Die große Wäsche

Das Waschen der Wäsche, das heute mit Hilfe von Waschmaschine, Trockner und Vollwaschmittel höchstens zwei bis drei Stunden dauert und – von wenigen Handgriffen abgesehen – völlig automatisch abläuft, war früher eine langwierige und anstrengende Arbeit. Die so genannte große Wäsche beschäftigte alle Frauen des Haushaltes und manchmal noch zusätzliche Helferinnen mehrere Tage hintereinander. Der Termin musste daher so gewählt werden, dass die Arbeitskräfte nicht für andere, wichtigere Aufgaben benötigt wurden. In der Erntezeit, während des Schlachtens und auch vor hohen Feiertagen wurde daher nicht gewaschen. Da viele Arbeitsgänge beim Waschen im Freien stattfanden, wurde nach Möglichkeit im Winter nicht gewaschen. Die Zeiträume, nach denen wieder eine große Wäsche anstand, waren von Hof zu Hof unterschiedlich. Gewaschen wurde etwa drei- bis viermal im Jahr, auf großen Höfen manchmal auch nur jedes Jahr einmal. Wichtig war, dass der Wäschevorrat bis zur nächsten großen Wäsche reichte.
Je weniger Wäsche und Kleidungsstücke eine Familie besaß, desto häufiger musste sie waschen. Kleinere Wäschestücke, zum Beispiel Windeln, wurden zwischendurch ausgewaschen; alle anderen Textilien, Handtücher, Unterwäsche, Hemden, Schürzen, Bettwäsche, aber auch neu gesponnenes Garn und neu gewebte Leinentücher wurden bis zum nächsten Waschtag gesammelt. Auch wenn die Kleidung wesentlich seltener gewechselt wurde als heute, waren die Wäscheberge, die sich in wenigen Wochen ansammelten, enorm, da die Wäsche aller Hausbewohner gemeinsam gewaschen wurde. Bernhard Garmann (geb. 1895 in Beesten, Altkreis Lingen) erinnert sich: „Es war stets ein arbeitsreicher Tag, wenn auf dem Bauernhof große Wäsche war. Und immer war es große Wäsche, denn es war Sitte, nur etwa alle zwei Monate zu waschen. Was hatte sich da eine Menge Wäschestücke zusammengefunden, denn man mußte bedenken, daß damals auf dem Hofe neben den Eltern und Kindern 2 Mägde und 3 Knechte und außerdem noch 2 Onkel und 1 Tante arbeiteten.“

Bügeleisen waren meist aus passivem Metall gefertigt und besaßen einen Griff aus Holz, der Vor dem Verbrennen der Hand schützte. Bis zum Aufkommen der elektrischen Geräte gab es verschiedene Möglichkeiten, die Eisen beiß zu bekommen: Die Eisen konnten direkt auf dem Herd erhitzt, mit Holzkohle gefüllt oder nit einem glühend gemachten Bolzen bestückt werden.

Das wichtigste Hilfsmittel bei der großen Wäsche stellte Asche dar, am besten eignete sich Asche von Buchenholz, die zu diesem Zweck gesammelt wurde. Die Herstellung guter Seife war schwierig und gekaufte Seife teuer. Bis zur Entwicklung von Verfahren zur industriellen Herstellung von Seife und selbsttätigen Waschmitteln wurde mit Hilfe der Asche eine Lauge hergestellt, die den Schmutz aus der Wäsche löste. Dafür sortierte man die Wäsche zunächst nach weißen und farbigen Wäschestücken, die man separat einweichte; besonders schmutzige Stellen wurden dabei bereits mit Schmierseife eingerieben. Die weiße Wäsche wurde dann in eine Holzwanne geschichtet, die nach Möglichkeit in Bodennähe über ein Ausgussloch verfügte. Entweder wurde die Asche zusammen mit Wasser zu einer Lauge gekocht, abgefiltert und über die Wäsche gegeben oder die Asche wurde in ein über die Wäsche gespanntes Tuch gefüllt und mit kochendem Wasser Übergossen. Die Lauge lief durch die schmutzigen Wäschestücke, wurde unten aufgefangen, erhitzt und wieder über die Asche durch das Tuch gegossen. Zum Schluss ließ man die Wäsche einige Stunden, am besten über Nacht, in der Lauge liegen. Die Einweichlauge der weißen Wäsche wurde anschließend für die bunten Kleidungsstücke weiter genutzt, da die abgeschwächte Lauge die Farben nicht so sehr angriff, wie es frische Lauge getan hätte.

Hölzerne Wäscheklopfer oder Bleuel, mit denen der Schmutz aus der Wäsche geschlagen wurde gab es in unterschiedlichen Formen. So aufwändig verziert wie der Klopfer ganz links wurden diese funktionalen Geräte nur, wenn sie für die Aussteuer einer jungen Frau angefertigt wurden.

Die alkalischen Bestandteile der Aschenlauge lösten die Schmutzpartikel aus dem Stoff und kapselten sie ein, diese hafteten aber weiterhin an den Gewebefäden und ließen sich nicht einfach ausspülen. Um die Wäsche sauber zu bekommen, musste sie also nach dem Einweichen noch manuell weiterbehandelt werden. Dazu wurde sie – je nach Verschmutzungsgrad und Region – mit einem hölzernen Brett mit Griff, dem Bleuel, geschlagen, auf einem Brett mit der Bürste bearbeitet, auf dem Waschbrett gerubbelt oder einfach mit den Händen gestaucht und gerieben. Der kräftige Leinenstoff, aus dem die meisten Wäschestücke gearbeitet waren, hielt diese Behandlung aus; Baumwollstoffe, Gewebe aus Wolle und farbig bedruckte Textilien hingegen mussten schonender behandelt werden.

Die großen Töpfe, die bei der kleine)! Wasche zum Einsatz kamen, konnte man zusammen mit Wäschekörben und Zinkwannen auch bei fliegenden Händlern und auf Jahrmärkten, wie hier auf dem Send in Münster, kaufen. Bei der Wäsche zwischendurch heizte man nicht den großen Kessel an, sondern kochte die Wäsche in solchen Töpfen auf dem Herd. Münster, 1959

Die Arbeit mit der Lauge war wegen der großen Hitze und der dunstigen Atmosphäre zwar unangenehm, aber nicht so anstrengend wie die anschließende Weiterbehandlung der Wäsche. Das Scheuern und Stauchen im seifigen Wasser weichte die Hände auf, sodass die Haut leicht einriss und nach dem Trocknen spröde und trocken wurde; die vorgebeugte Haltung, das ständige Anheben der schweren nassen Wäschestücke ließ Rücken und Arme schnell schmerzen.
Nachdem jedes einzelne Wäschestück entsprechend behandelt worden und für sauber befunden war, musste die Lauge sorgfältig ausgespült werden. Dafür reichte das Wasser von Brunnen oder Pumpe meist nicht aus und so gab es an Flüssen oder Teichen in der Nähe der Höfe entsprechende Waschplätze. Hölzerne Stege reichten bis ins tiefe

Wäsche spülen und bleichen am Langenbrücker Tor in Lemgo. Im Hintergrund die Lohmühle, abgerochen 1904.

Wasser und ermöglichten es den Frauen, die Wäsche im Wasser hin- und herzubewegen und so zu spülen. Das Knien auf den Stegen und das stundenlange Spülen im kalten Wasser war dabei ähnlich unangenehm wie zuvor der Aufenthalt in der überhitzten Waschküche. Zu den anstrengendsten Arbeiten der großen Wäsche zählte das anschließende Wringen der Wäsche. Besonders große Teile, zum Beispiel Bettlaken, konnten nur zu zweit ausgewrungen werden. Manchmal half ein einfacher Metallhaken, an dem ein Ende des Wäschestücks befestigt wurde, ein fehlendes zweites Paar Hände zu ersetzen.

Katalog von Albert Frank aus
München

Nach dem Spülen und Wringen konnte die bunte Wäsche zum Trocknen ausgebreitet oder aufgehängt werden. Die weiße Leinenwäsche hingegen musste noch einem weiteren Arbeitsschritt unterzogen werden. Ungefärbtes Leinen ist nicht reinweiß, sondern besitzt eine leicht gelbliche Farbe, die nach jedem Waschvorgang, wenn auch jedes Mal abgeschwächter, wieder zum Vorschein kommt. Damit die saubere Wäsche auch wirklich weiß wurde, musste der Stoff in der Sonne gebleicht werden. Dazu wurden die Wäschestücke auf einer sauberen Rasenfläche ausgebreitet und während des Trocknens immer wieder mit Wasser begossen. Auf der feuchten Wäsche entfaltete sich die Bleichwirkung der Sonne und brachte das strahlende Weiß hervor, das auch früher schon das Ziel der waschenden Hausfrau darstellte. In den Dörfern und auf großen Höfen gab es spezielle Bleichwiesen, die manchmal von einem Wassergraben umgeben waren, sodass das Wasser zum Befeuchten der Wäsche nicht mühsam herbeigeschleppt werden musste. Der Wassergraben half aber auch dabei, die wertvolle Wäsche, die auf der Bleiche Tag und Nacht bewacht wurde, vor Diebstahl zu schützen. Das gebleichte Leinen musste anschließend noch ein letztes Mal ausgespült werden, um die Spuren, die das Liegen auf der Wiese hinterlassen hatte, zu entfernen. Dann endlich konnten die Wäschestücke gereckt, also in Form gezogen und getrocknet werden.

Bevor die Wäsche – nach einer Kontrolle, ob sie die ganze Prozedur ohne Risse und Beschädigungen überstanden hatte – wieder in den Schrank geräumt werden konnte, wurde sie eventuell noch mit Hilfe eines Mangelbrettes geglättet. Dazu wickelte man den Stoff fest um einen Holzstab und rollte ihn mit Hilfe eines Brettes auf einer glatten Oberfläche hin und her, um die Falten zu entfernen. Nach einem ähnlichen Prinzip arbeiteten große und sehr schwere Wäschemangeln, die sich vor allem für unzerschnittenes Leinen und Bettwäsche eigneten. Kleidungsstücke wurden hingegen mit dem Bügeleisen bearbeitet.

Badetag und grosse Wäsche: Vom Umgang mit der Sauberkeit

Dieses Buch gibt einen Einblick in die Zeit, als die Menschen noch ohne Badezimmer, Waschmaschine und Zentralheizung leben mussten – und konnten. Ein sauberes Haus, ein sauberer Körper und sauberer Kleidung waren damals ebenso wie heute wesentlich für das eigene Wohlbefinden. Ohne die heutigen technischen Möglichkeiten kostete es aber oft mehr Arbeit und Mühe, diese Ziele zu erreichen, und erforderte oftmals auch mehr Wissen, zum Beispiel beim Waschen der Wäsche. Zahlreiche Fotos und Abbildungen geben Auskunft über die unterschiedlichen Strategien und Wertvorstellungen im Bereich Sauberkeit und Hygiene im ländlichen Raum im 19. und 20. Jahrhundert.

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