Die ehemalige Klosterkriche zu Blomberg

Klosterkirche in Blomberg, Südseite, von Grugerio (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Im Seligen Winkel zu Blomberg steht seit nunmehr fast 500 Jahren die ehemalige Klosterkirche zum Heiligen Leichnam, heute Pfarrkirche der Reformierten Gemeinde, die im Jahre 1477 vom Paderborner Weihbischof Johannes Ymmink, Episcopus Thefelicensis, geweiht wurde. Das Blomberger Kloster war eine Gründung der Augustinerchorherren aus Möllenbeck, die im Jahre 1468 vom Edelherrn Bernhard VII herbeigerufen worden waren, um eine Gedächtnisstätte zu Ehren des Heiligen Leichnams Christi zu errichten und die aus allen Teilen der Welt zahlreich herbeiströmenden Pilger geistlich zu betreuen, die Blomberg seit 1460 besuchten.

Zu der Blomberger Wallfahrt war es gekommen, nachdem eine Blombergerin namens Alheyd eine Anzahl Hostien aus der Martinikirche gestohlen und aus Angst vor Entdeckung in einen Brunnen im Seligen Winkel geworfen hatte, der nun plötzlich wundertätiges Wasser spendete. Das war am Mittwoch nach Ostern geschehen, und bereits am Sonnabend vor Pfingsten musste die arme Alheyd ihre ruchlose und für die damalige Zeit todeswürdige Tat auf dem Scheiterhaufen büßen. Für die Stadt aber wirkte sich Alheyds Verbrechen segensreich aus. Das in der Soester Fehde am 14. Juni 1447 völlig zerstörte Blomberg befand sich noch im Wiederaufbau und wurde nun durch seinen Wunderbrunnen fast über Nacht weithin berühmt. Selbst aus dem fernen Norwegen kamen Pilger nach Blomberg, um sich hier von ihren Leiden und Gebrechen erlösen zu lassen oder einen Ablaß ihrer Sünden zu erlangen. Für die Kirche aber kam es primär darauf an, „nach menschlichen Kräften für das dort Ostern 1460 von einem Mitmenschen begangene Sakrileg Genugtuung zu leisten.“ (Alfred Cohausz, Religiöse Hintergründe des Blomberger Kirchenbaus von 1462, Lipp. Mittig. aus Gesch. u. Landeskunde 31, 1962, S. 71.) Viele Ablaßbriefe aus jener Zeit sind uns erhalten und zeugen von der Bedeutung der Blomberger Wallfahrt.

Bernhard VII ließ schon bald über dem Wunderbrunnen einen Altar errichten und begann auch den Bau einer „Kapelle“ (Capeila corporis Christi, beate Marie virginis et s. Georgii), der Papst Pius II am 15. Juni 1462 die Bestätigung und einen Ablaß erteilte. (Lipp. Reg. 2260). Es scheint unter den gegebenen Umständen unzweifelhaft, dass mit der erwähnten Kapelle die großzügig geplante heutige Kirche gemeint war, deren Chor jedenfalls im Jahre 1462 bereits zumindest bis zur Höhe der Strebepfeiler gediehen war, denn an einem der Strebepfeiler befindet sich die Jahreszahl „Anno dm MCCCC sexa- gesimo secundo“ (1462). Oder sollte diese Jahreszahl nachträglich eingemeißelt worden sein? Der Bau wird dann unter tatkräftiger Förderung Bernhards VoIIständig weiterbetrieben worden sein. Ob der in den Lippisdien Regesten Nr. 2255 er- wähnte Meister Gödeken von Soest mit seinen Knechten daran beteiligt war, der im November 1463 nach Blomberg berufen wurde, kann vorläufig nicht festgestellt werden. Eine Reihe von Steinmetzzeichen könnte darüber vielleicht einmal Auskunft geben.

Steinmetzzeichen: 1—4 Chor der Klosterkirche, 5—7 südliches Seitenschiff, 8 dgl. und Säule im Innern, 9—10 Klostergebäude.

Im Jahre 1463 wurde Bernhards Bruder als Simon III zum Bischof von Paderborn gewählt, und nun konnten sich beide Brüder gemeinsam am Aufbau der Kirche beteiligen, und gemeinsam gründeten sie 1468 das Kloster zum Heiligen Leichnam. In einer Urkunde vom 11. November 1468 heißt es (L. R. 2355), dass Bernhard zur Lippe nach Rat und unter Mitwirkung seines Bruders, Bischofs von Paderborn, und anderer geistlicher und weltlicher Freunde in der Stadt Blomberg mit Vollbort des Rats und der Gemeinheit eine Kapelle zum Heiligen Leichnam im Seligen Winkel erbaut und sie mit den dort zu bringenden Opfern begiftet habe; auch sei dem Prior Hermann und dem Konvent des Klosters Möllenbeck gestattet, von dem Ertrage des Opfers ein Kloster zu bauen und solches nach Einsetzung ihres obersten Klosters zu Windesheim im Stift Utrecht mit 24 Ordensbrüdern zu besetzen. Nunmehr wurde der Gottesdienst in der Klosterkirche von den Ordensgeistlichen abgehalten, nachdem vor-her der Pfarrer der Stadtkirche Glede dieses Recht gehabt hatte. Es kam darüber zu einigen Streitigkeiten, wie überhaupt die Bürger Blombergs der Machtentfaltung des Klosters mit gemischten Gefühlen zusahen, denn durch die Ablaßgelder und eine ganze Reihe großzügiger Stiftungen gelangte es schnell zu umfangreichem Landbesitz und vielerlei Rechten. 1495 erhielt das Kloster, als die Wallfahrt allmählich abnahm und dadurch Bartold finanzielle Schwierigkeiten auftraten, sogar die Kapelle zu Wilbasen mit ihren Einkünften (L. R. 2830).

Nach 1468 ging gleichzeitig mit dem Bau der Klostergebäude auch der Kirchenbau langsam weiter. Am westlichsten Fenster der Südseite ist an der äußeren Fensterleibung kaum sichtbar die Jahreszahl 1473 eingemeißelt, und weitere vier Jahre dauerte es, bis die Kirche fertiggestellt war und geweiht werden konnte.

Das Blomberger Kloster war das letzte, das in Lippe gegründet wurde, und so hat es nur verhältnismäßig kurze Zeit bestanden, denn mit der fortschreitenden Reformation löste es sich nach 1533 allmählich von selbst auf. Der größte Teil des Landbesitzes fiel an den Landesherrn zurück, die Mönche zerstreuten sich in alle Winde. Der letzte von drei verbliebenen Mönchen namens Augustinus Düvel starb 1571. Das Wasser des Wunderbrunnens muss auch nach der Reformation noch sehr begehrt gewesen sein, denn im Jahre 1585 ließ Graf Simon VI ein Faß dieses heilkräftigen Wassers nach Detmold bringen, weil er „solches der Schröderschen zu Behuf ihres beschwerlichen Mangels in ihren Armen und Beinen“ zugesagt habe. Im Jahre 1583 hatte Simon verfügt, dass die ehemaligen Klostergüter möglichst zu Unterrichts- und Wohltätigkeitszwecken zu verwenden seien. 1651 erhielt die Stadt Blomberg die Klosterstätte selbst mit der Klosterkirche und besitzt das Kloster noch heute, während die Kirche der Reformierten Gemeinde gehört. In der Kirche predigte nach 1651 zeitweise der Pastor der zweiten Blomberger Pfarre, sie diente aber auch anderen Zwecken, denn im Siebenjährigen Krieg z. B. unterhielten englische Truppen in ihr ein Vorratsmagazin. Natürlich wurde das Gotteshaus dadurch im Innern arg mitgenommen, nachdem schon lange vorher alle „papistischen“ Denkmäler und Wahrzeichen dem Bildersturm zum Opfer gefallen waren. Das letzte Überbleibsel aus alter Zeit, ein gotisches Sakramentshäuschen, ist unbegreiflicherweise noch vor wenigen Jahren entfernt worden. Bruchstücke eines aus der Renaissance stammen- den Altars (womöglich aber aus der Martinikirche) sind noch vorhanden. Im Jahre 1833 wurde die Klosterkirche zur Blomberger Pfarrkirche, nachdem die Martinikirche, von der nur der Turm als Glockenturm erhalten blieb, abgebrochen worden war. Eine gründliche Renovierung ließ dabei die unter der Tünche sicher noch vorhandenen Fresken aus der Erbauungszeit verschwinden. Die Kirche hieß nach alter Überlieferung noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts im Volksmund die Bunte Kirche, und es wäre wünschenswert, die ursprüngliche Bemalung wieder zum Vorschein zu bringen, wie dies in so gelungener Weise vor kurzem in Gottsbüren im Reinhardswald, in Sonneborn bei Barntrup und in Lemgo (Sankt Nikolai) geschehen ist.

Grundriss der Klosterkirche zu Blomberg. Quelle: Heimatland Lippe

Die in spätgotischem Stil erbaute Klosterkirche gehört zum Typus der Westfälischen Hallenkirche, d. h. die beiden Seitenschiffe haben dieselbe Höhe wie das Mittelschiff. Zwei Quersatteldächer zeigen mit ihren Fachwerkgiebeln, die heute leider verputzt sind, nach Süden. Das südliche Seitenschiff hat nach Osten ein, nach Süden drei Fenster. Nach Norden zu hat die Kirche keine Fenster. Hier befand sich früher der Kreuzgang des Klosters, dessen Reste an der Verbindung zur Nord- wand der Kirche noch deutlich sichtbar sind. Diese Nordwand ist wesentlich stärker als die Südwand, da sie nicht durch Strebepfeiler gestützt wird. Das Chor der Kirche hat nach Süden zwei in der Apsis drei Fenster. Ursprünglich war auch nach Norden ein Fenster vorhanden, das aber schon frühzeitig, vielleicht sogar schon nach der Klostergründung, wieder zugebaut worden ist, als man die zweistöckige Sakristei, deren oberes Stockwerk zunächst durch eine schmale Mauertreppe erreichbar war, nach Osten erweiterte. Von diesem Anbau her gelangt man durch eine spitzbogige Pforte in das Chor der Kirche. Links von der Pforte ist ein eingebautes Weihwasserbecken erhalten. Die Schräge der Sakristeiostwand lässt sich dadurch erklären, dass man sie einfach als Verlängerung des hier befindlichen Strebepfeilers baute (vgl. Grundriß).
Am Giebel des westlichen Quersatteldaches ist ein bemerkenswerter kleiner Erker angebracht. Dieser enthielt zwei kleine Glocken, deren Lagerstellen in den Balken deutlich erkennbar sind. Mehr als diese zwei Glocken wird die Kirche als Klosterkirche nicht besessen haben. Eine von ihnen gelangte 1615 in die Kirche zu Wöbbel, die andere später nach Oesterholz. Das Innere des Gotteshauses betritt man heute durch das Südportal. Der westliche Haupteingang wurde um 1623 zugemauert, als das Grabgewölbe der herrschaftlichen Gruft, von der noch zu reden sein wird, vergrößert wurde. Teile der hölzernen Tür sind als Deckel der Ein- gangstreppe zur Gruft verwendet worden. Mittel- und Seitenschiffe der Kirche sind dreijochig angelegt. Es fällt auf, dass das nördliche Seitenschiff etwa 80 cm schmaler ist als das südliche. Weiter sind die zwei westlichen Säulen wesentlich dicker als die übrigen. Im Chor erkennt man die Fundamente für das Gestühl der Augustinerchorherren. Vor dem Chor muss unter dem Ostjoch des Mittelschiffes der Wunderbrunnen mit dem Sakramentsaltar gelegen haben. Vielleicht deutet auch die Tatsache, dass das größte und früher vermutlich auch schönste aller Fenster von hier aus im Süden liegt, darauf hin. Der heute nicht mehr vorhandene Schlussstein des Ostjoches soll ebenfalls auf diese Stelle hingewiesen haben. Die erhaltenen Schlusssteine zeigen im Chor das Lamm Gottes und die Lippische Rose als Wappenbild des Kirchen- und Klostergründers. In den anderen Kreuzgewölben tritt die Lippische Rose in verschiedenen Formen noch öfter auf, dazu das Schaumburgische Wappen der Gemahlin Bernhards VII sowie seines Bruders Simon, des Bischofs von Paderborn. Säulenkapitelle und Kämpfer weisen zumeist Blattmuster auf, einmal erscheinen als Variation drei Gesichter mit auffallend großen Ohren.

Tumba Bernhards VII. Auferstehung des Herrn. Quelle: Heimatland Lippe

Die Glasfenster der Kirche stammen aus dem Anfang dieses Jahrhunderts. Sie wurden, wie die Inschriften zeigen, zum Teil aus Anlass der 400. Wiederkehr von Bernhards VII Todestag am 2. April 1911 von den Fürsten Leopold IV und Georg gestiftet (Wappen von Lippe und Hessen, Schaumburg-Lippe und Sachsen). Eine besondere Zierde des Gotteshauses ist die barocke Kanzel, eine Stiftung des prachtliebenden Grafen Friedrich Adolf zur Lippe aus der Zeit kurz nach 1700. Links vom südlichen Eingang der Kirche steht der schlichte Taufstein aus der abgebrochenen Martinikirche aus dem Jahre 1574. Vom Friedhof der Martinikirche stammen zwei Epitaphien, die an der Ostseite des südlichen Seitenschiffes bzw. an der Nordwand Aufstellung gefunden haben. Es sind die Grabsteine des ersten reformierten Predigers in Blomberg, Magister Abraham Theopold, und seiner Gattin Elisabeth Stapperfenne sowie des Kämmerers und Präfekten Graf Rudolphs zur Lippe-Brake Anthon Günter Kopf und seiner Gattin Elisabeth Theopold, einer Enkelin des eben erwähnten Abraham Theopold.
Die größte Kostbarkeit der Klosterkirche aber ist die in der Mitte der Halle stehende Tumba des Klostergründers und seiner Gemahlin, Bernhards VII und Annas von Holstein Schaumburg. Der Sarkophag aus weißem Sandstein ist eines der bedeutendsten Kunstwerke Lippes. Wer es geschaffen hat, lässt sich vorläufig noch nicht mit Sicherheit sagen. Es scheint manches dafür zu sprechen, dass es Meister Hinrik Brabender aus Münster war, wie O. Gaul und E. Sandow vermuten. Auf der Deckplatte des Sarkophags liegen in Lebensgröße Bernhard VII in voller Rüstung, das Schwert im linken Arm, und Gräfin Anna, angetan mit Haube und prächtigem Prunkkleid. Über beiden Häuptern befinden sich Baldachine mit reichem gotischen Maßwerk, zu Füßen halten zwei Löwen die Wappen des Herrscherpaares. Auf dem Gesimse erkennt man, von 16 Wappen unterbrochen, in gotischen Buchstaben folgende Inschrift:

Anno domini MCCCCCXI11511 obiit illustris dominus Bernhardus
de Lippia undator huius monasterii et promotor maximus usque ad finem
vitae cuius anima requiescat in pace amen.
Anno domini MCCCCXCV21495 obiit illu- stris domina Anna de Lippia comitissa
Holsatiae et in Schowwcnberg altera die Mauricii hie sepulta cuius anima
requiescat in pace amen.

An den Seiten des Sarkophags sind je sieben Nischen eingemeißelt, in denen einst Figuren der vierzehn Nothelfer gestanden haben dürften.
Wichtig für das religions- und kirchen- geschichtliche Verständnis der spätmittelalterlichen Zeit und besonders für das Verständnis der Blomberger Wallfahrt sind die Darstellungen auf den beiden Schmalseiten der Tumba. Die Fußseite zeigt die Kirche selbst, mit dem Bild der unglücklichen Alheyd, die die gestohlenen Hostien (Oblaten) in den Brunnen wirft, dazu die Darstellung eines Mannes, vielleicht des Klosterpriors, der auf ein Kreuz in seiner Rechten zeigt, das vermutlich auf jenes Kreuz hindeutet, das ein Ritter Konrad von Exter von einer Kreuzfahrt nach Livland mitgebracht und dem Kloster geschenkt hatte, und das bei dem wichtigsten Kirchenfest des Klosters, dem Fronleichnamsfest, der Prozession vorangetragen wurde. In die westliche Schmalseite der Tumba sind drei Nischen eingemeißelt. Zur Mitte hin zugeordnet sieht man links kniend Bernhard und rechts Anna mit ihren jeweiligen Schutzheiligen. In der mittleren Nische aber Jesus Christus, wie er mit den Symbolen des Leidens, Geißel und Rute, aus dem Grabe aufsteigt, wobei das Grab gemäß den Geschehnissen in Blomberg zu Ostern 1460 als Brunnen dargestellt ist, eine wohl einmalige Abweichung von den herkömmlichen Bildern der Auferstehung des Herrn.

Der Klostergründer Bernhard VII war nicht der letzte lippische Herrscher, der in der Klosterkirche seine ewige Ruhe fand, denn nachdem Anna von Schaumburg 1495 und Bernhard 1511 in der Nähe des Wunderbrunnens und Sakramentsaltars beigesetzt worden waren, beerdigte man auch weiterhin die verstorbenen Angehörigen des Herrscherhauses in Blomberg. Vorher waren sie in der heute verschwundenen Kapelle zu Wilbasen beigesetzt worden. Der letzte regierende Graf zur Lippe, der in der Klosterkirche seine letzte Ruhe fand, war Graf Johann Bernhard, gestorben 1652. Nach ihm wurden aber bis 1769 weitere Angehörige der Häuser Lippe-Biesterfeld und Lippe-Weißenfeld hier beigesetzt. Die heute noch erhaltenen Särge, 22 an der Zahl, stammen aus der Zeit von 1584 bis 1769. Von den vorher bestatteten Toten hat man in einer alten Gruft nur noch spärliche Reste vor- gefunden. Zugänglich sind heute die um1623 unter Simon VII gebaute große Familiengruft und eine ältere Grabkammer, die durch einen Gang verbunden sind.
Die Hauptgruft misst mit ihren sechs Kreuzgewölben, die in der Mitte auf zwei stattlichen runden Säulen ruhen, etwa 11 x 5,60 m, bei einer Höhe von 2,60 m. Drei Schächte führen ihr von außen Licht und Luft zu. Hier stehen 19 der insgesamt 22 Särge, darunter sechs Zinnsärge, die sich zum großen Teil in beklagenswertem Zustande befinden— die letzte Renovierung fand im Jahre 1903 unter Grafregent Ernst statt. In der erwähnten Nebengruft stehen die Särge Graf Simons VI und seiner beiden Gemahlinnen Ermgard von Rietberg (ältester erhaltener Sarg, von 1584) und Elisabeth von Schaumburg. Diese drei Särge sind ebenfalls Zinnsärge, allerdings fehlt beim Sarge Simons der Deckel mit seiner bedeutenden lateinischen Inschrift, die wir aber aus alten Aufzeichnungen kennen. Der Deckel wurde 1856 von zwei Blombergern gestohlen, die von dem Wert des Metalls wohl mehr hielten als von der Bedeutung einer alten und für sie auch nicht lesbaren Inschrift. Jedenfalls kamen sie glimpflicher davon als ein Einbrecher, der im Jahre 1636 wegen Beraubung der Särge enthauptet worden war.
Nördlich der Klosterkirche steht noch heute das alte Klostergebäude, ein wenig ansehnlicher Bau aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, der nach Aufhebung des Klosters als Pfarrerwohnung diente, vor allem aber bis 1953 die alte Rektorschule bzw. das Gymnasium beherbergte und in dem heute die Volkshochschule untergebracht ist. Hier im Seligen Winkel der Altstadt liegt also die Kernzelle des geistlichen und geistigen Lebens der Stadt Blomberg, hier wird jeder Besucher besonders gerne verweilen, denn Kloster und Klosterkirche, umrahmt nach allen Seiten von den liebevoll gepflegten alten Fachwerkhäusern, bieten einen Anblick, dessen Reiz sich wohl niemand entziehen kann, der sich ein Gefühl für die Schönheiten unserer Heimat bewahrt hat.

Quelle: Heimatland Lippe 07/1964