Die Fürstin Pauline in ihrer Zeit

Denkmal von Fürstin Pauline zur Lippe in Bad Meinberg, By Daniel Brockpähler (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Ein Vortrag, gehalten zu ihrem 200. Geburtstag am 23. Februar 1969

Als ich jung war, eben den Knabenjahren entwachsen und auf eine gewisse dilettantische Art bildungsbeflissen, meinte ich auch, es gehöre dazu, Namen, Zahlen und historische Ereignisse dem Gedächtnis fest einzuprägen. So hatte ich die Geburtsjahre berühmter Persönlichkeiten in Reihen geordnet und mich, um leichter zu behalten, gewisser Gedächtnishilfen bedient. Eine bestimmte Reihe wurde zusammengehalten durch äußerliche Gemeinsamkeit, durch die Neun in der letzten Stelle der Jahreszahl: 1729 Lessing geboren, 1749 Goethe, 1759 Schiller. Wieder zehn Jahre weiter wurde gleich ein Kleeblatt von Namen in die Assoziation mit der Jahreszahl 1769 gebracht. Es waren Napoleon Bonaparte, Ernst Moritz Arndt und — die Fürstin Pauline.

Es war zunächst nur das Moment der Gleichzeitigkeit, das diese drei Namen verband, und auch für den Lernenden war diese Bündelung ein mnemotechnischer Kniff und nicht mehr. Jahreszahlen zu merken, ist nicht der Inbegriff der Geschichtskunde, so wie die Gradlinien auf dem Globus noch nicht erdkundig machen; aber eine Orientierungshilfe ist dieses wie jenes.
Doch wozu diese Erinnerung? — Menschen, die zu einer Zeit geboren sind, — daran sollte erinnert sein — werden zu gleicher Zeit heranreifen, werden auch zu gleicher Zeit auf der Höhe des Lebens stehen und — wer weiß? — sich von Person oder im Geiste begegnen, in welcher geschichtlichen Lage es auch immer sein möge. So können diese drei Namen — die Zahl ließe sich auf das Vielfache vermehren —, die nur der chronologische Zufall in ein Glied stellt, wie Fixpunkte aufgerichtet werden, um das historische Feld abzumessen, auf welchem zu leben und zu handeln das Schicksal der Frau sein wird, deren Andenken wir zu feiern gedenken. Es steht ja wieder eine Neun in der letzten Stelle! Auf den Tag genau sind zweihundert Jahre vergangen, seit in Ballenstedt, der Stadt Albrechts des Bären, Pauline Christine Wilhelmine zur Welt kam als die Tochter des Fürsten Friedrich Albert von Anhalt Bernburg und der Louise Albertine aus dem Hause Holstein-Plön.
Einen Geburtstag über eine solche Zeitstrecke hinweg feiern, das erlegt einem Redner nach den üblichen Regeln die Verpflichtung auf, dass er wieder Farbe in ein Bild bringt, das verblasst, dass er dieses Bild korrigiert, wo es verzeichnet ist, dass er gar selbst etwas Neues zur Biographie beiträgt, so er kann. Für den Redner unglücklicherweise, glücklicherweise für die Sache, ist das hier kaum möglich, und es ist auch nicht nötig, denn das Feld ist gehörig durchforscht. Schon in dem geschichtseifrigen vorigen Jahrhundert hat sich eine reiche Literatur mit der Fürstin befasst und in dem unseren hat Hans Kiewning die wissenschaftlichen Bemühungen gekrönt durch eine wirklich erschöpfende Darstellung. Seine „Fürstin Pauline zur Lippe“ ist ein groß angelegtes Werk, gegründet auf Quellen, die ihm reichlich zur Verfügung standen, und auf eine lange Beschäftigung mit ihnen. In diesem geräumigen Werk weitet sich Lebensgeschichte aus zur Landesgeschichte und zur Zeitgeschichte. Horchen wir mit offenen Ohren auf den Ton, in welchem die Historie vorgetragen wird, so entgeht es uns nicht, was für eine tiefe Sympathie mitklingt, und es bleibt auch nicht unbemerkt, wie den Historiker die Lust an der schönen, heiter-durchsichtigen, nach allen Seiten leuchtenden Darstellung beflügelt hat.
Nun liegt ja in aller Darbietung der Geschichte — und in einer Lebensgeschichte zumal — ein subjektives Moment. Geschichte schreiben heißt aus der oft erdrückenden Fülle des Materials das auswählen, was bedeutend erscheint. Auswählen heißt auf solche Bedeutsamkeit hin werten. Werten aber ist ein rational nicht auflösbarer Akt des individuellen Bewusstseins. Darin liegt aber auch gerade der Reiz für den Geschichtsschreiber wie für den Geschichtsleser. Aber selbst wenn man unter so kritischer Betrachtung Kiewnings Werk von neuem wägt, muss man sagen: es ist alles darin bis in die feinsten Abschattierungen wohl ausgeglichen und gewissenhaft geprüft, und so ist uns wirklich ein gültiges Bild der Person vorgestellt worden. An diesem Bilde wüssten wir nichts zu korrigieren, und so haben wir nicht die geringste Ursache, von Kiewnings Darstellung abzurücken.
Aber die Zeit hat uns abgerückt! Seit dem Erscheinen des Werkes sind fast vierzig Jahre vergangen, und diese Zeitspanne ist erfüllt von umwälzenden Ereignissen. Jeder von uns spürt, dass alle Maßstäbe sich verschoben haben: was oft groß erschien ist für unser Auge klein geworden; was fern lag, ist uns nahe gerückt. Wir stehen unter einem anderen Zeithorizont und rufen andere Fragen in die Geschichte hinein und warten auf ihre Antwort. Es hat auch eben die Geschichte ihre Geschichte!
Eine ältere Geschichtsbetrachtung sah den Gipfel von Paulines Verdiensten an einer Stelle, an der wir ihn kaum noch suchen werden: sie, die Regentin eines kleinen Landes, habe es, als Napoleon sich anschickte, die Welt nach seinem Willen aufzuteilen, verstanden, mit Staatsklugheit, mit Mut, mit Charme und Geschick ihren Nachkommen den Thron und damit dem Lande die Souveränität zu erhalten. Das Lob, das man ihr in solchen politischen Zusammenhängen gespendet hat, bleibt auch unter unserer Wertungsweise ungeschmälert: Pauline hat in der historischen Situation von ungewöhnlicher Spannung außerordentliche staatsmännische Fähigkeiten bewiesen — ein Attribut, das man wohl wählen darf, weil unsere Sprache uns ein entsprechendes Feminium nicht anbietet. Aber das Ereignis und Ergebnis verbreitet doch für unser Auge nicht mehr diesen Glanz. Es ist immer misslich, in der Geschichte mit dem Wenn umzugehen; was geschehen wäre, wenn die Fürstin nicht den Weg der Rheinbundpolitik gegangen wäre, wie sich die Geschicke des Landes gestaltet hätten, wenn sie später auf dem Wiener Kongress ausgehandelt worden wären: wer vermag das zu sagen!
Doch von solchen Spekulationen ganz abgesehen, dürfen wir ja ein Ereignis der jüngsten Geschichte nicht übersehen, dieses nämlich, dass das Land Lippe im Sinne des alten Souveränitätsbegriffs nicht mehr besteht und auch niemand so geschichts-blind sein wird zu wünschen, dieser Vorgang möge rückgängig gemacht werden. Vorher bestand gewiss eher eine Veranlassung und ein Anreiz, der Frage nachzugehen, an welchen historischen Bedingungen es gehangen, dass dieses Land so lange seine Selbständigkeit habe wahren können. Diese Frage hat heute ihre Aktualität eingebüßt. So wie der Wirbel der Geschichte uns umgetrieben hat, bedrängt uns stärker die Frage, wie es in der Geschichtsepoche, auf die wir unsere Aufmerksamkeit richten, um das Volk bestellt war, und gerade die Veranlassung dieses Tages lässt uns auf das Verhältnis achten, in welchem eben dieses zur Landesherrschaft und die Herrschaft zu ihm gestanden hat.
Diese Frage gewinnt schärfere Kontur, wenn man gegeneinander stellt, wie es war und wie es sich wandelt und wie es sich zu Paulinens Zeiten darstellt. Man braucht nur einmal einen Blick in den vorhergehenden Geschichtsabschnitt zurückzuwerfen, der vom 17. bis ins 18. Jahrhundert übergreift. Es ist die Zeit, die etwa von Hermann Adolph, über Simon Henrich und Friedrich Adolph bis zu Simon Henrich Adolph reicht. Dabei soll es uns nicht gelüsten, diesen gute oder schlechte Zensuren zu erteilen: für unsere Betrachtung bezeichnen sie nur einen Stil fürstlicher Existenz. Sie sind Gestalten des Barock: groß einherfahrend, prachtliebend, herrscherstolz. Auf zeitgenössischen Bildern — und solche sagen ja oft mehr aus als breite geschichtliche Darlegungen — sieht man sie hoch zu Roß, noch mit einem Harnisch angetan, obwohl dieser keinen Schutz mehr gewährt, mit allen Attributen der Macht geziert, obwohl es oft kläglicherweise an der wirklichen Mächtigkeit gebricht. Sie sind die Akteure in dem Spiel der großen und der kleinen Politik. Derweil lebt das Volk weit unterhalb der Sphäre, in der die Staatsaktionen sich ereignen, höchstens dass diese auf seinem Rücken ausgetragen werden. Das Volk lebt dahin, fast geschichtslos: seine Geschichte ist die ewige Wiederholung des schon Gewesenen. Gewiss, es Muss leben und soll leben; denn wäre nicht sein breiter Rücken: wo sollte sich dann das Spiel der Großen ereignen! Aber damit, dass man das Volk dahinleben lässt und ihm sein dürftiges Dasein gönnt, ist es dann auch mit der Zuwendung zu ihm zu Ende.
Für den Barockfürsten sind andere Dinge Krone und Zier seiner herrscherlichen Existenz: die Jagd, das Spiel, die Hofhaltung, die Repräsentation. Doch wenn nun auch der Herrscher oben, das Volk unten, in zwei Welten leben, so besteht zwischen beiden doch ein fataler Zusammenhang: die Verschwendung der Großen macht die Armen noch ärmer. Wenn Friedrich Adolf am Abhänge des Büchenberges die Erdmassen bewegen lässt, um dort sein Klein-Versailles anzulegen, und einen Kanal graben, damit man, wenn hoher Besuch kommt, zu Schiff vom Schloss zu den Pöppinghauser Anlagen fahren kann, dann muss der Bauer seine Spanndienste leisten, und das heißt, er muss seine Landarbeit versäumen und er kann nur noch tiefer sinken. Dass das Volk in seiner großen Breite ein besseres Los verdient hätte, dafür fehlte der Blick; und dass es Aufgabe der Mächtigen gewesen wäre, diese Emporhebung ins Werk zu setzen, dafür lagen in der Zeit gar keine Antriebe. Nach innen, zum Volke hin, ist die Politik des absolutistischen Zeitalters statisch.
Dieser Rückgriff sollte nur an den Geschichtshintergrund erinnern. Aber wollten wir vor seine Dunkelheiten gleich hell strahlend das Bild der Fürstin Pauline stellen, es hieße doch zu unbekümmert nach einem Effekt haschen. Das Gebot geschichtlicher Gerechtigkeit erfordert es, zuvor der Bewegung einige Beachtung zu schenken, die, wie von einem erwärmenden Hauch angefacht, die alte Erstarrung löst und ablöst. Für unsere Landesgeschichte ist diese Wendung an den Namen des Grafen Simon August gebunden. Dieser gehorchte dem Gebot der Stunde, tat, was er tun musste, wenn er das ganze Land vor dem Schicksal, verpfändet zu werden, bewahren wollte, wie das Amt Sternberg schon verpfändet war. Seine Lehrmeisterin war die Erfahrung, dass man in einem Staat wie in einem Haushalt nicht mehr ausgeben darf, als man einnimmt. In seiner langen Regierungszeit sparte er das Land wieder gesund und tilgte die Schulden und das Verschulden der Verschwender, die vor ihm regiert hatten. Diese Sanierung war die Voraussetzung aller Voraussetzungen in diesem Lande. Nun geht es aber im Staate wie in einer Bauernwirtschaft: es kann hier wie dort nur in die Scheuer gebracht werden, was vorher gewachsen ist. So lag in einer solchen Sanierungspolitik schon der Zwang, den Ertrag in der gewerblichen sowohl als in der bäuerlichen Wirtschaft zu steigern. Man folgt damit den Prinzipien merkantilistschen Denkens, nur dass aus der Armutslage des Landes noch ein verstärkendes Moment hinzutritt.
Eine Reihe direkter Maßnahmen stehen wie Marken an diesem Wege, der aus der Tiefe hinaufführte. Durch neue Ansiedlungen entstanden neue Dörfer. Die Lasten, die der Bauernstand zu tragen hatte, wurden erleichtert, und es wäre wohl schon damals zu einer gänzlichen Aufhebung der alten Abhängigkeiten gekommen, wenn die Stände solchen löblichen Bestrebungen sich nicht in den Weg gestellt hätten. Durch Vormundschaftsordnungen wird den Waisen der Anspruch auf das ihrige gesichert. Medizinalverordnungen sollen den Stand der Gesundheit heben, die Brandassekuranz die Unglücklichen vor dem Ruin schützen, denen ein Feuer den Besitz in Asche gelegt hat.
Es ist nicht nötig, die Aufzählung bis zur Vollständigkeit fortzusetzen; denn es soll durch diese Beispiele nur darauf hingewiesen werden, dass die Staatsaktionen in eine andere Richtung gehen wie vordem: sie zielen auf die Wohlfahrt des Volkes! In den geschichtlich handelnden Personen sind andere Motive wirksam geworden, eine andere Gesinnung erfüllt die Herzen. Diese neue Bereitschaft tritt in heller Deutlichkeit hervor bei den oberen Staatsdienern, nicht minder bei den Geistlichen und voran bei den Generalsuperintendenten, bei einem nach dem andern, und sonst bei Menschenfreunden. Alle sind entflammt und werden gehalten durch die
Schriftsteller der Zeit, die des neuen Geistes voll sind. Die Gesinnung, die sich hier so sichtbar zeigt, ist zu ihrer Zeit mit dem ehrenden Namen des Patriotismus ausgezeichnet worden. Der Begriff, später oft und leider zu nationalistischer Prahlerei entstellt, befindet sich noch im Stande der verbalen Unschuld: Patriotismus ist Eifer für das gemeine Wohl, für die Hebung des Gewerbefleißes und des Landbaus, für Verbesserung der Sitten, für einen Kampf gegen den alles verdunkelnden Aberglauben durch das Mittel der Aufklärung; er ist ein auf reale Verbesserungen gerichteter Enthusiasmus. Es wurde das Lippische Intelligenzblatt herausgegeben, das den Bürger mit den Staatsdingen vertrauter machen, Moralität fördern und nützliche Kenntnisse verbreiten sollte; es wurde das Schullehrer-Seminar gegründet, bei dem schon der Name die Absicht anzeigt, wenn man Seminarium wörtlich als Saatgarten nimmt; man rief die Spar- und Leihekasse ins Leben, eine der ersten in Deutschland, um an Sparsamkeit und den rechten Umgang mit dem Gelde zu gewöhnen. Das alles waren, im Sinne des damaligen Sprachgebrauchs, patriotische Unternehmungen. Jeder dieser neuen Ansätze erscheint, für sich genommen, geringfügig, in ihrer Summe sind sie ein gar nicht hoch genug einzuschätzendes Ereignis. Noch einmal erinnern wir uns an die Fürsten am Anfang des Dixhuitieme, denen der Selbstgenuss der Macht der Inhalt der Politik gewesen war, und es tritt uns deutlich vor Augen, wie sich der Wind im lippischen Lande gedreht hat.
Man kann sich durch das Jahrhundert zwei Orientierungslinien hindurchgezogen denken — die eine mit der Reihenfolge der Dynasten und die andere mit der Abfolge der Lebensverhältnisse und Lebensbedrängnisse, in denen das Volk existierte — das Ergebnis wäre, wenn wir es einmal so optisch erfassen wollen, die Fesstellung, dass diese Linien in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sich zunehmend annähern.

Schloss Detmold nach der Modernisierung des Schlossplatzes am Ende des 18. Jahrhunderts. Farbige Zeichnung aus dem Jahre 1792. Die kunstlose Darstellung des gesamten Schlossviertels, aus hoher Vogelperspektive von der Langen Straße aus gesehen, bezweckte wohl eine Wiedergabe der seit 1780 vorgenommenen Umgestaltung des Schlossplatzes, bei der die Grabenanlage um das Schloss beseitigt und der Platz mit seinen wuchtigen Pavillonbauten eingefasst wurde. Die Brücke über dem Faulen Graben, die heute Rosental genannte Straße, ist noch vorhanden, da hier die Zuschüttung erst nach der Jahrhundertwende erfolgte. Gegenüber liegt das alte Offiziantengebäude. Auf dem Schlossplatz findet sich eine erste Baumbepflanzung im nördlichen Teil (rechts).
Quelle: Heimatland Lippe

Aber wir dürfen diese beiden historischen Linien noch weiter ausziehen, bis sie sich treffen; und das geschieht zu Paulinens Zeit.
Was für eine Frau! Was für ein Leben! Auch sie ist ganz getragen von der aufbrandenden Welle menschenfreundlicher Gesinnungen. Da wirft ihr das Schicksal eine große Aufgabe hin auf ihren Weg, eine Aufgabe, die nicht mit Träumen von Menschenbeglückung, sondern nur mit Entscheidungen und Taten gelöst werden kann. Sie nimmt diese Aufgabe an und meistert sie, ohne der Gesinnung untreu zu werden, mit der sie angetreten ist. Sie stellt ihr Leben unter die ihr zugefallene Pflicht und fühlt sich ganz eins mit ihr. Sie wächst in Erfüllung dieser Pflicht zu wahrer Größe und wird dem Lande, das nun ihr Land geworden ist, zum Segen. Sie erntet den reichen Dank der Landeskinder, die sie als Landesmutter verehren, und die hohe Achtung der späteren Geschlechter, der Ausdruck zu geben auch der Sinn der heutigen Feier sein soll.
An persönlicher Ausstrahlung und an Wirkung ins Volk hinein überragt sie alle Vorgänger im Herrscheramt. Aber auch in den späteren Zeiten ist ihr keiner gleichgekommen. Das soll wiederum keine schlechte Zensur für diese bedeuten: dem Bilde der Fürstin braucht man nicht eine günstigere Kontur zu geben, indem man sie in Vergleiche stellt. Und ist mir schon der Auftrag gegeben worden, über „die Fürstin Pauline in ihrer Zeit“ zu sprechen, so will ich es in diesem Zusammenhange als einen Vorteil ansehen, dass eben die Zeit mit in die Betrachtung genommen werden soll; denn in der Zeit liegt ein relativierendes Moment. Es war für Pauline ein Glücksumstand, dass sie mit dem Geist ihrer Zeit im Bunde war. Später, als die Epoche in Deutschland und in Europa überhaupt das Vorzeichen der politischen Restauration hatte, hätte auch im kleinen lippischen Lande kein Regent so mit Glück vor dem Winde segeln können, wie Pauline es zu ihrer Zeit vermochte.
Und noch ein Vorzug, den eine spätere Zeit eher für einen Nachteil gehalten hätte: das Land war klein, übersehbar, und seine siebzigtausend Einwohner konnten mit dem Arm landesmütterlicher Fürsorge erreicht werden. Eine Aufwallung des Herzens konnte noch ihre Wellen bis in das entlegenste Dorf verbreiten, und eine wohlbedachte Maßnahme nutzte ihre Nachdrücklichkeit nicht in der Verschachtelung der Instanzen ab. Später hatte das Kleinfürstentum kaum noch die Mächtigkeit, mit den Fragen fertig zu werden, die für seine Ausmaße ein Überformat hatten, als da sind die Handels- und Zollpolitik, die Eisenbahnplanungen und die alte lippische Sorge wegen des Missverhältnisses zwischen dem Überschuss an Arbeitskräften und dem Mangel an Arbeitsgelegenheiten. Zu Paulinens Zeiten hatte das kleine Land eben den richtigen Zuschnitt für alle Unternehmungen, wie die Zeit sie forderte und die Fürstin sie mit Eifer betrieb.
Zeitumstände sind Bedingungen, die förderlich oder hinderlich sein, aber nicht die Grenzen der Person festlegen können. So fragen wir nach dem Menschen selbst,
fragen also in unserm Falle, wer die Pauline eigentlich war und aus welchen Kräften sie lebte. So wollen wir das Bleibende ihres Wesens suchen und dabei einigen Linien ihres Lebens nachgehen, welche die Jugendzeit mit den Jahren der hohen Reife verbinden!
Dabei möge zunächst auf einen Wesenszug hingewiesen werden, der wohl als der elementar wirksame angesehen werden darf: Pauline ist von Zeitgenossen wie von Nachfahren oft als die mütterliche Regentin gerühmt worden, und alle Lebenszeugnisse bestätigen es, dass sie dieses auszeichnende Prädikat verdient hatte. Nun gibt es Beispiele genug dafür, dass ein Mensch auf der Höhe seines Lebens das zu realisieren sucht, was er selbst in seiner Kindheit hat entbehren müssen. Pauline hat Mutterliebe nie gekannt! Sie hätte mit Rousseau sagen können, ihre Geburt sei das erste Unglück ihres Lebens gewesen; denn, wie im Falle des Genfers, hatte die Mutter die Geburt des Kindes nur um eine Woche überlebt. So wächst Pauline in einer maskulin bestimmten Umgebung auf: neben — nein unter — ihrem Vater und mit ihrem Bruder Alexius, der, obwohl um zwei Jahre älter, offenbar die schwächere Natur ist.
Der Vater ist ein schwieriger Mann, zu cholerischen Ausbrüchen geneigt und dann wieder von Depressionen gedrückt, hart gegen seine Umgebung und vorab gegen seine Kinder. Er kann seine Tochter aufs tiefste kränken, und doch liebt er sie. Er legt Wert auf eine sorgfältige Erziehung, aber der Plan zu einer solchen ist männlich-väterlichem Denken entsprungen und eher auf den Erbprinzen zugeschnitten als für die Bedürfnisse des Mädchens passend. So lernt sie Latein und Französisch, das letzte bis zur völligen Geläufigkeit, so dass sie schon in frühen Jahren die französische Korrespondenz ihres Vaters führen kann, -welch ein Vorteil für jemanden, der später vom Schicksal so geführt wird, dass er mit Napoleon verhandeln und mit Josephine Konservation pflegen muss.

Fürstin Pauline zur Lippe (1769—1820) Gezeichnet von Fürstin Christine zur Lippe, gestochen von C. Feising, Darmstadt, 1813. Quelle: Wickipedia

Sie lernt neben allen sonstigen Elementarien Geschichte und Geographie, welch letztere, mit Statistik verbunden, in ihrer Zeit im wesentlichen eine Staatenlehre ist, sie lernt sogar etwas vom Staatsrecht, was alles wiederum eine gute Mitgift für den ist, von dem später gefordert werden wird, dass er sich in der Staatenwelt auskenne.
Aber enger, in tätiger Anteilnahme, kommt sie in den zwanziger Jahren ihres Lebens mit der Politik in Berührung, als sie in der Rolle einer fürstlichen Geheimsekretärin in einer besonderen Situation eine umfangreiche Korrespondenz zu führen und auch sonst in Staatsgeschäften recht selbständig zu disponieren hat, damals nämlich, als der Fürst von Anhalt-Zerbst kinderlos verstorben war, seine Gebiete an die anderen anhaltinischen Linien fielen, damit auch ein Teil an die bernburgische, und Tante Katharina, die Kaiserin von Russland, des Verstorbenen Schwester, Paulinens Vater auftrug, ihre Interessen mit wahrzunehmen. Auch das darf man als eine gute Vorübung für das Amt ansehen, von dem noch niemand ahnen konnte, dass es ihr einmal zufallen würde.
Offenbar ist die Prinzessin gern an diesem Männerwerk beteiligt gewesen. In einem Brief an ihrem Vetter, den Herzog Friedrich Christian von Augustenburg — dieser Briefwechsel gewährt den unmittelbarsten Einblick in das Tun und Denken Paulinens — in einem Briefe vom 13. April 1793 berichtet sie: „Ich bin jetzt im Bewusstsein meinem Vater zu nützen sehr glücklich. Mir hat er alle auswärtigen Geschäfte anvertrauet, und in allen zum Teil wichtigen Expeditionen nach St. Petersburg und andren Orten habe ich nur die Feder geführt und alle Entwürfe geschrieben. Mit Freude habe ich mehrere Wochen nichts als Akten zu Stößen, höher als ich, gelesen und habe Nächte am Schreibtisch gearbeitet. Es tut mir wohl, doch auch meiner Familie in irgend etwas nützlich zu sein. Meine Gesundheit erlaubt mir eisernen Fleiß, und ich hoffe, dass die Geschäfte meinen Kopf immer mehr aufräumen sollen.“

Aber wie sie sich auch den Kopf von den Geschäften aufräumen lässt, — mit einem Teil ihres Wesens bleibt sie eine empfindsame Natur, die durch die Emsigkeit in den Männergeschäften nicht zufrieden gestellt wird. Es ist jener innere Bezirk, der leer bleibt, weil sie sich nicht an eine Mutter und an mütterliches Wesen überhaupt anlehnen kann. Was hier mangelt, gleicht sie aus durch die schwärmerisch freundschaftlichen Gefühle, die sie ihrer Base und Freundin, der Prinzessin Luise von Augustenburg, entgegenbringt. In dem Briefwechsel mit ihr klingen jene Seiten an, die sonst stumm bleiben müssen.
Auch in anderen Lebenszeugnissen erweist es sich, wie stark ihr Bedürfnis ist, in einer Art Kompensation den Interessen zu folgen, die durch die sachlich strenge Arbeit als sozusagen Außenministerin des Kleinfürstentums nicht befriedigt werden. Schon in jenem Briefe an den Herrn Cousin fährt sie, nachdem sie von der Last der Verantwortung und der Freude darüber, dass sie sie tragen darf, fort: „Freilich leidet der Dienst der Grazien und Musen“. Eben dieser Satz weist auf den Punkt, von welchem aus ein helleres Licht auf die andere Seite ihres Wesens fällt, sei es der Prinzessin oder später der Fürstin.
Nicht nur dass sie starke literarische Interessen hat; es lässt sich in einem weit umfassenderen Sinne sagen, dass sie eine Person von hoher Bildung gewesen ist. Schon der Weg ihrer Bildung ist bemerkenswert. Der Unterricht, der ihr eine gute Grundlage gegeben hat, ist früh beendet, — mit fünfzehn Jahren, meint Kiewning. Aber das bedeutet keineswegs, dass sie mit ihren Studien am Ende gewesen wäre.
Pädagogische Überlegungen führen leicht dazu, einen Unterschied zwischen einer beigebrachten — ein Attribut, das hier ganz wörtlich zu nehmen ist — und einer angeeigneten Bildung zu machen: bei der ersten Art ist der Lernende ebenso sehr Objekt, wie er bei der zweiten Subjekt des Bildungsprozesses ist, weshalb diese auch zu einer dichteren Verschmelzung der Bildungsgehalte mit dem vorgefundenen Gedankenbestand zu führen pflegt. Paulinens Bemühungen weisen in hohem Maße dieses autodidaktische Moment auf, so sonderbar das auch bei einer Fürstentochter klingen mag. Und gewiss genießt sie, wenn auch auf sich selbst gestellt, insofern den Vorzug ihres Standes, als sie sich, wenn in Ballenstedt schon eine fürstliche Bibliothek fehlt, Bücher anschaffen kann, soviel sie begehrt. Sie pflegt aber mit diesen Schätzen nicht etwa einen tändelnden Umgang, wie man es sich leicht bei einem Prinzesslein oder sonst bei verschwärmten jungen Damen jener Zeit vorstellen könnte. Sie verarbeitet ihre Literatur, sie studiert sie.

In einem Briefe, den sie als Zwanzigjährige geschrieben hat, bedauert sie, dass ihr die Gelegenheit fehlt, an gesellschaftlichem Lesen, wie es in der Zeit so beliebt ist, teilzunehmen, und fährt dann fort: „Zur Schadloshaltung habe ich die Gewohnheit, keine schweren, keine philosophischen Bücher anders als mit der Feder in der Hand zu lesen, jede mir auffallende, jede mir dunkle oder neue Stelle schreibe ich mir auf, und in dem ersten freien Augenblick gehe ich an mein Pult und erkläre, erweitere sie mir selbst. Bisweilen entstehen dann aus einer Zeile meines Autors Exzerpte. Dann lese ich weiter, finde oft Übereinstimmung mit dem Verfasser, bisweilen aber auch Widerspruch. Im letzten Falle wiege ich seine Gründe gegen die meinigen und gebe entweder nach oder bestehe fester auf meinem Köpf gen.“ Ich dächte, das heißt doch redlich und in dem ursprünglichen Sinne studieren: mit Eifer sich um die Sache bemühen. Es zeigt sich darin nicht nur eine Lesegewohnheit, sondern eine Lebenstendenz, ein Charakterzug: auch gegen Widerstand vordringen, nichts bequemerweise umgehen, jedem Fall, der eine Entscheidung fordert, auf den Grund gehen!
Dass wir uns nicht irren und diesen beharrlichen Eifer für eine Kraftäußerung ihrer jungen Jahre halten! Was sie in der Jugend geübt, das steht auch in der späteren Lebensphase wie ein Pfeiler ihres Charakters. Ferdinand Weerth, der Generalsuperintendent, gibt dafür eine schöne Bestätigung in dem Nekrolog, den er bald nach dem Tode der Fürstin noch aus der frischen Erinnerung verfasst hat. Die Fürstin habe es nie verschmäht, berichtet er, auch an Gesprächen über das Gewöhnliche und Alltägliche teilzunehmen. Nicht nur das: sie sei auch fähig gewesen, eine Unterhaltung „einzuleiten, fortzuführen und es zu verhüten, dass sie, bevor ein Resultat gewonnen war abgebrochen würde“. Und dann folgt der vielbedeutende Satz: „Vor allem, was zu nichts führt, hatte sie eine entschiedene Abneigung.“ Eins bestätigt das andere: sie las nicht, um sich die Zeit zu vertreiben, sie führte nicht Konservation in der gleichen Absicht, und, so dürfen wir vorwegnehmend sagen, sie wird nicht die Rolle einer Fürstin spielen, -sie wird eine Fürstin sein! Aber wir müssen uns hüten, aus Weerths wörtlicher Äußerung voreilig auf eine einseitige Ausprägung ihres Wesens zu schließen, so, als ob sie nur in einer Welt der Zwecke gelebt hätte, in der immer alles zu etwas führen müsse. Es ist die regierende Fürstin, die so spricht. Daneben lebt noch immer die andere Paulina, die gern in dem Seinsbezirk der schönen Zwecklosigkeiten verweilt, bei den Grazien und Musen, denen nicht genug dienen zu können, sie schon in jenem Briefe an ihren Vetter beklagt.
In einem anderen Briefe aus dem Jahre 1811 bekennt sie, wie der Konflikt zwischen Pflicht und Neigung vor ihrem Gewissen entschieden wird. „Ich lese“, heißt es da, „mit hohem Genuss Werke vorzüglicher Schriftsteller: aber ich erlaube es mir nur, wenn mein Tagewerk vollendet ist, und liegt hier Matthissons neueste Liedersammlung, Goethes eben erschienenes Werk, — dort ein Berg Kriminalakten, so greift meine Hand mechanisch nach den letzten“. Aber wenn sie auch zunächst nach den Akten greift und oft ihre Wünsche zügeln muß: daß beides, und gewiss nicht nur konkurrierend, in ihr lebt, das macht die Fülle der Persönlichkeit aus.
Bildungseifer und Pflichtbewusstsein zeichnen sich als die Grundkräfte ihres Wesens ab. Folgt man aufmerksamer dem Gang ihrer jungen Jahre, so zeigt es sich, dass beide Kräfte im gleichen Erdreich wurzeln. Zu Paulinens Zeit blüht in Deutschland die Literatur wie nie zuvor. Wer sich zur gebildeten Welt rechnet, ist offen oder heimlich ein Poet; die größeren unter ihnen, nicht einmal nur die ganz großen, die nachher als Klassiker gelten, finden ein lesebereites Publikum.
Dass ein geistig so geweckter junger Mensch wie die Prinzessin von dem Enthusiasmus mit erfasst ist, versteht sich leicht. Ja, als der alte Gleim, der Anakreontiker bei einem Besuch in Ballenstedt die Fürstentochter kennen lernen hat und ihr in der Folge, mehr aus großväterlich denn aus väterlich freundschaftlicher Verehrung, seine Gedichte schickt und darin das hohe Lob der Prinzessin Paulina singt, da antwortet auch sie in Versen; sie dichtet, ohne eine Dichterin zu sein, aber sichtlich mit Freude an dem poetischen Spiel.
Fallen diese Einfälle noch ganz ins Spaß-und Episodenhafte, so nicht minder ihre ersten Publikationen. Burchard Beneken in Hannover, Kandidat der Theologie, hat seit 1788 das „Jahrbuch der Menschheit“ herausgegeben, eine Zeitschrift und als solche eine kurzlebige Nachfahrin der Moralischen Wochenschriften, die von England herübergekommen sind. Da findet sich in einem der ersten Hefte ein Aufsatz „Über den Tanz in Rücksicht auf das weibliche Herz“. Die Verfasserin ist nicht genannt, aber sie gibt doch etwas von ihrer Person preis, um sich vor dem Verdacht zu schützen, daß sie eine grämliche Moralistin sei: „Noch hab‘ ich das zwanzigste Jahr nicht erreicht, wohne in einer der schönsten Gegenden, habe den größten Theil meines jugendlichen Lebens an Höfen durchlebt und werde meiner Glücksumstände wegen von vielen beneidet. Nun wisst Ihr genug von mir und meiner Lage, vielleicht der passendsten, um über gesellschaftliche Vergnügen urteilen zu können“.
Es ist niemand anders als Prinzessin Paulina, die hier ihre Bekenntnisse ablegt. Sie hat alle Bedenken gegen „jenes Hüpfen“, bei dem schon „manches gute, unbescholtene Frauenzimmer“ seine Tugend verlor. Ja, wenn noch die Frauenzimmer unter sich tanzten! Aber wo sich bei solchen Vergnügungen die jungen Menschen beiderlei Geschlechts begegnen, müsse man doch den Verdacht hegen, daß sich in dieser „Schule der Coquetterie“ Liebesbeziehungen anknüpfen könnten. So streng wie hier zeigt sich die Verfasserin auch in einem anderen Aufsatze „Über die jetzt allgemeine Gewohnheit jungen Frauenzimmern Talente zu geben“. Sie ist nicht partout dagegen, dass Mädchen die Künste der Musik oder des Zeichnens erlernen, „denn wie oft können sie den Gatten dadurch aufheitern, wie manche trübe Falte auf seiner Stirn durch den Zauber der Tonkunst verscheuchen und uns selbst vor Langeweile und dem Heißhunger nach Gesellschaften und Zerstreuungen bewahren!“ — Aber verabscheut werden die Talente, wenn sie nur Mittel zu gefallen sind und wenn eine Hauptsache daraus gemacht wird, wo doch die Erfüllung der häuslichen Pflichten an der ersten Stelle stehen sollte.
Aber wenn wir von diesen wahrhaft spaßig anmutenden ersten publizistischen Versuchen alles subtrahieren, was als jugendliches Bedürfnis nach der unbedingten Forderung erscheint, so bleibt doch ein Rest von Ernsthaftigkeit, der mir in zweierlei Hinsicht bemerkenswert erscheint.

Es ist einmal dies, dass die Prinzessin so früh aus der Exklusivität ihres höfischen Kreises ausbricht. Zwar müssen „Frauenzimmer mit hervorstechenden Talenten, aber mit einem ungebildeten Herzen“ gerade in den höheren Ständen verhängnisvoll sein, denn — so nimmt Pauline, nichtwissend, ihre eigene Zukunft vorweg —: kann ein solches Frauenzimmer „zur Ratgeberin, zur Erzieherinn, zur Vormünderin und endlich zur Regentin geschickt seyn?“ Aber sie bricht diesen Gedanken ab: „Doch weg von dieser Classe, sie ist an Zahl die mindere und wird mich nicht lesen“. So flüchtet sie in jene Jahrbuchzeitschrift, die nach dem Wunsch und Willen ihres Herausgebers einem dezidiert bürgerlichen Ziel gewidmet sein soll: der Förderung des häuslichen Glücks.

Zum zweiten zeigen diese ersten Versuche bei aller Übersteigerung ins Rigorose, dass es gesellschaftlichmoralische Fragen sind, denen ihr Interesse schon in diesen frühen Jahren folgt. In dieser Hinsicht ist Pauline ein Kind der Aufklärung, und zwar einer Phase dieser Geistesbewegung, in der diese die großen humanitären Ideen in sich aufgenommen hat und die Blüte des philanthropischen Strebens hervorbringt. Der Geist dieser Zeit segnet alles, was geeignet sein kann, den Menschen sittlich zu heben, und ist so optimistisch zu glauben, dass die gesammelte Anstrengung aller aufgeklärten und wohlmeinenden Menschen die Wirkung haben müsste, den moralischen Stand der Gesellschaft im ganzen zu erhöhen und eine glückliche Zukunft heraufzuführen. Hat dieses Zeitalter einerseits das literarische Vorzeichen, so andererseits das pädagogische, wenn man dieses Wort nicht nur in dem engen Sinne der Bezogenheit auf die Schulerziehung verstehen will. Paulinens Denken ist durchaus von diesem Geist beflügelt, doch keineswegs so, dass sie sich einer unverbindlichen Tugendschwärmerei hingegeben hätte. Sie liest, sie studiert die moralische Literatur, wie sie sich in Büchern und Journalen anbietet, in keiner anderen Absichtung, als zur Selbstfindung, zur Erkenntnis ihrer Bestimmung zu kommen.

Notizen der Fürstin Pauline über die Erhöhung ihrer persönlichen Einkünfte von 5000 Taler auf 10 900 Taler.(Lippisches Landesmuseum, Detmold) Quelle: Heimatland Lippe

Noch einmal soll sie in einer Stelle eines an Friedrich Christan gerichteten Briefes selbst sprechen: „Ich studiere so gern bis nahe 12 Uhr in ernsten Büchern; wenn alles, was mich umgibt, tief schlummert, dann ist es so still, und mir dünkt, ich meditiere doppelt gut. Und dann den folgenden Morgen eile ich mit erneuerten Kräften zum Schreibtisch und bemerke, wie meine lieben Mitbewohner allmählich sich ihren lieben Federn entwinden. Wenn sie erst Caffee oder Thee schlürfen, habe ich schon manchen Bogen beschrieben oder einen Aufsatz gefertiget.“ Worüber sie meditiert und womit sie die Bogen beschreibt, das sind, wie sie sich an einer anderen Stelle ausdrückt, die Fragen der „Frauenzimmer-Moral“, und diese umschließen die sie selbst betreffende Frage, welche Verantwortung sie habe. Sie findet die Antwort, dass es Aufgabe sei, das Menschenwohl in jedem erdenklichen Maße zu fördern, und dass die Fürsten und die Oberen in der Erfüllung dieser Pflicht voranzugehen hätten. So steht Pauline schon als eine von sozial-ethischen Postulaten geleitete Persönlichkeit da, bevor sie einen Wirkungskreis findet, in welchem sie alle Vorsätze in Taten umsetzen kann.
Dieses hohe Pflichtbewusstsein ist auch, so darf man ihr Verhalten deuten, entscheidend gewesen, als sie in die Ehe mit dem jungen lippischen Fürsten einwilligt. Die Vorgeschichte dieser Verbindung ist alles andere als eine Romanze. Als Prinz Leopold zum erstenmal in Ballenstedt zu einem kurzen Besuch erscheint, hält Pauline, damals vierzehnjährig, ihn „eben keiner sonderlichen Aufmerksamkeit werth“. Fünf Jahre später charakterisiert sie ihn in einem Brief an den Augustenburger Vetter so: „Ein sehr gutes Herz, etwas Schwäche, viel phlegma, gesunde Vernunft, keinen glänzenden Verstand und Ängstlichkeit.“ Sie hat einen Widerwillen gegen undelikate Äußerlichkeiten des Bewerbers. Sie sieht in seiner Schwäche eine Gefahr für ihr Lebensglück, bedauert auch, dass sie die Idee nicht verbannen könne, sie sei klüger als er, was ihrer Vorstellung von einer vorbildlichen Ehe ganz und gar widerspricht.
Bald danach erfährt sie auch, was sie gar nicht hat erfahren sollen, dass Leopold „zu Leipzig ausgeschweift“, und später, dass er sich, da er in Detmold die Regierung angetreten, wie ein Rasender benommen hat. Sie weiß und verrät es in einem Briefe, dass er seinen Kanzler hat arretieren lassen und dass dieser ihn vor dem Kammergericht in Wetzlar verklagt hat. Sie hält es für ein wahres Glück, dass sie früh genug gewarnt worden.
Doch dann geschieht, was kaum zu erwarten ist. 1795, im September, da sie 27 Jahre alt ist, der Fürst zwei Jahre älter, erscheint dieser wieder in Ballenstedt, gedrängt von dem Rat seiner Umgebung, sich zu verheiraten; der gute Rat ist der Erwartung entsprungen, in der Ehe werde der Fürst zur Ruhe kommen, von seiner Verstörung völlig genesen, er werde dadurch sein Ansehen in der Welt wieder herstellen und sich die Schande ersparen, unter neue Kuratel gestellt zu werden. Die Wiederbegegnung ist beiderseits nicht ohne Verlegenheit. Aber sie leitet bei Pauline eine Sinnesänderung ein. Welche Gründe mögen diesen Wandel bewirkt haben? Man soll sich gewiss nicht zutrauen, letzte Seelenregungen ans Tageslicht der Lebensgeschichte bringen zu können; aber einige bestimmende Faktoren sind doch erkennbar und durch ihre eigenen Äußerungen belegt. Das Leben in Ballenstedt neben dem kränkelnden und launenhaften Vater ist verdrussreicher geworden; schon das mag dem Wunsch nach einer Veränderung Nahrung gegeben haben. Was den Bewerber selbst betrifft, so hat sie erfahren, und der Eindruck bestätigt es, dass die seelischen Verwirrungen sich gelegt haben, was wohl auch den Tatsachen entspricht. Er dauert sie. Sie ist bereit, ihn eher als ein Opfer niederträchtiger Kabolen als den Urheber aller bösen Dinge zu sehen, von welchen man früher so oft gehört hat. Vor allem, sie hat erfahren, dass man sie im lippischen Lande „laut zur Landesmutter verlangt“. Könnte Pauline, die in sich die hohen Auffassungen von Pflicht und Verantwortung gebildet hat, sich solch einem Ruf entziehen? Sie kann es nicht, sie willigt ein.
Nun laufen schnell die Ereignisse ab: Verlobung, Abschluss des Ehepakts, Hochzeitsfeier in Ballenstedt, Abschied und Reise. Da das junge Fürstenpaar in der winterlichen Welt zu Anfang des Jahres 1796 in der Karosse über die Grenze des lippischen Fürstentums kommt, bestätigt es sich, was schon vorher an Paulinens Ohr gedrungen war. Sie wird in dem Lande, das sie vorher nie gesehen, mit Jubel begrüßt. Girlanden schmücken den Weg, Ansprachen, Deklamationen, Vivat-Rufe heißen sie willkommen, Salutschüsse dröhnen von den Bergen, bis endlich das junge Paar durch das Hornsche Tor in seine Residenz einziehen kann.

Sie lernt das Land kennen, sie lernt es lieben. Die Ehe ist so glücklich, wie man es nach allem, was vorausgegangen, kaum hätte erwarten können. Dass die politischmoralische Hypothek, die aus den Jahren der Verwirrung herrührt, abgetragen werden muss und dass dabei auch die Fürstin nicht ungekränkt bleibt, muss, wie schmerzlich auch immer, hingenommen werden. Aber alles in allem lässt sich doch sagen, die Abrechnung mit dem Vergangenen habe weitaus minderes geschichtliches Gewicht als der neue Anfang, der mit Paulinens Einzug Ereignis geworden ist. Als Fürstin Pauline gewinnt sie den Umriss einer historischen Gestalt, und zwar auch in den Jahren, als Leopold noch an ihrer Seite lebt.
Sie führt schon sozusagen das Sozialressort in dem Lande zu der Zeit, da die beiden Söhne geboren sind und sie in die Lage kommt, das ins Werk zu setzen, was als ein philanthropisches Programm sie längst in sich aufgebaut hat. Es ist an diesem Ort nicht notwendig, es aus den Gründen her darzustellen, wie, von ihrem Willen angetrieben, ein Werk tätiger Hilfe nach dem andern entsteht. Sie organisiert die Armenhilfe, fördert die Industrieschulen, gründet in Detmold eine Erwerbsschule, ein Haus für freiwillige Arbeitsleistung, das Strafwerkhaus. Es hat sie in der Tiefe angerührt, dass sie in dem Lande so viel Armut angetroffen hat. Sie bemerkt, daß das Bettelwesen sich wie eine Plage aufdrängt. Das Verhängnis ist, dass Armut wie ein unabänderliches Schicksal empfunden wird.
Was hier vor ihren Augen in die Erscheinung tritt, ist kein Übelstand, der nur in diesem Lande auftritt, mögen hier auch einige verstärkende Momente hinzutreten. Es ist jener Notstand, den man in der Sozialgeschichte den Pauperismus genannt hat, die Massenarmut des vorindustriellen Zeitalters, für deren Abhilfe man noch nicht das Mittel gefunden hat. Aber Pauline sucht mit Eifer nach dem Mittel. Sie erfährt aus den Journalen, was man in dem wirtschaftlich vorentwickelten Lande, in England, unternimmt, wo Sir Rumford Einrichtungen trifft, die Armen an die Arbeit zu bringen und ihnen gegen den quälendsten Hunger die nach ihm benannte Rumford-Suppe anbietet. Wie jener sieht auch Pauline, daß Armut nicht eben nur für den Betroffenen ein drückendes Verhängnis ist, sondern dass der soziale Körper im ganzen zu Tode erkrankt, wenn ihm nicht die richtige Medizin verabreicht wird. Wir müssten, in die Sprache unseres Jahrhunderts übersetzt, sagen, dass nach Paulinens Überzeugung ohne Lösung der sozialen Frage kein Gemeinwesen Bestand hat.
Wenn sie sich auch bald den Ruf einer Wohltäterin erwirbt, so geht sie doch nicht, einfach Almosen austeilend, durchs Land; denn sie hat begriffen, dass man dem Armen helfen muss, sich selbst zu helfen. Darum stehen alle von ihr gestifteten Einrichtungen unter dem Zielgedanken, dass in ihnen produktiv gearbeitet werden soll, dass der Müßige an Arbeit gewöhnt werde, daß ihm der Ertrag der Arbeit vor Augen gestellt und ihm damit der Weg gewiesen werde, sich aus den drückenden Fesseln der Armut zu befreien.
Gewiss ist es das mütterliche Gefühl, das ihren Eifer entzündet hat, gewiss werden alle ihre Handlungen von einem geschärften Gewissen gesteuert; aber dazu gesellt sich ein ausgeprägt sicheres Gefühl für Mittel und Möglichkeiten politischen Handelns, und dies nicht erst in den großen Verwicklungen im Spiel der Mächte, sondern schon in ihren sozialen Unternehmungen. Sie ist nicht von der Vorstellung beherrscht, dass es der Landesfürst sein müsse, der Wohlfahrtsanstalten als seiner huldvollen Gnade entsprungen hinstellt. Der Bürger selbst soll aufgeweckt und in seine soziale Verantwortung gerufen werden. Als sie das Armenwesen in der Stadt Detmold in einen besseren Zustand bringen will — es ist im Jahre 1800 —, bereitet sie ihr Unternehmen publizistisch vor durch einen Aufsatz in v. Colins „Beiträgen zur Beförderung der Volksbildung“. Nur Gemeinsinn kann zu besseren Zuständen führen, jene Gesinnung also, die wir schon vorher unter den Begriff des frühen Patriotismus gebracht haben. Die Wohlfahrt des Ganzen ist nach ihren Vorstellungen, wenn auch das Wort nicht fällt, eine res publica, ein allgemeines Anliegen. Einem verfeinerten historischen Gefühl wird es nicht verborgen bleiben, dass die Fürstin mit solcher Aktivierung des Bürgersinns schon aus den Vorstellungsweisen des absoluten Staates heraustritt und sich in eine Richtung bewegt, an deren Ende, so viele Hindernisse auch noch im Wege liegen, die konstitutionelle Staatsform stehen wird.
Es ist ja schon verwunderlich genug, dass eine Landesfürstin sich nicht scheut, auch mit publizistischen Mitteln für ihre Pläne zu werben. Ja, sie weiß sogar Schlagzeilen zu machen, wenn sie die Aufmerksamkeit auf ein Projekt lenken will, also jene List anzuwenden, dass in einer Überschrift nicht, mit der Tür ins Haus fallend, gesagt wird, was man von der Lektüre zu erwarten habe, sondern das Gemeinte mit Geheimnis umhüllt wird. So publiziert sie einen Aufsatz unter der Überschrift: „Vorschlag, eine Pariser Mode nach Detmold zu verpflanzen“. Wer wird schon aufmerken, wenn etwas von Mode im Journal steht? Es sind gewiss die Frauen, und gerade sie will die Fürstin auch anreden. Was sich die fürstliche Publizistin unter Pariser Mode vorstellt, entpuppt sich für die neugierige Leserin als Kinderbewahran-stalt: für eben eine solche sollen die Damen der Gesellschaft interessiert werden. Dies geschieht nicht ohne Erfolg. Es ist bekannt, dass in Detmold als erster Stadt in Deutschland eine solche Vorform des Kindergartens bestanden hat und dass Pauline in der Tat zu dieser Gründung durch die Lektüre Pariser Journale angeregt worden ist. Wie diese zu ihrer Zeit viel bewunderte Einrichtung, so stehen viele ihrer Unternehmungen unter einer pädagogischen Absicht: alle sollen durch die Art, wie sie den Menschen beanspruchen, erziehend wirken.
Im besonderen ist es natürlich die Verbesserung der Schulen, und zumal der Elementarschulen, auf die sie ihre ganze Hoffnung setzt. Schon in den Zeiten, in denen sie nicht hat hoffen können, so unmittelbar fördernd zu wirken, hat sich in ihr die Überzeugung ausgebildet, dass mit der Jugend der Anfang gemacht werden müsse, wenn der Zustand der Gesellschaft im ganzen verbessert werden soll. Man kann sich wundern, man kann sich freuen, wenn man in der Pädagogischen Realencyklopädie, erschienen in Grimma und Leipzig 1852, einen Artikel unter dem Stichwort „Pauline“ findet. Dass man sie in die Reihe gestellt hat, in der Auskünfte über die damals bekannten Pädagogen gegeben wird, lässt erkennen, wie weit ihre Initiativen außerhalb der Landesgrenzen bemerkt worden sind und man sie selbst als eine originale Persönlichkeit eingeschätzt hat. Doch ist sie anderseits offen für alle Anregungen, die von außen kommen. 1802 — und das ist sehr früh — dringen Nachrichten über Pestalozzis Unternehmungen an ihr Ohr, und sie veranlasst den jungen Kandidaten Passavant, nach Burgdorf zu gehen, sich dort aufzuhalten, seine Beobachtungen zu machen und ihr Beridit zu geben. Als der von ihr verehrte Generalsuperintendent v. Colin verstorben ist, sucht sie mit Bedacht und gutem Urteil über persönliche Wertigkeit nach einem Nachfolger, der in der Lage wäre, vor allem die Bemühungen um die Hebung des Schulwesens fortzusetzen. Sie findet ihn in der Person des Pastors Ferdinand Weerth aus Kettwig, und noch in den letzten Jahren ihrer Regierung schreibt sie es in einem Briefe, dass sie sich glücklich schätze, mit ihm den richtigen Mann an die richtige Stelle berufen zu haben.

Alle ihre Bemühungen, den Geist der Humanität in dem Gemeinwesen wirksam werden zu lassen und das Volk auf einen höheren Stand zu bringen, können um so mehr unsere Bewunderung erwecken, als sie unter den Gewittern der Zeit unternommen und weitergeführt werden müssen. 1802 schon ist Leopold I. verstorben, und sie muss allein die ganze Last der Verantwortung für die staatliche Existenz und das Wohl dieses Landes auf ihren Schultern tragen. Es fällt ihr gleich die sorgenvolle Aufgabe zu, in einer Zeit des Mangels und der Teuerung die Gefahr einer Hungersnot zu bannen. Dann ziehen die dunklen Wolken am Himmel der Politik auf. Wie unter Napoleons Schlägen das alte deutsche Reich in Trümmer geht, gewinnt das Land die volle Souveränität, die für dieses eher eine Last ist; denn es bedeutet, dass die Fürstin nun auch eine eigene Außenpolitik treiben kann und treiben muss.
Da alles bestürzt ist über die Erschütterung der ganzen europäischen Staatenwelt, bewahrt sie den Sinn für das realpolitisch Notwendige. Der Beitritt zum Rheinbunde, ihre Bemühung, den Imperator günstig zu stimmen, bewahren das Land wenigstens vor Requisitionen und sonstigen Lasten. Als Verbündete ist sie aber auch an die Verpflichtungen gebunden, die sich aus der Allianz ergeben. Das lippische Kontingent muss auf Kriegsfuß gesetzt werden. Wie es nicht anders sein kann, lässt Pauline ihre Soldaten mit mütterlichschmerzlichen Gefühlen ziehen. Wir wollen es uns wie ein Bild vor Augen stellen, wie sie mit anderen Frauen an der Fahne stickt, die der Truppe voranwehen soll. „Muth und Ausdauer“ steht als Devise auf dem Fahnentuch, und diese Kriegertugenden sollen ihre Lipper nun in dem spanischen und dann in dem russischen Feldzug zeigen.
Die Verwicklung in die großen Welthändel hat der Fürstin eine Bürde aufgelegt, gebrochen hat sie die starke Frau nicht. Die Kriege gehen zu Ende, der Lauf der Geschichte wendet sich, und Pauline ist wieder, was sie vordem gewesen ist: die fürsorgende Landesmutter. Sie baut Werke des Friedens, sie regiert mit Weisheit und Geschick. Sie leitet selbst die Sessionen des Regierungskollegiums und setzt dabei alle Räte durch ihre Vertrautheit mit den Problemen und die Treue ihres Gedächtnisses in Erstaunen.
Daneben aber geht sie auch ihren alten Passionen nach. Dass Briefe zu schreiben ihr Lieblingsgeschäft sei, hat sie selbst einmal bekannt, und sie vernachlässigt ihre Korrespondenz auch dann nicht, wenn die Regierungsgeschäfte sie hart in Anspruch nehmen, und wenn es auch nur die rosafarbenen Billettchen sind, auf denen sie den Frauen ihrer Gesellschaft einen Gruß schickt. Ihre Räte werden ihre Freunde geheißen; und stirbt einer von ihnen, so verfasst sie selbst den Nachruf — in einer geprägten Sprache. Ihre Pflichten bringen es mit sich, dass sie Reisen unternehmen muss, und sie, die so gern mit der Feder umgeht, legt ihre Eindrücke und Erlebnisse in Berichten nieder, die zu lesen noch heute ein Vergnügen sind. Heinrich von Treitschke hat sie in seiner Deutschen Geschichte eine der geistreichsten Frauen ihrer Zeit genannt. Sie ist es gewesen und sie ist mehr gewesen: sie ist groß in jeder Erstreckung ihres Wesens. Zu ihren Zeiten wurde der 23. Februar als der Paulinentag gefeiert: ein Zeichen der Verehrung, die ihr entgegengebracht wurde.
Wir feiern ihn heute auch und wollen es in allem Respekt als ein Glück preisen, dass diese Frau in großem Segen in diesem Lande gewirkt hat.

Heimatland Lippe: Von Prof. Hans Sprenger