Die Amerika-Wanderung aus dem Fürstentum Lippe

Ankunft von Auswanderern in New York, Holzstich von 1896

Ein Beitrag zur 200-Jahrfeier der Vereinigten Staaten

Nur wenigen Lippern ist bekannt, daß sich jenseits des großen Ozeans ihre Landsleute ein Sinnbild ihrer Heimat errichtet haben. In Minnesota erhebt sich seit etwa einem Jahrhundert das Hermanns-Monument als eine naturgetreue Nachbildung des Bandeischen Denkmals. Es legt Zeugnis für die Heimatliebe ab und verdeutlicht den Wunsch der ausgewanderten Lipper, die Verbindung zu den Landsleuten auch in der neuen Umgebung aufrechtzuerhalten.

Das Hermann Heights Monument ist ein Denkmal in New Ulm (Minnesota). Es wurde auf Initiative deutscher Einwanderer im Jahr 1897 als Pendant zum 1875 fertiggestellten Hermannsdenkmal eingeweiht.

Die zwölftausend Lipper, die im 19. Jahrhundert nach Amerika auswanderten, sind Teil eines großen Stromes, der ständig fließend einen Erdteil besiedelte, in dem von 1790 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Bevölkerungszahl in jedem Jahrzehnt um mehr als ein Drittel stieg. Der große Kontinent, von dem sie Freiheit von materieller Not und Freiheit von religiöser und politischer Bedrängnis erhofften, nahm sie willig auf, gab ihnen freien Raum zu individueller Betätigung und einigte sie zugleich zu einer neuen politischen Gemeinschaft.
Die Auswanderer waren keine leichtsinnigen Abenteurer, sondern Menschen, die trotz Verbundenheit zu ihrer lippischen Heimat in der Auswanderung einen letzten Ausweg suchten, um bitterster Not zu entgehen. Die deutsche Massenauswanderung im 18. und 19. Jahrhundert ist ein zentrales Problem unserer Sozialgeschichte und wird vielfach noch heute unter falschen Voraussetzungen beurteilt.

Die sozio-ökonomischen  Ursachen der Auswanderung
Ein kleiner Staat, dessen Achsen 40 km kaum  überschreiten, kann  in den  großen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen seines ihn umgebenden Raumes keine Sonderstellung einnehmen.
Im 19. Jahrhundert stieß Lippe mit all seinen Grenzen an Preußen, dessen unmittelbarem Einfluß die Bewohner des Landes spürbar ausgesetzt waren. Insbesondere die peripheren Zipfel des Landes im Norden und Südosten neigten zu enger Fühlungnahme mit den Grenzbezirken Preußens. Die enge Verbindung mit den Nachbarbezirken mag zur Erklärung der Tatsache beitragen, daß die lippische Auswanderung in ihrem zeitlichen und zahlenmäßigen Ablauf der gesamtdeutschen entspricht.
Andererseits wirkten die allzu eng gesetzten Grenzpfähle hemmend auf die Wirtschaft des Landes. Der kleine Staat hatte nicht die Möglichkeit großzügiger industrieller Planung und Entwicklung, wie sie sich im 19. Jahrhundert in dem Zentrum des Ravensberger Landes abzeichnete. Grenzorte, wie Brakelsiek, Stemmen und Varenholz, waren durch diese Einengung so betroffen, daß sie prozentual die größten Kontingente an Auswanderern stellten. Die zum Teil trostlose Lage der ländlichen lippischen Bevölkerung spiegelt sich in den beiden großen lippischen Wanderbewegungen des 19.Jahrhunderts wider: Die Auswanderung und die Wanderarbeit. Beide Bewegungen sind letztlich entstanden aus der wirtschaftlichen Notlage der Betroffenen und der Überbevölkerung eines wirtschaftlich gering entwickelten Kleinstaates.
Der Chronist jener Zeit schreibt über den Ort Brakelsiek: „Der Ort war überfüllt. Die Heimatscholle vermochte die zunehmende Bevölkerung nicht mehr zu ernähren. Es gab keinen Platz, sich weiter auszudehnen. Nach Süden hin grenzte die Gemeinde an das preußische Gebiet, nach Norden an den fürstlichen Wald, vom Osten und Westen wurde sie von zwei Domänen eingeengt. In manchen, heute als Leibzucht leerstehenden Häusern, wohnten damals drei Familien.“

Die Agrar-Verfassung als Ursache der Auswanderung
Die Gesamtzahl der aus Lippe im 19. Jahrhundert nach Amerika Ausgewanderten ergibt nach Berufen aufgeschlüsselt, daß zwei Drittel aller Ausgewanderten der Landwirtschaft angehören. Die lippische Auswanderung ist in erster Linie eine ländliche.
Verglichen mit berufsstatistischen Aufzeichnungen entspricht dies Ergebnis nicht der Berufsgliederung der Gesamtbevölkerung. Die Zahl der Kolone, Knechte und Einlieger ist nicht nur absolut die größte, sondern überwiegt auch im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Die unbefriedigende Lage der lippischen Landwirtschaft, hervorgerufen durch eine unzulängliche Agrarpolitik, muß als Voraussetzung für die starke Abwanderung der ländlichen Bevölkerung in der Mitte des 19. Jahrhunderts erkannt werden. Die aufgeschlossene Haltung der Fürstin Pauline vermochte nur teilweise die Hauptlasten der bäuerliehen Bevölkerung zu erleichtern. Naturalabgaben, der Zehnte, und andere zu leistende Dienste lasteten schwer auf dem Bauernstand. Die spätere Befreiung von diesen Abgaben hatte wiederum Ablösungssummen zur Folge, die vielfach zu hoher Verschuldung der Kolonate führte. Die unsoziale Aufteilung der bis dahin von allen gemeinsam genutzten Hudegebiete, die Umstellung auf eine neue Wirtschaftsweise (Auflösung der Dreifelderwirtschaft), und nicht zuletzt drückende Mißernten setzten, mit den Jahren 1846 beginnend, die große Auswanderungswelle in Lippe in Bewegung. Strenge Winter, in denen, wie berichtet wird, 21 Wochen scharfer Frost herrschte, und noch die Osterfeuer auf Eis brannten, hatten nach dem Bericht eines lippischen Amtsmannes zur Folge, „daß mehrere Jahre nacheinander die Erndten sehr unergiebig waren, das hauptsächlichste Nahrungsmittel, die Kartoffeln, total missriethen, alle landwirtschaftlichen Producte daher im Preise stiegen und von den niederen Volksklassen auf den gepachteten Ländereien nur wenig geerndtet wurde.“
Nach dem geltenden Kolonatsrecht war der Anerbe — in der Regel der älteste Sohn — Alleinerbe des Hofgutes. Die Geschwister erbten nicht mit, damit eine Aufteilung des Kolonates vermieden wurde. Ungeteilter Mitbesitz war nicht gestattet. So notwendig das Festhalten an diesen Gesetzen bei den in Lippe vorhandenen Besitzgrößen auch war, so bitter war zugleich die Lage der nachgeborenen Söhne. Sie hatten zwar das Recht auf dem Hofe zu bleiben, um dort gegen Beteiligung an den notwendigen Arbeiten Unterhalt zu finden. In der Regel aber unterschied sich ihre Stellung nicht von der eines Knechtes.
Diese Bauernjungen waren auf dem Hof großgeworden, beherrschten die Landwirtschaft und brachten alle Grundlagen zu bäuerlichem Können mit. Wie stark mag in ihnen der Wunsch gewesen sein, eigener Herr auf eigener Scholle zu werden — eine Möglichkeit, die ihnen in ihrer Heimat nicht geboten wurde.
Nach 1860 wirkten sich vorausschauen-dere Reformen auch in der Landwirtschaft aus. Die Kolonate konnten sich freier entfalten und entwickelten sich zu existenzsicheren Unternehmen.
Wie ein Seismograph reagiert die Auswanderungsbewegung, in dem der Anteil der bäuerlichen Schichten an der Auswanderungsbewegung abnimmt, während das neu entstandene Zieglergewerbe größere Gruppen unter den Auswanderern stellt.

Die ländliche Übervölkerung
Die merkantilste Bevölkerungspolitik im 17. und 18. Jahrhundert hatte noch zum Ziel gehabt, den Reichtum des Landes durch Vermehrung der Bevölkerung zu steigern. Die Tendenz der starken Bevölkerungsvermehrung wirkte aber schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts so stark, daß die Produktion der Nahrungsmittel nicht mehr Schritt halten konnte. Bevölkerungszahl und Fassungsvermögen des Lebensraumes gerieten aus dem Gleichgewicht und erzeugten eine Erscheinung, die als Entspannung wirksam werden konnte: die Wanderungsbewegung.
Für Lippe sind folgende Zahlen aufschlußreich:

1788 61 437 Einwohner
1812 80 630 Einwohner
1828 92 752 Einwohner
1835 100 134 Einwohner

Dieser sich in den Zahlen widerspiegelnde Bevölkerungsdruck wirkt sich auf dem Lande ungleich stärker als in der Stadt aus. Die Zahl der Kolonate betrug 7630 im Jahre 1850. 77 % aller Höfe entfielen damals auf jene „kleinen Leute“, deren Besitzung allein nicht lebensfähig war. Sie waren gezwungen, um der größten Not zu entgehen, durch Weben, Spinnen und „Ziegelgehen“, eine weitere Erwerbsquelle zu suchen. Die Form der Zwerg- und Parzellenbewirtschaftung war für die lippische Landwirtschaft charakteristisch.

Prozentkreise der Berufsgliederung

Trotz des zahlenmäßig hohen Anteils der Kleinbetriebe bewirtschafteten diese nur ein Sechstel der bebauten Fläche, während zwei Drittel des landwirtschaftlich genutzten Bodens von größeren Betrieben bestellt wurden.
In der großen Gruppe der auswandernden Kolonatsfamilien haben ohne Zweifel die Mittelkötter, Kleinkötter, Hoppen-plöcker und Straßenkötter überwogen, deren Besitzungen etwa 2—7 ha groß waren. Tief muß die Kluft zwischen, jenen größeren Bauern und diesen „kleinen Leuten“ gewesen sein, wenn in Amerika selbst noch ein Enkel jener Ausgewanderten für die Schilderung der sozialen Lage folgende Worte findet: „Interessant hätten wir es wahrscheinlich auch gefunden, wenn wir
die dicken, wohlgenährten Bauern gesehen hätten, wie sie mit ihren langen Pfeifen stolz und selbstbewußt unter ihren Unter-thanen umherschritten, mit einer angemaßten Superiorität, welche sich in einer strengen Verachtung der arbeitenden Klassen äußerte, niederschauten — etwa wie ein Puterhahn auf eine Zucht Hühner.“
Ein Vergleich der Auswanderung mit der Betriebsgrößenstatistik bestätigt die Vermutung, daß die Ämter mit vorwiegendem Kleinbesitz (zwischen 0,5 und 5 ha) die stärkste Auswanderung aufweisen: Schwa-lenberg, Hohenhausen und Varenholz.
Bei der Betrachtung der Betriebsgrößen ist die große Zahl der Besitzlosen in der Landwirtschaft Tätigen unberücksichtigt geblieben — die Einlieger. Die Berufsgliederung zeigt, daß sie ebenso zahlreich wie
die Kolonatsfamilien unter den Auswanderern zu finden sind und mit diesen schlechthin die Hauptgruppen stellten. Wenn das Los jener Kleinbauern schon hart war und der Kampf um das Dasein schwer, so war die Lage der besitzlosen Einlieger ein steter Kampf um das tägliche Brot, um das Notwendigste zum Leben. Sie waren die ärmste Schicht der lippischen Bevölkerung, verrichteten schwere Arbeit, die im Sommer schon frühmorgens begann und erst mit sinkender Sonne endete.

Der Verfall der Leinen-Hausindustrie
Spinnen und Weben, im Haupt- und im Nebenberuf, waren bis in das erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts die wichtigsten Erwerbsquellen des Landes neben der Landwirtschaft. Nicht nur für den eigenen Bedarf wurde gearbeitet. Das lippische „Laken“ war weit über die Grenzen des Landes bekannt und geschätzt, ja wurde selbst nach Übersee verhandelt. Dieses blühende Gewerbe erfuhr zu Beginn des Jahrhunderts einige herbe Schläge, von denen es sich nie wieder ganz erholen sollte. Die durch die Kontinentalsperre hervorgerufenen Schwierigkeiten konnte die Leinenweberei noch überwinden, obwohl auch da schon wertvolle Absatzgebiete verlorengingen. Nach dem Ende der Sperre blühte das Gewerbe kurz noch einmal auf. Noch 1836 zählte man in Lippe über 4000 Webstühle. 1860 waren es kaum noch 2000. Die Baumwollfabrikation, vor allem aber der mechanische Webstuhl, lieferten billigere Ware und nahmen tausen-den von Lippern diese so notwendige, zusätzliche Erwerbsquelle. In einem ausführlichen Regierungsbericht, der im Jahre 1848 die Gründe der Auswanderung darlegt, heißt es zur Lage der Spinner und Weber: „Die neben der Landwirtschaft in ausgedehntestem Umfange getriebene Industriearbeit waren Spinnerei, Weberei und Ziegelarbeit. Die ersteren waren jedoch meist nur ein Nebengewerbe, welches Gelegenheit zu Verdienst bot, wenn eine andere, besser lohnende Beschäftigung nicht aufzutreiben war. Die Handwerker, die Tagelöhner und die Ziegelarbeiter nach Rückkehr in ihre Heimat vom Auslande, aber auch die Landbauern, waren mit ihren Hausbewohnern in allen Mußestunden hinter dem Spinnrad alle fleißig beschäftigt und schon früh wurden die Kinder an diese Beschäftigung gewöhnt. Durch die Einführung der Spinnmaschine ist eine Concurrenz eingetreten, welche den beim Spinnen niemals hohen Verdienst bis auf nichts herabgedrückt hat.“
Bei dieser Lage, eines für die Wirtschaft des Landes so bedeutungsvollen Gewerbes erkannte man nicht, wie der einzig gangbare Weg aus der Schwierigkeit einzuschlagen sei. Die neue Maschine war ein verhaßter Feind, sie als Helfer zu nutzen verstand man nicht, obwohl ein Blick über die Grenzen des Landes sehr lehrreich gewesen wäre.
Die Einrichtung der Lemgoer Legge im Jahre 1826 vermochte ebenso wenig den raschen Verfall aufzuhalten, wie die „Herabsetzung der Webstuhlgelder auf ein Drittheil ihres gewöhnlichen Betrages“. Im benachbarten Ravensberg hingegen blühte eine neue Industrie auf, die durch Einrichtung mechanischer Betriebe vielen Arbeitern Brot gab und bis in unsere Zeit einen bedeutenden Namen hat. Während in Preußen Prämien für solche Betriebe bezahlt wurden, verbot die Lippische Regierung den mechanischen Webstuhl.
Man geht nicht zu weit, wenn man in diesem Zusammenhang den Verfall des Lippischen Leinengewerbes als das auslösende Moment für die Auswanderung in unserem Lande hält. Während es bis dahin den überaus fleißigen Bewohnern möglich gewesen war, ihre Lage durch diesen Nebenverdienst noch erträglich zu gestalten, erfolgte nun ein wirtschaftlicher Verfall, eine Verarmung des Volkes, aus der sich viele nur retten konnten, indem sie ihr letztes Hab und Gut verkauften und auswanderten.
Es fehlte in Lippe an der nötigen Initiative sowohl der Regierung als auch der Kaufmannschaft, die Heimindustrie auf Fabrikindustrie umzustellen. Die Städte Bielefeld und Herford, deren Bezirke unmittelbar an die Gebiete unseres Landes grenzen, wuchsen dabei zu bedeutenden Zentren heran. Die Bevölkerung dieser Städte wurde nicht nur vor dem Schicksal der Auswanderung bewahrt, sondern nahm auch, wie uns die „Auswanderungskonsensgesuche“ in den Akten jener Jahre zeigen, viele Familien aus dem Lippischen auf. Insbesondere die Ämter des Westens konnten, durch ihre Lage begünstigt, nach dort ihre überschüssige Bevölkerung abgeben. Die Überseeauswanderung weist dort nicht so hohe Ziffern auf wie im Norden und Osten des Landes.

Wanderarbeit und Auswanderung
Zwei zusammenhängende, sozialwirtschaftliche Bewegungen des 19. Jahrhunderts zählen zu den wesentlichen Erscheinungen in der Wirtschaftsgeschichte Lip-pes. Auswanderung und Wanderarbeit weisen gemeinsame Merkmale und Besonderheiten auf, die zu zwingenden Vergleichen führen. Um 1830 bewegte sich die Zahl derer, die außerhalb des Landes Arbeit fanden, um tausend. Es erfolgte dann ein stetes Wachsen der Zahlen, die jetzt besonders mit dem Beginn der 50er Jahre stark auf 7000 und 8000 anschwollen. Wenn wir die Kurve der Wanderarbeit mit der der Auswanderung vergleichen, so zeigt sich, daß die Zahl der Wanderarbeiter zwar in der Mitte der 50er Jahre stark zunimmt, dann aber gleichmäßig und nur langsam wächst. Die Auswandererkurve weist krasse Schwankungen auf, in denen sich die Minimawerte und Maximawerte schroff gegenüberstehen. Die Erklärung dafür ist leicht zu finden. Während die Wanderarbeiter nach der Saison zurückkehrten und dem Lande
erhalten blieben, trat nach einem großen Schub von Auswanderern in den Ämtern und Dörfern vorerst wieder Ruhe ein. Ein Vergleich beider Zahlenreihen sagt uns aber auch, daß die Auswandererkurve trotz aller Schwankungen eine Tendenz zu sinkenden Zahlen hat, während in derselben Zeit die Kurve der Wanderarbeiter steigt und im Jahre 1910 ihren Höchstwert mit annähernd 15 000 Wanderarbeitern erreicht. Es ergibt sich damit, daß die Entwicklung der Wanderarbeit später und daß der Höhepunkt in eine Periode fällt, in der die Auswanderung schon abklingt. Seit der Gründung des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reiches scheint die Auswanderung zunehmend durch die Saisonwanderung ersetzt worden zu sein.
Wenn wir für die Auswanderung sagten, daß die Bevölkerung des Landes größeren Anteil an ihr hatte als die der Städte, so trifft das im gleichen Maße für die Wanderarbeiter zu, bei denen die Landbevölkerung absolut und relativ ein zehnmal größeres Kontingent als die Stadtbevölkerung stellte. Es sind dieselben Gründe und Ursachen, die beide Gruppen zwangen außer Landes zu gehen. Es war schlechthin das ungesunde Verhältnis zwischen Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot. Beide Gruppen, Ziegler und Auswanderer, zählten vorwiegend zu der grundbesitzlosen Klasse des Landes, oder sie nannten jene Stätten und Kotten ihr eigen, die den Lebensunterhalt allein nicht einbrachten. Wenn diese Bevölkerungsschichten, dem harten Zwang auszuwandern, entgehen wollten, so waren sie zu einem zusätzlichen Erwerb gezwungen. Wir haben gesehen, wie das Leinengewerbe diese Möglichkeit nicht mehr bieten konnte. So zogen denn Vater und häufig auch der erwachsene Sohn in die Fremde, um dort in den Sommermonaten ihr Geld zu verdienen, während die übrigen Familienmitglieder in harter Arbeit die Stätte bewirtschafteten.
Wenn die lippische Auswanderung trotz der schweren Wirtschaftskrisen im Lande, trotz des Bevölkerungsüberschusses, der in keinem Verhältnis zu den Arbeitsgelegenheiten stand, zahlenmäßig nur die Höhe des Reichsdurchschnittes erreichte, dann ist das der Entwicklung und dem Aufblühen des lippischen Zieglergewerbes im 19. Jahrhundert zu verdanken, das bis zu 30 000 — 40 000 Menschen eine Verdienstmöglichkeit gab.

Beginn der Auswanderung im 18. und frühen 19. Jahrhundert
Bevor die Massenauswanderung im 19. Jahrhundert einsetzt, fließen die Quellen über eine Auswanderung aus Lippe recht spärlich. Zahlenmäßig ist sie über vage Vermutungen hinaus nicht zu erfassen. Auch der in regelmäßigen Wiederholungen veröffentlichte Regierungserlaß vom 20. Febr. 1680, nach dem es „denen Unterthanen bei 10 Gfl. Strafe verbothen ist, ohne Erlaubnis sich außerhalb Landes zu begeben und an fremden Oertern zu arbeiten“ bietet keinen Anhaltspunkt für besonders häufig vorgekommene Auswanderung. Er richtet sich vielmehr gegen die beginnende Wanderarbeit.
Am 9. März 1711: „wird den sämtlichen Beamten befohlen, darauf zu achten, daß die jungen Leute auf dem platten Lande, ohne von Beamten erstatteten Bericht und darauf von Hochgräflicher Regierung erhaltener Erlaubnis und Pas, sich nicht nach Holland und Friesland begeben“ und am 17. Mai 1765 „wird mit Beziehung auf die erlassenen Edicte befohlen, daß einem angebohrenen Unterthanen nicht freistehen solle, ohne obrigkeitliche Anzeige und dazu erhaltene Special-Erlaubnis und Pas sich außer Landes zu begeben, oder zu gewärtigen, daß er seines Vermögens, kindlichen Anteils und aller Anforderungen nach geschehener Untersuchung verlustig erkant werde; und sollen Drosten und Beamte auch Magisträte und Richter in den Städten die Contravenienten bei der Regierung zur gehörigen Bestrafung anzeigen.“
Art und Tenor dieser Verfügung lassen die Staatsauffassung des fürstlichen Obrigkeitsstaates erkennen, die im Menschen ein Objekt des Staates sieht, der für die wirtschaftliche Blüte und den Reichtum des Landes notwendig ist.
Ein Brief, der nicht nur für diesen Zeitgeist Dokument ist, sondern in seiner Einzigartigkeit für das Thema der Auswanderung bedeutungsvoll sein dürfte, befindet sich im Staatsarchiv von Virginia. Er wurde von einem um die persönliche und städtische Freiheit besorgten Bürger unseres Landes am 5. Januar 1711 geschrieben.
David Topp, der diesen Brief an einen unbekannten Empfänger in Virginia richtete, schrieb aus Lemgo, der Stadt, die in der Geschichte des Landes wegen ihres ständigen Haders mit der landesherrlichen Obrigkeit bekannt war, und erkundigte sich nach den Lebensbedingungen in der neuen Welt:
„Hier in Lemgo neiget sich alles kräftig zum untergange und wir werden unvermerkt unserem Landesherrn ganz subjekt, wie dan hier in Teutschland die Herrschaften alle souverän und die Unter-thanen alle sclavisch werden. Gott ändere die Gemüter und bessere die Zeiten, sonst wird alles desparat werden. Das beste ist, daß fast zehne Jahre hier noch so wohlfeile Zeit hier gewest. Wir wüßten gern, was bei ihnen für Getraide wachset und ob es wohl hoch im Preise sey, worauf da so viele Familien jährlich dazu kommen und wie und womit sich dieselben alle ernehren, ob sie alle da Häuser finden oder bauen, ob sie die Heyden oder Wilden mit der Zeit vertreiben oder bekehren oder was es für Arth Menschen da gebe und wie sie leben?
Ich bitte nochmals um weitläufige Nachricht und schließe damit.“

Die Auswanderung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
In den 40er Jahren stieg, wie auch sonst in weiten Teilen Deutschlands, die Auswanderung nach Übersee sprunghaft an. Als im August 1843 die Lippische Regierung zum erstenmal einen Prospekt des Vereins für Deutsche Auswanderung zugeschickt bekam, in dem der Verein seine Ziele und Absichten bekanntgab, drückte Fürst Leopold den Wunsch „zum gedeihlichen Fortgangs des gemeinnützigen Unternehmens“ aus und bemerkte, „daß bislang eine Auswanderungslust in dem hiesigen Lande sich nicht gezeigt hat“.
Aber schon am 16. Januar 1847 sah sich die Regierung veranlaßt, in allen Städten und Ämtern anzuordnen, daß in Zukunft genaue Listen und Tabellen über die Auswandernden aufzustellen und am Ende des Jahres nach Detmold zu senden seien. Soweit möglich, sollten darin noch die letzten drei Jahre berücksichtigt werden. Auch Verfügungen über die Ausstellung der Pässe und Anordnungen zum Schutz der Gläubiger wurden in dieser Zeit erlassen. Von 1846 ab veröffentlichte das Regierungs- und Anzeigenblatt regelmäßig die Namen aller Auswanderer, so daß erst seit dieser Zeit zuverlässige Unterlagen über Auswanderungszahlen aufgestellt werden können. Aus all dem geht hervor, daß wir etwa mit dem Jahre 1844 ein langsames Ansteigen der Auswanderung annehmen müssen, die dann, wie uns die Kurve zeigt, 1847 erstmalig maximale Werte aufweist. Damit zeigt sich für Lippe das gleiche Bild wie im übrigen Deutschland, in dem die Auswanderungsziffer von 1844 fast doppelt so groß ist, wie die von 1843 und dann mit jedem weiteren Jahr bis 1848 lawinenartig wächst. Während jedoch die gesamtdeutsche Auswanderung ihren Höhepunkt mit 251 931 im Jahre 1854 erreicht, zeigt die Kurve des Lipperlandes von 1846 über 1847 den steilsten Anstieg zum Höchstwert im Jahre 1848, in dem fast 1000 Lipper ihre Heimat verließen. Alle Warnungen der Behörden blieben erfolglos. In Gruppen zu oft 200 bis 300 Personen brachen sie auf. 112 Personen waren es aus Langenholzhausen und Umgebung, die unter Leitung des Kolons Helmingsmeier sich im lippischen Norden zur Abreise versammelten.
Maurermeister Grote aus Hiddesen bat, „im Auftrage einiger 80 Lipper, schnellen Consens zu erteilen, da die Oberfahrtskontrakte schon abgeschlossen seien und die Firma Wicheishausen, Bremen, sich erboten habe, 230 Lipper nach New Orleans zu bringen. 15 Familien aus Brakelsiek, im Südosten des Landes, taten sich 1847 zusammen, weil ihnen die Heimat zu eng geworden war. Sie erlebten die große Feuersbrunst nicht mehr, die im folgenden Jahr am 10. Mai „35 Wohnhäuser und 19 Nebengebäude in Zeit von wenigen Stunden in Schutt und Asche legt“, damit 51 Familien ihres Dorfes obdachlos machte und zum großen Teil zwang, gleichfalls auszuwandern. In demselben Jahr berichtet der Amtmann des Amtes Varenholz an die Detmolder Regierung: „Leider stehen auch im hiesigen Amtsbezirk in diesem Jahr sehr viele Auswanderungen bevor, auf welche nur mit Bedauern hingewiesen werden kann. Kleine Stättebesitzer, wenn nicht Alter oder Schwächlichkeit sie daran hindert, haben größtentheils die Neigung auszuwandern, und die mangelnde Gelegenheit einen annehmlichen Käufer für ihr Kolonat zu finden, hält sie noch zur Zeit ab, den großen Zügen der Auswanderer zu folgen. Einlieger, welche die Überfahrtskosten ermächtigen können, auch die jüngeren Söhne und Töchter der Kolonatsbesitzer, sind mit denen, welchen der Verkauf ihrer Kolonate gelungen ist, es wird der Gefühle, welche an das Vaterland binden und man wohl natürliche nennen kann, kaum mehr gedacht. Es scheint bevorzustehen, daß die Bevölkerung des platten Landes größtenteils sich aus Besitzern großer Kolonate, Arbeitsfähige, welche Kosten der Überfahrt nicht erschwingen können, und diejenigen, welche der Unterstützung anheimfallen, reduzieren. Die kleinen Kolonate werden als Kotten den größeren einverleibt werden.“
In einem anderen Bericht eines Amtmannes heißt es: „Das ganze Dorf regt sich und wippt und hat Lust, dem Fluge zu folgen. So wüthet diese Auswanderungssucht hier, die viele, wenigstens alte Leute und Kinder, welche meistens in der Begleitung sind, in das Verderben führt.“
Wie auch in übrigen deutschen Gebieten wurde diese Bevölkerungsbewegung wie eine unabwendbare Fügung hingenommen und durch die Ereignisse der 48er Revolution in den Hintergrund gedrängt.
Man hat nach Gründen gesucht um herauszufinden, warum die Wellentäler und Wellenberge in der Auswanderungskurve periodisch auftreten. Zum Teil wird diese Erscheinung auf Wirtschaftskrisen in den USA oder auf wirtschaftlichen Aufschwung in den Gründerjahren zurückgeführt. All diese Gründe dienen zweifellos zur Erläuterung, aber von dem allgemeinen wirtschaftlichen Hintergrund des 19. Jahrhunderts abgesehen drängt sich bei Teiluntersuchungen einzelner Dörfer folgendes Bild auf: Jeder einzelne Siedlungsraum, jedes Dorf gleicht einem Gefäß, das durch stete Vermehrung des Inhalts zu klein, zu eng geworden ist. Es brodelt eine Zeitlang darin, um dann gewaltsam nach einem Ausweg zu suchen. Das Zuviel wird bis auf ein erträgliches Maß ausgeleert. Für kurze Zeit herrscht Ruhe, und nach gewissem Zeitabstand wiederholt sich derselbe Vorgang erneut. Wirtschaftskrisen im Heimatland und Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs im Einwanderungsland sowie Bodenpreise und Arbeitslöhne wirken dabei als auslösendes Moment.
Bei der Berücksichtigung der einzelnen Ämter des Fürstentums Lippe ergibt sich, daß der Norden und der Südosten des Landes die stärkste Auswanderung des gesamten Zeitabschnitts zeigt. Insbesondere die Ämter Sternberg, Varenholz und Schwalenberg sind führend in der Auswandererbewegung. In diesen Ämtern sind es die Dörfer Langenholzhausen, Stemmen, Kalidorf, Hohenhausen, Harkemissen im Norden und Brakelsiek, Ruensiek, Wör-derfeld und Rischenau im Südosten, die prozentual am schlimmsten unter der Auswanderung zu leiden hatten.
Es ist dargelegt worden, daß die Voraussetzungen der Auswanderung im wesentlichen wirtschaftlicher und sozialer Art gewesen sind. Es sind darüber hinaus aber noch Faktoren zu beachten, die in der menschlichen Natur des einzelnen oder kleinerer Gruppen begründet liegen. Im ganzen gesehen sind sie gegenüber den früher aufgeführten Ursachen nur Anlässe, die aber als auslösendes Moment nicht außer acht gelassen werden können.
Zu solchen Anlässen zählt in erster Linie die Beeinflussung durch Briefe, die von Übersee kamen und in schillernden Farben das Erleben und die Erfolge, die der Landsmann drüben hatte, ausmalten. Vielfach war es nur der Wunsch, ein wenig aufzuschneiden. Häufig liest man zwischen den Zeilen die Sehnsucht nach Familienangehörigen, die man in der Einsamkeit der Farm um sich haben möchte. Aber all die Briefe müssen einen starken Einfluß auf die in der Heimat Zurückgebliebenen hinterlassen haben.
Wir können uns leicht vorstellen, wie ’solch ein Brief von Haus zu Haus wanderte, jeder, der ihn las, sich seiner eigenen wirtschaftlichen Not wieder ganz bewußt wurde und so den Wunsch nachzuwandern, immer stärker in sich spürte.
Der Landrat des Amtes Varenholz schreibt 1848: „Der Brief eines Ausgewanderten, welcher Zufriedenheit ausspricht, circuliert in allen Kreisen; gewöhnlich wird in demselben Unzufriedenheit mit den hiesigen Verhältnissen, fast ohne Ausnahme die Freude, nicht täglich Unterbediente, welche hauptsächlich Gegenstand der Erbitterung zu seyn scheinen, ausgesprochen. Dagegen werden Briefe, welche Klagen enthalten, verheimlicht, oder diese nur mit der Persönlichkeit des Schreibenden in Verbindung gebracht.“
Seltener kam es vor, daß einer jener Ausgewanderten noch einmal zu Besuch in seine Heimat zurückkehrte und dort von all seinem Erleben und den Lebensbedingungen in Amerika berichtete. Ihm schlössen sich gern die Auswanderer an, weil er mit seinen Erfahrungen jederzeit behilflich sein konnte.
„Nun ist ein Franz Puls aus Kirch-donop aus Amerika zurückgekehrt, welcher mein Vorhaben, indem mir derselbe die Frage vorlegt: Zu was wirst Du es hier bringen, trotz Deines ungeheuren Ab-mühens, und ich muß gestehen: Zu Nichts. Da im nächsten Frühling der pp. Puls wieder fort will und meine Eltern auf meine Bitte, mich mitziehen zu lassen, eingewilligt haben, so habe ich mich dann fest entschlossen mit diesem Puls fortzugehen.“

Skizze zu den relativen Auswanderungszahlen

Es ist in den Akten keine Stelle zu finden, die auf eine Auswanderung aus vorwiegend politischen Gründen schließen laßt. Obwohl auch in Lippe die Wogen der 48er Revolution bisweilen recht hoch gingen, dürfen wir nicht annehmen, daß die große Zahl der Auswanderer 1847/48 auf politische Motive zurückzuführen ist. Politische oder religiöse Motive mögen unterschwellig mitgewirkt haben. Deutlich geworden sind sie nur vereinzelt.
Wenn der Entschluß zur Auswanderung gefaßt war, wandten sich die Auswanderer an Agenturen, von denen es in Lippe über das ganze Fürstentum verteilt etwa 15-20 gab. Diese Agenturen standen seit 1853 unter Kontrolle der Regierung. Sie besorgten die Uberfahrtskontrakte für die auswandernden Familien, wechselten die Geldsorten und erhielten für ihre Tätigkeit eine Provision von einem Thaler pro Person. Die Fahrtkosten im Zwischendeck bis New York betrugen etwa 40 Thaler oder 80 Rheinische Gulden. Der Auswanderungshafen war zumeist Bremen, in dem Fürsorge und Betreuung der Familien vorzüglich organisiert war. Die dortigen Hafenbehörden hatten frühzeitig Gesetze erlassen, in denen Passagierzahlen, Verpflegungsmengen und «Überfahrtspreise festgelegt waren. Trotzdem scheint in der Phase der ersten Massenauswanderung skrupelloses Verhalten von Schiffsfirmen und Schiffspersonal die Überfahrt zu einem Leidensweg für die Auswanderer gemacht zu haben. In dem Detmolder Landesarchiv befinden sich erschütternde Briefe von Lippern, die die Überfahrt heil überstanden hatten. Sie legen Zeugnis vom rücksichtslosen Verhalten der Schiffsbesatzung und ihrer Reeder ab. Die Zahlen,nach denen auf einer Reise von 347 Passagieren 100 starben, besagen genug.

Das Verhalten der Behörden in der Auswanderungsfrage
Während des 17. und 18. Jahrhunderts sollten nach merkantilistischer Auffassung genaue Kontrollen an den Grenzen, verhindern, daß Untertanen unerlaubt das Land verließen. Auswanderung wurde soweit möglich unterbunden.
Erst allmählich, seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde diese Auffassung — wie in den anderen Ländern Deutschlands — auch in Lippe überwunden, um durch eine freizügige Wirtschafts- und Sozialpolitik ersetzt zu werden. Noch in den 30er Jahren wurde in einzelnen Ämtern  die Anschauung vertreten, daß man zwar die Armen gern außer Landes ziehen ließ, weil sie nur als Last empfunden wurden, aber Wohlhabendere, die ein Besitztum veräußert hatten, mit ihrem Bargeld ungern scheiden sah.

Als in den 40er Jahren die Massenauswanderung einsetzte, stand man dem neuen Problem erstmal abwartend gegenüber. Die Regierung beschränkte sich auf Verfügungen, die erkennen lassen, daß man das Geschehen totzuschweigen beabsichtigte. Den Agenten wurde streng verboten, in den Heimatblättern Anzeigen und Empfehlungen drucken zu lassen. In Detmold untersagte die Regierung dem Kaufmann Stamm, seine Agentur zur Beförderung der Auswanderer allen Leuten sichtbar durch ein Schild anzuzeigen. Zugleich wurde der Justizcanzleirat Petri angehalten, in Zukunft alle „Empfehlungen von Schiffen und Reisegelegenheiten in dem Regierungsblatt“ zu verbieten. Weiter heißt es dort: „Nun muß die Regierung wünschen, daß in vaterländischen Blättern nicht ferner zur Auswanderung verlok-kende Briefe und Notizen aufgenommen werden und deren Spalten noch solchen Berichten, welche die Schattenseiten der Auswanderung aufdecken, geöffnet werden.“

Diese Verordnungen zeigen, wie auch die in amtlichen Schreiben üblichen Ausdrücke „Bei dem jetzt hier im Lande eingerissenem Hange zur Auswanderung“, oder „Die Auswanderungssucht in ihren Ursachen“, daß der Regierung und den Behörden doch wohl Verständnis für die Lage fehlte. Man empfand die Auswanderung als eine Modekrankheit, vor deren Ansteckung man die Einwohner bewahren müsse.
Als die Auswanderung jedoch zunahm, sah sich die Regierung in Detmold gezwungen, Gesetze zu erlassen, die den Staat und die zurückbleibenden Bewohner vor Nachteilen schützen sollten. Den Kern des Problems anzurühren vermied sie vorerst noch. Alle Auswanderer wurden zum Schutze der Gläubiger gezwungen, ihr Vorhaben vier Wochen vorher im Amtsblatt zu veröffentlichen. Es durfte nur solchen Auswanderern die Erlaubnis erteilt werden, die ihre Familienangehörigen, falls solche zurückblieben, für die Zwischenzeit wohlversorgt hatten.
Militärpflichtigen gegenüber war die Regierung besonders scharf und erlaubte Auswanderung nur in seltenen Fällen. Entscheidungen behielt sie sich selbst dann vor, wenn die Betroffenen sich verpflichteten, eine entsprechende Kaution zu stellen. Sie hielt die Ämter wiederholt an, gerade auf diese Personen besonders zu achten, um heimliche Auswanderung zu verhindern.
Obwohl die lippischen Behörden 1848 gern von der „Freiheit des Menschen in seinen persönlichen Entschlüssen“ sprechen, erteilte die Regierung selbst in Fällen, in denen Familien auseinandergerissen wurden, keine Genehmigung zur Auswanderung. Das Fürstlich Lippische Militärgericht begründete: „Es wäre ein Unrecht, wenn man da nicht Vorkehrungen träfe, allein wegen der Ungerechtigkeit, weil dann solche, die durch die Höhe ihrer Losnummer sonst nicht zum Dienst herangezogen würden, durch den Ausfall Soldat werden müßten.
So konservativ die Behörde in bezug auf Auswanderung Militärpflichtiger dachte, so großzügig stellte sie sich in den 40er Jahren zur Auswandererfrage. Ohne den Auswandernden weitere Schwierigkeiten in den Weg zu legen stellte sie die Pässe aus. Gewiß handelt es sich dabei weniger um eine Wandlung zu liberaler Einstellung als vielmehr um die Einsicht, durch Verbote eine solche Bewegung nicht mehr aufhalten zu können. Man nahm die Auswanderung als unabwendbar hin. Später, in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, hatte man sich dann an Auswanderung gewöhnt und empfand es nicht mehr als bemerkenswert, wenn in einzelnen Jahren besonders starke Auswanderung stattfand.
Die Akten dieser Jahrzehnte zeigen nur noch Zahlen, keine Verordnungen, Verhandlungen oder Berichte, die sich mit der Auswandererfrage beschäftigt hätten.
Wie häufig, so scheint es auch im Falle der Auswanderung, daß die auf dem Land tätigen Behörden, die Ämter, in engerer Fühlung mit dem Geschehen standen als die Regierung. Insbesondere jene Ämter, in denen die Auswanderung schwerwiegende Folgen in der Wirtschaft mit sich brachte, erkannten die Situation. Mahnend schreibt das Amt Schötmar 1852 an die Regierung:
„Schon jetzt zeigen sich die Folgen der Auswanderung im hiesigen Amte in sehr nachteiliger Art, indem Immobilien und Mobilien im Preise bedeutend heruntergegangen, ja dann und wann unverkäuflich sind und ein nie gekannter Geldmangel einreißt.“ Vorbildlich in der Fürsorge war das Amt Varenholz, das nicht, wie sonst üblich, die Nachteile der Zurückbleibenden im Auge hatte, sondern versuchte, die Auswandernden mit Schutz und Hilfe zu unterstützen, solange sie auf deutschem Boden waren.
All diesen Stimmen konnte sich die Regierung in Detmold nicht verschließen. Ihre bisherige Haltung, zu ignorieren, was nicht zu ändern war, gab sie auf, als das Jahr 1848 neben den politischen Wirren den Höhepunkt der Auswanderung brachte. In einem Rundschreiben an die Ämter forderte sie zur Stellungnahme und zu ausführlichem Bericht auf/ um so durch verschiedene Meinungen ein umfassendes Bild der Lage zu gewinnen. Über verwaltungstechnische Fragen hinaus versuchte das Amt Varenholz durch ein ausführliches Schreiben erstmalig den wahren, tieferen Gründen nachzugehen. Wenn es dabei eine wenig glückliche Hand zeigte, so liegt das wahrscheinlich darin begründet, daß dem Amte eben doch der weitere Blick für das Ganze fehlte. Als Hauptpunkt für eine Reform schlug Varenholz  vor:

  1. Die möglichste Befreiung von der Sittenpolizey.
  2. Die sorgfältigere Überwachung der Unterbedienten, und insbesondere die Aufhebung aller und jeder Denuncianten-Anteile.
  3. Die möglichste Verhinderung der Ausdehnung des Pietismus.
  4. Beförderung des politischen Selbstbewußtseins und der Selbständigkeit durch Öffentlichkeit aller gerichtlichen Verhandlungen und Freiheit der Presse.

Eindrucksvoll haben die politischen Forderungen des Jahres 1848 bei diesen Vorschlägen ihren Ausdruck gefunden. Von wirtschaftlichen Nöten hingegen schien niemand auf dem Amte etwas zu wissen. Zur Stellungnahme aufgefordert, bemerkte das Fürstlich Lippische Militärgericht dazu: „Der Herr Berichterstatter sieht in den jetzigen Auswanderungen im allgemeinen mehr Gefahr als wirklich vorhanden. Die Geschichte aller Zeiten erzählt uns von Auswanderungen in fremde Länder, . . . ohne daß wir erfahren, daß dadurch dem Lande . . . erheblicher Nachteil erwachsen ist.“ Das wirkte wie eine kalte Dusche auf den mit viel Einsicht und Fürsorgebereitschaft  verfaßten Bericht des Amtes.
Alle Ämter waren sich in ihren Berichten einig, daß die Auswanderung durch einen Regierungserlaß nicht verboten werden konnte. Amt Oerlinghausen schreibt: „Es ist dabei zu beachten, daß die Freiheit des einzelnen möglichst wenig beschränkt werde.“ Amt Varenholz: „Es kann allerding von directen Verhinderungen der Auswanderung nicht die Rede sein.“ Das Militärgericht: „Die Auswanderung entweder auf directem oder auf indirectem Wege, in irgend verhindern zu wollen, — scheint schon in Betracht auf die persönliche Freiheit der Menschen, — eine Maßregel, die in jetzigen Zeiten durchaus nicht Platz greifen darf.“
Es wäre zu einseitig geurteilt, wenn man der Regierung nur Verständnis- und Interessenlosigkeit vorwerfen würde. Vielmehr findet man unter den Akten des Jahres 1848 einen Bericht des Regierungsrates Heldmann, den man als vorbildlich in der Auswandererfrage bezeichnen darf.
Sein Bericht stellt eine wohldurchdachte und abwägende Zusammenfassung der Berichte, wie sie aus den Ämtern eingegangen waren, dar. Er diskutierte deren Vorschläge und greift in der Sache nach den Gründen wesentlich tiefer. Er unterscheidet geschickt zwischen den unwesentlichen Anlässen und den wahren Ursachen des sozialen Problems und zeichnet dann ein Bild der lippischen Wirtschaftsentwicklung, das den Weitblick eines Staatsmannes erkennen läßt. Auch Heldmann findet keinen rechten Ausweg aus der Situation, sondern stellt resignierend abschließend fest: „Bei solchen Verhältnissen ist es nicht zu bezweifeln, daß das hiesige Land, in welchem es ausgedehnte Waldungen hat, 300 Menschen durchschnittlich auf der Quadratmeile wohnen, an Überbevölkerung leidet, und daß solange die Verhältnisse nicht günstiger sich gestalten, Auswanderungen im größeren Umfange stattfinden  müssen. . . .
Es liegt außer der Macht der Regierung, die in den äußeren Verhältnissen begründeten Übelstände zu beseitigen. Sie muß jedoch in der zunehmenden Neigung zur Auswanderung eine dringende Aufforderung suchen, die bestehenden Verhältnisse einer sorgsamen Prüfung zu unterziehen, um die durch die fortgeschrittene Zeit darin nöthig gewordenen Reformen ins Leben treten zu lassen und damit jeden begründeten Anlaß zur Unzufriedenheit möglichst zu beseitigen.
Die in dem Bericht des Amtes Varenholz in dieser Beziehung gemachten Vorschläge scheinen mir durchaus unerheblich zu sein und keine Berücksichtigung zu verdienen. Dagegen halte ich es für notwendig, daß

  1. die schon vielfach besprochenen Reformen in der Justizverfassung unseres Landes,
  2.  die Neuorganisation des Gewerbewesens daselbst,
  3. eine Verbesserung der bestehenden Colonatsverfassung,

weiter vorbereitet und zur Ausführung gebracht werden. Es wird nicht gestattet sein, die Auswanderungen selbst in irgendeiner Weise direkt zu erschweren, insofern sie nur nicht dazu mißbraucht werden sollen, bereits begründete Verpflichtungen gegen den Staat oder andere Bewohner zu verletzen. Die Gesetzgebung darf und muß in dieser Beziehung die nöthigen Anordnungen treffen.“
Die von Heldmann vorgeschlagenen Reformen sind nur teilweise oder gar nicht durchgeführt worden. Trotzdem bleibt erfreulich das Gesamtverständnis und die klare Sicht für das Gewordene.
Wie oberflächlich dagegen ein anderes Mitglied des Kabinetts urteilte, mögen die Auszüge aus der Stellungnahme Piderits zeigen. Nachdem er es ablehnt, den Grund zur Auswanderung in der Überbevölkerung zu sehen — Hungerjahre —, meint er, pflegten periodisch in allen Ländern einmal aufzutreten —, fährt er fort: „Manchen Völkern, namentlich von der Germanischen und angelsächsischen Race, scheint ein Wanderungstrieb angeboren zu seyn, welchen sie vielmehr aus einem inneren als äußeren Drange fröhnen. . . .
Dieses Problem zu lösen, ist eine Aufgabe für die Deutsche Nation, nicht aber für die Regierung eines kleinen Landes. Eine solche kann sich bei großartigen Weltereignissen nur passiv verhalten und die Entwicklung der Dinge ihren natürlichen Lauf überlassen. Daher bin ich der unvor-greiflichen Ansicht, daß die Regierung nach dem bisher befolgten Prinzip in betreffs der Auswanderung nach Amerika so wenig fördernd als hemmend eingreifen dürfte.“
Man kann nicht erwarten, daß bei einer derartigen Auffassung von der Regierung Maßnahmen ergriffen wurden, durch die eine umfangreiche Planung und Förderung neuer Kräfte in der Wirtschaft des Landes erfolgt wären. Anstatt Wege zu suchen, die der überzähligen Bevölkerung Aussicht auf befriedigende Arbeitsplätze eröffnet hätten, zeigte man Passivität gegenüber der Industrialisierung, hielt streng am alten Kolonatsrecht fest und verschloß das Land modernen Verkehrsmitteln, solange eben möglich. Man ließ den Dingen ihren Lauf, ohne sich staatlicher Verpflichtung bewußt zu sein.

Lipper in Amerika
Wo sind die Tausende von Lippern geblieben, die im Laufe des 19. Jahrhunderts den Atlantik überquerten, um in Amerika, dem Reiseziel der meisten Auswanderer, wie wir sahen, den Boden für eine bessere Zukunft zu finden? Im Vergleich zu diesen Zahlen ist die Kunde von den lippischen Landsleuten spärlich und knapp. Wie es das Schicksal all jener Auswanderer sein sollte, wurden sie in dem großen Mischtopf der Rassen und Nationen absorbiert, um mitzuhelfen, einer neuen Nation ihren Charakter zu geben. Trotzdem soll in diesem Zusammenhang von einigen noch aufzufindenden Spuren die Rede sein.
Zu den ersten lippischen Einwanderern in Nordamerika gehört gewiß der Lemgoer Arzt Wilhelm Trophagen, von dem berichtet wird, daß er zu einer Reihe angesehener New Yorker Geschlechter zählte.
In der alten Welt ging im 19. Jahrhundert der Spruch um, daß derjenige, der „in Diutskland de* Pleog nich schiuben will, de moht se in Amerika toihn.“ Mit diesem Spruch wird man den lippischen Auswanderern nicht gerecht, die gewiß nicht nach Übersee zogen, weil sie aus Arbeitsunwillen in der Heimat keinen Erfolg hatten. Jene lippischen Bauern und Einlieger kannten die Arbeit und brauchten sich nicht vor ihr zu scheuen. Aber eine andere Erfahrung mußten sie recht bald machen, denn drüben in der neuen Welt galt, daß man es in den Staaten erst zu etwas bringen konnte, wenn das aus Deutschland mitgebrachte Geld restlos verbraucht war. Dies Lehrgeld zahlte auch eine Gruppe von 112 Lippern, vorwiegend aus Langenholzhausen, die mit der „Agnes von Bremen“ — diese Fahrt hatte 14 Tote gefordert — im Mai 1847 in Amerika ankamen. Landspekulanten rieten ihnen von ihrem ursprünglichen Vorhaben, den Präriestaat Iowa aufzusuchen, ab. In Milwau-kee erzählte man ihnen von billigen Tannenwäldern bei Sheyboggan, deren Preise in keinem Vergleich zu dem teuren Boden in Iowa ständen. Einen Augenblick schwankte die Gruppe, da den Armen die Bodenpreise in Iowa wirklich unerschwinglich erschienen, während die Reicheren den guten Prärieboden vorziehen wollten. Mit den Worten des Führers Reineking: „Noi, Kinner, wu wü blüwet, blüwet wü olle,“ entschloß man sich, gemeinsam nach Wisconsin höher zum Norden in den Urwald zu ziehen. Ein Nachkomme dieser Auswanderer schildert uns auf Grund der Erzählung seiner Großeltern, wie diese lippische Niederlassung die ersten großen Schwierigkeiten zu überwinden hatte, in echter lippischer Gründlichkeit gleich beginnen wollte, feste, aus der Heimat gewohnte Holzhäuser zu errichten, anstatt der sonst üblichen Blockhütten, wie dann die Kolonie zu blühen und zu wachsen begann und schließlich Zweigansiedlungen in Clarkcounty bei Greenwood und Neils-ville im Staate Wisconsin und in Allama-kee County im Staate Iowa gründen konnte.
Unabhängig von diesen Siedlungen ließ sich eine andere Gruppe von Auswanderern aus Stemmen bei Hubbard in Hardin County im Staate Iowa nieder und gründete dort die größte aller amerikanischen Lipper-Siedlungen, die noch um die Jahrhundertwende fast ausschließlich aus Lippern bestand. 15 Lipperfamilien aus Bra-kelsiek fanden geschlossen eine neue Heimat bei Freeport in Illinois. Das Kirchenverzeichnis der ersten Jahre nach der Gründung von Rockcity und Davis zeigt fast ausschließlich lippische Namen. Jene Lipper haben ihre Heimat nicht so bald vergessen und halfen nach dem ersten Weltkrieg ihren Brakelsieker Freunden aus arger Not.
Zusammenfassend läßt sich vielleicht sagen, daß die Staaten am Oberlauf des Mississippi (Minnesota, Wisconsin und Iowa) das Hauptziel der lippischen Auswanderer waren.
Genauere Untersuchungen über die Verbreitung der Lipper in Amerika ließen sich an Hand lippischer Orts- und Familiennamen in den USA anstellen. Verbindungen mit Lippervereinen in Übersee würden weitere Aufschlüsse geben. Abschließend ist der Hinweis notwendig, daß die Lipper fast ausschließlich nach den Vereinigten Staaten auswanderten. Nur selten fanden sich in den Akten Angaben über Auswanderungen nach Kanada, Australien, Südamerika oder Südafrika, — obwohl es im letztgenannten eine Station Lemgo der Hermannsburger Mission gab.
Ein schönes Zeichen der Heimatverbundenheit ist das Bestehen der American Lippe Relief Society, die in den 20er Jahren in großem Rahmen Unterstützung in die Heimat schickte und dem Detmolder Diakonissenhaus den Bau eines Kinderheimes in Bad Meinberg, dem sog. „Weißen Haus“ ermöglichte. Gewiß nicht klein ist die Zahl der Lipper gewesen, die auch nach 1945 wieder in Dankbarkeit die willkommenen Sendungen im Rahmen der Care Aktion von ihren lippischen Verwandten jenseits des Ozeans empfangen haben.
Enges nationalstaatliches Denken hat die Auswanderung nach einem fremden Kontinent als Substanzverlust und Minderung nationaler Interessen empfunden. Heutige Generationen fühlen sich frei von solch einseitigem Urteil. Sie sehen die Siedler- und Pionierarbeit jener Auswanderer des 18. und 19. Jahrhunderts als eine großartige Leistung, die einen Kontinent erschloß und zugleich ein politisches Zentrum entwickelte, das durch unabdingbaren Einsatz für eine freiheitliche Ordnung der alten Welt zurückgibt, was diese einst als anerkennenswerte geschichtliche Vorleistung erbrachte.

Die Auswanderer 
Ich kann den Blick nicht von euch wenden; Ich muß euch anschaun immerdar: Wie reicht ihr mit geschäft’gen Händen Dem Schiffer eure Habe dar!
Ihr Männer, die ihr von dem Nacken Die Körbe langt, mit Brot beschwert, Das ihr aus deutschem Korn gebacken, Geröstet habt auf deutschem Herd;
Und ihr, im Schmuck der langen Zöpfe, Ihr Schwarzwaldmädchen, braun und schlank, Wie sorgsam stellt ihr Krug‘ und Töpfe Auf der Schaluppe grüne Bank!
Das sind dieselben Topf und Krüge, Oft an der Heimat Born gefüllt! Wenn am Missouri alles schwiege, S i e malten euch der Heimat Bild:
Des Dorfes steingefaßte Quelle, Zu der ihr schöpfend euch gebückt, Des Herdes traute Feuerstelle, Das Wandgesims, das sie geschmückt.
Bald zieren sie im fernen Westen Des leichten Bretterhauses Wand; Bald reicht sie müden, braunen Gästen, Voll frischen Trunkes, eure Hand.
Es trinkt daraus der Tscherokese, Ermattet, von der Jagd bestaubt; Nicht mehr von deutscher Rebenlese Tragt ihr sie heim, mit Grün belaubt.
O sprecht! warum zogt ihr von dannenf Das Neckartal hat Wein und Korn; Der Schwarzwald steht voll finstrer Tannen. Im Spessart klingt des Älplers Hörn.
Wie wird es in den fremden Wäldern Euch nach der Heimatberge Grün, Nach Deutschlands gelben Weizenfeldern, Nach seinen Rebenhügeln ziehn!
Wie wird das Bild der alten Tage Durch eure Träume glänzend wehn! Gleich einer stillen, frommen Sage Wird es euch vor der Seele stehn.
Der Bootsmann winkt! — Zieht hin in Frieden: Gott schütz‘ euch, Mann und Weib und Greis! Sei Freude eurer Brust beschieden, Und euren Feldern Reis und Mais! 

Von Ferdinand Freiligrath

Quelle: Heimatland Lippe – Oktober 1976, von Dr. Herbert Hitzemann

Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven
Das Hermannsdenkmal in den USA
Naturwissenschaftlicher und Historischer Verein für das Land Lippe e.V. 

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