588—1590 wurden für Holz- oder Sagenschneider ausgegeben: 123 T. 18 Gr.; für 1590—1592: 27 T. 21 G. — Auch hier lässt sich errechnen, wieviel Arbeitseinheiten oder Sagenschneider-Lohntage beim Schlossbau anfielen: (z.B. für 1588—1590: 123.36 = -4 428 und 18 = 4 446:6 = 741).
Aus den v. K.-Bau-Akten (St. A. Detm. von Kerßenbrock L. 114) erfahren wir auch, wer die Steine für den Schlossbau gebrochen und angeliefert hat.
4. Mit Hermann Groten ist das „Steinebrechen veraccordirt“ und zwar „15 Fuder Hausteine um 1 Rtl. und 20 Fuder Mauersteine um 1 Rtl.“ Es mag so gewesen sein, dass die HAUSTEINE im Steinbruch nur roh gebrochen und dann auf der Baustelle im Freien oder in der Bauhütte zurecht-gehauen wurden zu Werksteinen, so wie es beim Schloßbau in Brake geschah. Windelsteine, Fensterumrahmungen, Treppenstufen bekamen an Ort und Stelle die künstlerische Form. Die vielen Steinbrüche in unserem Gebiet waren eine günstige Basis für die vielen Bauvorhaben zu dieser Zeit. Wie in Mönchshof wurden auch in Barntrup vorwiegend Süntelsteine verwandt, besonders als Hausteine gut geeignet. Beim landesherrlichen Braker Schloss nahm man Teutoburger-Wald-Sandstein, beim Varenholzer Schloss Hausteine aus den Bückebergen. Brakes und Barntrups Schlossbauzeit liefen etwa parallel. Bei den MAUERSTEINEN (20 Fuder = 1 Taler) handelt es sich um gewöhnliche Bruchsteine, die für Mauern und Gründungen dienten. Aus der Position „Steinebrechen“ können wir die Anzahl der gelieferten Fuder an Hau- oder Mauersteinen errechnen. Bis Anno 1589 Ostern werden für Steinebrechen in Rechnung gestellt: 88 Taler 1 Groschen 5 Pfg. Das wäre das Geld für 1 760 Fuder Mauersteine oder 1 320 Fuder Hausteine, abgerundet. Die Ausgabe für Steine und Steinbrechen beträgt in den folgenden Jahren: 1589/90: 15 T. 23 G. 3 d.; 1590/91: rund 11 T.; 1592/93: 25 T. 30 G. 3 d. — Umgerechnet in Fuder ergibt das eine ansehnliche Zahl an Steinfuhren. Im ganzen wurden von 1589—1601 für 163 Taler 11 Groschen 2 Pfg. Mauer- und Hausteine auf der Baustelle im Schlosshof angeliefert und verarbeitet. Da muss es in den Hauptbaujahren auf dieser Großbaustelle am Niedern Hofe sehr lebhaft zugegangen sein.
Da hatten auch Kalkbrenner, Kalkschläger und Kalkträger viel Arbeit. Ihre Namen erfahren wir nicht. Die Bauherrin Anna von Canstein unterhält auch einen eigenen Kalkofen. „Die Steine zu einem Ofen zu brechen werden mit 6V2 Taler veraccordirt . . . Wenn er neu gemauert wird, einen Taler mehr“. Von 1588-89 werden behufs des Kalkofens 49 T. 29 Gr. und 1589-90: 31 T. 24 G. in Rechnung gestellt. Anno 1590-91 erfordert der Kalkofen 22 T. 8. G. — „Dem Kalkbrenner wird für einen Ofen 13’/•> Taler und 1 Scheffel Rocken verdingt“. Holzhauen soll in Tagelohn gehen, der Fuhrlohn für Steine a 3 Groschen. Ab 1591 entsteht in der Aufstellung eine Lücke. Anno 1600-1601 steht betr. Kalkofens nochmals in der Rechnung 13 Taler. Im ganzen werden für den Kalkofenbetrieb von 1588—1601: 116 Taler 35 Groschen ausgegeben.
Der Fuhrlohn für Baumaterial war recht gering. Der Transport der Steine erfolgte entweder durch eigene Gespanne des Niederen Hofes oder durch Spanndienste. Es ist zu vermuten, dass letztere hier in Barntrup nicht allzu umfangreich gewesen zu sein scheinen, jedenfalls in unseren Bauakten keinen Niederschlag gefunden haben.
Es ist bekannt, dass in Brake, als dort zu gleicher Zeit wie in Barntrup Simon VI. den Nordflügel mit Turm von Baumeister Wulff im Stil der Weserrenaissance errichten ließ (1584—1591), die Landbewohner der Landesherrschaft viel Spanndienste als Burgvestdienste, außerdem Handdienste leisten mussten, die nichts kosteten. Der Landdrost oder Amtmann forderte bei dem zuständigen Amtmann abwechselnd Pferdewagen und Leute in den Ämtern Brake, Blomberg, Barntrup, Sternberg, Hörn, Schieder, Schwalenberg und Varenholz an, manchmal auch in einzelnen Dörfern, so in Sonneborn. Es wurde dabei Rücksicht auf die Landwirtschaft genommen. Auch im Winter, wenn sonst nichts zu tun war, wurde gefuhrt. Jeder Bauer musste einen Pferdewagen mitbringen und ein gutes Fuder Steine von der Velmerstot nach Brake auf die Baustelle zum Schlossbau bringen. Später holte man die Bausteine vom Wiembecker Berge. Bevor die Erntearbeiten losgingen, so heißt es am 16. Juli 1586 (St. A. Detm. L. 63 9 A II), sollten nochmals tüchtig Steine gefuhrt werden. Zu den Spanndiensten kamen die Handdienste, zu denen die Kötter sowohl als auch die Meier jedesmal eine Person für zwei Tage zu stellen hatten, für die Abbrucharbeiten alter Mauern, Ausschachtungsarbeiten an der Gräfte, Handlangerdienste. Wenn die Handdienstler nicht ausreichten bei dem großen Bauvorhaben, wurden auch zusätzlich freie Handlanger eingesetzt gegen Bezahlung. Manchmal waren bis 70 Leute in Brake am Schlossbau tätig, die alle ihre eigenen Pillhacken und Schaufeln mitbrachten und alle zwei Tage abwechselten.
Wie in Brake traf man auch in Bantrup auf der Schlossbaustelle die verschiedensten Bauhandwerker. Auf der großen Baustelle am Niederntor in Barntrup gab es viel Arbeit für den Schmied. Namentlich wird keiner genannt, aber die Ausgabe für Eisen, Blech und Blei ist in dieser Ausgabeposition in der Abrechnung recht hoch. Im ganzen wurden von 1590—1600: 555 Taler 16 Groschen 2V2 Pfg. ausgegeben. Bis 1591 hatte der „Hof“ eine eigene Schmiede. Es wurde aber auch auswärts etwas gemacht, z. B. eine Fahne auf den Hauptgiebel für 4 Taler in Blomberg, eine kupferne Fahne für 10 Taler 28 Groschen. — Die Fahne auf dem Windelstein (Windeltreppenturm) hat 10 Taler und die Fahne auf dem letzten Rundturm oder Zwinger 5 Taler gekostet. Den Namen des Schmiedes in der schlosseigenen Werkstatt erfahren wir nicht, auch nicht den Lieferanten von auswärts. Blei spielte damals eine Rolle, wenn für Türen und Fenster die Hespen in den Stein gegossen wurden. Wer Hespen, Schlösser, Haken, Handgriffe und Beschläge lieferte, ist nicht aktenkundig. Von 1588—1590 wurden im ganzen für Eisen, Blech, Blei und Schmiedewerk 325 Taler 30 Groschen 7V« Pfg. ausgegeben. In den Anmerkungen zur Verdingung heißt es: „Nachdem die eigene Schmiede niedergelegt, ist die „gemeine“ Schmiedearbeit und die Nägel verdingt: 350 Dellnägel für 1 Reichstaler, 600 Hespennägel für 1 Rtl.“ Auch für Schlösser wurde eine beträchtliche Summe ausgegeben, nämlich von 1599—1600: 42 Taler 5 Groschen.

Schloss von Kerssenbrock von SW. Quelle: Heimatland Lippe

Als weiteren Bauhandwerker finden wir auf der Baustelle des Niederen Hofes unter den Zimmerleuten den 5. Zimmermeister Henrich Rekampf. Er war sicher nach Eberhardt Wilkeningk ein wichtiger Mann auf der Baustelle. Die Zimmerarbeit ist „veraccordirt an Meister Henrich Rekampf für 284 Reichstaler und 1 Fuder Roggen und 1 ½ Fuder Gerste“. Der Meister erhielt außerdem freien Tisch. So war er immer an Ort und Stelle, kam aber vielleicht auch von auswärts. Ihm wurden von 1588—1591: 113 Taler 27 Groschen ausgezahlt. Rekampf wurden nach dem ersten Vertrag noch 1589 verdingt, die Bögen in die Keller zu zimmern und helfen hineinzulegen für 31 Taler. Als drittes werden Rekampf auch verdingt, „das Holzfällen, Beschlagen und Aufrichtender ersten Balken“. Diese Arbeit erscheint in der Rechnung mit 25 Talern 14 Groschen 3 Pfg. Wir sehen aus den Verdingungen, dass die Arbeit des Zimmermanns in jener Zeit auch schon sehr vielseitig war. Er hatte im Walde die passenden Bäume auszusuchen, zu fällen, die Arbeit der Sageschneider zu überwachen, die Balken, Sparren, Holzbögen und Nagelhölzer zu-rechtzuhauen. Die Konstruktion der Bögen für die Keller und Gewölbe spielten eine besondere Rolle, auch die Errichtung der Dachstühle, der Zwischenwände (Scherunen) und die Bedielung der Wohnräume, Bohnen und Kammern. Im ganzen wird für die Zimmerarbeit nur 170 T. 27 G. und 3 d. ausgegeben. Es war nicht zu ermitteln, ob Meister Rekampf zwischen 1588 und 1601 nicht alle Zimmerarbeit gemacht hat, da er weit unter dem Kostenanschlag von 284 Talern blieb.
Den Schreinerarbeiten und Dielen ist im Bauregister ein besonderer Absatz gewidmet (p. 18). Wir erfahren keine Namen. Die Schreiner hatten in der Hauptsache die Fensterrahmen und die Bodenbeschussung auszuführen, daneben aber auch andere Tischlerarbeiten, Fertigung von Tischen, Bänken, Betten, Schränken, Wandvertäfelungen. In der Verdingung werden die Fensterrahmen so veranschlagt: „Die großen Fensterrahmen in der Hofstube ä 15 Groschen, auf dem Saal ä 12 Groschen, die übrigen geringer“. Ferner werden verdingt: 3 Türen (doppelte) mit großen Nägeln, nämlich vor dem Windelstein, der Küche und dem Keller zu 1 Reichstaler 27 Groschen. Der Voranschlag wird dann auch bei der Rechnungsabnahme genau eingehalten und die 3 Türen werden mit 21 Groschen x 3 = 63 Groschen oder 1 Taler 27 Groschen berechnet. Die 3 Türen zusammen mit den genannten Fensterrahmen werden dann insgesamt 1591-92 in der Rechnung aufgeführt mit 71 Talern 9 Groschen. — Die Dielen scheinen hauptsächlich 1599—1601 gelegt zu sein. Dielen und Arbeitslohn erscheinen mit 110 Talern 18 Groschen.
In dem Bauregister begegnen uns Handwerker, die mit „DONNICHER“ bezeichnet werden und die Aufgabe hatten, die Innenwände und Decken zu belehmen und zu bekleben, d. h. zu verputzen.
Donnicher oder Donneker oder Donker waren Tüncher, die mit. Kalk oder Lehm bekleideten (donneken, donken = tünchen, mit Kalk oder Lehm bekleiden). In gräflichen größeren Schlössern, wie Brake oder Varenholz, waren diese Doneker als Gipsgießer tätig, welche die Decken und Wände der Gemächer mit Gips begossen oder ausfüllten. Heute würde man sie mit „Verputzer“ bezeichnen. Unser Donnicher beim Schloßbau in Bartrup war
6. Meister Goßmann. Er hatte nicht nur zu verputzen, sondern auch die Spielen zu hauen und bekam dafür 12 Taler 12 Groschen. In der Verdingung für Goßmann heißt es: „1591-92 ist dem M. Goßmann verdingt die unterste Scherung zu zeunen und zu kleiben und die schon mit Spielen überlegte erste Wohnung in Lehm zu bringen und nach Gebühr zu verfertigen für 45 Reichstaler 27 Groschen, Weinkauf eine Seite Speck“. In der Abrechnung erscheint dieselbe Summe, Goßmann hat also seinen Voranschlag eingehalten. Er bekommt auch den Auftrag, „die andere Wohnung zu betragen und die Spielen selbst zu hauen für 35 Taler, 18 Groschen Weinkauf“. Goßmann bleibt mit 3 Talern unter dem Voranschlag, denn in der Endrechnung stehen für diese Position nur 32 T. Anno 1593 entsteht eine Lücke in der Sparte der Ausgaben für „Donnicher“, setzt dann aber wieder ein mit dem Jahre 1599. Da erfahren wir den Namen eines weiteren Bauhandwerkers, der wohl Zimmermann und Donnicher gewesen sein mag.
7. Es ist Simon Hötker. Ihm ist die Küche verdingt zu 22 Talern, weiter des Junkers Kammer und 1 Tür zu 13 Talern, die Hof stubenkammer und die Türen zu 22 Talern. „Übrigens ins Tagelohn.“ Für diese Arbeiten finden wir im Ausgabenverzeichnis: 126 Taler 8 Groschen. Im ganzen schließt die Donnicher-Position für 1591 —1600 ab mit 216 Reichstalern 29 Groschen 3 Pfg. Einen weiteren namentlich aufgeführten Bauhandwerker weist die Verdingung für die Dachdeckerarbeiten auf. Diese wurden „veraccordirt“
8. Joh. Egbrecht für 180 Reichstaler. Er soll für sich und seine Gesellen „freien Tisch, zugleich auch Wand zum Leibrock haben“ — „Sollte aber auch die Höxtersteine und Nägel bis Ohr verschaffen.“ Von dort wurden sie dann durch Eigen oder Gespanndienste nach Barntrup gefuhrt. Wie das Schloß Varenholz wurde also auch das von Kerßenbrock ursprünglich mit den sandroten Höxtersteinen gedeckt, wie wir sie auch noch bis vor einigen Jahren auf dem Herrenhaus in Mönchshof hatten. Heute hat das Hauptdach vor einigen Jahren nach der Renovierung rote Dachziegel bekommen. Nach der Verdingung von 1588 finden wir später in einer Bauanmerkung noch den Nachtrag: 1590 noch zugelegt 25 Taler, den Gesellen verehrt 1—8 Groschen. Wahrscheinlich ist Johann Egbrecht mit der ersten Anschlagsumme nicht ausgekommen. In der Ausgabesumme finden wir denn auch für die Jahre 1588-90: 206 T. 8 G. In den Jahren 1600-1601 steht noch bei den Dachdeckerarbeiten: „Den Schornstein und etliche Krimpfen verdingt zu 9 Talern.“
Der Dachdecker legte nicht nur die Höxterplatten auf die Dächer, sondern fertigte auch die Dachrinnen. Beim Schloss Brake wurden von vornherein Dachpfannen, „Hangsteine“, genommen, während Schloss Detmold mit Schiefer bedeckt wurde.
Wie aus dem Bauregister hervorgeht, wurden in Barntrup die Türme des Schlosses mit Schieferplatten versehen. Diese Schieferplatten werden verdingt an
9. Benne von Warburg. Der Dachdecker, der die Schieferplatten gelegt hat, erscheint in der Rechnung als „Legendecker“. Am 21. Oktober 1588 ist an Benne von Warburg der Turm nach dem großen Garten zu mit schwarzen Schieferplatten zu dekken, verdingt für 9 Reichstaler und freien Tisch. Für Weinkauf und Weg werden gewährt 1 Taler und 6 Groschen. Wir vernehmen aus den Akten: „Der Stein wurde auf der Kuhle geschlagen“, ist also nicht roh angeliefert worden. Für Zehrung finden wir eingesetzt 5 Taler. Die Arbeit an den Türmen scheint nicht ganz einfach gewesen zu sein. „Als der Meister hier angekommen, und die Thürme gesehen, hat er den Accord nicht halten, sondern davon laufen wollen. Da ist ein anderer Accord mit ihm gemacht, nemlich die 2 großen Thürme und den Windelstein (Treppenturm in der Vorderfront) zu decken für 56 Thaler.“ Diese Abmachung wird von Meister Benne von Warburg eingehalten.
Er bekommt 1589/91 insgesamt 29 und 26 = 55 Taler. 1591 erscheint noch die Eintragung: „dass er die beiden Thürme wieder aufgenommen und besser und weiter „abgeschalket“: 3 Thaler.“ Der Bauherr ist mit ihm und seinen Mitarbeitern zufrieden: „Zur Verehrung an die Gesellen und Jungen: 2 Thaler 24 Groschen.“
Nach einer längeren Lücke im Register hören wir dann, dass 1599—1600 wegen der Schornsteine 9 Taler ausgegeben werden. Für „Legendecker“ oder „Leiendecker“ beträgt die Gesamtausgabe: 75 Taler 30 Groschen. Woher wurden nun die Schiefersteine (Im Register „Schiffersteine“) zum Barntruper Schloss bezogen? Die Schiefersteine kamen aus dem Sauerland, aus den beiden Orten Antfelde und Scharffenberg. Es heißt in dem Kapitel: „Schiffersteine“, Nägel, Fuhrlohn: „Die Steine sind zum Scharffenberg oder auf der Kuhle zu Antfelde eingekauft.“ 25 Fuder blieben rauh, 21 wurden beschlagen. Sie wurden zuerst bis Paderborn geliefert und dann dort abgeholt, teils durch eigene Gespanne, andere durch Gespanndienste. (Antfeld liegt im Amte Bigge, Kreis Brilon, Scharffenberg-Nutlar bei Brilon). Von 1589—1590 wurden für rauhe und beschlagene Schiefer-platten aus Antfelde und Scharffenberg allein 400 Reichstaler 7 Groschen ausgegeben, eine ziemlich hohe Summe in der Gesamtausgabe. Auch die Nägel und Haken für die Schieferdeckerarbeiten sind meist zum Scharffenberg gemacht, heißt es in den Akten. Dafür wurden ausgegeben 12 Taler 24 Groschen 3 Pfg. Zuletzt hat ein Barntruper Nagelschmied hier an Ort und Stelle noch einige Nägel gemacht. Es handelt sich um
10. Nagelschmied Barthold Pfenning. Der Barntruper Nagelschmied Pfenning lieferte Nägel in den Jahren 1599—1600 für 2 Taler 7 Groschen.
Die Ausgestaltung der Dachkamine oberhalb des Dachfirstes scheint erst nach Anna von Cansteins Tode erfolgt zu sein. In der Baurechnung heißt es 1600: „Die Schornstein aus dem Dache waren verdingt ä Elle zu 4V2 Groschen — 115’/2 Ellen.“ Es werden für die Schornsteine ausgegeben (115,5×4,5 Groschen = 519,75 Groschen; 519,75 Groschen : 36 = 14 Taler 15 Groschen.) nach der Gesamtaufrechnung 14 Taler 15 Groschen. Wer die künstlerischen Schornsteinaufbauten, die heute nach der Restaurierung von 1962 verstärkt den Eindruck der Verwandtschaft mit den Kaminen der französischen Loire-Schlösser machen, entworfen und gefertigt hat, erfahren wir nicht.
In der Position „Fenstermacher“ lesen wir den Namen des Handwerkers, der am Schloss die Fenster verglast hat. Es ist der Fensterglaser
11. Cord Hußman. Ihm sind die Fenster „veraccordirt“ IOV2 Fuß zu 1 Reichstaler. „Von gutem Glase, auch Blei und Zinn wie die Fenster in Brack“, wie es in der Verdingung heißt. Der Glaseker Caspar Schloer in Lemgo hatte die Fensterverglasung in Brake so vorzüglich gemacht, dass sie dem Barntruper Fensterglaser Cord Husman als Muster auferlegt wurde (Detm. St. A. V. K. L 114 A). Von der Gesamtsumme für Fensterverglasung von 256 Rtl. 28 Gr. von 1590—1600 wurden allein in den Jahren 1590-93: 240 Rtl. ausgegeben.
Am Schluss der Baurechnung für den Schlossbau hören wir noch eine kurze
Nachricht darüber, was in der Zeit von 1600 — 1601 aufgewendet wurde für: Eiserne Öfen, Kacheln und Setzerlohn!
Wer die Kacheln hergestellt und sie in Barntrup zu Kachelöfen zusammengesetzt hat, erfahren wir nicht. Die Ofensetzer hatten meist die Berufsbezeichnung Potker oder Pötker = Töpfer. Das kleine Baunachrichten-Heftchen berichtet, dass Anno 1600 auf des Junkers Stube „Kaglen“ (Fliesen) gesetzt wurden für 14 Taler 8 Groschen und 3 eiserne Öfen gekauft wurden für 37 Taler 18 Groschen, jeder Ofen also für 12’/2 Taler. Es waren wohl die Eiseneinsätze für die Kachelöfen des Schlosses.
Damit schließen die Baunachrichten ab.
Aus „Nachrichten über den Bau des Wohnhauses auf dem Hofe Barntorf extrahirt aus den vorhandenen Registern“ erfahren wir, unbeschadet der Auslassungen über einzelne Jahre, was das Schloss im ganzen gekostet haben mag. Aus einem Vorbericht geht hervor, dass die Unterlagen darüber fehlen, was bis zum Jahre 1584 auf diesen Bau verwandt worden ist. 1577 wurde der große Außen-Eingangsbogen zur Stadtseite hin errichtet. Desgleichen fehlen die Ausgaben für die Jahre 1585-88, 1593—1594, 1595—1599. Im Register von 1594-95 steht: „weil am Gebau ferner nicht gearbeitet, die gewöhnlichen Kapitel ausgelassen“.

Quelle: Heimatland Lippe 02/1978 von Louis Knese