Mord und Straßenraub

Hinrichtung des bayrischen Hiesel, Matthias Klostermayr, in Dillingen, 1771, Kupferstich von J. G. Will, Augsburg

Es geschah im Jahre 1794, genau am 16. Juli 1794, als in Detmold der Tat überführte Tagelöhner Franz Henrich Böger aus Brake durch das Rädern in den Tod geschickt wurde. Es war zugleich die letzte Hinrichtung, die Detmold erlebte. Der seinerzeit mit dem Fall befasste lippische Kriminalassessor Stertzenbach hat das Verbrechen in einer „Actenmäßigen Erzählung“ bis in die Einzelheiten beschrieben. Es waren drückende Schulden gewesen, die Böger zum Mörder und Straßenräuber an dem Kolon Fischer aus Brake hatten werden lassen. Böger bewohnte in Brake, wie aus dem Bericht hervorgeht, eine“ Hoppenplöcker-Stätte“ zu der verschiedene Ländereien gehörten, „auf welchen Grundgütern eine von Fürstlicher Leihekasse geliehene, nach geschehenem Abtrag von 30 Rthl. noch 50 Rthl. betragende Summe haftete; außerdem war dieser Böger seiner Angabe nach noch 30 Rthl. und mehrere andere kleine Summen schuldig, hatte auch seit einiger Zeit verschiedene Kleidungsstücke versetzt, er besaß jedoch noch eine Kuh und Ziege, nebst dem nöthigen Hausgeräthe und genoß von seinem Einlieger jährliche Miethe“

Abb. 1-3 Hinrichtungsplatz Jerxer Heide bei Detmold Die Funde von 1936. Bei Ausschachtungsarbeiten für neue Kasernen (Klüter Kasernen in der Georgstraße) fand man 1936 zahlreiche Eichenstümpfe sowie drei Bestattungen – Überreste vom ehemals dort gelegenen Hinrichtungsplatz Jerxer Heide. Drei damals aufgenommene Fotos zeigen jeweils in der Mitte die Umrisse einer Bestattung. Auf Bild 1 sind zusätzlich die Stümpfe von zwei Holzpfählen zu erkennen. Auf Bild 3 hat man die Überreste der Bestattung bereits entfernt. ( Quelle: Landesmuseum Detmold)

Am 15. April, dem Tage des Verbrechens, hatte Böger von der Diele seines Hauses her den Straßenkötter Fischer, „einen Menschen zwischen 40 und 50 Jahren, voller Kraft und Gesundheit, einen Ehemann und Vater, in Brake wohnhaft“ erblickt, „welcher eine vom Amt daselbst nach Detmold bestimmte Summe Herrschaftliches Geld in einem Tornister trägt und seinen Weg neben des Bögers Hause vorbey oben aus dem Dorfe nach Detmold hin nimmt“ Da Böger „einst vorher selbst Herrschaftliches Geld im Tornister nach Detmold trug, und letzteres auch jetzt bey dem Colonus Fischer voraussetzte, (wurde) der Vorsatz, denselben zu ermorden und zu berauben, nun in ihm rege“ Dies war, laut Stertzenbach, „erwiesene Wahrheit“ Böger habe sich jetzt „mit einem schmutzigen Kittelrock und abgetragenen Huht“ bekleidet und „angeblich mit zwey Messern versehen“ und sei so dem auf der Landstraße nach Detmold wandernden Fischer unbeobachtet gefolgt. Unterwegs habe sich Böger noch mit einem „häselnen, oben mit einer Zwiele versehenen, unten gekrümmten, aber gewiß zwey Zoll dicken Stock“ bewaffnet. Er sei dann Fischer vorausgeeilt, um diesen auf dem nahe Detmold gelegenen Apenberg zu erwarten. Bald sei Fischer erschienen; beide hätten sich begrüßt und seien dann ein Stück Weges gemeinsam gegangen. „Wie sie aber an eine etwas tief zwischen Hecken diesseits des Apenberges liegende Stelle kommen, und der Fischer gerade im Begriff ist, zum Anzünden seiner eigenen Pfeife Feuer zu schlagen, tritt der vorhin neben ihm gegangene Böger einige Schritte zurück und giebt ihm mit dem dicken schweren Stock einen starken Schlag auf den Kopf.“ Daraufhin habe sich Fischer nach Kräften zur Wehr gesetzt, doch er sei durch die weiteren Stockschläge Bögers betäubt zu Boden gefallen. „Hier liegt er, unfähig um Hülfe zu rufen und dem Schein nach entseelt in seinem Blute. Von seinem wirklichen Tode indeß noch nicht überzeugt, und um von ihm nicht angeklagt zu werden, giebt ihm Böger noch einige Schläge auf den Kopf und dann mit einem scharfen Messer außer einer leichten senkrechten Wunde eine lange und einen Zoll tiefe Wunde an der linken Seite des Halses, wodurch alle Puls- und Hauptadern zerschnitten werden und der Todt des Unglücklichen durchaus nothwendige Folge ist. Sogleich bemächtigt sich der Verbrecher mit vom Blut triefenden Händen des im Tornister des Ermordeten befindlichen Geldbeutels und entfernt sich mit demselben in ein nur 20 Schritte weit auf dem angränzenden Felde liegendes schmales Gehölz. Hier schneidet er mit dem Mordmesser den Beutel auf, wirft denselben ins Gebüsch – eilt mit dem in 15 Tuten befindlichen Gelde davon und sucht unterwegs bey einer Pfütze einige bey Ausübung der That vom Blut des Erschlagenen bezeichnete Flecken seines Kittelrocks auszuwaschen, versteckt dann den größern Theil des geraubten Geldes in einem in der Gegend des Marsbruches liegenden Gebüsche unter Moos und Gesträuch, und kehrt so, gegen 1 Uhr Mittags, mit drey Geldtuten nach Brake in sein Haus zurück, woselbst er gegen seine Frau ,daß ihm sein Vetter in Detmold 12 Rthl. geliehen, die er mitgebracht habe‘ vorgiebt. So war also eine That verübt, vor welcher die Natur zurückbebt. “ Die Leiche Fischers war bald nach dem Verbrechen von Passanten entdeckt worden. Wie die Untersuchung ergab, hatte Fischer in den 15 Tüten eine Summe von 154 Rthl. mit sich getragen. Am 25. April, zehn Tage nach dem Mord, wurde Böger verhaftet und durch Indizien der Tat überführt. Er hatte sich u. a. durch die Begleichung „verschiedener kleiner Schuldposten“ und durch die Einlösung der „beym Lombard zu Lemgo versetzten Kleidungsstücke“ verdächtig gemacht. Darüber hinaus waren bei der Hausdurchsuchung „zwey Papiere gefunden worden, die man beym ersten Blick für die Tuten von zwey auf dem Sortenzettel angegebenen Paketen anerkannte“ Das in einem gerichtlichen Verfahren in Detmold verkündete Todesurteil wurde, nachdem es von der Universität Göttingen bestätigt worden war, am 16. Juli 1794 morgens gegen 8 Uhr auf der alten Richtstätte in der Jerxer Heide in Gegenwart einer großen Volksmenge vollstreckt. Die Exekution wurde durch das „Rädern“ vollzogen, d. h. dem Deliquenten wurden mit einem schweren eisenbeschlagenem Rade die Glieder zerschmettert; anschließend wurde der Leichnam auf ein Rad geflochten und auf einer hohen Stange öffentlich zur Schau gestellt.

Mehr Infos über Rädern bei  Wickipedia
Die Hinrichtung der  Geb. Rennebaum 

Etwa hier, zwischen Georgstraße und Nordring, lag der gefundene Richtplatz

     

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