Eine Pferdeleistungsschau wie sie sein soll

Heinz-Günter Winkler mit Pferd "Fidelitas" bei den Olympia-Ausscheidungskämpfen im Springreiten für die Olympischen Spiele 1960 in Tokio.

Die Tage in Bad Salzuflen am 2. und 3. Juni und die in Bad Meinberg am 23. und 24. Juni 1951

Salzuflen hat sich seit der Wiederaufnahme seiner Pferdeleistungsschauen schnell emporgearbeitet. In diesem Jahre schufen Umsicht, Fleiß und guter Wille der beteiligten Organisatoren geradezu eine Musterveranstaltung. Das Gefühl der Pferdebesitzer, Reiterinnen und Reiter für den Geist, den die Veranstalter in ein Turnier legen, ist sehr ausgebildet. Es gereicht uns zur besonderen Genugtuung, berichten zu können, daß in den Teilnehmerkreisen Freude und Befriedigung herrschte, hatte doch der veranstaltende Zucht-, Reit- und Fahrverein Lippe-West, Bad Salzuflen, alles getan, ein hochstehendes Niveau zu schaffen. Ein aktionsfroher Vorstand mit Herrn Erich Graebner an der Spitze, hat sich verantwortungsbewußt aller großen und kleinen Arbeit unterzogen. Voller Dank gebührt auch dem Direktor d. Staatsbades Salzuflen, Herrn G. E. Tetzlass, der geholfen hat, wo zu helfen war. Wir können die lange Kette verdienstvoller Mitarbeiter nicht mit allen Gliedern nennen, möchten aber im Namen der Springreiter doch Herrn F. Grefe in Schötmar erwähnen, der die Hindernisse baute und die Pläne für die Kurse entwarf, wobei er von einem so hervorragenden Fachmanne wie Herrn Rolf Becher unterstützt wurde. Aus der Arbeit dieser beiden Herren entstanden schöne, faire Kurse in den Jagdspringen, wobei die Vorschriften der LPO in bezug auf die Anzahl der Hindernisse und die Abmessungen der Sprünge genau befolgt wurden.

Der vielfache Marathonsieger Herr E. Koch aus Siegen fuhr bei den Mehrspännern die Holsteiner der Herren Schwentker und Mahl, Bielefeld, in bekannter Meisterschaft zum Siege. Foto: Preen

Es war das Jagdspringen der schweren Klasse, in dem die sportliche Seite der Tage von Salzuflen zu einer wirkungsvollen Höhe gedieh. Wie immer bei richtig erbauten und verteilten Hindernissen kamen die Pferde zu großen Leistungen. Vier Pferde passierten den imposanten Kurs ohne Fehler und traten dann über erhöhte Hindernisse zum Stechen an, bis auf Herrn Abel, der feinem trefflichen Allgäu nach überstandener Krankheit nicht zuviel zumuten wollte. Im Stechen blieb nur noch ein Pferd ohne Fehler, und zwar der Reit- und Fahrschule Hoya sechsjährige braune Stute Loni, die mit erstaunlicher Geschicklichkeit, von Herrn O. Meyer wunderbar unterstützt, über die schweren Abmessungen mit absoluter Leichtigkeit flog. Sie Verdankt ihren Sieg wohl in erster Linie der Reitkunst Von Herrn O. Meyer, der es wie kaum ein anderer versteht, aus feinen Springpferden Leistungenherauszuholen, zu denen sie eigentlich noch nicht ganz reif sind. Zweiter wurde mit 4 Fehlern der ausgezeichnete Capt.Wathen auf dem unverwüstlichen Pontius-Pilate in totem Rennen mit Herrn Stemmwedel auf seinem eisernen Nico.

Sonst waren noch sehr gut mit je einem Springfehler gegangen Goliath (H. G. Winkler), Fink (Herr G. Höltig), Max (Herr Weidemann), alle drei aus dem Stalle des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei.

Als Valbo unter Oberstleutnant Carr im Jagdspringen der mittleren Klasse in 41 Sekunden fehlerlos über den Kurs gefegt war, konnte nur noch ein furioser Ritt Balbo von der Spitze Verdrängen. Diesen Ritt zeigte dann der große Siegreiter, Herr H. G. Winkler, auf Rebell in 40 Sekunden. Es war atembeklemmend, die Jagd zu sehen. Loni, die Siegerin vom kommenden Tage, wurde unter O. Meier Dritte, vor Max aus dem Olympia-Stall unter Herrn Weidemann. Zwei Vornholzer Pferde, Arnika (A. Przybylski) und Halali unter Frhr. Hermann Von Nagel, schlossen sich nach meisterhaften Ritten ihrer Steuermanner an.

Das Jagdspringen der leichten Klasse brachte Przybylski auf Angostura (früher Fanny) einen schönen Erfolg in totem Rennen gegen Freya des Herrn W. Heim, Bad Lippspringe, geritten Von Herrn E. Hippe. Loni -(O. Meier), Barry -(Herr G. R. Pfordte) und Feuerstein (Herr R Becher), sowie Rer (Herrv Meier zu Siederdissen) waren die nächsten, Vor zwei weiteren 0 Fehler-Pferden, Donar aus dem Olympia-Stalle unter F. Weidemann und Briane unter Herrn Stemmwedel. Das war das Wichtigste auf dem Gebiete des Springsports

Aus den Dressurprüsungen mußman herausschreiben die mittlere Klasse, in der der Sieger, Herr O. Lörke auf Chronist, ein meisterhastes Solo mehr spielte. Dann kamen Fanal unter Baronesse J. Von Nagel, sowie Afrika unter derselben Reiterinz mit Adular unter Herrn Lörke auf dem nächsten Platze. Ihm-folgten Kerlung unter O. Meier, Hoya, und Hegerose unter Herrn R. Riemann. Dieser Reiter ist lange krank gewesen. Wir freuten uns, ihn wiederhergestellt, in alter Frische im Sattel begrüßen zu können und sind überzeugt, daß er Hegerose, die sehr gut werden wird, schnell weiter fördert. In einer der beiden L-Dressuren war Adular unter Herrn Lörke das überlegene Pferd (0,1) Vor Kerlung (O. Meier, Hoya) und Diana, sowie Hegerose unter R. Riemann. Dressurprüfungen der Klasse A für jüngere und ältere Reiter sowie Materialprüfungen und Eignungsprüfungen für Reitpferde mit großen Feldern belebten das abwechslungsreiche Programm außerordentlich. Hervorzuheben ist der Siegesritt von Herrn E. A. Delius auf dem mächtigen Schimmel Meerkönig in einer Dressurprüfung der leichten Klasse. Herr Delius stellte Meerkönig in ausgezeichneter Berechnung und Abwägung vor. Ein besonders talentierter Reiter ist Herr K. H. Klemme, der mit Fasan (Zweiter) ein sehr befriedigendes Bild bot. Dieser Reiter gewann auch ein Jagdspringen der A-Klasse, das in zwei Abteilungen nach dem Alter der Reiter ausgetragen wurde. Die andere Abteilung«hol»te sich Otto Quent auf seinem bekannten Rappen Faun. Auch Quent war ein doppelter Sieger, da er sich auf der Fuchsstute Fornista ein L-Jagd springen nach energischem Ritte holen konnte.

Der freudig begrüßte internationale Einschlag der Salzufler Tage bekam noch eine besondere Note durch die Teilnahme des holländischen Obersten van der Woort Van Zijp, der in der Eignungsprüfung für Springpferde den dunkelbraunen Punch in der Manier des alten Klassereiters Vorstellte. Reben diesem internationalen Champion glänzte der ländliche Reiter E. Philipp auf der Vierjährigen Stute Fanny und konnte totes Rennen mit der jeweiligen Wertzahl 5,4 erreichen. Colonel van der Voort ritt dann zur Freude des Publikums die ganze Aufgabe der Eignungsprüfung für Springpferde nach der Preisperteilung vor. Der holländische Oberst ist bekanntlich Olyinpia-Sieger, da er 1924 an der Olympiade zu Paris auf seiner unpergeßlichen Stute Silber Piece die Olympia-Military gewonnen hat. Oberst van der Voort gehört zur Zeit einer Alliierten Militärstelle in Bad Salzuflen an.

Um die ländlichen Reit- und Fahrvereine in Lippe steht es nach der Vorstellung, die sie in Bad Salzuflen gaben, recht gut. An einem Mannschafts-Wettkampfe, der sich auf Vormusterung eines Pferdes, Fahrerprüfung, Jagdspringen und Dressurprüfung zusammensetzte, beteiligten sich fünf Vereine. Es siegte der Verein „von Lützow“ aus Herford gegen den Verein ,“Wittekind“ aus Enger. Dann die zweite Abteilung des Vereins ,“von·Lützow“, gefolgt Von dem Verein ,“Lippe West“ aus Salzuflen und dem Verein „Lopshorn“ aus Lage. Es lag eine gesunde, aufmerksame Anstrengung in diesem Treffen. Die Kämpfer der fünf teilnehmenden Vereine taten sich als fleißige, tüchtige Reiter hervor. Ihre Leistungen gereichen der ländlichen Reiterei von Lippe zur hohen Ehre. Man sah in den Vereinen eine ganze Anzahl gut geschulter Reiter, die hohen Anforderungen gewachsen sein würden. Otto Quent ist bekannt. Er hat die Olympia-Vorbereitungs-Military in Bad Harzburg mitgeritten. Besondere Anerkennung Verdient vor allem Herr Dachmeister-Lübbershof für feine ausgezeichneten Mitte auf dem Springpferd Hasso V des Herrn W. Hufen

Siegerehrung in der Eignungsprüfung für Springpferde. Hier glänzt neben dem holländischen Oberst van der Voort van Stij, Inhaber der Olympischen Goldmedaille von 1924, der in der genannten Prüfung den Dunkelbraunen „Punch“ in der Manier des alten Klassenreiters vorstellte, der ländliche Reiter E. Philipp auf der 4jähr. Stute Fanny und konnte totes Rennen mit der Wertzahl 5,4 erreichen. Foto: Preen

Die Prüfungen für Wagenpferde brachten starke Beteiligung und recht gute Gefpanne. aSchwentker und Wahl, Bielefeld, zu fahren. Herr Koch spielte mit bekannter Meisterschaft den Viererzug zusammen und erhielt die goldene Schleife vor dem Viererzug des Herrn E. Graebner. — Das Amazonen-Iagdspringen, das den letzten Tag beschließen sollte, mußte eines wolkenbruchartigen Regens wegen, der den Platz schnell unter Wasser setzte, ausfallen.

Wir würden uns einer Unterlassungssünde schuldig machen, wollten wir nicht die beiden sehr schönen Schaunummern erwähnen. Die Turngemeinde Schötmar verfügte über ausgezeichnete Turner, die in ihren herrlichen Sprüngen über drei Pferde begeisterten. In ihrer Art stand die von vier Zweispännern des Reitervereins Ösingfeld ausgeführte Fahrquadrille gleichfalls absolut auf der Höhe. Reitlehrer Multhaup führte die schwungvolle, genau gefahrene Quadrille vor.

Herrn R. A. Abès Regiekunst lag über dem Ganzen und wies allen Dingen, wie immer wohl abgewogen, Zeit, Raum und musterhafke Abwicklung an.

Das schöne Stadion Flachsheide bot der Salzufler Leistungs-Pferdeschau einen großartigen Rahmen. Es liegt eingebettet zwischen grünen Hügeln und schönen Bäumen sowie dem Blütenschmuck eines herrlichen Stückchens Erde. Lippe ist ein Pferde- und Reiterland.

Die Bewohner der Städte und Dorfer sind voll Interesse für das Pferd und seine Leistungen. So fiel der Besuch glänzend aus und hat der ganzen Veranstaltung in den weitesten Kreisen Beifall und Ansehen gebracht. Es scheint uns gewiß, daß Salzuflen den errungenen Sieg halten wird. Noch mehr! Eine Steigerung von Ausmaß und Bedeutung des Salzufler Turniers ist für die Zukunft wohl sicher.

Das 17. Lippische Landesturnier in Bad Meinberg war für den 23. und 24. Juni ausgeschrieben. Neben dem Mannschaftswettkampf der lippischen Reitervereine um die Landesverbandsstandarte gab es Prüfungen nur für Mitglieder des Landesverbandes Lippe, solche für ländliche Reiter aus Westfalen und Niedersachsen und Prüfungen für alle Reiter und Pferde, wobei die Dressurprüfungen und Jagdspringen bis zur Klasse S gingen. 220 Pferde lautete das Nennungsergebnis. Die Beteiligung am lippischen Mannschaftswettkampf war in diesem Jahr leider sehr schwach. Sieger wurde wieder der ZRFV Werl-Lockhausen. Die Prüfungen für die ländlichen Reiter Westfalens und Niedersachsens erhielten ihre besondere Note durch die Teilnahme einiger Reiter- und Pferde der im Bundeswettkampf siegreichen Westfalenmannschaft und des Provinzialsiegers 1950 ZRFV Westbevern, die in Meinberg nicht weniger als fünf Siege und mehrere gute Plätze für sich verbuchten, von denen auf das Konto von Aliso (A. Schulze-Althoff) allein 4 Siege kamen. In der offenen L-Dressur triumphierte er sogar über den alten Dorffrieden (W. Schönwald). Das Gestüt Vornholz und D. Lörke hatten in den Dressurprüfungen M und S schweres Geschütz aufgefahren, mit dem Erfolge, daß sie die Situation vollständig beherrschten. In der M-Dressur lautete die Reihenfolge: Fanal (Baronesse Ida Nagel), Chronist, Dorffrieden, Afrika, Hegerose, Adular, Bautz, und in der S-Dressur: Chronist, Adular, Fanal, Afrika, Dorffrieden, Bautz, Hegerose. In den offenen Jagdspringen war F. Thiedemann der gefeierte Held des Tages, gewann er doch alle drei Springen, und zwar das Jagdspringen Kl. L mit Fatima vor Hofrat (A. Przyzlski) und Orlan (Vestring), Kl. M mit Original Holsatia vor Farina (Herb. Frick) und Nordsturm und Kl. Sa mit Nordsturm vor Meteor (Thiedemann) u. Delia (G. Temme). Einzigartig war wiederum die feierliche Preisverteilung. Jeder placierte Reiter erhielt einen Ehrenpreis zusätzlich zum gewonnenen Geldpreis.

Quelle: Lippischer Kalender 1951 – Nach den Berichten des „St. Georg“ 7/51 u. 9/51.