Kirche, Linde und Alter Krug zu Reelkirchen

Alte Linde und Kirchplatz in Reelkirchen. Lippe2Web 2016

Der Blick auf den ehrwürdigen Friedhof von Reelkirchen — wie er sich auf dem Titelbild dem Beschauer darbietet — erfreut seit vielen Jahrhunderten in jedem Frühling von neuem Einheimische und Auswärtige. Hat die Kirche seit ihrem Bestehen auch einige Male Gestalt und Form verändert, sind Stamm und Äste der tausendjährigen Linde umfangreicher und knorriger im Zeitenlauf geworden, das Azurblau des Himmels, dem die Spitze des Kirchleins entgegenstrebt, die Würde, die das Gotteshaus ausstrahlt, das zarte, helle Grün der Lindenblätter, die eben erst ihre dunkle Blatthülle abgestreift haben, die Stille und die Schönheit des die Kirche umgebenden Friedhofes mit seinen Grabsteinen ziehen immer wieder zahlreiche Besucher in ihren Bann. Wie oft mag schon die Frage nach dem wirklichen Alter der Kirche gestellt worden sein? Darauf könnte uns nur die Kirche selbst Antwort geben. Aber sie schweigt. Wir wissen nur, dass Karl der Große nach dem Sieg über die Sachsen mit der Christianisierung begann und überall in dem besiegten Lande Kirchen errichten ließ, sogenannte Urpfarreien. Um den Bewohnern den Kirchweg zu erleichtern, baute man bald weitere, die Stammkirchen, deren erste Gründungsperiode um 900 als abgeschlossen galt1). Zu diesen Stammkirchen gehören im Wetigau auf lippischem Boden Reelkirchen und Bega. Die erste überlieferte urkundliche Erwähnung der Pfarre datiert von 1231. Und da es keine genaueren Untersuchungsergebnisse über das Alter der hiesigen Kirche gibt, bleibt die frühmittelalterliche Geschichte des Gotteshauses vorerst auf Deutungen angewiesen. Die erste uns bekannte Reelkirchener Persönlichkeit ist der im Jahre 1194 als Zeuge des Paderborner Bischofs auftretende Hildeboldus von Reilegenkerken2). Seine Vorfahren, die vermutlich Grundbesitz in Reelkirchen besaßen, haben vielleicht Grund und Boden des Gotteshauses gestiftet. Was könnte sonst die Gründer bewogen haben, die Kirche für das Blomberger Becken gerade hier und nicht an einem schon reicher bevölkerten Orte der Umgebung zu errichten? Waren die verkehrsgünstige und die Hanglage des Ortes Reelkirchen die einzigen Beweggründe? Auf jeden Fall hat man den schönsten Platz gewählt. Im Jahre 1231 ist die Einteilung des Bistums Paderborn in 6 Archidiakonate neu festgesetzt. Reelkirchen unterstand jetzt dem Archidiakonat Steinheim. Zum Pfarrbezirk Reelkirchen gehörten anfangs Reelkirchen, Herrentrup, Höntrup, Wellentrup, Istrup, Blomberg, Siebenhöfen, Tintrup, Maspe, Borkhausen, Gut Belle, Wehren und die Capelle Cappel. Mit der Stadtgründung Blombergs vor 1255 wurde Blomberg selbständig und Cappel ebenfalls noch im 13. Jahrhundert. Der Schutzheilige unserer Kirche heißt Liborius und ist im Bogenfeld über dem nördlichen Säulenportal als Halbfigur zu sehen. Um 310 in Le Mans in Frankreich geboren, hat er sich in 50 jähriger aufopfernder Arbeit um die Kirche große Verdienste erworben. Seine Reliquien sind 836 nach Paderborn überführt, und er wurde seither bis zur Reformationszeit als Patron unserer Kirche verehrt. Als Wehrkirche war ihr die erhöhte Lage ein besonderer Schutz. Früher hatte die Bevölkerung das Gefühl, Leben, Hab und Gut seien in der Kirche am besten aufgehoben; darum flüchtete sie in Zeiten der Not in das Innere. Die bis heute erhaltenen Schießscharten deuten auch bei unserer Kirche auf eine frühere Verteidigungsanlage hin.

Nordportal der Kirche mit der Liboriusfigur Foto: Schönlau, Quelle: Heimatland Lippe

Mehrere Bauperioden hat das Gotteshaus aufzuweisen. Der untere Teil des Turmes auf der Westseite ist vermutlich ein Stück der Urkirche. Seine quadratische Grundfläche weist ein massiges Mauerwerk von 1,50 m Stärke auf. In ziemlicher Höhe befinden sich 3 Fensterarkaden außer 2 schmalen Lichtspalten. Das Kirchendach lag früher tiefer. In Höhe der Fenster hingen die Glocken. Nun sind sie hinter den Turmdachfenstern ein Stockwerk höher angebracht. In halber Turmhöhe liegt ein rechteckiger Strahlenkranz, von dem die Sparren der unteren Turmspitze getragen werden. Den geraden Sparren der unteren Turmdachhälfte sind „krumme“ Hölzer aufgelegt, um das Gerüst für des Turmes „Krinoline“ zu erhalten. Nach Norden reicht das Kirchenschiff fast 2, nach Süden 1 m über den Turm hinaus. Ein vollkommener Rundbogen verbindet Turm und Schiff miteinander. Im Kirchinneren ruhen auf Pfeilern mächtige Gewölbekuppeln, die schon ein wenig gotischen Einschlag zeigen. Wie wirkungsvoll mag hier die frühere ornamentale, in lebhaften Farben gehaltene Bemalung gewesen sein! Dem Längsschiff ist nach Süden ein Querschiff angebaut, das die Orgel trägt. Nach Osten hin hat man den schmaleren Chorteil angefügt. An den Kirchenfenstern ist noch die alte rundbogige Form zu erkennen. Reich und sorgfältig ist die Steinmetzkunst im Kirchenschiff ausgeführt. Die leicht zugespitzte Form der Bögen verrät auch schon eine Spur von Gotik. Nur wenige Kirchen haben wie die unsrige einen reich profilierten Sockel an Schiff und Chor, außerdem zwei ungewöhnlich üppig verzierte Portale, von denen das südliche frühere Hauptportal später zugemauert ist. An der südlichen Außenmauer ist hier eine abgeschabte Stelle zu erblicken, von welcher der Volksmund zu berichten weiß, dass hier früher sämtliche Krieger, bevor sie in den Kampf zogen, ihre Schwerter schärften, um auf diese Weise Gottes Segen mitzunehmen. Das Nordportal stellt mit dem um das Portal herumgeführten Sockelprofil, den beiden Säulen am Gewände, dem Bogenfeld mit Blattgerank und der schon erwähnten Halbfigur des hl. Liborius ein vorzügliches Werk spätromanischer Kunst dar. Es mögen hier auch die beiden Steinfiguren erwähnt werden, die am Chorgiebel angebracht sind: Die eine zeigt einen Löwenkopf, die andere einen Engel, der seine Arme auf ein Pult stützt. Unsere Kirche ist nach Aussagen Sachverständiger das einzige Gotteshaus in Lippe, an dem zu damaliger Zeit Ornamentsteinmetzen tätig waren. Fachleute haben auch herausgefunden, dass der erste Um- und Erweiterungsbau um 1300 vorgenommen ist, der zweite um etwa 1587. Dass eine dritte bauliche Veränderung 1667 war, zeigt diese Zahl auf der jetzigen Kanzel mit dem Namen des Pastors Amelung Grothus und dem Spruch: „kein stummer Hund, kein beißender Hund.“ Auch der jetzt entfernte Kanzeldeckel zeigte neben einer Inschrift die Jahreszahl „A. Chr. 1667″ Vermutlich hat zu Beginn des 18. Jahrhunderts der Turm seine heutige Gestalt erhalten, dessen Barockhelm vielleicht nicht gut zum Unterbau paßt, aber dem Turm eine eigene Note verleiht. Im unteren Turmquadrat befinden sich heute die Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen und Vermißten des Kirchspiels aus beiden Weltkriegen. Die Beseitigung der Priechen von Schiff und Chor im Jahre 1953 lassen deutlicher den spätromanischen Stil des Kirchenraumes erkennen. Im Chorraum ist 1963 ein neues Fenster mit Farbornamenten angebracht. Seine Lichtreflexe weisen auf die Mitte des Chorraumes, wo der neue Abendmahlstisch mit dem Spruch: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut“, die Kirchgänger zum Abendmahl einlädt. In den Innenwänden des Chorteils finden sich kleine und größere Nischen, die noch auf die katholische Zeit des Kirchleins hinweisen und vielleicht Sakramentshäuschen waren. Bis vor zwei Jahren hat die 1952 von Hans Henrich Post aus Hörn gelieferte Orgel ihren Dienst getan. 1618 hat man sie ihrer Metallpfeifen und der Bälge beraubt — ein Opfer des Dreißigjährigen Krieges. Wird ihre Nachfolgerin, die 1970 von der Firma Steinmann-Vlotho erbaute neue Orgel auch solange im Dienst bleiben? Unsere älteste Glocke stammt aus dem Jahre 1492 und trägt folgende Inschrift: „jhesus bin ick genant, min luet ist wal bekannt, de minschen rope ick to komen, tho sine seien fromen. Anno Dom. MCCCCXCII. (Sie hat den Ton e 1). Die zweite ist wie folgt beschriftet: „Ich rufe zum Gottesdienst und meld die Sterblichkeit, drum werde der mich hört zur Kirche und Todt bereit.“ „Unter der Regierung mit Zustimmung des erlauchtesten Grafen und Herrn Kasimir, Grafen und sehr edlen Herrn zur Lippe, haben mich zum Lobe Gottes im Jahre 1669 Herr Ameling Grothus, Pastor; Henrich Koller, Meyer Hans zu Istorf, Kirchen-dechen, machen lassen. — Bernd Biere, Cüster.“ Ohne Jahresangabe war die dritte Glocke mit dem Ton hl (Ton gis 1). — Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ Für die beiden letztgenannten Bronzeglocken, die 1917 im ersten Weltkrieg abgeliefert werden mussten, sind 2 neue Stahlglocken 1922 angeschafft, deren Töne sind: gis und h 1. Wie oft mögen die Glocken geläutet haben im Lauf der Jahrhunderte bei frohen festlichen Gelegenheiten, bei Trauerfeiern oder wenn sie in Kriegs- und Feuersnot die Menschen um Hilfe riefen? Ist Glockengeläut im Blomberger Becken auch wohl erschallt, als vor etwa 800 Jahren das Land Lippe seine Selbständigkeit durch den Edelherrn Bernhard II. erhalten hat?

Das Kircheninnere nach der letzten Renovierung. Quelle: Heimatland Lippe

Mehrere Bauperioden hat das Gotteshaus aufzuweisen. Der untere Teil des Turmes auf der Westseite ist vermutlich ein Stück der Urkirche. Seine quadratische Grundfläche weist ein massiges Mauerwerk von 1,50 m Stärke auf. In ziemlicher Höhe befinden sich 3 Fensterarkaden außer 2 schmalen Lichtspalten. Das Kirchendach lag früher tiefer. In Höhe der Fenster hingen die Glocken. Nun sind sie hinter den Turmdachfenstern ein Stockwerk höher angebracht. In halber Turmhöhe liegt ein rechteckiger Strahlenkranz, von dem die Sparren der unteren Turmspitze getragen werden. Den geraden Sparren der unteren Turmdachhälfte sind „krumme“ Hölzer aufgelegt, um das Gerüst für des Turmes „Krinoline“ zu erhalten. Nach Norden reicht das Kirchenschiff fast 2, nach Süden 1 m über den Turm hinaus. Ein vollkommener Rundbogen verbindet Turm und Schiff miteinander. Im Kirchinneren ruhen auf Pfeilern mächtige Gewölbekuppeln, die schon ein wenig gotischen Einschlag zeigen. Wie wirkungsvoll mag hier die frühere ornamentale, in lebhaften Farben gehaltene Bemalung gewesen sein! Dem Längsschiff ist nach Süden ein Querschiff angebaut, das die Orgel trägt. Nach Osten hin hat man den schmaleren Chorteil angefügt. An den Kirchenfenstern ist noch die alte rundbogige Form zu erkennen. Reich und sorgfältig ist die Steinmetzkunst im Kirchenschiff ausgeführt. Die leicht zugespitzte Form der Bögen verrät auch schon eine Spur von Gotik. Nur wenige Kirchen haben wie die unsrige einen reich profilierten Sockel an Schiff und Chor, außerdem zwei ungewöhnlich üppig verzierte Portale, von denen das südliche frühere Hauptportal später zugemauert ist. An der südlichen Außenmauer ist hier eine abgeschabte Stelle zu erblicken, von welcher der Volksmund zu berichten weiß, dass hier früher sämtliche Krieger, bevor sie in den Kampf zogen, ihre Schwerter schärften, um auf diese Weise Gottes Segen mitzunehmen. Das Nordportal stellt mit dem um das Portal herumgeführten Sockelprofil, den beiden Säulen am Gewände, dem Bogenfeld mit Blattgerank und der schon erwähnten Halbfigur des hl. Liborius ein vorzügliches Werk spätromanischer Kunst dar. Es mögen hier auch die beiden Steinfiguren erwähnt werden, die am Chorgiebel angebracht sind: Die eine zeigt einen Löwenkopf, die andere einen Engel, der seine Arme auf ein Pult stützt. Unsere Kirche ist nach Aussagen Sachverständiger das einzige Gotteshaus in Lippe, an dem zu damaliger Zeit Ornamentsteinmetzen tätig waren. Fachleute haben auch herausgefunden, dass der erste Um- und Erweiterungsbau um 1300 vorgenommen ist, der zweite um etwa 1587. Dass eine dritte bauliche Veränderung 1667 war, zeigt diese Zahl auf der jetzigen Kanzel mit dem Namen des Pastors Amelung Grothus und dem Spruch: „kein stummer Hund, kein beißender Hund.“ Auch der jetzt entfernte Kanzeldeckel zeigte neben einer Inschrift die Jahreszahl „A. Chr. 1667″ Vermutlich hat zu Beginn des 18. Jahrhunderts der Turm seine heutige Gestalt erhalten, dessen Barockhelm vielleicht nicht gut zum Unterbau paßt, aber dem Turm eine eigene Note verleiht. Im unteren Turmquadrat befinden sich heute die Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen und Vermißten des Kirchspiels aus beiden Weltkriegen. Die Beseitigung der Priechen von Schiff und Chor im Jahre 1953 lassen deutlicher den spätromanischen Stil des Kirchenraumes erkennen. Im Chorraum ist 1963 ein neues Fenster mit Farbornamenten angebracht. Seine Lichtreflexe weisen auf die Mitte des Chorraumes, wo der neue Abendmahlstisch mit dem Spruch: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut“, die Kirchgänger zum Abendmahl einlädt. In den Innenwänden des Chorteils finden sich kleine und größere Nischen, die noch auf die katholische Zeit des Kirchleins hinweisen und vielleicht Sakramentshäuschen waren. Bis vor zwei Jahren hat die 1952 von Hans Henrich Post aus Hörn gelieferte Orgel ihren Dienst getan. 1618 hat man sie ihrer Metallpfeifen und der Bälge beraubt — ein Opfer des Dreißigjährigen Krieges. Wird ihre Nachfolgerin, die 1970 von der Firma Steinmann-Vlotho erbaute neue Orgel auch solange im Dienst bleiben? Unsere älteste Glocke stammt aus dem Jahre 1492 und trägt folgende Inschrift: „jhesus bin ick genant, min luet ist wal bekannt, de minschen rope ick to komen, tho sine seien fromen. Anno Dom. MCCCCXCII. (Sie hat den Ton e 1). Die zweite ist wie folgt beschriftet: „Ich rufe zum Gottesdienst und meld die Sterblichkeit, drum werde der mich hört zur Kirche und Todt bereit.“ „Unter der Regierung mit Zustimmung des erlauchtesten Grafen und Herrn Kasimir, Grafen und sehr edlen Herrn zur Lippe, haben mich zum Lobe Gottes im Jahre 1669 Herr Ameling Grothus, Pastor; Henrich Koller, Meyer Hans zu Istorf, Kirchen-dechen, machen lassen. — Bernd Biere, Cüster.“ Ohne Jahresangabe war die dritte Glocke mit dem Ton hl (Ton gis 1). — Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ Für die beiden letztgenannten Bronzeglocken, die 1917 im ersten Weltkrieg abgeliefert werden mussten, sind 2 neue Stahlglocken 1922 angeschafft, deren Töne sind: gis und h 1. Wie oft mögen die Glocken geläutet haben im Lauf der Jahrhunderte bei frohen festlichen Gelegenheiten, bei Trauerfeiern oder wenn sie in Kriegs- und Feuersnot die Menschen um Hilfe riefen? Ist Glockengeläut im Blomberger Becken auch wohl erschallt, als vor etwa 800 Jahren das Land Lippe seine Selbständigkeit durch den Edelherrn Bernhard II. erhalten hat?

Madonnenbildnis, dem 1430 die Kapelle von Wilbasen geweiht wurde. Heutiger Aufbewahrungsort ist das Landesmuseum in Detmold. Quelle: Heimatland Lippe

Einmal hat sich eine Taufgesellschaft bei dieser „Stärkung“ so angeregt unterhalten, dass man den Säugling mitzunehmen vergaß. Erst zu Hause merkte man sein Fehlen und holte schleunigst den schlafenden Täufling nach. An Dom- und Stiftskirchen gab es im Mittelalter kirchliche Bruderschaften, die zuerst aus Geistlichen, später auch aus Laien bestanden. Sie waren beauftragt, untereinander Seelenmessen zu lesen, Gottesdienste zu halten und für die Armen zu sorgen. In Reelkirchen gab es 4 solcher Bruderschaften, die man Kalande nannte nach dem üblichen Treffen am Monatsersten (Calendae). Sie besaßen ein großes Vermögen, so dass sie reichlich Almosen austeilen konnten. Die Bruderschaft „Liborie“ besaß eine reiche Kornrente. Mit einem Gottesdienst leitete man die monatlichen Zusammenkünfte ein und beendete sie mit einer gemeinsamen Mahlzeit. Dass die letztere im Küsterkruge eingenommen wurde, ist anzunehmen. Zu Beginn der Reformationszeit lösten sich diese Bruderschaften allmählich auf. Im Dreißigjährigen Krieg (1630) ist der ganze Krug eingeäschert worden. Daß der Krüger selbst sich Krugküster nannte, berichtet ein altes Aktenstück aus dem Jahre 1676. Noch heute gibt es dem Krug gegenüber ein Fachwerkgebäude mit der Inschrift: „Hans Caspar Krugküster 1719″ Die Bindung des Kruges an die Kirche ging verloren, als die Schule sich vom Zwang des Küsterdienstes befreite. Der Alte Krug aber besteht nach wie vor und befindet sich seit 114 Jahren im Besitz der Familie des Kaufmanns Diekmann. Von den Pfarrern, die in Reelkirchen das Wort Gottes verkündeten, sind uns seit 1398 dreißig bekannt. Acht unter ihnen wirkten hier zu der Zeit, da die Reformation noch nicht Eingang gefunden hatte. Von dem neunten, Johann Müssmann, heißt es: „Er war der erste evangelische Pastor in Reelkirchen“ von 1527 – 1562. Die große kirchliche Umwandlung machte den Pfarrern anfangs ihren Dienst recht schwer. Die ländliche Bevölkerung sträubte sich, den neuen Glauben anzunehmen und aus Trotz, so schreibt Butterweck „enthielten sich manche des Nachtmahls“ Als Graf Simon VI. mit seinem Beauftragten Dreckmeier daranging, die Kirchenlehre von allen katholischen Bräuchen zu befreien und eine neue Kirchenreform durchzuführen, begann damit die zweite Reformation in Lippe, und so wurde Lippe kalvinistisch im Jahre 1605. In den Dörfern richtete man sich wenig nach der neuen Lehre; noch im Jahre 1618 kam sowohl für andere Kirchspiele als auch für Reelkirchen eine Anordnung: „Die Flügel auf dem Altar und andere Götzenbilder sollen mit Zuziehung der Beamten abgeschafft werden.** Als 1. reformierter Pfarrer ist uns Adolf Latomus bekannt. Er hatte mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Dass die Kirchenzucht in damaliger Zeit besonders scharf war, besagt folgendes: „Wegen eines Vergehens musste der Küster als Missetäter im Jahre 1590 im Büßerhemd und einem Licht in der Hand vor der Gemeinde stehen. Der Krüger von Wellentrup wurde 1713 an zwei Sonntagen an den Pranger gestellt, weil er betrunken in das Gotteshaus kam. Eine Ehebrecherin musste die Karre schieben und vor dem Presbyterium Buße tun. (Nach Butterweck). Nach der Reformation begann die Kirchenbehörde Schulen einzurichten. Luthers Worte: „Es ist an einem Schulmeister soviel gelegen, wie an einem Pfarrer“, fanden Anklang. Kirchenakten berichten, dass bald nach 1571 auch in Reelkirchen der Versuch einer Schulgründung gemacht wurde. Den Unterricht hielten anfangs die Küster. Reelkirchens erster im Jahre 1587 nannte sich selbst Johannes Küster und war der Schwiegervater des Junkers Jost von Friesenhausen. 8) « Von Simon Jäger sen. ist zu berichten, dass er beim Versuch, die Abendmahlsgeräte vor den Horden des Dreißigjährigen Krieges zu schützen, sein Leben lassen mußte. Sein Sohn Simon, als sein Nachfolger, stellte bei einem Disput mit dem Superintendenten Abraham Theopold-Blomberg, 1643 zum ersten Mal in der Schulgeschichte die Frage, die lange Kirche und Schule bewegt hat: „Was hat der Küster überhaupt mit der Schule zu tun? Die Schulverwaltung gehöret an die Küstereien nicht!“ Als Filiale des Sprengeis Reelkirchen galt früher die Kapelle zu Wilbasen. Schon 1146 wird nach den Lipp. Regesten Bd. I in einer Urkunde der Zehnte zu Wilbodessum erwähnt. Graf Simon III. und seine Gemahlin stifteten 1398 in Wilbasen auf der Stätte eines alten Freistuhls eine Kapelle mit Erlaubnis des Kirchherrn zu Reelkirchen und gaben dazu 14 Stücke Land und 62 Mark, welche zum Zehnten im Reckenbruch im Herrentruper Felde gehörten. Eine Zeit lang diente die Kapelle den Edelherren zur Lippe und dem Adel der Umgebung als Familiengruft. Nach Piderits Chronik sind dort in der Folgezeit viele Kranke und Gebrechliche durch Gebete geheilt und die „Fesseln und eiserne Bande, die die Türken und andere Tyrannen armen Christen mit Gewalt anlegten, sind dort ohne Zutun abgefallen.“ Die Bedeutung der Kapelle ließ mit der Stiftung des Blomberger Klosters im späten Mittelalter allmählich nach. Doch hielt bis 1620 der Pfarrer von Reelkirchen in der Kapelle zu Wilbasen für die Armen und Gebrechlichen Gottesdienste und teilte das Abendmahl aus. Im Jahre 1708 wurde die Kapelle abgebrochen. Als Erinnerung an jene Zeit, da Wilbasen ein Teil des Sprengeis Reelkirchen war, ist uns der alljährlich im Herbst wiederkehrende Vieh- und Krammarkt geblieben, den alle Bewohner im weiten Umkreis besuchen. Zum Schluss sei noch auf zwei Denkmäler des Titelbildes hingewiesen, die neben denen aus Sandstein dem Betrachter auffallen mögen. Es ist dem Hauptportal gegenüber ein kleiner schwarzer Marmorstein mit dem Namen des Superintendenten Werner Weßel, der von 1877 — 1904 in Reelkirchen amtierte und dessen Geschlecht 250 Jahre hervorragenden Einfluss auf das kirchliche Geschehen in Lippe hatte.

Pastor Schönfeld reitet auf seiner Liese zu einer Beerdigung. Nach einer Federzeichnung von Emil Zeiß — (Lippisches Landesmuseum Detmold). Quelle: Heimatland Lippe

Sodann zeigt uns an der Vorderwand der Kirche am Wege vor dem Haupteingang ein hohes schmiedeeisernes Kreuz die Grabstätte unseres bekanntesten und volkstümlichsten Pfarrers, Heinrich Schönfeld, der 55 Jahre von 1795 1850 in hiesiger Gemeinde wirkte. Weerth schreibt über ihn: „In Reelkirchen wohnt ein menschenfreundlicher Pastor mit kindlichem Sinn, namens Schönfeld, der der Jugend gern jedes Opfer bringt und sich bei seinem Frohsinn nicht sehr kümmert, wenn man ihn oft nicht versteht.“ Immer hatte er neue Einfälle, und sein Ideenreichtum war groß. Dass es ihm an Gottvertrauen und eigenem Mut nicht fehlte, zeigte sein tapferes Verhalten in der Neujahrsnacht 1799/1800, als er einem Überfall von 40 Räubern mehrere Stunden lang stand hielt. Viele Anekdoten und Sagen, die um sein Leben und Wirken ranken, halten die Erinnerung an diesen hervorragenden Seelsorger im Volke wach.

Heimatland Lippe: Mai 1972,

Von Berta u. Heinrich Plöger Quelle: 1) Kittel, Geschichte des Landes Lippe, 2) Erhard, Regestanhistoriae Westfaliae II, Nr. 538 a, 1194 *) Staatsarchiv Detmold: Adlige Personen und Bedienstete (16 52. S. 157). 1. Literatur: Kittel, Erich, Geschichte des Lan des Lippe-Detmold 1957 Butterweck, Geschichte d. Lipp. Landeskirche Schötmar 1926. Gaul, Otto, Die romanische Dorfkirche in Lippe Detmold 1950. Preuß, Otto, Die baulichen Altertümer des Landes Lippe 1873, 1881. Wiemann, August, Dorfgeschichten im lipp. Dorfkalender 1933. Mertens, der hl. Liborius, sein Leben, seine Verehrung, seine Religion. Paderborn 1873. Plöger, H. u. B., Reelkirchen, Geschichte eines lippischen Kirchdorfes 1967 Gedruckte Quellen: Preuß und Falkmann, Lippische Regesten Lemgo u. Detmold 1860. Ungedruckte Quellen: Kirchenbücher der ev.-ref. Kirchengemeinde Reelkirchen ab 1667.