Die Berningtorper kauften Anno 1357 das Hainholz vom Heinrich von Sternberg

Barntruper Stadtwald. Lippe2Web 2010

Zur Geschichte des Barntruper Interessentenholzes.

An einem Spätsommertage des vergangenen Jahres hatten die Barntruper Gelegenheit, mit einem Hubschrauber aufzusteigen und einen Rundflug über das obere Begatal zu machen.
Der 15. September 1963 war ein ausgesprochen schöner und selten sonniger Sonntag, der viele Menschen, jung und alt, auf das „Hohe Feld“ zum Start- und Landeplatz auf eine Weide zwischen „Wolfssiek“ und „Selbeckbach“ hinaufgelockt hatte. Da landete nun alle zehn Minuten der seltsame Flugvogel, um vollbesetzt unter starkem Motorenlärm wieder in die Lüfte zu steigen.
Mit Dr. Kudert, einem erfahrenen Piloten am Steuerknüppel, haben viele sich einmal ihre engere Heimat aus der Vogelschau betrachtet und neue Eindrücke ihrer heimatlichen Gemarkung aufgenommen. Mich hatte es auch zum Hohen Feld hinausgezogen, und, als die Sonne tief im Westen stand, habe ich zusammen mit meiner Frau einen Rundflug gemacht, um ganz bestimmte Barntruper Gemarkungsgebiete von oben zu sehen. Verabredungsgemäß lenkte der Flugzeugführer nach meinen Weisungen seine große brummende Wespe — immer in ziemlich gleichmäßiger Höhe von 300 m — rund um unsere Gemarkungsgrenzen herum, zunächst bis gen „Seibeck“ heransteuernd, dann über das „Hainholz“, den „Westerberg“, das „Bül-tenholz“, die „alte Gaffel“, bei „Osterröden“ die Bundesstraße 1″ schneidend, über die Domäne „Sevinghausen“ hinweg mit ihren uralten Kämpen.
Nachdem er über den „Laufnacken“ hinweggesegelt war, steuerte er jetzt „Lüdekings Steinbruch“ zu, in den wir senkrecht hineinschauen konnten, und nach einem kleinen Abstecher nach „Sonneborn“, dessen alte Kirche uns grüßte, nun aber wieder westwärts über den „Saalberg“ mit seinem Windmühlenstumpf gleitend, vorbei an der Domäne „Herborn“ und Dr. Machereys Sanatorium hoch oben am Waldrande. Wir flogen weiter über den Barntruper „Gemeindeberg“, dessen Wald sich wie eine spitze Zunge in die Felder am Saalberghang schiebt. Über die Extertalbahn und Bundesstraße 1024, die sich wie ein Silberband von „Alverdissen“ über die „Helle“ hinweg nach Barntrup senkt, geht es hinweg über das große „Krähenholz“ jetzt auf das „Rittergut Wierborn“ zu, dessen Gutshäuser, Teiche und Baumgruppen wie Kinderspielzeug unter uns liegen.
Auf unsere Bitte hin zieht unser Pilot seinen Helicopter an der „Wierborner Allee“ entlang über das „Voßloh“, und wir genießen aus der Höhe den Blick auf das alte Renaissanceschloss derer von Kerßenbrock, dem mächtigen westlichen Eckpfeiler in der Krone unserer Stadt. Das ganze Schloßgelände aus der Höhe genießend, geht es in schnellem Fluge — schon tiefer fliegend — über den Kern unserer Stadt, die einst von Toren, Knicks und Hagen umwehrte Altstadt hinweg, zurück zum Landeplatz auf dem „Hohen Feld“.
Der kleine Vogelschauf lug im Abendsonnenschein, der alle Dinge besonders plastisch vors Auge führte, war ein Erlebnis gewesen. Aus 300 m Höhe hatten wir in den „Bültenholzkämpen“ Hilkers Schimmel friedlich grasen sehen und die Sonntagsspaziergänger erblickt, wie sie den „Schratweg“ entlangpromenierten zum Heckenviereck der „Alten Kerke“.

Das alte „Holt to Heyntorpe“ von Anno 1357

Das alte „Holt to Heyntorpe“ von Anno 1357 (heute: Barntruper Interessentenholz) mit den Forstorten: Westerberg 1a, 5a), Rabengrund (1b, 1e-g), Heidknapp (1d), Am Philosophenweg (1c), Alte Heinung (2a, 3a-c), Am Waldfriedhof (2b-c), Teufelsbrücke (4a), Kammer (4b-f), An der Mergelkuhle (5b, 6a), Heringsberg (6b-c, 7a), Selbecker Eichen (7b-c), Becker Berg (8a-b), Drünerstein (8c-d).

Und als beim Rundflug „Alt-Barntrup“ auf dem „Thornesberg“ unter uns lag, konnten wir so recht in den mittelalterlichen Siedlungsrundling hineinschauen, planvoll einst aufgebaut nach den Intentionen des Grafen Heinrich von Sternberg, der hier in Alt-Berningtorp dasselbe Stadtbild haben wollte, wie er es erlebte, wenn er in Lemgo einritt, und so war denn auf dem Hügelrücken des Thornesberges vor mehr als 600 Jahren die Siedlung entstanden mit den drei Straßen — Oberer, Mittel- und Unterer Straße —, die im Westen am Niederen und im Osten am Osterthore einst zusammenliefen.
Mir selbst kam es bei dem Rundflug besonders auch darauf an, mal von oben aus der dritten Dimension die großen Waldgebiete unserer Gemarkung zu betrachten, die im Norden, Osten und Süden unsere reiche Feldmark umkränzen, besonders im Süden sich als ausgedehnter Teppich zum „Grisenhagen“ hinaufschieben und breit von der Höhe aus zum Blomberger Becken hinabwallen. Als ich „Hainholz“ und „Westerberg“ unter uns liegen sah, ist mir noch einmal die Erinnerung wach geworden an eine Zeit, da die Alt-Barntruper — sie hießen damals noch „Berningtorper“ — beherzt die Gelegenheit beim Schopf ergriffen haben, vom Grafen und Edelherren zum Sternberg, der vielleicht in Geldnot gewesen sein mag, das große schöne „Hainholt“ ihm abzukaufen. Da an dieses Waldkleinod sich ein Stück Barntruper Waldgeschichte anknüpft, wollen wir etwas von dem Ankauf und den alten „Berningtorper Holzbriefen“ berichten.
Neben Themen zur Schul- und Küstereifrage gehörten Barntrups Hainholz und die Urkunden darüber zu den beliebten Gesprächen und Erörterungen des verstorbenen Pastor Johannes Franzmeier aus Bega, eines guten Kenners unserer engeren Heimat. Als junger Lehrer habe ich mich oft mit ihm darüber unterhalten und auch später noch kurz vor seinem Tode bei Flurnamenforschungen mir darüber Notizen gemacht, wie die alten Berningtorper das Hainholz erworben haben mögen und welche Bedeutsamkeiten in den Urkunden stecken.
Es gibt zwei Urkunden über den Ankauf des Hainholzes durch die Berningtorper. Die älteste ist vom 10. März 1357, also etwas über 600 Jahre alt. Da verkauft Heinrich der V. von Sternberg das „Heyntorper Holt“ an den Rat und die Bürger von Berningtorpe. Diese Urkunde, die im Lippischen Staatsarchiv liegt und deren Siegel lange im Zustande der Auflösung sich befand, zeigt heute wieder das restaurierte Sternberger Siegel. Die zweite Urkunde befindet sich in der alten Barntruper Stadttruhe. Das Siegel fehlt an ihr, der Pergamentstreifen ist noch vorhanden, an dem das Siegel einst hing. Dieser alte „Holzbrief“ ist vom 21. Mai 1376 und berichtet ebenfalls wie jene Urkunde von 1357 vom Verkauf des gräflichen Haintorper Holzes an den Rat und die Bürger Alt-Barntrups.
In dieser Urkunde von 1376 sind die Grenzen des Holzes genau präzisiert. Während die östliche und westliche Grenze in beiden Urkunden genau beschrieben sind, fehlt in der älteren Urkunde eine genaue Begrenzung im Süden. Die Urkunde von 1376 hat folgenden Wortlaut:

„Wy her Henrik eyn Eddele Greve tho deme Sterneberghe Bekennen yn dussen jegenwordigen breve allenn gemeynen Christenn luden de den seth und hören lesenn, und betugen apenbar dat wy myt gudenn gantzen wyllen unde myt lefflicher vulborth frouwen vor alheiden unsre ech-tenn elichen frouwen, Johannes unses Sho-nes unde alle unser rechten anerven heb-ben vorkofft to enen rechten waren kope srede und vast torholdende unse holt to Heyntorpe gantzs alle dat uns is twischen dem whege de aver den thornes berg und aver denn olden westerberch wente up den gisenhagen geith unde dem whege tho der selbecke hendorch den blomersken wech up na dem richenberge vor dem richenberge hen wenthe up den Knick und so vorth vor dem knicke hen wenthe up den gisenhagen na up den oldenwesterberch dar twisken sick dat blomerske unde Berntorp-pesche holth schedet al dat genne dat twisken den twen whegen und dem Knicke unde unsem slote tho bernincktorpe alle de vorholtene mit den busken de dar tho höret de nu thor tidt up nhewen sedigen lande Stadt dat vorbenomde holt und de vorhol-tere unde Buske buten der erden unde bynnen mit allem towasse mit frucht und nut de dar van werden mach mit dem egenndhome myt aller thobehoringe und myt aller schaltenut umme penning de uns gantzs und all betalt sint de wy gekart hebben yn unse framen unsem rade und unsen leven borgeren de bynnen unseme slote to Berlincktorpe wonet, de uns sin unde nach tho körnende de ohre penninge unde ohre geldt hebben uthgelecht to dussen vornommende cope, unde ehren rechten erven also dat manlik gebrucken und geneten schal und gemach des nomden holtes na sattinge unses rades vorgenompt dar na dat he geldes und penninge to dem monden cope hefft utgeleget wher dar ok jenich borger daran jehbauen dede na der sattinge unses rades den mach de radt laten panden in dem holthe up dem velde offte jn sinen huß, unde wor se mögen suncer unsen brocke und unses richtes und sunder unser vorwetent unde kheren de pandinge jn oren framen unde ock schollen se de raidt unde borgen vorgenompt des hohes dicke vorgenompt nemernde buten ohren slothe vorcopen offte vorgeven und wy enschollen nemande uth deme vorsprockene holte und vorholte nicht vorgeven offte vorcopen unde unschollen na dusser tidt, dat dusse breff gegeven is unsen radt und unser borger dicke vorgenompt daranne hinderen effte panden nicht mer effte ne-mandt van unser wegen sunder allene efft men wenke vünde jn dem holte de dar schaden anne dede de buten unsen slote to berlincktorpe wonede, den mochte wy und unse knechte pandenn und don da mede wat wy wolden, wer ock dat my misreckeden dat wy welken borger to Berlincktorp pandenden de pande schole wy wedder-geven dar unsem rade myt willen und love und al dusses vorbenomden copes schole wy eyn recht warent wesen und wyllen unde schollen unde willen unse borger vorgenompt enthledigen unde afnemen van allerley anspanke, van der whegen war ehr des not unde behoiff is aver dussem vorsprockene cope und degedinck hebben gewesen und gededinget her Hermen eyn kerckher tho dem bo^inckvelde, frederick de wenth und hermen van callendorpe und ander vheler guden lüde der men wol ge-loven mach to eyner bekentenisse all dusser vorgeschreven dinge dat wy de vast unnd stede und unverbracken genslicken holden willet hebbe wy vor alle unse rechten erven unse Ingesegel to dussen breve laten gehangen de gegeven unde geschreven is na gades gebort datum Anno dni. M° CCC° septuagesimo sexto jn vigilia Ascensionis dni.“

Es sind von Heimatforschern darüber Überlegungen angestellt worden, warum hier zwei Urkunden denselben Gegenstand behandeln. Es mag sein, dass wegen der ungenauen Angabe der Südgrenze des Holzes die Urkunde von 1357 im Jahre 1376 erneuert wurde. Vielleicht soll auch die jüngere Urkunde von 1376, die oben wörtlich aufgeführt wurde, nur eine Abschrift der älteren sein. Auf diesen Gedanken kommt man leicht, wenn man bedenkt, dass die Verleihung des Stadtrechtes an Barntrup durch die Sternberger Grafen ebenfalls am 21. Mai 1376 erfolgte. Daraus könnte man schließen, dass der Kaufvertrag von 1376 anlässlich der Stadtrechtsverleihung eine Bestätigung des ersten Kaufes sein sollte. Diese Vermutung hat viel für sich. Es ist aber auch möglich, dass der Graf von Sternberg das Holz zwischen 1357 und 1376 nochmals eingelöst und zurückgekauft hat. Wir wissen, dass dieser Graf nicht nur häufig Kirchen- und Klösterschenkungen macht, sondern auch Höfe und Zehnten verpfändet. Dazu mag den Grafen Geldverlegenheit geführt haben, vielleicht aber auch die Überlegung, dass das Sternberger Grafengeschlecht am Aussterben war. Wir wissen, dass am 6. Dezember 1377 ein Vertrag zustande kam, nach dem die Grafschaft Sternberg für dreitausend Mark Lemgoer Pfennige an die Grafen von Schaumburg verkauft werden sollte, ein Vertrag, der 1391 in Erfüllung ging, nachdem der letzte Sternberger Graf sich auf die Leibzucht begeben hatte. Es handelt sich um den im Barntruper Holzbrief genannten Grafen Johann.
Es muss in Berningtorp in jenen Jahrzehnten ein gewisser Wohlstand geherrscht haben, wenn „Rat“ und „rechte Bürger“ innerhalb des „slotes to Berlinctorpe“ die Geldmittel hatten, einen solch schönen und großen Wald anzukaufen. Als Käufer werden Rat und die alten Bürger genannt, die innerhalb der Hecken und Knicks wohnten, des Hagens, der vielleicht Mauerteile umwallte und im Osten, Westen und Norden unterbrochen war. Sie wohnten in einem abgeschlossenen Raum, einer Stadt, daher „slot“. Es werden in beiden Urkunden nicht die Zahl der Kaufanteile genannt. Seit alter Zeit sind 106 „Holzanteile“ da. Ob gleich nach dem Kauf eine Einteilung des Holzes in 106 Anteile stattgefunden hat, wissen wir nicht. Sollte das der Fall gewesen sein, so müssten schon damals einige Bürger mehrere „Holzanteile“ erworben haben, denn in den Urkunden steht, dass nicht jeder gleich viel bekommt. Leibeigene in der Stadt konnten sich solch ein Eigentum nicht erwerben. Es mögen sich auch nicht alle Berningtorper Familien an dem Holzkauf beteiligt haben. Heimatforscher Franzmeier vermutet, dass damals in Barntrup über 50 Hausstätten bestanden haben müssten und der Ort mehrere hundert Einwohner gehabt haben könnte. Anfangs konnten natürlich nur Alteingesessene Holzanteile erwerben. Später sind dann aber doch, trotz Verbotes, Anteile an Nicht-Barntruper zu veräußern, gelegentlich Anteile in Besitz von Fremden gelangt, sei es durch Erbschaft, Konkurs oder freien Verkauf.
Leider sind im Laufe der Jahrhunderte bei den großen Bränden, die unsere Stadt heimgesucht haben, die meisten Urkunden und Akten verloren gegangen, so dass wir nicht wissen, wie in jener ersten Zeit nach dem Kauf das Haintorper Holz gebraucht und genutzt worden ist. Die jüngeren Akten bekunden, dass Magistrat und Bürgermeister der Stadt in den weiteren Zeitläufen die Verwaltung des Holzes ganz inne gehabt haben. Schon in der Urkunde von 1357 heißt es u.a.:

„Wy her hinrick eyn edele greve to deme Sterenberghe . . . hebben vor coft to eynen rechten waren cope . . . unse holt to heyntorpe . . . un-sem rade und unsen leven Borghern de binnen unseme sclote to berlinktorpe wo-net . . . Also dat manclik ghe bruken und gheneten sal und ghe mach des nompden hohes na satinghe unses rades vorghenomp dar dat he geldes und penninge to deme
nompden cope heft utgelegt . . .

Entstehung, Entwicklung und Geschichte unserer Siedlung Barntrup hängen sehr eng mit unserem Walde im Quellgebiet des oberen Begatales zusammen. Darum sind auch diese beiden alten „Holzbriefe“ von 1357 und 1376 sehr wichtig und bedeutsam. Für die Flurnamenforschung wird durch die genaue Grenzangabe des Heintorfer Holzes eine Anzahl Gemarkungsnamen überliefert, die noch heute nach über 600 Jahren im Volksmunde geläufig sind. Nur die Bergbezeichnung „Thornesberg“ wird nicht mehr gebraucht, sie ist nur urkundenmäßig bekannt. Es ist der Hügelrücken, die Anhöhe, auf der Barntrup heute liegt, nachdem es planmäßig aus dem östlichen Gemarkungsgebiet am „Schratweg“ auf den Bergsporn umgesiedelt wurde. Vielleicht hat in der Zeit, da „Alt-Berningtorp“ da lag, wo heute noch der Flurname „Aule Kerke“ daran erinnert, auf dem Bergrücken ein Wachtturm, der „Thorn“ gestanden. Es mag die Stelle gewesen sein, die höchste, wo heute der Kirchturm die Anhöhe beherrscht.
Das Heintorper Holz wurde im Osten von dem Weg begrenzt, der aus Richtung Alverdissen kommend, über diesen Thor-nesberg hin auf den Westerberg und von da über den Grisenhagen nach Blomberg zu geht. Im Westen ging der Grenzweg „durch die Selbecke“ hindurch „auf den Richenberg“. In der Urkunde von 1376 ist die südliche Begrenzung des gekauften Holzes genau angegeben. Sie verläuft von dem Richenberge aus „vor dem Knick her“ bis auf den „Oldenwesterberch“ auf dem Grisenhagen entlang. Es ist der uralte, schon hier Anno 1376 genannte Grenzweg „dar twisken sick dat blommerske unde berntorpsche holth schedet“. Alles was an Holz, Vorholz und Büschen zwischen dem genannten Knick auf dem Grisenhagen und den beiden Wegen durch die Selbecke einer- und über den „Alten Westerberg“ andererseits sowie „unsem slote tho ber-nincktorpe“ als nördlicher Grenzlinie liegt, erwerben die Alt-Barntruper mit ihrem Kaufbrief.
Mit dem „slot to bernincktorp“ ist wohl die Stadt selbst als vom Hagen umschlossener Siedlungsraum gemeint, der den Bürgern Schutz gewährt. Der Begriff „slot“ begegnet uns auch in einer Urkunde von 1403. Da gelobt Edelgraf Hermann zu Everstein — nach der lippe-eversteinischen Erbverbrüderung — dass er seinem Slot und Bürgern zu Lemgo ihre Rechte und Gnaden bewahren will.
Der verstorbene Heimatforscher Franzmeier hat bei der Deutung des Begriffes „slot“ die Möglichkeit offen gelassen, dass „Slot“ auch Graben bedeuten könnte, wenn man das o lang spräche. Dann erinnerte Sloot daran, dass man auch an das holländische Wort sloot oder an das altfriesische slat denken könnte, die beidemale Graben bedeuten. Im mittelalterlichen Niederdeutschen findet sich das Sprichwort: „As de waghen in deine sloothe (graben) is, do syn dar vele woorde“ oder „Als de waghen in deme slote steh, so ropt man ser“.
Bei den Ortsbezeichnungen in den beiden Urkunden fällt uns auf, dass in der älteren von 1357 der „Westerberg“ einfach Westerberg genannt wird, so wie er noch heute heißt, in der jüngeren Urkunde von 1376 aber „Oldenwesterberch“ = Alter Westerberg. Wie ist das zu erklären? Nun, als die erste Urkunde ausgestellt wurde, lag „Alten-Berningtorpe“ noch am „Schratweg“ im Gemarkungsbereich der „Aulen Kerke“, und von dort aus gesehen, lag der Westerberg wirklich im Westen sowie „Osterröden“ im Osten. Seit dem Eingehen der alten Siedlung auf der Bodenterrasse der „Alten Kirche“ und der Verlagerung auf den Thornesberg traf der Name nun nicht mehr ganz zu, und man sprach offenbar unter den Berningtorpern jetzt von dem „Oldenwesterberg“, man modelte einen „veralteten“ Namen um.
Der jüngere „Holzbrief“ ist verhandelt und ausgefertigt „na gades gebort datum Anno dni. M° CCC° septuagesimo sexto jn vigilia Ascensionis dni.“ = Am 21. Mai 1376, dem Tage der Stadtrechtverleihung. Um der Kaufverhandlung Gewicht zu verleihen „hebben gewesen und gededinget her Hermen eyn Kerckher tho dem bosinckvelde, frederick de wenth und hermen van callendorpe und ander vheler guden lüde der men wol geloven mach to eyner bekentenisse all dusser vorgeschreven dinge dat my de vast unnd stede genslicken holden willet hebbet wy unsere Ingesegel to dussen breve laten gehangen“.

Heimatland Lippe: Louis Knese 01/1965