Die Geschichte der Blomberger Burg

Burg in Blomberg, Deutschland, Blick in den Innenhof, von Nikater (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

Der 15. Februar 1962 wird ein bemerkenswertes Datum in der Geschichte der Stadt Blomberg bleiben. An diesem Tage ist die ehrwürdige Blomberger Burg, die bis dahin Bückeburger Eigentum war, in den Besitz der Stadt übergegangen. Es ist freudig zu begrüßen, dass die darüber seit einiger Zeit geführten Verhandlungen zu einem Erfolge geführt haben und dass diese Ur- und Keimzelle der heutigen Stadt nach zweihundertjähriger „Fremdherrschaft“ ihre „Wiedervereinigung“ erlebt. — Wer es unternimmt, die Geschichte der Burg Blomberg zu schreiben, der hat es von vornherein nicht leicht. Es gibt, soweit bis jetzt bekannt ist, keine schriftliche Urkunde, die uns etwas über ihre Entstehung und die ersten Jahrhunderte ihres Bestehens berichten könnte.

Alle Unterlagen, die früher vielleicht einmal vorhanden waren, sind wahrscheinlich durch die völlige Zerstörung der Stadt und ihrer Burg, in der sich damals das Hausarchiv mit allen Registern und Dokumenten befand, am 14. Juni 1447 in der Soester Fehde vernichtet worden. Was heute über den Ursprung berichtet wird, sind Sagen und Vermutungen, die sich auf die verschiedensten örtlichen Verhältnisse und Umstände stützen. Man kann vielleicht mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dass die vorspringende Bergnase, die heute die Burg trägt, der Punkt war, der im Räume der heutigen Stadt Blomberg zuerst besiedelt worden ist. Wann und in welcher Form dies geschehen sein mag, darüber liegt völliges Dunkel.

Nach Thelemann ist es nicht ausgeschlossen, dass sich an der Stelle der späteren Burg zuerst nur ein starker Wehr- und Wachtturm mit einer quadratischen Grundfläche 14:14 m befand, wie sich aus den vorhandenen Grundriss- und Keller Verhältnissen des ältesten Teiles der Burg zu ergeben scheint. Danach würde der heute nach außen hin einheitlich und geschlossen wirkende alte Trakt der Burg verschiedenen Bauperioden angehören, der östliche Gebäudeteil einer früheren und der westliche einer späteren. Ein näherer Vergleich scheint diese Auffassung zu bestätigen. Die Kellergewölbe des östlichen quadratischen Teiles, des ehemaligen Wehrturmes, werden von vierkantigen, 50 cm starken Monoliten getragen, die westlichen dagegen von 40 cm starken Achtkantsäulen. Die Mauern des ersten Gebäudeteils sind besonders stark ausgeführt, im Durchschnitt über zwei Meter, auch die, die heute die Innenwand zwischen den beiden Gebäudeteilen bildet, so dass man sie als eine ursprüngliche Außenwand ansprechen könnte. Sie mag beim späteren Ausbau des Turmes zu einer Burg oder bei dem Wiederaufbau der Burg nach der Zerstörung 1447 in ihren Maßen z. T. etwas herabgemindert sein, ist aber immerhin noch so stark, dass sie in ihrem Innern einer Wendeltreppe Raum gewährt, die früher zu oberen Etagen eines etwaigen Turmes hin- aufführte. Die Annahme eines ursprünglichen Wehrturmes an der Stelle der späteren Burg ist daher wohl nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen.

Grundriss der Blomberger Burg.
Quelle: Heimatland Lippe 07/1974

Wenn man den Gedanken an eine solche Anlage weiter ausspinnen will, so darf man beim Vergleich mit anderen dieser Art und aus dieser Zeit annehmen, dass sie nach der flachen, der heutigen Stadtseite hin, durch einen Wallring mit einem tiefen Graben geschützt war, der im Innern einen weiten Raum umschloss, so dass sie bereits in dieser Form durchaus geeignet war, in Notzeiten einer großen Schar von Flüchtlingen und Bedrängten mit ihrer notwendigsten Habe Zuflucht und Schutz zu gewähren. Der bekannte Forscher Schuchard verlegt den Ursprung solcher Anlagen in das 12. Jahrhundert. Wenn das auch für Blomberg zutrifft, dann ist als ihr Gründer bereits Bernhard II. zu
betrachten. Es liegt durchaus im Charakter dieses tatkräftigen Mannes begründet, dass im gleichen Zuge, als er an dem Verbindungswege zwischen seinen Gebietsteilen diesseits und jenseits des Teutoburger Waldes die feste Falkenburg errichtete, im Norden am Übergange über die Bega die Stadt Lemgo gründete, er auch zum Schutze des östlichen Landesteiles und seiner Straßen den festen Punkt Blomberg erstehen ließ. Für diesen Fall muss dann als letzter Termin die Zeit kurz vor 1196 angenommen werden, denn in diesem Jahre übergab Bernhard die Regentschaft seinem Sohne Hermann und kehrte wieder in den geistlichen Stand zurück, aus dem er gekommen war. Das sind allerdings nur Vermutungen, für die der schlüssige Beweis vorläufig noch fehlt, aber „es gibt keine entscheidenden Gründe, ihre Erbauung nicht auch wie die des Falkenberges schon Bernhard II. zuzuschreiben“ (Dr. Kittel: Das Alter der lipp. Städte).

Wenn man nun auch diese einfache Anlage als Urform der heutigen Burg mit einiger Wahrscheinlichkeit gelten lässt, so bleibt doch weiterhin unklar, wer sie später zu einer bewohnbaren Burg ausgebaut und erweitert hat. Bernhards Sohn Hermann II. wird es kaum gewesen sein; er ist als ein „geruhsamer Mann“ bekannt, der sich damit begnügte, den übernommenen Besitz zu erhalten. Wohl aber ist es von dem Enkel, Bernhard III., anzunehmen. Er hatte von seinem Großvater den Stolz, die Tatkraft und den mutigen Sinn geerbt; ihm schreibt die Forschung auch die Gründung der Stadt Blomberg zu. Kiewnig berichtet in seiner „Lippischen Geschichte“ darüber: „Hier an dieser wichtigen Kreuzung (bei Blomberg) ließ er (Bernhard III.) auf einem Berge, der nur einen schmalen Zugang hatte, eine mit Mauern und Türmen, Wall und Graben stark beschirmte Stadt erstehen und legte innerhalb der Stadt an der Ringmauer noch eine besonders befestigte Burg an.“ Bei dem Ausbau der ursprünglichen Anlage zu einer Burg hat der spätere Burghof vermutlich eine etwa drei Meter hohe Erdaufschüttung erhalten, so dass der ursprüngliche Einstieg in den Turm zu ebener Erde zu liegen kam.

Für die Wahl der Örtlichkeit dieses festen Punktes war zweifellos der wirtschaftlich wie militärisch-strategisch gleich wichtige Umstand ausschlaggebend, dass am Fuße dieses Hügels der Schnittpunkt dreier damals sehr bedeutender Straßen lag. Auf diesen Straßen übten die Edelherren zur Lippe vermutlich seit längerer Zeit für ihre Gebiete das Geleitrecht aus. Dem Schutze der Straßen und des Handels sowie der Sicherung des Geleitrechtes sollte in erster Linie der feste Punkt Blomberg dienen.

Bevorzugte Residenz der Edelherren zur Lippe wurde die Burg zu Anfang des 14. Jahrhunderts unter Simon I. (1275 bis 1344). Als er nach dem unglücklichen Ausgange der Fehden mit seinen westlichen Feinden, insbesondere dem Bischof von Osnabrück, am 8. Juli 1305 aus der Gefangenschaft im Bocksturm zu Osnabrück entlassen wurde und in Erfüllung der ihm auferlegten schweren Bedingungen seine westlichen Stützpunkte abbauen und zerstören musste, verließ er diesen Landesteil und wohnte seitdem in Blomberg und Brake. Man schreibt ihm in Blomberg Burg- und Stadterweiterungen, besonders aber eine bedeutende Verstärkung der Befestigungsanlagen zu.

Im Jahre 1344 teilten die Brüder Otto und Bernhard den lippischen Besitz in eine Herrschaft diesseits und jenseits des Teutoburger Waldes. Otto fiel durch Los die Herrschaft diesseits zu. Blomberg mit seiner Burg blieb die Residenz, in die er seinen festlichen Einzug hielt. Bernhard starb 1365 ohne Manneserben, beide Landesteile wurden wieder miteinander vereinigt, und die Burg Blomberg war wieder die Residenz für den Gesamtbesitz. — Wir kennen nicht den Umfang der Burganlage dieser Zeit, sie muss aber ziemlich stark und fest gewesen sein, denn im Jahre 1407 in der Eversteinschen Fehde hielten sich Simon III. und sein Sohn Bernhard VI. gegen einen starken feindlichen Angriff; die Burg konnte nicht eingenommen werden.
Nachweislich haben folgende regierende Edelherren in der Burg zu Blomberg residiert: Otto, gest. 1360; Simon III., gest. 1410; Bernhard VI., gest. 1415; Simon IV ., gest. 1429/3 (beigesetzt im Kirchenbann in der Wilbaser Kapelle); Bernhard VII., gest. 1511. — Simon III., der stark an der Gicht litt, soll nach Piderit eine Burgkapelle erbaut haben, um bequemer am Gottesdienst teilnehmen zu können; Reste der Kapelle sollen (nach Piderit) noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts zu sehen gewesen sein. Wie lange diese Herrschaften auch ihren Wohnsitz in der Burg hatten, ist nicht mit Bestimmtheit festzustellen, sie waren mit ihren Mannen sehr viel unterwegs. — Aus dieser Zeit (1369) werden uns als Vasallen und Burgmannen genannt: Von Billerbeck, und Bavenhausen, von Brakele, von Lasterhusen, von Bemetorf, von Exterde und von Ising. Im Laufe der Jahre kamen noch hinzu: Von Friesenhausen, von Hensingtorp, von Ösen, von Vrersmerssen (Freismissen), von Donop und von Gropendorp (Gröpperhof). Sie hatten die Verpflichtung, dem Landesherrn Heeresfolge zu leisten.

Burg in Blomberg, Eingangstor und Blick in den Innenhof. Quelle: Heimatland Lippe

Die Verwaltung der Burg unterstand dem Burggrafen; als solche werden genannt: Von Bentheim, von der Borch, von Eikmann, von Lasterhusen, von Wöbbel, von Zerssen (nach Thelemann).
In der Soester Fehde wurde — wie schon eingangs erwähnt — mit der Stadt auch die Burg zerstört. Bernhard, der kurz zuvor von „irgendwo aus dem Felde“ wieder in die Burg eingezogen war, entkam durch einen „verdeckten Gang“ in den Hurn und von da in die Burg Schaumburg zu seiner Verlobten Anna von Schaumburg. In diesem Zusammenhange mag erwähnt werden, daß ein „unterirdischer Gang“ aus der Burg nach dem Hurn, durch den er entkommen sein soll, und von dem der Volksmund erzählt, nie bestanden hat, auch wohl technisch unmöglich war. Im Jahre 1448 verpfändete Bernhard VII. die Burg an seinen getreuen Amtmann Johann von Molenbeck. Dieser soll ihm — wie zuvor Sternberg — nun auch die Burg Blomberg wieder aufbauen. An Kosten sind 400 Gulden vorgesehen, etwa die Hälfte der Summe, die zuvor für Sternberg ausgegeben wurde, so dass danach angenommen werden darf, dass die Zerstörung vermutlich doch nicht allzu schlimm war. Um in Zukunft sein Land und seine Residenz vor ähnlichen Katastrophen zu bewahren, entschloss sich Bernhard, Schloss und Stadt Blomberg dem Landgrafen Ludwig von Hessen, der bis dahin sein Feind gewesen war, als Lehen aufzutragen, „um Liebe, Treue und Freundschaft“ willen, wie es im Lehnsbrief hieß. Auch alle übrigen Burgen und Schlösser in Lippe sollten dem Landgrafen in Kriegszeiten offenstehen; man schloss ein Bündnis zur gegenseitigen Verteidigung. Dies Abkommen vom 21. Oktober 1449 hat bis zum Jahre 1803 bestanden.
Gelegentlich an Arnd von der Borch im Jahre 1474 wurde ein Inventarverzeichnis aufgestellt. Hieraus erfahren wir zum ersten Male Genaueres über den Umfang der damaligen Anlage. An Gebäuden und Räumen werden darin genannt: Der Berchfried, des Junkers (Bernhard VII.) Kammer, des Burggrafen Kammer, das Vorwerk (Niederburg), ein Backhaus, ein Kinderhaus, Küche und Keller und die Püttelriege (?). der Verpfändung der Burg.
Das Frauen- und Kinderhaus war die westliche Fortsetzung des Palais; der Kaminrest in der Mauer ist noch ein Überbleibsel davon. Es hat bis um 1900 bestanden und diente von etwa 1780 ab der Bückeburger Burgbesatzung (s. u.) als Hauptwache. Die Lage des in der Urkunde erwähnten „Bergfried“ (Burgturm) ist unbekannt. Thelemann vermutet ihn an der Nordoststecke, wo vor Jahren außerhalb der Umfassungsmauer ein Gewölbe aufgefunden wurde. Wahrscheinlich ist er schon Mitte des 16. Jahrhunderts abgebrochen, um die Steine für die Neubauten zu verwenden. Die Pfandschaft derer von der Borch wurde 1493 von Bernhard wieder eingelöst, und es darf angenommen werden, dass er für den Rest seines Lebens hier wieder gewohnt hat. — Mit Bernhards Tode im Jahre 1511 hörte die Burg auf, Residenz zu sein; sein Sohn Simon V. wohnte in Detmold, das nun- mehr dauernde Landesresidenz blieb.

Die westliche und südliche Umfassungsmauer vom Burgtor bis zum Turme beim ehemaligen Vorwerk (jetzt Gärtnerei) hatte früher einen offenen Wehrgang mit Schießscharten, der später mit einem Satteldach abgedeckt worden ist. Die Reste der Treppenaufgänge sind an der Innenseite noch zu erkennen. Die sogenannte Weinpforte ist erst später entstanden; ursprünglich stieß hier ein Erdwall unmittelbar bis an die Burg. Die Bergabhänge nach Westen und Süden waren durch Knicks stark bewehrt. Die Nord- und Ostseite schützte ein tiefer Trockengraben mit Wolfsgruben und anderen Hindernissen.

Unter Simon VI. erfuhr die ganze Burganlage eine grundlegende Umgestaltung; alte Gebäude — bis auf den Südflügel (Palais und Kinderhaus) — wurden abgerissen, neue traten an ihre Stelle. So entstand im Jahre 1567 der Nordflügel, später Kommandantenbaus genannt. Ob er in einigen Teilen älter ist und ursprünglich nach dem Burghof hin offene Hallen mit einer großen Kornwaage für die Abnahme des an die Herrschaft zu entrichtenden Kornzehnten hatte, wie Thelemann angibt, ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Allerdings lagerte das Zinskorn auf dem Burgboden, bis es nach öffentlicher Bekanntmachung verkauft wurde. Der noch heute repräsentativste Teil der ganzen Burg, der reichverzierte Ostflügel mit dem Renaissanceerker, stammt aus dem Jahre 1569. Er bildete bei gelegentlichen Besuchen der Grafen die herrschaftliche Wohnung. Drei Jahre später (1572) kam zum Burgkomplex außerhalb der Umfassungsmauer noch das schöne Amtshaus, so genannt, weil sich in ihm später das Bückeburger Oberamt befand. — Nach dem Tode Simons VI. (1613) erhielten seine nachgeborenen Söhne Otto und Philipp Paragialbesitz (Versorgungsbesitz) zugewiesen; Otto bekam zu Brake die Ämter Blomberg und Schieder, Philipp erhielt Alverdissen. Da nach dem „pactum unionis“ von 1368 Lippe nicht wieder geteilt werden durfte, verblieb die Landeshoheit ausdrücklich bei Detmold.

So wurde die Burg Blomberg Eigentum der neugestifteten Linie Lippe-Brake, die auch zeitweise ihren Wohnsitz hier hatte. Insbesondere Graf Casimir weilte des öfteren für längere Zeit in Blomberg. Der südöstliche Ausgang aus der ehemaligen Niederburg (jetzt Gärtnerei) trägt sein Wappen und das seiner Gemahlin Amalia, geb. Gräfin zu Sayn und Wittgenstein, mit der Jahreszahl 1679. Graf Rudolf zur Lippe-Brake ließ im Jahre 1694 durch den Wöbbeler Predigergehilfen auf dem Schlosse Blomberg Gottesdienste abhalten.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg verschiedentlich überfallen und ausgeplündert; so in der Nacht zum 5. August 1636. Eine starke Abteilung rückte von Nieheim aus vor die Stadt. Mit „zwei Leitern von Gronemeiers Hofe“ überstiegen einige Soldaten heimlich die Mauer „zwischen dem gräflichen Hause und der Amtsstube, wo eben der Wall vom Hause an die Mauer langt (jetzt Weinpforte) und von außen die Mauer mit Iben (Eiben) bewachsen.“ Dann öffneten sie von innen das Niedere Tor und ließen die Reiterei herein, die dann „mit großer furie“ die Straßen besetzte. Gesucht wurde der Rittmeister Moritz von Donop, der hier einige Tage zu- vor auf der Burg bei seinem Schwiegervater von Kerßenbrock Kindtaufe gefeiert hatte. Er war aber zwei Tage vorher wie- der abgereist. Deshalb hielten sich die Eindringlinge an seinem Schwiegervater und seiner Schwägerin schadlos; sie wurden „übel und unchristlich traktiert“. Kisten und Kasten wurden erbrochen, Kleider und Schmucksachen mitgenommen und außerdem vier Kutschpferde der Gräfin von Brake und 36 Bauernpferde, die dort zufällig standen, weggeführt.

Als bereits im Jahre 1709 die Linie Lippe-Brake wieder ausstarb, entstanden Streitigkeiten um das Braker Erbe. Die Detmolder Linie, Graf Friedrich Adolph (1697—1718), beanspruchte zunächst den gesamten Braker Besitz, der ihm aber durch seinen Vetter, den Grafen von Schaumburg-Lippe, der seine rechtliche Hälfte davon forderte, energisch streitig gemacht wurde. Die Auseinandersetzungen darüber zogen sich mit wechselnden zeitweiligen Erfolgen über Jahrzehnte hin, bis sie durch den Stadthagener Vergleich im Jahre 1748 zu einem gewissen Abschluss kamen. Danach erhielt Lippe die Ämter Brake und Barntrup, Schaumburg-Lippe die Ämter Blomberg und Schieder sowie eine Entschädigung von 100 000 Talern aus den Erträgen Brakes seit 1709.

Hoheitsrechte der Schaumburger in diesen Gebieten waren von vornherein ausgeschlossen worden (s. o.). Da aber Bückeburg sich nicht an diese Bestimmungen hielt, sondern sich durch Rekrutierungen und die Ausübung des Befestigungs- und Besatzungsrechts in Blomberg schwerer Eingriffe in die lippische Militärhoheit schuldig machte, kam es weiterhin zu ernsten Konflikten, die sich im Jahre 1777 derart zuspitzten, dass es fast zu einem „Kriege“ zwischen Lippe und Schaumburg-Lippe gekommen wäre. Der damalige Kanzler Hoffmann riet seinem Landesherrn zur gewaltsamen Abstellung dieser Missstände und Unverträglichkeiten. Der gutmütige und friedliebende Simon August (1734—1782) aber lehnte diese Regelung entschieden ab, da „ohne Not die Untertanen aufzuopfern das größte Unrecht von der Welt ist, weil uns das Recht ohnedem zugesprochen werden muss“ (nach Dr. Kittel: Gesch. d. Landes Lippe. — Noch volle 61 Jahre blieb dieses gespannte Verhältnis zwischen den beiden Regierungen bestehen und führte noch wiederholt zu unangenehmen Reibereien, bis im Jahre 1838 durch bindendes Gerichtsurteil die Landeshoheit der Schaumburg-Lippischcn Regierung über das Amt Blomberg aufgehoben wurde und damit auch die bückeburgische Garnison in der Blomberger Burg aufgelöst werden musste.

Im Jahre 1808 wurden aus Raummangel die Wirtschaftsgebäude der Meierei aus der Niederburg ins Tal verlegt. Der damalige Gutsadministrator Freiherr von Ulmenstein (Grabmal in der Wiese bei der Steinmühle) ließ den Wirtschaftshof der Niederburg mit Erde aufschütten und legte hier eine Nelkenzucht an, die später Weltruf erlangte. — Die Meierei befindet sich seit 1939 in Privatbesitz.

Nach der Räumung durch die bückeburgische Garnison fand die Burg Jahrzehnte hindurch keine einheitliche Bestimmung mehr. Sie wurde für ihren Eigentümer ein ziemlich unrentabler Besitz, mehr lästig als nützlich, und geriet in die Rolle eines „Stiefkindes“, dem die liebende Fürsorge fehlte. Infolgedessen verfiel sie in einigen Teilen, insbesondere der ehemalige Rittersaal im Palais, später „Franzosensaal“, so benannt, weil hier nach einem Gefecht im Siebenjährigen Kriege mit französischen Truppenteilen in Richtung auf Reelkirchen die verwundeten Franzosen untergebracht waren. Der Raum befindet sich seit vielen Jahren in einem sehr schlechten und unwürdigen baulichen Zustande. Die übrigen Räumlichkeiten — außer dem Marstall — wurden nach 1900 zu Privatwohnungen ausgebaut.

Nach dem Ersten Weltkriege versuchte die Lippische Landesregierung auf dem Klagewege das Blomberger Paragium mit allen Waldungen (damals ein Drei-Millionen-Objekt) wieder in den Besitz des Landes zu bringen. Lippe verlor den Prozeß, und die bisherigen Besitzverhältnisse blieben dieselben.
Mit der Übernahme der Burg in das Eigentum der Stadt, die am 1. April dieses Jahres in einer würdigen Feierstunde in Anwesenheit des Prinzen Christian zu Schaumburg-Lippe und zahlreicher Ehrengäste formell vollzogen wurde, eröffnet sich für dies ehrwürdige Bauwerk wieder eine neue Zukunft. Ihr äußeres Kleid wird sich wandeln, sie kann wieder einer neuen einheitlichen und würdigen Bestimmung zugeführt werden und wird so noch weitere Jahrhunderte ein gewichtiger Zeuge einer großen, stolzen und wehrhaften Vergangenheit unserer schönen Vaterstadt bleiben.

Quelle: Heimatland Lippe 07/1962