Die Schlacht bei Minden

Zeitgenössischer Stich der Schlacht mit einer Beschreibung

Eine Auseinandersetzung während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) vor den Toren der Festung Minden

Ein Ereignis, von dem im allgemeinen wenig gesprochen wird, obwohl der Schauplatz uns so nahe liegt, ist die Schlacht bei Minden am 1. August 1759. Der Ruhm des großen Friedrich war damals schon so hoch gestiegen und der Glanz seiner Siege bei Roßbach und Leuthen strahlte so hell, daß sein Feldherr auf dem westlichen Kriegsschauplatze, Herzog Ferdinand von Braunschweig, und seine Taten unverdienterweise etwas zurücktreten. Und doch war die Schlacht bei Minden, wo ein französisches Herr von 70 000 Mann durch ein alliiertes von 40 000 Mann geschlagen wurde, eine Waffentat ersten Ranges, und da einmal die Vorbereitungen und der Aufmarsch dazu sich zum Teil in unseren Lande vollzogen und zum anderen die Folgen davon sich auf unserem heimatlichen Boden mit ausgewirkt haben, so dürfte es nicht unangebracht erscheinen, uns jene Vorgänge einmal wieder vor die Augen zu führen.

Die Lage Friedrichs des Großen wurde im Sommer 1759 im Osten immer bedrohlicher der vereinigten Macht der Österreicher und Russen gegenüber, und sein getreuer Verbündeter auf dem westlichen Kriegsschauplatz, eben Herzog Ferdinand, wurde nicht minder hart bedrängt. Zwei große französische Heere zogen, das eine unter dem Marschall Contades vom Niederrhein, das andere unter dem Herzog von Broglio vom Main her gegen ihn heran. Bald hatte sie ganz Hessen und Westfalen besetzt, die Festungen Münster und Minden eingenommen. Nun belagerten sie Lippstadt und Hameln und waren im Begriff, auch Hannover in Besitz zu nehmen. In dieser verzweifelten Lage, und vom Könige beständig bedrängt, entschloß sich der Herzog zur Schlacht, die er mit der ihm eigenen Ruhe und Umsicht vorbereitete.

Übersicht über das Schlachtfeld und den Aufmarsch
gegen halb sieben Uhr morgens

Der Kampfplatz liegt auf dem linken Weserufer nordwestlich von Minden und bildet ein Viereck, als dessen Grundlinie das Wiehengebirge, als dessen Ostseite die Weser anzusehen ist.

An der Nordseite ist dem Wiehengebirge, etwa 1000 Meter von seinem Fuße entfernt, ein Moor vorgelagert, das sich von Lübbecke ostwärts erstreckt und etwa 3 Kilometer von der Weser entfernt endet. Hier entfließt dem Moore nach Osten hin die Bastau und ergießt sich bei Minden in die Weser. Über dieses Flüßchen führten mehere Brücken, das Moor war damals nur auf einem einzigen Damme zwischen Hille und Eichhorst zu passieren. Nördlich der Bastau betritt man, nur wenig ansteigend, das eigentliche Schlachtfeld, eine ebene von nur geringer Bodenerhebung, die von einzelnen Bodenschwellen durchzogen ist und nördlich von Minden, ihre höchsten Stellen in dem Forst Heisterholz erreicht. Von diesem Dorfe an der Weser zieht über Kuttenhausen gegen Nordstemmen eine Landwehr.

Herzog Ferdinand, der sein Hauptquatier in Stolzenau genommen hatte, wollte die Franzosen am 17. Juli angreifen und rückte am Tage vorher mit der Armee südwärts vor, wobei er die Bagage in Stolzenau zurückließ, die Regimentsfeldscherer aber in Wagen, die Generale in Chaisen der Armee folgen ließ. Um 3 Uhr morgens am 17 Juli marschierte die ganze alliierte Armee in 9 Kolonnen im Angesicht von Minden auf, den linken Flügel an die Weser, den rechten an Südfelde gelehnt, um den Feind zum Angriff herauszulocken. Wohl überzeugte sich Herzog Ferdinand bei einem Vorritt auf die freie Ebene von dem mächtigen Eindruck, den sein Vormarsch auf den Gegner gemacht hatte; die Schlacht aber nahm dieser nicht an. So ließ der Herzog das Heer wieder in Stellung neben Petershagen zurückgehen, sich aber immer gefechtsbereit halten. In der Landwehr ließ er an mehreren Stellen breite Durchgänge graben. Am 20. Juli ließ er die Dörfer Stemmen, Holzhausen und Nordhemmern besetzen. In der Windmühle vor Totenhausen wurde eine große Schanze angelegt und mit schwerem Geschütz bestückt. Am 22. stellte sich das Corps des Generals von Wangenheim in vorgeschobener Stellung bei Totenhausen auf. Zahlreiche Überläufer brachten die Meldung, daß sich bei der feindlichen Armee Mangel an Lebensmitteln sich fühlbar mache. Am 29. Juli ließ der Herzog das Wangenheim’sche Corps bei Totenhausen in Schlachtordnung stehen und marschierte mit der Hauptmacht nach Hille. Die vor der Front liegenden Dörfer Südhemmern und Hartum, sowie das im Rücken liegende Frotheim wurden besetzt, ebenso der über das Moor nach Eichhorst führende Damm. Der Erbprinz von Braunschweig marschierte durch das Gebirge und besetzte Kirchlengern, um die Verbindung mit ihm zu halten, mußte General von Gilsa mit 3 Batallionen Infanterie und 500 Mann Kavallerie Lübbecke zu besetzen. Der Erbprinz sollte die Brücke bei Gohfeld zu gewinnen trachten, um den Franzosen den Rückzug nach Paderborn und die Verpflegungszufuhr abzuschneiden.

Herzog Ferdinand von Braunschweig (1721–1792)

Am Abend des 31. Juli stand die Armee des Herzogs Ferdinand in folgender Ordnung schlachtbereit. Das gros dehnte sich von Hille bis Friedrichswalde aus und zwar in 2 Treffen aufgeteilt. den rechten Flügel bildete englische und hannoversche Kavallerie. Daran schloß sich nach links englische leichte Artillerie. Das Zentrum bildeten im 1. Treffen die hannoverschen Bataillone Steward, Welsh Fuselier, Garde, Hardenberg, Linstow, Reden und Scheele. Dann kam bückeburgische Artillerie. Hieran schlossen vier hessische Bataillone und 2 braunschweigische. Nun kam wieder englische leichte Artillerie, und auf dem linken Flügel standen das hannoversche Kav.-Regiment Hammerstein und die hessischen Kav.-Regimenter Prinz Wilhelm und Leibregt, sowie Rgt. Hollstein, dahinter im 2 Treffen die hessische Kav. Rgtr. Brüschenk, Miltiz und Finkenstein. Im 2 Treffen des zentrums standen die engl. Regimenter Brudnel und Kingsley sowie hannoversche, hessische und braunschweigische Bataillone. — Die Wangenheimsche Aufstellung bei Totenhausen, 10 000 Mann stark, bildete mit dem Gros einen stumpfen Winkel; auch sie war gebildet durch hannoversche, englische, hessische und bückerburgische Truppen. Auf dem rechten Weserufer standen 2 Inf.-Bataillone und streifte der berühmte Graf Luckner mit seinen Husaren.

Die Absicht des Herzogs Ferdinand, den Feind durch die Aufstellung einer Truppenmacht in seinem Rücken zur Schlacht zu zwingen, gelang vollkommen. Bis am Abend des 31. Juli von den Höhen bei Lübbecke aus der Herzog die Stellungen des Feindes rekognoszierte (Stärke oder Stellung des Feindes erkunden, aufklären) sah er, daß sämtliche vorgeschobenen frnzösischen Abteilungen eingezogen waren. Marschall Contades hatte Befehl gegeben, daß mit Tagesanbruch am 1. August der Herzog von Broglio sich mit seiner gesammten Macht auf das Corps Wangenheim werfen, es umringen und von der Hauptarmee abdrängen sollte. Ein anderer französischer General sollte an der Nordseite des Wesergebirges entlang marschieren und den Damm bei Eichhorst, sowie den Übergang über das Gebirge bei Bergkrichen für einen möglichen Rückzug freihalten. Überhaupt hatte der französiche Herrführer für einen Rückzug weitgehend Sorge getragen, indem er über die Bastau eine Menge Brücken, über Weser sogar deren neunzehn hatte schlagen lassen. Mit Tagesanbruch sollte die ganze französische Hauptmacht zwischen Hahlen und Maulbeerkämpen aufmarschiert sein. Leider finden wir nach schlimmer alter Gewohnheit wieder Deutsche in den Reihen der feinde, nähmlich 2 Brigaden Sachsen unter dem Grafen von der Lausitz auf dem linken französischen Flügel. Im Zentrum seiner Aufstellung wollte der Marschall die gesammte Kavallerie zusammenziehen.

Man kann sich die Spannung denken, die in der Frühe des 1. August auf allen Gemütern lastete. Um 3.30 Uhr erhielt der Herzog durch zwei französische Überläufer die Nachricht, die ganze französische Armee marschiere in 8 Kolonnen heran. Der Prinz von Anhalt, der die Vorposten und Feldwachen befehligte, und die Bewegung des Feindes hätte bemerken müssen, erhielt von dem Herzog den Befehl, den vor der Front liegenden wichtigen Ort Hahlen zu besetzen. Der Herzog selber aber ritt, nur von einem Reitknecht und einem Bauern begleitet, in das Gelände vor und fand den Ort von den Franzosen schon besetzt. Unterdeß flogen schon die Adjutanten über das Feld und brachten den sämtlichen Truppenteilen den Befehl zum Vormarsch. Um 4 Uhr donnerte bei der Armee Broglies der erste Kanonenschuß und damit begann die Schlacht. Aus 64 schweren Geschützen schleuderte die feindliche Artillerie Tod und Verderben gegen das Corps Wangenheim. Aber schnell wie auf dem Exerzierplatz ordnete sich dieses. Seitwärts neben der großen Schanze fuhren mehrere Batterien auf. Ein hochragender hagerer General im roten Waffenrock brachte sie in Stellung und gab ihnen das Ziel. Das war der berühmte Graf Wilhelm von Bückeburg, dessen Kanoniere so sicher im Schießen waren, daß sie einst, während der Graf mit einem fremden Gaste in seinem Zelte beim Mahle saß, auf seine Befehl die Fahnenstange von seinem Zelte herabschossen. Diese Batterien eröffneten nun das Feuer auf das Brogliesche Corps, und als auch die schweren Geschütze in den Verschanzungen ihren Mund auftaten, da schwoll der Geschützkampf so gewaltig an, daß der Donner weit ins Lippische hinein zu hören war.

Die “Lancashire Fusiliers” im Kampf gegen die französische Garde-Kavallerie; Radierung von Richard Caton-Woodville (1901)

Kaum hatte das Ohr des Feldherrn diese Schlachtmusik vernommen, da erhob sich auch in seinem Rücken bei Hille eine heftige Kanonade, wo die Franzosen den Damm Eichhorst zu gewinnen trachteten. Sofort ließ der Herzog die Artillerie dort verstärken und dem General von Gilsa in Lübbecke den Befehl zugehen, mit seiner gesamten Macht dahin aufzubrechen. Als er von seinem Erkundungsritt zurückkehrte, war das ganze Heer in seiner befohlenen Linie aufmarschiert bis auf die Reiterei des rechten Flügels unter Lord Sackville. Der Herzog trieb zur Eile; das Dorf Hahlen wurde den Franzosen sofort wieder abgenommen. Als die Stellung zwischen Hahlen und Stemmen erreicht war, gegen 6 Uhr morgens, stand auf französischer Seite vorläufig nur die Kavallerie am befohlenen Orte, und so traf der Stoß der alliierten Streitkräfte zunächst auf sie. Zugleich ließ Herzog Ferdinand bei der Windmühle vor Hahlen zwei Artillerie-Brigaden auffahren und die heranmarschierende französische Infanterie unter Feuer nehmen. es war ein prächtiger Anblick, als die beiden englischen Bataillone Steward und Welsh Fuselier zusammen mit der hannoverschen Garde und dem Rgt. Hardenberg im Glanz der Morgensonne aus dem Gehölz hervorbrachen. Wohl traf sie ein verderbliches Kreuzfeuer von beiden französischen Flügeln, und kaum gewahrte sie der französische Reiterführer Herzog Bild von Sackville Fitz James, als er elf Schwadronen gegen sie anreiten ließ. Wohl mochte den wackeren Infanteristen das „Männerherz an die Rippen pochen“, als die Reitermasse wie ein Gewittersturm gegen sie heranbrauste, aber bis auf 20 Schritt ließ man sie nahen; dann erst eröffnete man ein vernichtendes Feuer auf sie. Zerissen, verwirrt, fluteten die Reiterregimenter zurück, und der Herzog sandte Befehl an Lord Sackville, mit seiner Reiterei die französische vollends zu vernichten. Aber — der edle Lord blieb aus!

Marquis de Contades (1704–1793

Der Marschall Contades sammelte die Trümmer seiner geschlagenen Kavallerie und ließ zwei Infanterie-Brigaden nebst acht Geschützen vorgehen, die einige vor der Front liegende Häuser und hecken besetzen sollten. Noch aber waren die Truppen im Anmarsch, als sich schon hessische Kavallerie vom linken Flügel der Alliierten in ihre Flanke warf, einen großen Teil niederhieb und beinahe eine ganze Brigade gefangen nahm.

Inzwischen hatte sich die französische Kavallerie wieder gesammelt, und mehrere Reiterbrigaden brachen auf neue gegen die englische und hannoversche Infanterie los. Einen Augenblick schien diese, die im Kreuzfeuer der feindlichen Geschütze mannhaft standzuhalten, unter dem furchtbaren Anprall zu wanken; doch nur einen Augenblick. Dann stand sie wieder und schlug den Angriff erneut ab. Jetzt sandte Herzog Ferdinand mehrere Adjutanten an Lord Sackville mit dem Befehl, nun aber mit seiner Reiterei die Niederlage des Feindes zu vollenden. Zugleich ließ er an dem Wäldchen unweit Hahlen die schwere Artillerie seines rechten Flügels auffahren, die so glänzend zielte und traf, daß in kurzer Zeit die gegenüberliegende feindliche total vernichtet wurde. Und nun erkannte der Herzog schon, daß er in kurzem seinem hohen Verbündeten einen neuen Sieg würde berichten können. Leider meldeten die Adjutanten im nächsten Augenblick, daß der Lord Sackville ihren Worten nicht glauben wolle und sich nicht von der Stelle bewege.

Da die heldenhaften Anstrengungen der englischen und hannoverschen Infanterie allein den Feind nicht zur vollen Flucht zwingen konnten, so ließ der Herzog die Generale Wutginau und Scheele mit Truppen aus dem 2. treffen vorrücken. Noch hatten aber die tapferen französischen Reiter die Hoffnung nicht aufgegeben in einem erneuten Ansturm die so sehr gelichteten Bataillone ihres Gegners über den Haufen zu rennen. Und so setzten denn die Regimenter Gensdarmes und Karabiniers, die glänzendsten Truppen des französischen Heeres, zur Attaque an. Ihnen gelang es in wütenden Ansturm , das 1. Treffen zu durchbrechen, aber aus dem 2. Treffen rückten die englischen Regimenter Brudenel und Kingsley, sowie das Bataillon Wangenheim und hessische Garde vor, warfen die französischen Elitetruppen zum 3. Male zurück und rannten auch noch 4 Bataillone Sachsen unter dem Prinzen Xaver über den Haufen. Zwar stellten sich ihnen die beiden französischen Brigaden Aquitanien und Condé entgegen, aber die schwere hannoversche Artillerie des Generals Braun, die inzwischen vor dem Zentrum aufgefahren war, eröffnete ein so vernichtendes Feuer, daß die beiden Brigaden in völliger Auflösung zurückfluteten. Immer deutlicher zeigte sich jetzt ein entschiedenes Übergewicht auf Seiten der Alliierten. Das versuchte die todesmutige französische Kavallerie noch einmal, in einem vierten Ansturm die Schlachtlinie wieder herzustellen. Aber vom linken Flügel der Verbündeten — der rechte unter Sackville versagte leider vollständig — führte der hessische General von Urff seine Reiterei zu wuchtigem Flankenstoß heran, dem die französische nun endgültig erlag. Damit war die französische Armee im Zentrum und auf dem linken Flügel zurückgeworfen. Wäre Lord Sackville dem Befehle des Herzogs gefolgt, dann wäre die Niederlage der Franzosen eine vernichtende geworden; durch Eigensinn, Feigheit oder Verrat hat er das verhindert, während seine Landsleute zu Fuß an diesem tage neben den deutschen Regimentern sich mit Ruhm bedeckten. Daß er bald darauf abberufen wurde und in England der allgemeinen Verachtung anheimfiel, konnte den angerichteten Schaden nicht wieder gut machen.

Inzwischen waren nicht minder erbitterte Kämpfe auf dem linken Flügel bei Totenhausen ausgefochten worden. Hier stand nahe bei den Maulbeerkämpen, eine große französische Batterie und bestrich das Vorgelände. Tapfere Hessen versuchten mehrmals vergebens, sie zu nehmen. Da brach das hannoversche Leib-Kavallerie-Regiment ein und eröffnete den Grenadieren eine Gasse. Diese nahmen in stürmischen Anlauf die Batterie, wurden aber nicht bloß von der bedeckenden Infanterie, sondern auch von einer weiter rückwärts aufgestellten 2. Batterie mit einem Mörderischen Feuer überschüttet. Da warfen sich diese Braven ohne Säumen mit dem Bajonett auch auf diesen zweiten Gegner; das Hannoversche Kav.-Regiment Hammerstein eilte herbei, und mit vereinten Kräften wurde der feind überwältigt. In diesem Augenblick erschien französische Kavallerie , vom Marschall Broglio gesandt, auf dem Kampfplatz, und in ihnen fanden die Hammersteiner gewichtige Gegner. Da tauchte neben Hammerstein das Regt. Holstein auf, und beide vereint trieben die Kavallerie Broglios in die Flucht. 4 Bataillone Infanterie versuchten einen Damm zu bilden, wurden aber überwältigt und nebst zehn Kanonen und 2 Fahnen gefangen genommen. Inzwischen hatte das überlegene Feuer der verschanzten Batterien bei Totenhausen so verheerend gewirkt, daß auf französischer Seite das Feuer fast ganz verstummt, die Geschütze größtenteils demontiert oder genommen waren.

Lord George Sackville (1716–1785

So war es denn schon am Mittage des ersten August das Schicksal des Tages entschieden und Herzog Ferdinand Sieger der Schlacht bei Minden. Die Franzosen hatten einen Verlust von 3.400 Toten und 2.000 Verwundeten; außerdem gewannen die Verbündeten 22 Kanonen und 7 Fahnen. Broglio, der sich am längsten gehalten hatte, zog sich in ziemlicher Ordnung zurück, besetzte die Gärten bei Minden und deckte den Rückzug. Hätte Lord Sackville getan, wie er sollte, dann wäre Marschall Contades der Sorge um den Rückzug wohl überhoben gewesen. Herzog Ferdinand versammelte auf dem rechten Flügel alles noch verfügbare schweres Geschütz, welches auf die in dichten Massen abziehenden Franzosen ein mörderisches Feuer eröffnete. Unter den gefallenen Franzosen befand sich unter anderem der Marquis von Lafayette, der Vater des bekannten Generals, der in den amerikanischen Freiheitskriegen auf Seiten der Vereinigten Staaten käpfte und später in der Revolution eine Rolle spielte.

Da am gleichen Tage der Erbprinz von Braunschweig bei Gohfeld eine französische Abteilung unter Brissac schlug, die Werrebrücke besetzte und den Franzosen den Rückzug nach Herford und Paderborn verlegte, so flüchteten diese links ausbiegend, weseraufwärts, brachen bei Kalldorf ins Lippische ein, plünderten und raubten, was sich in der Eile mitnehmen ließ, und versuchten, über Lemgo und Detmold nach Paderborn zu gelangen. Doch eine Menge von ihnen erreichte im Lippischen ihr Schicksal. Der immer wache Oberst Freytag überfiel und vernichtete bei Heiligenkirchen die französische Vorhut. Den Hauptstoß der Flüchtigen, der in Detmold und im Schloß sein Unwesen trieb, hob der schneidige hessische General von Urff samt der sehr ansehnlichen Kriegskasse auf. Mit dieser macht Herzog Ferdinand Offizieren und Soldaten seiner Armee namhafte Geschenke. Er selbst erhielt vom König von England ein Geschenk von 20.000 Pfd. Sterling 1Heute ca. 105.000 Euro nebst dem höchsten englischen Orden und ein Jahresgeld von 14.000 Pfund. Die Überbleibsel der französischen Armeen kamen erst an der Lahn wieder zum Stehen.

Wir aber, wenn wir die Taten Friedrichs des Großen preisen, wollen auch dankbar des Mannes gedenken, der ganz allein mit geringen Streitkräften auf dem westlichen Kriegsschauplatze weit überlegene französische Heere im Schach gehalten und in glänzenden Siegen mehrmals überwunden hat, des Siegers von Minden, des Herzogs Ferdinand von Braunschweig.

Anmerkung: Nach dem Friedensschluß lebte Herzog Ferdinand in aller Stille in Magdeburg, Barunschweig und vor allem auf seinem Gute zu Vechelde. Her starb er am 3. Juli 1792. Sein Sarg, der in der Gruft im Dome zu Braunschweig steht, trägt folgende vom Herzog selbst bestimmte Inschrift:

“Ferdinand, Gutsherr von Vechelde von 1746 bis 1792, geboren auf dem kleinen Mosthofe zu Braunschweig am 12. Januar 1721, gestorben den 3 Juli 1792.“

“Großer, aber durch das Blut Jesu Christ, seines Heilands und Erlösers, begnadeter Sünder vor Gott. Hier nur seine irdische Hülle.“

Quelle: Lippischer Dorfkalender 1934 – Von W. Pölert

(Man beachte, dass dieser Bericht 1934 erschienen ist und der Zeit entsprechend verfasst wurde)