Die Bauern im Kampf gegen das Rittergut Hornoldendorf

Rittergut Hornoldendorf, Aquarell von Emil Zeiss

1601 und die folgenden Jahre vereinigte Graf Simon VI. die Höfe Meier, Hermeler und Vogel zur Domäne Hornoldendorf. 1614 überließ er sie als adeliges, landtagsfähiges Gut an Hans Adam von Hammerstein. Durch die Bildung des Rittergutes verschoben sich die sozialen Verhältnisse in Hornoldendorf. Bis dahin hatte das Dorf aus neun Höfen und drei kleinen Stätten bestanden. Ihre Dienste hatten sie auf dem fernen Oesterholz oder auf dem nahen Detmolder Schloss verrichtet.
Nun verschwanden drei Bauernhöfe, und aus ihnen entstand inmitten des verbleibenden Restes ein bevorrechtigter Großbetrieb, der die Bauern und Kötter in Hornoldendorf, Fromhausen, Holzhausen, Berlebeck und Heiligenkirchen mit wirklich schweren Diensten belastete. Die Verwalter des Rittergutes waren pflichtgemäß bemüht, die Rechte des adeligen Gutes zu wahren, ja sie außerhalb von Pflicht und Recht nach Charakteranlage und persönlichem Interesse zu mehren. Das eigene Interesse aber trieb die Bauern in das entgegengesetzte Bestreben. Dazu kam das hochfahrende Wesen des ersten Hammerstein auf dem Gute und seiner Witwe, für die die Bauern eigentlich nur zum Dienst auf dem Gute da waren. Es wundert uns daher nicht, wenn der dörfliche Friede oftmals und lange einer heftigen Spannung weichen musste, die sich einigemal in Gewalttätigkeiten entlud.

Der Ziegenkrieg

1644 bis 1660 tobte der Ziegenkrieg zwischen dem Landdrosten von Hammerstein und nach 1653 seiner Witwe und Hornoldendorf. Die Landdröstin hielt eine Herde Ziegen und schickte sie nebst ihren Schafen auf die gemeinsame Weide im Waldberge, die doch dem Herkommen nach nur für Rindvieh vorgesehen war. Ziegen und Schafe entpuppten sich bald als arge Waldschädlinge. Dammeyer aus Heiligenkirchen beschwerte sich, dass ihm die adeligen Ziegen „20 Eichstämme ganz gewittelt hätten“, Hagemeister, dass ihm „41 Bäume und Podstämme von den Ziegen gewittelt“ seien. Ihnen folgten Lükermann, Cord Darneden (Berlebeck) und Brink Jakob, die über 20 und 30 vernichtete Eichenstämme klagten. Darauf wurde am 28. Mai 1659 die Ziegentrift von der Landesherrschaft verboten. Aber die Dame von Hammerstein stellte ihren Willen über den des Landesherrn, so dass sich am 22. November 1659 sämtliche Einwohner der Bauerschaft Hornoldendorf darüber beschwerten, dass die Frau Landdröstin nicht 100 Schafe, aber 39 Ziegen halte und in den Waldberg treiben ließe. Allmählich scheint das landesherrliche Verbot dann doch beachtet worden zu sein, der Ziegenkrieg schlief jedenfalls ein. Als dauernde Erinnerung daran ist der Flurname Ziegenkämpe bis auf den heutigen Tag geblieben. Mit der sonst üblichen Strenge mochte der Graf nicht vorgehen, denn er brauchte Geld, und die Frau Landdröstin hatte einiges zu verleihen. Sie lieh ihm am 6. Juni 1666 2300 Taler und erhielt dafür als Sicherheit den Zehnten von Hornoldendorf mit 50 Talern und den von Farnbeck mit 90 Talern jährlich. Der Hornoldendorfer Zehnte hat betragen 1662 für sechs Jahre jährlich 3 Molt 4½ Scheffel Rocken, 3 Molt 4½ Scheffel Gerste, 6 Molt 9 Scheffel Habern, zusammen für 60 Taler 27 Groschen 1 Molt = 12 Scheffel.

Der Kampf um die Schafhude

Viel schärfer war der Kampf um die Schafhude von 1682 bis 1702. 1682 beklagt sich Ludolph von Hammerstein, dass die Schmedisser seine Schafe pfänden und sie nicht hüten lassen wollen. Er hatte bis dahin „umb Hornoldendorf, Fromhausen, Schmedissen und zum Teil umb Berlebeck von Michaelis (29. September) bis Maitag auf dem sädigen Länderey und in den Wiesen von Martini (10. November) bis Maria Verkündigung (25. März) weiden lassen“ Die Schmedisser gaben trotz der Androhung von 10 Taler Strafe die gepfändeten Schafe nicht heraus, sondern antworteten: „Unsere Väter haben, sooft sich der Hammersteinische Schäfer unterstanden, in unsere Felder zu kommen, dieselben herausgejaget, gepfändet, geprügelt und zur Wruge gebracht und dadurch uns bey unserer woll hergebrachten libertät unserer äcker conservirt.“ Im Oktober erhielten sie in den Fromhausern Kampfgenossen. Diese hatten „zwey Schafe gepfändet, auch vorgestern den Schäfer nicht allein geschlagen, sondern auch dessen Schafe mit ihren Hunden also gehetzet, dass eins davon tod geblieben, dabey frevelmütig sich vernehmen lassen, wenn er, der Schäfer, auf der Hude sich wieder ertappen ließe, sie ihn dergestalt willkommen heißen und tractiren wollten, dass er mit einem Schlitten sollte wieder weggeführt werden müssen.“ Trotz gerichtlicher Anordnung, die gepfändeten Schafe stündlich zurückzugeben, behielten die Fromhauser ein Schaf 2, die Schmedisser 3 Jahre. Die Fromhauser suchten ihren Standpunkt rechtlich zu begründen, indem sie behaupteten, auf dem schwartzeschen Gute in Fromhausen und dem Meierhofe in Hornoldendorf seien früher auch keine Schafe gehalten worden, und daher könne das Rittergut auch kein Huderecht beanspruchen. Das war allerdings ein geschichtlicher Irrtum und daher nicht beweiskräftig. Recht hatten sie aber mit dem Hinweis, sofern er den Tatsachen entsprach, „der Conductor lässt seine Äcker umstürzen und schickt sein Vieh auf unsere.“ Sie konnten auch darauf hinweisen, dass sie schon vor 25 Jahren Schafe gepfändet und 2 Taler Strafe für den Schäfer bei dem Gogericht erwirkt hatten. Die Schmedisser beriefen sich darauf, dass sie beständig widersprochen, „die Schafe gepfändet und die Schäfer wacker geprügelt hätten.“ Im Oktober 1682 vertrieben auch die Hornoldendorfer, besonders Wellner, die adeligen Schafe von ihren Feldern. Am 22. November 1683 entschied die Universität Heidelberg, dass Hammerstein zunächst zu schützen sei, dann aber in vier Wochen sein Recht zu beweisen habe. Der Kampf ging weiter.
Im Frühjahr 1684 verprügelten zwei Fromhauser den Schäfer des Rittergutes und wurden dafür durch Landesschützen in den Turm in Detmold eingesperrt. Am 17 November 1684 glaubte der Obrist von Hammerstein, die Fromhauser durch einen Kriegszug ein- für allemal besiegen zu müssen. Zu fünfen ritt er in das feindliche Dorf, zwei waren mit Flinten, die andern mit Stöcken bewaffnet. Die Fromhauser berichten darüber: „— wie dann — — unsere Wiesen und Kämpe uffgerissen undt die Schafe mit Gewalt darauf hüten lassen. Dabei sich der Hammerstein vernehmen lassen, dass er zwey wehrhafte Leute bey den Schäfer stellen wollte und ist der Schäfer gerade vor unsere thüren in Fromhausen mit den Schafen kommen, welchem wir deshalb den Haken abgenommen, worauf der Hammerstein nach vorhin getanen Schusse zu uns auf Schüttlers Hof jagen kommen und den Haken nicht allein wieder weggenommen, sondern auch Tönnissen Echterling mit der Kadebatsche ins Gesicht, Berendt Alweken aber über den Kopf geschlagen.“ Wenige Tage später wurden Schüttler, Kligge, Echterling, Strohmeiers Sohn und Schlichting bei „Wasser und Brot in den newigen Turm gesetzet“, bis Schmedissen 20, Fromhausen 30 Gulden Strafe zahlte. Von einer Bestrafung des adeligen Missetäters weiß die Chronik nichts zu berichten.

Eine im Januar 1685 versuchte gütliche Einigung scheiterte. Darauf scheint der Krieg um die Schafhude zunächst, vielleicht aus einem allgemeinen Ruhebedürfnis heraus, eingeschlafen zu sein. Jahrelang hören wir nichts mehr davon, und von Hammerstein ließ seine Schafe Äcker und Wiesen der Umgegend abgrasen, bis am Ende des Jahrhunderts das unter der Decke schwelende Feuer noch einmal hell aufloderte. 1698 hatte Wellner in Hornoldendorf das Wasser zur Schaftränke anders abgeleitet und war auf die Klage des Rittergutes verurteilt worden, ihm seinen natürlichen Lauf zu lassen. Um diese Schaftränke gerieten dann Wellner und seine Frau mit dem Conductor und seinem Neffen auf Wellners Grund und Boden in ein wildes Handgemenge. Mit dem spanischen Rohre, mit Fischkeulen, Spaten und „einem mord Knüppel, womit der beste mann, ja auch stärkstes Vieh getötet werden sollte“, bearbeitete man sich die harten Köpfe, um so den Nachweis des eigenen Rechtes zu führen. Die Finger in den Haaren des Gegners verkrallt, den Würgegriff an seiner Kehle, so wälzte man sich am Boden. Wellner, auf dem die beiden Gegner lagen, glaubte sich am Leben bedroht, und sein überlautes Hilfegeschrei gellte durch das Dorf. Die aus dem Hause herausstürzende Frau Wellner rettete ihren Mann. Sie war wohl noch eine kampfkräftige alte Germanin. Mit 5 Taler Strafe für jede der beiden feindlichen Parteien wirkte die Landesbehörde beruhigend auf die aufgeregten Gemüter ein.
1699 pfändeten die Schmedisser noch einmal, mussten aber dafür schon am folgenden Tage einen der ihrigen in Arrest schicken. Endlich, am 9. März 1702, erging das Urteil der Kanzlei in Detmold, dass das Rittergut die Hude auf den Feldern von Michaelis bis Maitag, in den Wiesen und Kämpen von Martini bis Maria Verkündigung behielt. So war es wohl überall in der Grafschaft Lippe, und allmählich haben sich die Parteien beruhigt. Die rittergütlichen Schäfer haben keine Löcher mehr „in die Hagens und Zäune“ gerissen, und das Verprügeln der Schäfer und die Schafhatz durch die Bauern haben aufgehört.

Auszug aus dem Manuskript des Verfassers über „Das Amt Falkenburg“

Heimatland Lippe: März 1965 Von H. Wendt

Send this to a friend