Der Krug zu Donop

Gasthaus Wittelsmeyer, Ansichtskarte

Aus zwei Jahrhunderten seiner Geschichte

Die heute von lebhaftem Verkehr berührte und sich durch neue Siedlungen mächtig ausweitende Ortschaft Kirchdonop bestand vor drei oder vier Jahrhunderten nur aus wenigen sich um die ehrwürdige Kirche gruppierenden Hausstätten. Es waren die Häuser für den Pfarrer, Küster, Krüger und die Gebäude kleiner Landwirte und Handwerker. Größere Höfe gab es mit Ausnahme des Mühlenhofes nicht. Auch dieser bestand nur bis zum Jahre 1590. Er fiel dann an den Lehnsherrn, den Junker v. Donop, zurück. Der ließ den Hagen um die Äcker des Hofes ausroden und vereinigte die Länderei mit seinem Gut Hofdonop. Im Kirchdorf selbst war damit kein Raum mehr zur Anlage einer größeren landwirtschaftlichen Besitzung. Der heutige Ortsteil Stoot an der Straße nach Voßheide wurde als Hude genutzt, desgleichen das Land am Wege nach Altendonop. Die großen Höfe der Meier lagen außerhalb des Kirchdorfes in den Ortschaften Hagendonop, Altendonop und Dalborn. Bei dieser Besiedlung war es sicherlich nicht leicht, im Kirchdorf als Krugwirt sein Auskommen zu haben. Das bezeugen — wenn auch nur lückenhaft und in einzelnen Begebenheiten — die über den Krug erhaltenen alten Schriften.

Schankraum des Gasthauses Wittelsmeyer in Donop

Die älteste Nachricht stammt aus den Jahren 1567—1583. Sie ist ein in plattdeutscher Sprache abgefaßter Kaufvertrag zwischen der Kirche und Johan dem Krüger. Beim Abschluß des Vertrages war der Pastor Johann Nordermann als Zeuge zugegen. Die Amtszeit dieses Predigers in Donop umfaßte die Jahre 1567—1583. In dem Vertrag verkauft die Kirche dem Krüger zu erblichen Eigentum das Krughaus, oder besser gesagt das Kirchhaus. Es ist vom Kirchspiel erbaut und seit jeher die Wohnung des Krügers. Der Krüger ist zugleich Vogt. Vielleicht ist dieses Amt die Veranlassung, daß er in einem dem Kirchspiel eigenen Haus wohnt. Denn als Vogt ist er auch Diener der kirchlichen Obrigkeit. Das Gebiet der Vogtei gehört lehnsrechtlich zum größten Teil, wahrscheinbar sogar ganz zum bischöflichen Stift Münster, von dem es wiederum das im nahen Hofdonop und Lüdershof reich begüterte Geschlecht der v. Donop zu Lehen trägt.
Weshalb aber verkauft das Kirchspiel dem Krüger das von ihm bewohnte Haus. Sicherlich brauchte das Kirchspiel das Geld. Zur Kirche gehörte damals nur wenig Grundbesitz. Das Einkommen der Kirche war somit gering. Es bestand aus den Zinseinkünften des Grundbesitzes und einiger weniger verliehener Kapitalien sowie den meist als Naturalien einkommenden Abgaben der Bewohner und frommen Spenden. Das Kirchspiel mußte aber dringend dem Pfarrer ein neues Wohnhaus bauen — es ist 1591 geschehen — und auch das Gotteshaus instandsetzen lassen. Die Gemeinde gab darum einhelligen Gemüts ihre Zustimmung zum Verkauf des Kirchhauses. Das war bereits an mehreren Stellen baufällig. Der vom Krüger bisher aufgebrachte Mietzins reichte eben nicht aus, das Haus auf Kosten des Kirchspiels zu erneuern. Für den Kauf des Hauses zahlt nun der Krüger eine erhebliche Summe guter Taler. Zudem muß der Krüger dem Kirchspiel gegenüber sich verpflichten, seine Gäste fleißig und getreulich zu bedienen, das rechte Maß zu halten und fleißig Bier zu brauen. Das Bierbrauen besorgt er in einem eigens zum Kruge gehörigen Brauhaus. Für die Lagerung des Bieres läßt er unter erheblichen Kostenaufwand einen geräumigen Keller herrichten.
Nach dem Tode des Krügers übernimmt sein Sohn Franz, der wie sein Vater gleichzeitig auch Vogt ist, den Krug. Franz Krüger schreibt in einem Brief vom 26 1. 1600, daß er und seine Familie der Landesherrschaft leibeigen sind, obgleich in vergangener Zeit freie Leute den Krug besessen hätten. Der Krüger hat nur ein ungenügendes Einkommen. Der Krug bringt nicht genug ein, um das Hauswesen zu bessern. Audi fehlt dem Krüger das nötige Geld, um seine drei Schwestern aus der Leibeigenschaft freizukaufen. Die Schwestern können sich deshalb weder auf Meyerstätten noch andere vornehme Häuser und Güter verheiraten. Sie müssen ihre Ehepartner unter den Handwerksleuten suchen. Der Krüger bittet den Landesherren, wenigstens ihn und seine Ehefrau aus der Leibeigenschaft zu entlassen. Desgleichen erbittet er für seine Kinder den Freibrief. Er habe den Kindern eine gute Ausbildung angedeihen lassen, so daß sie sich durch ein Handwerk ernähren könnten.
Die nun folgenden Jahrzehnte werden überschattet durch das Unheil des 30jähri-gen Krieges. Der Krug erleidet durch das Kriegsvolk großen Schaden. Die Söldner fallen wiederholt in das Krughaus ein. Der Krüger muß ihnen nach Gefallen Bier zapfen und erhält dafür nicht einen Pfennig. Der Krüger Franz stirbt in dieser trostlosen Zeit. Seine Witwe ist 1623 nicht in der Lage, die der Landesherrschaft geschuldete Tranksteuer zu zahlen.
Die nächste Nachricht über den Krug verzeichnet das Jahr 1637. Krüger ist Hans Hermann Drüdener. Er ist ein freier Mann und wie seift Vorgänger zugleich Vogt. Seine Freiheit leitet er aus dem Amt des Vogtes ab. Er weigert sich, als Besitzer des Kruges die jährliche Contribution zu zahlen. Der Krug sei sein freies Eigentum. Davon zahle er jährlich einen Kirchenzins und die Tranksteuer. Der Kirchenzins bestand in 9 Scheffeln Hafer, 1 Scheffel Roggen, 1 Scheffel Gerste und 1 Rthl 22 gr barem Gelde.
Dem Krüger Drüdener folgte Johan Krüger als Krugwirt. Im Jahre 1648 berichtet dieser, er habe den Krug zu Donop in guter Zeit geheuret und gedungen und auf 30 Taler jährliche Rente verhandelt. Er habe aber die Rente nur wenige Jahre zahlen können. Der Krüger ist, um sein Leben fristen zu können, etliche Jahre außer Landes gegangen. Aber auch hier kann er sich nur kümmerlich durchschlagen und ist deshalb zurückgekehrt. Er bittet die Obrigkeit um Erlaß seiner Geldschulden und der nächsten Zinsen. Am Kruge verdiene er nur wenig und könne keine Nahrung daran haben.
Ein geruhsames Leben ist auch Johan Anton Drüner, dem nächsten der Krüger, nicht vergönnt. Ihn trifft das Unglück, bei einem Durchmarsch münsterischer Truppen durch Donop einen guten Teil seiner Habe zu verlieren, den er vorsorglich unter dem Dach der Kirche vor den Söldnern bereits versteckt hatte. Um das Jahr 1697 — dem Sterbejahr des Krügers — ist der Krug oftmals ohne Bier und Branntwein. Die Blase zur Herstellung des Branntweins liegt seit zwei Jahren still. Aus der Branntweinherstellung sollen aber jährlich 9 Taler Accise aufkommen. Für das Bierbrauen sind jährlich 15 Taler Accise zu geben. Das ergibt zusammen 24 Taler. Die Räte des Blomberger Amtes sind nicht der Meinung, auf diese Abgaben auch nur teilweise verzichten zu können. Sie berufen sich darauf, daß Donop ein Kirchdorf ist und täglich Passage hat. Der Krugwirt in Cappel, einem kleinen Dorf mit nur 14 Feuerstätten, gebe jährlich 20 Taler und der Krüger in dem abgelegenen Tintorf zahle sogar 21 Taler.
Im Jahre 1722 ist die Accise des Kruges zu Donop zwar geringfügig ermäßigt und beträgt jetzt 23 Taler. Für den Krüger Conradt Hünkemeyer ist sie trotzdem eine drückende Belastung. Er schreibt, das Kirchspiel habe nur einen geringen Umfang. Die ganze Gemeinde bestehe aus wenig mehr als 40 Feuerstätten. Es komme hinzu, daß in dem unweit des ehemaligen Mühlenhofes für den Gärtner des Drosten von Donop neu erbauten Hause ebenfalls Branntwein verzapft werde. Der Krüger bittet um Abhilfe beim Amt Blomberg, dem er verpflichtet ist, jährlich einen besonderen Pachtschilling zu zahlen, damit kein anderer in der Gegend einen weiteren Krug eröffnet. Ob das Amt ihm geholfen hat, ergibt sich — wie so vieles — nicht aus den Akten.

Quelle: Heimatland Lippe: 01/1967 von Heinz Kracht