Der Ursprung der Stadt Detmold

Detmold 1875, Ludwig Menke [Public domain], via Wikimedia Commons

Über den Ursprung der Stadt Detmold fehlen alle Nachrichten. Doch lassen sich auch aus der Lage der Stadt und seiner Umgebung manche Rückschlüsse ziehen.

Die Stadt Detmold liegt auf einer Schotterablagerung, welche durch die ins Werretal gespülten Kiesmassen gebildet wurde. Die höchsten Punkte dieses Inselrückens nehmen der Garten der Generalsuperintendentur und die Kirche auf dem früheren Kirchhof ein. Diese Schotterhalbinsel bildete im Zuge der Langen Straße einen guten Übergang über das sonst bruchige und von Altwassern zerrissene breite Werretal. Wenn gleichwohl keine größere Fernverkehrsstraße diese Nord-Südverbindung benutzte, so lag dies an den schwierigen Pässen über den Teutoburger Wald. So entfällt die Wahrscheinlichkeit, daß Detmold als Handelsplatz an einer Fernverkehrsstraße gegründet wurde. In ost-westlicher Richtung führten zwei Verkehrsstraßen nördlich und südlich an Detmold vorbei. Als 1361 die Stadt Detmold mit einem Jahrmarkt privilegiert wurde, durfte sie die alte Straße von Horn über Hornoldendorf, Detmold, Heidenoldendorf nach Lage durch die Stadt in Richtung Heiden verlegen. Die andere Straße kam von Hakedahl und mündete nördlich Detmold in den „Frankenweg“, welcher in Richtung Heiden, Heßloh verlief. Frankenweg und Am freien Kamp sind noch alte Flurbezeichnungen, während es in Detmold 1558 eine Freye Straße und 1734 eine Kayserstraße gab. In beiden Fällen dürfte die Lange Straße, sonst auch Steinweg genannt, gemeint sein. Auch diese beiden Straßen wurden nach Detmold gelegt. Daß diese alten Straßen so nahe an Detmold vorbeiliefen, weist auf die späte Entstehung und die geringe Bedeutung der Siedlung hin.

Ein Königshof

Wenn Detmold nicht als Handelsplatz begründet wurde, bleibt nur die Möglichkeit einer militärisch-strategischen Gründung. Vielleicht darf aus der Bezeichnung Frankenweg geschlossen werden, daß hier von den Franken im Zuge einer Etappenstraße von Paderborn zur Weser ein befestigter Königshof am Werreübergang der Straße Paderborn, Ruine Kohlstädt, Detmold, Heiden nach Norden oder über die „Königsbrücke“ bei Schötmar nach Herford angelegt wurde. An der Etappenstraße vom Rhein nach Paderborn lag etwa alle 16 km ein Königshof.                                         ‚

Das Residenzschloss in Detmold. Ludwig Menke 1875

Aus solch einem Königshof dürfte die spätere Burg mit der Meierei als Wirtschaftshof hervorgegangen sein. Nun lag noch bis zum 16. Jahrhundert neben dieser auf dem Gelände des heutigen Schloßplatzes gelegenen Meierei — dem sogenannten Vorwerk — außerhalb des umwallten Stadtbezirks der herrschaftliche Mühlenhof (wo sich heute der Neubau der Kreisverwaltung erhebt). Die Ländereien des Molenhofes lagen meist nördlich und südlich der Stadt in Wehrenhagen und Odermissen. Als nach der Fertigstellung der Festung in der Mitte des 16. Jahrhunderts der Lustgarten angelegt wurde, wurde der Molenhof mit dem Vorwerk vereinigt. Die Hauptmasse der Meiereiländereien lag zwischen der Stadt, der späteren Siedlung Eichholz und dem Königsberg. Zum Mühlenhof gehörten die herrschaftlichen Mühlen an der Werre. Die aus einer Curtis, also einem fränkischen Königshof hervorgegangene Burg mit dazugehöriger Meierei und Mühlenhof dürfte die Keimzelle Detmolds gewesen sein. Dazu kam die wahrscheinlich als Eigenkirche auf dem Gelände des Königshofes errichtete Vituskirche. Ähnliche Kirchengründungen hat Günter Wrede im Bistum Osnabrück festgestellt. Stets handelt es sich um fränkische Anlagen.

6 Pflüge und ein Pferd . . .

Zieht man von der Feldmark der Stadt die Ländereien der Meierei und der wüst gewordenen und in die Stadt aufgegangenen Ortschaften Dedingtorp, Odermissen, Rödlinghausen und den Wehrenhagen mit dem erst im 17. Jahrhundert an die Stadt verkauften Südholz ab, so bleibt für die Stadt keine Feldmark mehr über. Die Stadt ist auf Gründen angelegt, welche teils zur herrschaftlichen Meierei teils zur Kirche (der Wehme) gehörten, und hat als erste Ackerflur den Wehrenhagen und die Feldmark von Odermissen erhalten. Mit den Gütern in den oben genannten Ortschaften und in Herberhausen, Spork, Döringsfeld usw. wurden die Detmolder Burgmannen ausgestattet.

Die Meiereigründe am Nordhang des Königsberges wurden westlich durch den großen Kirchenbesitz am sogenannten Papenberge begrenzt. Als zwischen 1015 und 1036 der Priester Waldier mit Einwilligung seines Erben Hahold der Kirche zu Paderborn sein Besitztum in Vinnen geschenkt hat, übergab ihm Bischof Meinwerk dafür auf Lebenszeit die Kirche zu Detmold mit 6 Pflügen und einem Pferd. Ein Pflug entspricht nach den Untersuchungen von Dr. Kittel etwa einer Ackernahrung (man wird diese etwa einer Hufe von 30 Morgen gleichsetzen dürfen), und 6 Pflüge sei der dritte Teil einer Curtis. Da nun die Fläche des zu erschließenden alten Kirchenbesitzes in Detmold und am Papenberg etwa 180 Morgen und das Meiereiland etwa das doppelte betrug, hätten wir hier also tatsächlich die
Ländereien einer alten Curtis.

Fundleere

Da die Stadt Detmold in der Nordwestecke dieses Bezirks lag, kann hier unmöglich die alte Siedlung gelegen haben, zu welcher in sächsischer Zeit diese Länderei gehört hat, sie dürfte weiter östlich unweit der alten Straße gelegen haben. Wahrscheinlich hat Kaiser Karl hier das Gut eines sächsischen Edelings um den nach ihm benannten Königsberg (Königsgut) beschlagnahmt. Dieser Besitz dürfte dann zur Ausstattung des Gerichtsgrafen für den Malplatz des Thiatmelligaues gedient haben, dessen späterer Inhaber ein Graf Hahold war (vielleicht ein Verwandter des Priesters Waldier). 1011 schenkte König Heinrich II. auf Ansuchen des Bischofs Meinwerk nach dem Tode des Grafen Hahold dessen erledigte Grafschaft der Kirche Paderborn. Als Gerichtsgrafen kommen später die Edelherren zur Lippe in den Besitz der Meierei Detmold. Mit den weiter südlich am Königsberg gelegenen Ländereien wurden Bauern in Heiligenkirchen ausgestattet, insbesondere der Waterhof, von welchem noch im 18. Jahrhundert Abgaben nach Paderborn gezahlt wurden.

Auf der Nebelsiekschen Fundkarte zur Vor- und Frühgeschichte ist die Fundleere im Raum der Stadt Detmold geradezu aufdringlich. Da in Detmold im Gegensatz zu anderen westfälischen Städten wie Paderborn, Warburg, Dortmund, Soest usw. keinerlei sächsische Funde gemacht wurden, können wir auch aus diesem Grunde annehmen, daß sich an dem Ort der erst im 13. Jahrhundert gegründeten Stadt im Jahr 783 noch kein sächsisches Dorf befand. So bleibt nur übrig, an eine fränkische Gründung zu denken.

 Quelle: Heimatland Lippe 1953 – Von Helmuth Riemann, Detmold.