Die Verleihung der städtischen Privilegien an Salzuflen

Ansicht der Stadt Salzuflen im Jahre 1647 (von Südwesten). Im Hintergrund rechts Schötmar. Kupferstich von Matthäus Merian.

Am 20. Juni 1447 gingen die blühenden Ortschaften Salzuflen und Ritteruflen, die ein Weichbild bildeten, in Flammen auf. Zur Zeit der Soester Fehde, in der Graf Bernhard VII. zur Lippe es mit der Stadt Soest hielt, verheerten bekanntlich die auf den Ruf des Erzbischofs Dietrich von Köln gegen die Stadt Soest marschierenden Böhmen das Lipperland und mit ihm besonders Salz- und Ritteruflen und auch den Amtsmeierhof Seligenwörden auf das Schrecklichste. Doch es ist erstaunlich, mit welcher Energie und unwahrscheinlichem Erfolg die so auf das Stärkste geschädigte und verminderte Einwohnerschaft gerade in den anschließenden Jahrzehnten an den Wiederaufbau ihres Gemeinwesens herangingen.
So wurden um die Salzquelle herum neue Häuser errichtet, aus dem Obern-und Vierenberge Steine gebrochen und in den Jahren 1450 bis 1470 eine feste Mauer mit mehreren Türmen und Toren um die neue Siedlung herum errichtet. 1464/65 kaufte der Gemeinderat die Mühle „Uppe den Wenden“, die bis zum Jahre 1925 in Betrieb blieb. 1485 erwarb Salzuflen das Recht, Wein- und Biersteuer zu erheben für ein dem Edelherrn Bernhard VII. zur Lippe gegebenes Darlehen. 1487 kauften der Bürgermeister Johann Parnagel und der Rat der Stadt durch allgemeinen Kauf (vermutlich provisorischen Kaufvertrag oder Sicherung des Vorkaufsrechts) das zerstörte Gut „to Seligenwörden“ „in Holz, Feld, Wasser, Weide, Torf und Zwagen mit allen Zubehörungen zwischen dem Wallberge, dem Schwaghofe, dem heiligen Geiste und der Salze“ von den Knappen Heinriech von Friesenhausen und Friedrich von Schwarze.

Kurpark und Kurverwaltung in Bad Salzuflen. (Bildpostkarte)

Es handelte sich aber nur um das halbe Amt. Außerdem waren durch Verkauf und Verpachtung seitens der Abtei schon größere Gebiete in andere Hände übergegangen. Endgültig wurde dieser Teil des Hofes am 10. Januar 1501 gekauft, als sich die Abtei Herford in finanziellen Schwierigkeiten befand. Aber auch die andere Hälfte des Amtsmeierhofes wurde gekauft und zwar am 29. April 1508 durch Bürgermeister Alfermann. Dadurch kam die Stadt Salzuflen in die noch heute in ihrem Besitz befindlichen umfangreichen Wälder, Wiesen, Weiden und Äcker am Obernberge, dem Dahlenbrink, Busch, Samenholz, Seligenwörden und Hollenhagen mit samt dem Kraut- und Brockhofe und mit Gerechtsamen in der Wüste (jetzt Dorf Wüsten). Der Ankauf dieser umfangreichen, später fast restlos in Wälder umgewandelten Besitzungen ist gerade heute von unschätzbarem Wert für die Stadt als Kur- und Fremdenstadt.
Nach diesem erstaunlichen Aufschwung der Stadt mit ihrem wieder erstarkten monopolartigen Salzhandel und nicht zuletzt durch den Wert des Ortes mit seinen festen Mauern und Türmen als „Festung“ erteilte Bernhard der VII. zur Lippe (der Kriegerische) am 28. Mai 1488 die gleichen Privilegien und Freiheiten, wie vordem Lemgo, Hörn, Blomberg und Detmold, d. h. Marktrecht und eigene Gerichtsbarkeit, wodurch Salzuflen zur Stadt erhoben wurde. Tatsächlich aber hatte Salzuflen schon um 1400 herum einen Rat und Bürgermeister, wie aus der Verleihungsurkunde selbst hervorgeht.
Für diese Privilegien erhielt Bernhard VII. den gesamten Markwald am Äsen- und Vierenberge. Die Salzufler Bürger behielten daselbst lediglich die Fallholzgerechtigkeit. Ein langgehegter Wunsch der Salzufler ging endlich in Erfüllung. Von besonderer Bedeutung wirtschaftlicher Art war für einen Ort damals das Marktrecht. Als Markttag wurde der Mittwoch genehmigt und einmal des Sonntags im Jahre, am 29. August eine Kirmes.
Die Urkunde vom 28. Mai 1488 hat folgenden Wortlaut:

„Wy Bernd Edell Herrn tor Lippe bekennen vor uns und unse erven, nahkommen und als wenne in und mit craft dusses breves, dat wy hebben angesein mannigfoldigen truwen denst, de ersonnen unse leven getruwen Borgemester, Rait und gemeynheit to Soltuffelen uns, unser Herschup willichlichin gedan, und up dat se sich mit over buwet den thoren, muren, porten de beth vortsettin, ampte, gilde haben und bruken woigen gelyk anderen unsern Steden; So habben wy gegeven und geven jegenwortige privi-legia friyheit und gnade ton etwaigeb tyden to hebben, beholden und brukende gelyk und in aller maten unsen Steden, den von Lemgo, den von Hörne, den von dem Blomberge und Dethmolden von unsen leven aulden mild erdaicht vor, und uns ehe gegeven sind, hatten und geven one vor eyem frigen market den gudenstag al weken dat jardor und dor, den wy one ok al uth und uth und went tom undergange frigen. Wy und unse erven und nakommen sollen und willen de von Uffelen unse leven getruwän sinder alle lyste und gewerbe by eren aulden wontliken wil-koren und solker friyheit und Privilegien laten, beholden und vorde dingen. Und so des Sundages jahrlich na Decollationis Johannis Baptiste wontlichin de von Uffelen ayne frige kermisse hebben, da wy one hyrmede besteden und dar to friyheit geuen twe dage vor und twe dage na. So sollen sich ok nu fortmer mit over rechtsbelerin-ge to sokinde nach den von Lemgo und Stadt von der Lippe richten“. — Orkunt unse sigel vor uns, unse erven und nakommen witliken an dussen breif don hangen, Anno LXXXVIII, am mittweken na Urbani“.

Als Grenzland, das durch Kriege, Fehden oder Verpfändungen oft den Besitzer wechselte, weicht die Entwicklung Salzuflens bis zur eigentlichen Stadtgründung von den übrigen Städten mehr oder weniger ab. Hier hat zweifellos die vorhandene Salzquelle schon in den ältesten Zeiten der Siedlungen für die Anlegung der letzteren eine Rolle gespielt, bis sich schließlich nach Ausplünderung und Brandschatzung während der Soester Fehde die Überlebenden der zerstörten Siedlungen um die Salzquelle herum fester zusammenschlössen.
Von den zerstreut liegenden Siedlungen zum Dorfe und schließlich zum „Weichbild“, einer Vermischung von Stadt und Dorf, mit einer Ratsverfassung, aber noch keiner städtischen Entwicklung, war Uflen zur Stadt herangewachsen und nachdem es sich eine Mauer mit festen Türmen und Toren erbaut, reif für die städtischen Privilegien jener Zeit.
Nach Dr. E. Kittel: „Zur Gründung der Lippischen Städte“ in den Mitteilungen aus der lippischen Geschichte und Landeskunde, 20. Band, Seite 9, ff. zeigte der Stadtkern keinen planmäßigen Gründungsgrundriß. Salzuflen ist vielmehr für Lippe als einziges Beispiel einer aus einem Dorfe gewachsenen Stadt anzusprechen. Der Stadtkern selbst erscheint nicht am eigentlichen Markt längs der Ostseite des Rathauses, sondern am höher liegenden Hafermarkt gelegen zu haben. (Siehe Diskussionsbeitrag zur Entstehung der lippischen Städte und Burgen von Dr. O. Gaul in den Mitteilungen aus der lipp. Geschichte und Landeskunde, 21. Band, Seite 82, ff.).
Auffallend ist die verhältnismäßig späte Stadtrechtsverleihung an Salzuflen. Dr. Gaul nimmt an, dass daran die Unsicherheit des Pfandbesitzes mit der Wiedereinlösungsmöglichkeit Schuld war. Nach fast 90 jährigem Pfandbesitz erst hat dann Edelherr Bernhard VII. dem gewohnheitsmäßig längst zu den Städten gerechneten Weichbild im Jahre 1488 die üblichen Privilegien verliehen.

(Aus dem Manuskript des Verfassers: „Das neue Heimatbuch mit kleiner Stadtchronik von Bad Salzuflen“).

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