Die Ritter von Münchhausen auf lippischen Burgen

Schloss Wendlinghausen mit Münchhausen auf der Kanonenkugel. (Fotomontage)

Wer den Namen Münchhausen hört, der denkt wohl nur an den sogenannten „Lügenbaron“, den weitbekannten Freiherrn Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen, an seine „Münchhausiaden“ und an seinen exotisch-seltenen Berggarten bei Bodenwerder an der Weser. Viele seiner Sippe aber lebten jahrhundertelang im Lipperland. Ein Münchhausen wird zum ersten Male in einer lippischen Urkunde im Jahre 1286 genannt. Hundert Jahre später, 1383, hat Heyneke von Münchhausen die Burg Varenholz als Burgmann zu Lehen; er wird 1386 als Feind der beiden Städte Herford (Alt- und Neustadt) bezeichnet. Diese wollen mit Münchhausen keinen Frieden machen ohne Wissen Simons zur Lippe, und wenn keine Sühne zustande komme, solle Simon ihnen gegen Münchhausen beistehen. Dieser Ritter Heyneke von Münchhausen scheint ein richtiger Raubritter gewesen zu sein, dem es auf Mord und Totschlag nicht ankam. Denn unter den auf einem Pergament verzeichneten Ansprüchen des Junkers Simon III. zur Lippe an Heyneke kommt vor: wegen seines Raubes auf lippischer Straße, wegen der Verweigerung des Einlasses in Schloß Varenholz, wegen geraubter Pferde vor neun Jahren, wegen Erschlagung des Overbeck zu Bechterdissen und Raub von 16 Kühen, desgleichen zu Ehrdissen, wegen Verwundung des Meier zu Schukenhaus und Erschlagung seines Knechtes. Ferner habe Heyneke viele Kühe und Schweine zu Bechterdissen geraubt usw. Das ist ein ganz stattliches Sündenregister, aber man nahm das damals nicht so genau, denn Junker Simon und sein Sohn machten noch Geldgeschäfte mit dem Rittersmann.

Heyneke und Dietrich von Monikhusen (so war der Name früher, auch Mennichhusen) bescheinigen 1389, daß Simon und Bernd ihnen für eine Schuld von 200 Mark verpfändet haben: Schloß Schötmar, die „Nyggenborch to Schotemer“ mit dem Dorfe, und die Aemter zu Enger und Hese (Heerse), mit Ausnahme des Freistuhls zu Schötmar. Die Münchhausen besaßen auch noch einen Hof in Bremke im Amte Lage. 1400 wird Statius von Münchhausen von den Lipper Herren gefangengenommen, muß Urfehde schwören, daß er gegen die Lipper nichts unternehmen wolle, und ist ihnen wegen seiner Gefangenschaft 150 rhein. Gulden schuldig. Er verpfändet ihnen dafür die Hälfte der Amtsgüter zur Rehme. Bernhard VI. „Edel tor Lippe“ verpfändet 1412 dem Ritter Dietrich von Münchhausen das Schloß Sternberg und auch die Stadt Bosingfelde für 1000 Gulden; die Pfandschaft ging dann auf dessen Sohn Ludolf über bis 1433. Ludolf macht auch gegen die Stadt Salzuflen einen Anspruch auf Salzrenten geltend, und da schriftliche Mahnungen erfolglos blieben, „pfändete er auf die von Uflen“. 1498 wird Statius von Monighusen von Bernhard zur Lippe mit zwei Höfen zu Hederhusen und dem Brockhofe zu Unterwüsten belehnt, der 1513 an die Stadt Salzuflen überging. Diese verkaufte ihn 1656 an die von Wrede zu Steinbeck. 1532 genehmigte Graf Simon, daß sein Halbbruder Antonius von der Lippe den ihm verkauften Hof in Lemgo vor der Regensporte, zur rechten Hand, wenn man in das Tor hineinkommt, an Dietrich von Münchhausen wieder verkaufe. Wir sehen also die Münchhausen in vielen Teilen Lippes begütert.

Portrait von Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen (1752)

Die Nachfahren der Münchhausen haben sich der rauhen Sitten des Mittelalters entwöhnt und sich löblicherem Tun zugewandt. Hilmar von Münchhausen und Doratia, geb. von Münchhausen, ließen das schöne Schloß Wendlinghausen bei Barntrup, eines der schönstem Schlösser der Weserrenaissance, erbauen. Ihre Namen sind am Turmportal zu lesen. Am reich geschmückten Erkervorbau ist die Jahreszahl 1613 angebracht. Seit 1731 ist Schloß Wendlinghausen im Besitze der lippischen Familie von Reden. Die von Münchhausen sind im Lipperland nicht mehr ansässig. Das weitverzweigte Geschlecht derer von Münchhausen blüht aber noch in mehreren Gegenden Deutschlands, so im Hannoverschen und in Thüringen. An den „Lügenbaron“ erinnert noch sein bis heute noch fast unverändert erhaltenes herrschaftliches Vaterhaus in Bodenwerder und die Anlagen am Hopfenberge. „Hier oben, aber noch mehr unten im bauernadligen Hause (dicht am Weserfluß) sammelte er seine Freunde und paffte feierlich und stillvergnügt aus seiner Meerschaumpfeife Ströme von blauem Dunst (den er auch sonst seinen Gästen vormachte). Je blauer der Dunst, desto lustiger funkelten die Augen des Alten, und desto schnurriger entstiegen dem Hirn des klassischsten aller Schwindelmajore seine wunderbaren Anekdoten, die aller Welt bekannt sind“, heißt es in Fritz Mielerts „Das schöne Westfalen“. In der Klosterkirche des nahen Kemnade ist er bestattet, doch ist von seinem Grabe keine Spur mehr erhalten.

Quelle: Lippischer Dorfkalender 1955 – von Willy Bruder