Lieme, eine der Urgemeinden des Lippischen Landes

Lieme bei Lemgo, Ansichtskarte

Ein kurzer Gang durch die Geschichte des Dorfes

Den Fahrgast der Eisenbahn Hameln bis Bielefeld, der in der Nähe der Station Hörstmar seine Blicke nach Nordwesten schweifen läßt, grüßt in etwa zwei Kilometer Entfernung der schmucke Turm der neuen Kirche in Lieme. Von den Häusern des Dorfes ist kaum etwas zu sehen; sie ducken sich in die Niederung des Begatales, das sich schon hier zu der Schötmarschen Ebene hin ausbreitet, in der sich Bega und Werre vereinigen.
Das Dorf liegt unmittelbar an der Bega, etwa fünf Kilometer unterhalb Lemgo, an der Stelle, wo sich von Norden her die Ilse und von Süden der Ötternbach in sie ergießen. Es ist auf dem Boden des alten Flußbettes erbaut: die ersten Siedler ließen sich hier nieder, als die Bega sich in ihre jetzige schmale Rinne zurückgezogen hatte. Die alte Uferböschung erhebt sich dicht hinter der nördlichen Häuserzeile, diese stellenweise merklich überragend. Die Tiefenlage des Dorfes hatte den Nachteil, daß es nach starkem Gewitterregen und plötzlicher Schneeschmelze vielfach von lästigen Überschwemmungen heimgesucht wurde und daß Straßen und Wege bei nasser Witterung fast unbegehbar waren. Durch Begradigung der Bega und modernen Straßenbau ist in erheblichem Umfange Abhilfe geschaffen worden.
Die heutigen Hauptverkehrsstraßen (Herford—Lemgo—Hameln und Bielefeld—Lage—Lemgo) sowie die schon genannte Eisenbahnlinie berühren Lieme nicht, während im Mittelalter die Heerstraße von Bielefeld nach Lemgo durch das Dorf führte.
Wenn zu den Urgemeinden unseres Landes alle die Orte mit „Gemeine“, „Gemeinheit“, „Burmeine“, „gemeine Hude“ und „Allmende“ zu rechnen sind, so gehört Lieme unbedingt dazu, denn im Weichbild des Dorfes dehnten sich neben den Äckern der Hofbesitzer Triften und Heideflächen aus, die gemeinsamer Besitz des Dorfes waren. Auf ihnen weidete der Dorfhirte die Kühe, während „der Schwein“ das Borstenvieh zur Mast in die Feldgehölze, unter die Buchen und lichten Eichenbestände (plattdeutsch „Schiereken“) zur Mast trieb. Zu der Liemer Gemeinheit gehörte vor allem die Hengstheide. Auf dieser hatten der Meier Barthold und Meier Jobst von den Wittigenhöfen bei Leese das Mithuderecht für Schafe, was vielfach zu Streitereien und gerichtlichen Auseinandersetzungen Anlaß gab.

Daß Lieme eine der ältesten Siedlungen des Landes ist, geht auch aus dem Namen, ursprünglich „Up dem Lime“, d. h. auf dem Lehme, hervor, denn solche Ortsnamen, die von der Bodengestalt oder Bodenbeschaffenheit abgeleitet sind, gehen in die sächsische Zeit vor dem Jahre 800 zurück.

Die erste Erwähnung unseres Dorfes geschieht in einer Urkunde aus dem Jahre 1149, in welcher der Bischof Bernhard von Paderborn die Stiftung des Nonnenklosters Wilbodessen und dessen Ausstattung mit den von verschiedenen Personen geschenkten Gütern bescheinigt. Zu den Gütern, die im einzelnen aufgeführt werden, gehören auch zwei Häuser in Lie me go. Hier ist doch wohl unser Lieme als der Hauptort im Gebiet des G a u heiligtums zu St. Johann und nicht die erst später gegründete Stadt Lemgo gemeint.

Ein Blick in die Vergangenheit

Als Personenname kommt Lieme in einem Lehnsbriefe der Grafen von Sternberg vom 11. November 1251 vor, in dem ein Hartmann von Lim (Lieme) als Zeuge genannt wird. Ein weiteres Mitglied der Patrizierfamilie von Lim, Johann von Lim, ist als Deche der St.-Johannis-Kirche in einer Bescheinigung des Gografen zu St. Johann in Lemgo vom 8. September 1359 genannt. Am 2. Mai 1344 wird beurkundet, daß Johann und Kone Ludering (Köhring? Nr. 7) zu Lym Renten zu zahlen haben und dem Gottschalk de Wend Dienste leisten müssen. Im Jahre 1369 gerät Hermann von Lym über die Besetzung eines Hofes in Lieme mit Hermann de Wend in Streit. Die Familie Lym ist wohl bald darauf ausgestorben.

Der Name Lieme wird aber als Ortsname weitererwähnt in einer Urkunde vom 3. Juni 1386. Damals verpfändete Friedrich de Wend das Haus zu Groten- Lyem (Großen-Lieme), worin Niebur sitzt, an die Gebrüder von der Borgh. Im Jahre 1360 wurden zwei Häuser zu Großen-Lieme an das Marienkloster in Lemgo für 85 Mark Lemgoer Pfennige verkauft. (Dem Kloster St. Marien war übrigens der Hof Führing Nr. 3 lange Zeit pachtpflichtig.) Unter einer Reihe von Gütern, die im Jahre 1363 der Witwe de Wend als Leibzucht gegeben wurden, befand sich auch ein Haus zu Ly hem. 1394 ist die Rede von einer Rente aus den Gütern zu Großen-Lym für Adelheid von Loden. Im Jahre 1386 schlossen die Herforder Alt- und Neustadt mit dem Junker Simon III. zur Lippe ein Schutzbündnis und vereinbarten, daß etwaige Streitigkeiten unter ihnen auf der Landwehr bei Lyem besprochen und geschlichtet werden sollten. Mit der Landwehr bei Lyem wird die befestigte Gemarkungsgrenze der Stadt Lemgo in der Gegend des Liemer Turmhofes gemeint sein. 1399 kündigten Simon III. zur Lippe und sein Sohn Bernd dem Friedrich de Wend den lehnbaren Zehnten zu Groten-Lym und zu Lü11eken-Lym auf. Groten-Lym ist das heutige Dorf, während Lütteken-Lym ein ausgegangener Ort ist, von dessen Lage nur noch ein Flurname in der Nähe der heutigen Gärtnerei Stork gegenüber dem Liemer Turmhofe Kunde gibt.

Zu Großen-Lieme rechnete man nicht den Steinhof, dem die zahlreichen Liemer Steinmeier entstammen, obgleich er sich unmittelbar an das Dorf anschließt und von Führings Hofe nur durch die Ilse getrennt ist. Er gehörte unter die „sattelfreien“ Güter und war ursprünglich ein zum Amte Heerse gehöriger Meierhof. 1439 hat das Marienkloster mit Hille Steinmeier- schen zu Lieme ein Stück Land „affgebutet und gewesselt“, d.h. getauscht. 1580 wurde der Hof von dem Hoyaischen Drosten Dr. jur. Tielemann Erp-Brockhausen angekauft und 1581 durch den Grafen Simon VI. von „allen Diensten, Pensionen, und anderen Bescherden, Collekten und Auflagen“ befreit. Die Vormünder des nachgelassenen Sohnes Tielemanns überließen ihn sieben Jahre darauf für 5500 Rthl. dem Grafen. Dieser schlug einen Teil der Ländereien zu der von ihm gegründeten Meierei Büllinghausen und gab das Restgut 1607 jenem Sohne Erp-Brockhausens, seinem nunmehrigen „getreuen Rat“ Dr. Johann Erp-Brockhausen, geschenkweise zurück. Nachher war der Theologie-Professor Gisenius Besitzer des Steinhofs; er starb hier 1658. Von dessen Erben kaufte Johann Kämpfer, Pastor zu St. Nikolai in Lemgo, den Steinhof und wohnte hier von 1675 bis zu seinem Tode 1682. Im Jahre 1694 bezog sein Sohn, der berühmte Forschungsreisende Engelbert Kämpfer, das alte Gutshaus, schrieb hier sein bedeutendstes Werk und übte die ärztliche Praxis aus. Er starb 1716 im Alter von 64 Jahren. Im Jahre 1724 kam der Hof in den Besitz des Kanzleirates Fuchs. Dessen Sohn, der Landleutnant Fuchs, erbaute 1748 das noch erhaltene Herrschaftshaus und die gewölbte Steinbrücke über die Ilse. Dadurch geriet er in Schulden, weshalb der Hof nach seinem Tode zwangsweise verkauft wurde. Er geriet noch einige Male in andere Hände, und der letzte Besitzer, Rentmeister Rhenius, verkaufte ihn 1854 an die Kirche, die ihn zur Pfarre machte.

Das Konsistorium bestimmte . . .

Die Kirche des alten Lehmgaues war die zu St. Johann vor Lemgo. Zu ihr gehörten alle Dörfer des Gaues, unter denen Lieme schon seit dem 14. Jahrhundert durch eine Kapelle ausgezeichnet war. Dieser Kapelle vermachte 1515 Simon V. zur Lippe zwei Ort Landes auf der Hengstheide, wovon sechs Stücke bei dem „Lan- genbusche“ und zehn Stücke bei dem „Heiligen Stuhle“ lagen. Dafür sollte der Verweser der Kapelle alle Monat zwei Messen für dessen Eltern und sein Geschlecht halten. Im Jahre 1537 wurde dem Prediger von St. Johann befohlen, jährlich vier- oder fünfmal in Lieme zu predigen; das geschah bis 1608. Dann drohte die Kapelle zu verfallen; aber 1615 baten die Liemer, es möchte doch wieder regelmäßig gepredigt und für die Jugend ein Schulmeister angestellt werden; sie seien dann bereit, die Kapelle gründlich zu erneuern. Darauf bestimmte das Konsistorium, daß die Kapelle zur Schule benutzt würde. Ein „Herr Conrad“ wurde in das Schulamt berufen und ihm aufgegeben, die Kinder fleißig im Katechismus zu unterweisen und mit ihnen sonntags nach Lemgo zu gehen und als Kantor den Gesang zu führen. Der Schulmeister Conrad war wohl ein Theologe; ei „nahm sich das Predigen an“ und vernachlässigte den Unterricht, was vom Konsistorium gerügt wurde. Für den Nachfolge! Conrads, Lucas Tintel, wurde 1618 ein Haus gebaut, das erste Liemer Schulhaus. Hundert Jahre lang sind das Schulamt in Lieme und der Vorsängerdienst in der St.-Johannis-Kirche noch miteinander verbunden gewesen. Aber schon 1698 strebten Lieme und Lückhausen unter Führung Engelbert Kämpfers an, sich zu einer selbständigen Kirchengemeinde zusammenzuschließen. Sie stießen in Lemgo auf heftigen Widerstand, und auch Heiden, wo Lückhausen eingepfarrt war, machte Schwierigkeiten. In langjähriger, zäher Arbeit wurden die Widerstände überwunden, und es gelang, das vorgesteckte Ziel zu erreichen. Am 23. September 1726 erteilte das Konsistorium die Genehmigung zur Anstellung eines eigenen Pfarrers. Die Kapelle wurde durch einen Fachwerkbau, den Meister Sturhahn ausführte, erweitert. Sie hat in dieser Gestalt der Gemeinde bis zum Jahre 1925 als Kirche gedient. An ihrer Stelle wurde die neue Kirche mit einem Kostenaufwand von 100000 RM gebaut und am 29. November 1927 eingeweiht.

Das erste Pfarrhaus stand neben der Kirche; es wurde 1751 abgebrochen und der Platz zur Vergrößerung des Kirchhofes benutzt. Der Pfarrer zog nun in das Haus der Witwe Redeker, die ihr Kolonat Nr. 11 der Kirche geschenkt hatte. Da sich dieses aber als unzulänglich erwies, kaufte ‚die Gemeinde für den Pastor das Haus des Chirurgen und Leinenhändlers Theopold.. Dieses Haus hat bis zum Jahre 1857 den Pastoren als Wohnung gedient; dann wurde der Steinhof Pfarrwohnung.

Das alte, im Jahre 1618 erbaute Schul- und Küsterhaus wurde 1763 auf Abbruch verkauft, und der Küster zog mit seiner Schule nun in das Redekersche Haus. Als dann aber die Schülerzahl schnell zunahm, mußte für einen größeren Raum gesorgt werden. Man fand ihn im Hause Mittelstraße 69, jetzt Wilhelm Trachte. (Dia späteren Bewohner dieses alten Küsterhauses führten seitdem den Beinamen „Köstermann“.) Als auch dieses Haus für die wachsende Schülerzahl zu eng wurde, zogen Küster und Schüler in das Haus Mittelstraße Nr. 83, heute Wieseler. Es hat bis zum Jahre 1842 als Schule gedient. Jetzt war es notwendig geworden, einen zweiten Lehrer anzustellen. Deshalb wurde das Küsterhaus erbaut, das im letzten Sommer (1954) durch einen modernen Neubau ersetzt worden ist. Die Redekersche Stätte, Echternstraße 11, wurde 1857 an den Bauerrichter Dröge verkauft (heutiger Besitzer: Walter Dröge), und das Theopoldsche Haus erwarben die Gebrüder Fritz und August Hofemann, die an seiner Stelle das Doppelhaus Nr. 70/71 errichteten.

Außer den schon genannten Kolonaten werden in alten Verzeichnissen der O s t h o f und der W e s t h o f erwähnt. Mit ersterem könnte Büllinghausen und mit dem anderen Nieweg Nr. 1 gemeint sein. Büllinghausen, das fast ein Kilometer oberhalb des geschlossenen Dorfes auf dem hohen Südufer der Bega liegt, war anfänglich ein „gemeiner Bauernhof, womit ein Colonus gegen gewisse Pächte und Weinkauf vor 1500 bemeiert gewesen“. Die ersten bekannten Besitzer waren die Qua- ditze in Lemgo, die im männlichen Stamme, ziemlich verarmt, 1532 erloschen. Von den Töchtern des letzten Quaditz war Beata von Quaditz die Gemahlin Cord Landwehrs. Ihre Söhne verkauften ihren Hof Büllinghausen mit der Mühle an den Grafen Simon VI., der ihn zur Landesdomäne ausbaute.

Über Niewegs Hof (Nr. 1) stellt 1531 Hans Leist, Bürger zu Hildesheim, einen Revers aus und schreibt darin, er sei ihm von seinem Schwiegervater Heinrich Wrede in Lemgo angeerbt. Der Hof kommt 1535 an die Wenden. 1558 leiht Johann von Olfen in Niewegs Hof 44 Rthl., „wovon alle Jahr 3 Scheffel Roggen und 9 Sch. Hafer fallen“. Raab von Offen gibt Nieweg 1611 30 Scheffelsaat Land in Meierstatt, „welcher Hof auch einigen Lemgoischen zugehörig ist“,  er fordert davon den Weinkauf, worüber es zwischen beiden zu Meinungsverschiedenheiten kommt. 1627 vergleichen sie sich; aber später ersucht der Gutsherr Leist das Amt, Nieweg zur Beibringung des verglichenen Restants anzuhalten. 1718 klagt von Leist, daß Nieweg ohne Erlegung des Weinkaufs in den Hof geheiratet habe. Nieweg aber weigert sich, diesen zu bezahlen, denn er müsse den „Weinkauf allein an den Landesherrn entrichten“. Inzwischen waren die ausgedehnten Besitzungen der in der männlichen Linie ausgestorbenen Varenholzer Wenden durch Kauf an Simon VI. gekommen und somit auch der Niewegsche Hof. Der Meier Nieweg diente von da ab dem Besitzer des Steinhofes mit vier Pferden wöchentlich je einen Tag und hatte auch dahin das sog. Pachtkorn abzuliefern.

Brandings Hof (Brand Nr. 2) wurde von dem Lemgoer Bürger Heinrich Werner besessen, der in den Jahren 1515 bis 1517 Kornrenten an die Nikolaikirche und an den Beichtvater und Provisor Hermann Seger des Schwesternhauses im Rampendahl und an den Priester Detmar Dröge verkauft. Ein Teil von Brandings Hof war Lehen des Domkapitels zu Paderborn.

Nach dem Saalbuche von 1611 gab es in Lieme um jene Zeit drei Meier (Nieweg Nr. 1, Brand Nr. 2, Führing Nr. 3), sieben Großkötter (Obermeier Nr. 4, Kuhlemann Nr. 5, Menke Nr. 6, Kohring Nr. 7, Strunk Nr. 8, Schröder Nr. 9, Dröste Nr. 10), 28 Kleinkötter, 9 Leibzüchter und 32 Einlieger.

Zu Beginn des 30jährigen Krieges waren 48 Kolonate mit etwa 350 Einwohnern vorhanden. Bald aber brach ein unsägliches Elend über das Dorf herein. Im Jahre 1623 rückte der Herzog Christian von Braunschweig mit seinem ganzen Heere, das auf 21000 Mann zu Fuß und 11000 Reiter geschätzte wurde, über Lemgo heran und ließ auf der Hengstheide das Lager aufschlagen. Er selbst nahm sein Quartier auf dem Steinhofe. Die Truppen brandschatzten die Dörfer, so daß für die Bevölkerung fast nichts zum Leben übrigblieb. Zum Glück kam es hier nicht zur Schlacht; denn als das kaiserliche Heer unter Tilly heranrückte, war der Herzog schon in Richtung Herford abgezogen. Aber in der Folgezeit haben Hungersnöte und Seuchen viele der Eingesessenen dahingerafft. Bis zum Schluß des Krieges waren zwar zwei Kolonate hinzugekommen; aber die Bevölkerungszahl war auf 277 herabgesunken.

Stolze Entwicklung

Nach dem Kriege nahm die Einwohnerzahl ständig wieder zu, und das Bedürfnis nach Neuwohnerstätten führte dazu, daß nun auch die Randgebiete der Feldmark besiedelt wurden, wo schon um 1600 Teile der Gemeinheit zur Anlage von neuen Kolonaten zur Verfügung gestellt worden waren. So entstanden die Wohnplätze Hengstheide, Wittighöferheide, Rhien, Strang und schließlich Liemer- grund, Bollerse, An der Chaussee und Hasenkamp. Im Saalbuche von 1663 werden auf geführt: 3 Vollmeier, 3 Groß-, 4 Mittel,- 41 Straßen- und 3 Neukötter, zusammen 61 Kolonate. Hundert Jahre später waren 84 Kolonate mit 547 Bewohnern vorhanden. Eine Zählung im Jahre 1828 ergab eine Zahl von 205 Haushaltungen und 933 Einwohnern. 1880 wurden 1292 und 1939 1457 Einwohner gezählt. Der Gesamtflächenraum von Lieme beträgt 649 ha. Darauf wohnten im Jahre 1950 zusammen 2075 Einwohner, nämlich 1324 Normalansässige, 359 Evakuierte, 391 Vertriebene und ein Ausländer (Russe). Die altansässige Einwohnerschaft betreibt Landwirtschaft, zum Teil neben einem anderen Beruf. Etwa seit Anfang dieses Jahrhunderts besteht in Lieme eine aus einer Zimmerei und Tischlerei entwickelte Möbelfabrik. Außer dem Steinmeierschen Kruge mit Postagentur gibt es noch zwei Wirtschaften, beide verbunden mit Bäckerei und Kolonialwarenhandlung: Wilhelm Steinmeyer und Fricke, früher August Kampmann. Erwähnenswert sind noch die Fahrrad- und Nähmaschinenhandlung von H. Droste, die Kolonialwarenhandlungen von Schäfer Nr. 74 und Heinrich Adam (Stuckenbrock) Nr. 113, Fritz Schmidt Nr. 187, die Manufakturwarenhandlung von Stork Nr. 123, die Eisenwaren-, Emaille-, Fahrräder- und Nähmaschinenhandlung von HofemannNr. 142, ebenso eine solche von Adolf Rieke Nr. 176 und die Bau- und Möbeltischlerei von Wilhelm Rieke Nr. 86.

Vor dem Weltkriege war Lieme ein ausgesprochenes Zieglerdorf. 1926 wohnten im Dorfe noch 8 Ziegelmeister und 95 Ziegler. Heute geht höchstens noch ein halbes Dutzend Wanderarbeiter in die Fremde. Die übrigen haben in den Fabriken in Lage, Lemgo und Schötmar lohnende Beschäftigung gefunden.

Quelle: Lippischer Dorfkalender 1955 – Von Fr. Sauerländer, Lemgo