Die alten lippischen Papiermühlen

Papiermühle Plöger in Schieder. Von Tsungam (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Vor der Erfindung des Papiers wurde bekanntlich Pergament als Schreibmaterial benutzt. Das Papier ist eine chinesische Erfindung, die um das Jahr 1140 nach Deutschland gelangte, von Frankreich und Italien her; doch noch bis ins 14. und 15. Jahrhundert überwog das Pergament. Die älteste lippische Papierurkunde stammt etwa aus der Zeit vor 1347. Mit der Ausbreitung der Buchdruckerkunst stellte sich jedoch ein immer größerer Papierverbrauch ein und die Zahl der Papiermühlen nahm zu. Auch im lippischen Lande entstanden Papiermühlen. Im Rheinland sollen die ersten deutschen Papiermühlen, dann im Jahre 1390 eine bei Nürnberg entstanden sein. Die älteste lippische Papiermühle war die in dem zur Bauernschaft Vossheide gehörenden Bentrup, Papierenbentrup genannt, zum Unterschied von Bentrup bei Heiden; sie wurde im Jahre 1555 errichtet. Ihr folgte im Jahre 1584 die zu Hillentrup; im nächsten Jahrhundert entstanden sogar vier weitere Papiermühlen: 1603 die zu Kalldorf, 1607 eine auf der Pivitsheide und 1699 die bei Schieder. In weiterem Abstand folgte dann 1835 die Papiermühle Dalbke.

Alle lippischen Papiermühlen waren ursprünglich herrschaftlicher Besitz. Nach alten Aufzeichnungen hat der Konrektor der Lemgoer Lateinschule Nevelin Möllenbeck die Papiermühle in „Papierenbentrup“ gegründet. Die Erbauung dieser Mühle fällt zeitlich ungefähr mit der Errichtung der ersten Druckerei in Lippe, der Meyerschen Druckerei in Lemgo, zusammen, aus der im Jahre 1560 der erste bekannte Lemgoer Druck hervorging. In der Konzessionsurkunde für die Papiermühle wird gleichzeitig die Errichtung einer Ölmühle gestattet. Für die Konzession mußte Mollenbeck jährlich 12 Ries „uffrichtigen, guden, unstrafflichen Schrift Papyrs“ an die gräfliche Kanzley entrichten. Die Mühle muß einen sehr lebhaften Betrieb gehabt haben, denn das Bentruper Papier ist in den lippischen Akten in der Folgezeit massenhaft zu finden. Jede Mühle hat ihr besonderes Wasserzeichen, sodaß die Herkunft des Papiers leicht festzustellen ist. Sehr ausführliche Darlegungen hierüber befinden sich in einer Arbeit von Prof. Dr. O. Weerth in den Mitteilungen aus der lippischen Geschichte. Im 18. Jahrhundert hatte der Betrieb der Bentruper Papiermühle bedeutend abgenommen, 1778 wurde sie abgebrochen.

Der Lemgoer Bürgermeister Dietrich Cothmann erhielt 1584 vom Grafen Simon VI. „Gott zu Lob und zur Befür- derung der Truckerei in der Stadt Lemgo“ die Bewilligung, eine Papiermühle bei Hillentrup anzulegen, ebenfalls mit einer Ölmühle. Dafür sollen Cothmann und seine Erben „zu Unterhaltung der Kanzley nottürfftig gut Papier auf Frankfurter Prob an Größe, Breide und Lengde“ jederzeit auf Verlangen gegen Bezahlung von 3 Ortstalern für das Ries liefern. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts ist die Mühle in den Besitz der Familie Hausmann übergegangen. Im Jahre 1603 erteilte Simon VI. „seinem lieben, getreuen Curd Schmidt“, einem Lemgoer Bürger, die Erlaubnis, an der Kalle im Amte Varenholz eine Papiermühle auf eigene Kosten zu erbauen; es ist das die Papiermühle zu Kalldorf. An Zins hatte Schmidt dafür jährlich 6 Taler an das Haus Varenholz zu entrichten. Wenig jünger als die Kalldorfer ist die Papiermühle zu Berlebeck; 1607 wurde dem Matthies Bertrams in Berlebeck gestattet, da, wo bisher die Schleifmühle gestanden, eine Papiermühle zu erbauen, wofür er jährlich 10 Ries (später 6) gutes Schreibpapier an die gräfliche Kanzley zu liefern hatte. Die Papiermühle auf der Pivitsheide wurde 1674 errichtet. Der Papiermacher Kleine aus Hesloh war beim Grafen um die Erlaubnis eingekommen, auf der Pivitsheide oberhalb des Kupferhammers eine Papiermühle anlegen zu dürfen, was ihm genehmigt wurde, trotz des Protestes des

Berlebecker Papiermeisters. Ein späterer Pächter bat dann um Erneuerung der Pacht, „damit sein Weib und seine Kinder nicht crepieren mögen“. 1900 hörte die Pivitsheider Papiermühle auf. Da der Papierverbrauch immer mehr gestiegen war, erlaubte 1699 Graf Rudolf zu Lippe-Brake den Bau einer Papiermühle bei S c h i e d e r. Ein Plöger aus Brake errichtete sie an der Niese, wo früher der Hammer gestanden hat; er mußte jährlich 10 Taler zahlen, später 20 Taler. Gegen diese Mühlenanlage erhob man von Paderborn aus Widerspruch, da das Stauwerk die Fischerei in der Niese schädigen werde. Das Stift Paderborn hatte damals noch Anteil an dem angrenzenden Amte Schwalenberg. Lippischerseits wurde aber entgegengehalten, daß an dieser Stelle seit alter Zeit schon ein Eisenhammer mit einem Stauwerk gestanden habe, die Paderborner Befürchtungen also unberechtigt seien.

Die jüngste der lippischen Papiermühlen ist die zu Dalbke am Rande der Senne. 1834 erteilte die Rentkammer zu Detmold dem Gutsbesitzer Tenge zu Niederbarkhausen die Konzession zum Bau einer Papiermühle am Menkhauser Bach auf der Dalbke, gegen Entrichtung einer jährlichen Abgabe von 10 Talern; im folgenden Jahre wurde die Mühle in Betrieb genommen. Das Dalbker Papier erfreute sich bald großer Beliebtheit und großen Absatzes. Man ging schon bald zum Maschinenbetrieb über. Unter dem neuen Besitzer Geh. Kommerzienrat Dresel entwickelte sich die Dalbker Papiermühle zu einer Papierfabrik ersten Ranges.

Die alten lippischen Papiermühlen können zwar, was Umfang der Produktion und des Absatzes betrifft, keinen Vergleich mit den heutigen Riesenzahlen der Papierfabriken aushalten, aber lippisches Papier war damals auch außerhalb der gelbroten Grenzpfähle sehr geschätzt. Nach Bielefeld, Osnabrück, Münster, Hannover, Bremen usw. lieferten die lippischen Papiermühlen ihre Erzeugnisse, Velinpapier, handgeschöpftes Papier, Büttenpapier, etc.

Quelle: Lippischer Kalender 1958 – von W. B.