Am 1. Oktober 1913 trat ich die Lehre bei Schmiedemeister Schilling in Mackenbruch an. Ich wechselte am 1. 10. 1914 zu Eikmeier in Lage über, weil mein erster Meister Soldat geworden war. Hier habe ich die Huf- und Wagenschmiedlehre abgeschlossen und blieb bis zur Einberufung in den Militärdienst. Im Mai 1919 ging ich dann zur Pflugfabrik Kluckhohn nach Lage. 1922 machte ich die Huf beschlagprüfung in Bielefeld, die dauerte vier Monate. 1927 habe ich mich selbständig gemacht und bin auf den Niedernhof in Brake gezogen. Wir beschlugen nicht nur Pferde, sondern haben alles gemacht, was es für einen Schmied im Dorf zu tun gibt. So haben wir z. B. die Schmiedearbeiten am Runkelhacken oder Kornhacken gemacht. Als im 2. Weltkrieg die Nachbarschmieden nichts machen konnten, da haben wir über 100 Pferde beschlagen. Neben dem Gesellen haben in der Zeit vier Lehrlinge bei uns gearbeitet. Jedes Pferd musste etwa alle sechs Wochen beschlagen werden. Pferde, die nur auf dem Acker arbeiteten, bekamen Hufeisen mit eingeschweißtem Griff und angeschmiedeten Stollen. Wir hatten in Brake aber auch mehrere Pferde von Schlachtern und Bäckern. Diese Pferde bekamen – wie die Pferde des Milchwagens – Hufeisen mit auswechselbaren, stumpfen Griffen und Stollen. Pferde, die nur auf der Straße laufen, nutzen die Griffe und Stollen schneller ab. So brauchte man dann nicht jedesmal das Hufeisen abzunehmen, sondern wechselte nur Griff und Stollen. Aber es hatte auch noch eine andere Bewandnis. Unsere Schlachtermeister belieferten die Märkte in Detmold und Bielefeld.

Vor der Schmiede Eggerts-Sprick in Asmissen bei Bösingfeld um 1920. Quelle: Heimatland Lippe

Vor der Schmiede Eggerts-Sprick in Asmissen bei Bösingfeld um 1920. Quelle: Heimatland Lippe

Der Milchwagen kam jeden Morgen von Wiembeck, sammelte bei den Bauern die vollen Milchkannen auf und brachte sie nach Lemgo zur Molkerei. Wenn es dann passierte, dass das Wetter über Nacht umschlug und wir Glatteis bekamen, mussten bei diesen Pferden morgens in aller Frühe die Griffe und Stollen ausgewechselt werden, damit sich die Pferde auf der Straße richtig halten konnten, ähnlich wie die Spikes für Autos heute. Morgens um 5 Uhr mussten wir schon anfangen, die Stollen zu wechseln. Wenn ein Pferd neu beschlagen werden musste, dann wurde es mit einer Kette um den Hals an einem Ösen in derWand festgebunden. In einem ersten Arbeitsgang wurden zunächst die alten Eisen abgerissen. Dafür löste man die Nieten und riss dann mit einer großen Zange die Eisen ab. Danach wurde der Huf ausgeschnitten. Das nachgewachsene Hörn wurde mit einer Hauklinge und einem großen Holzklöppel abgeschlagen. Das Innere des Hufes, die Sohle und der Strahl, ist etwas weicher und wurde mit einem krummen Hufmesser ausgeschnitten. Wenn alle vier Hufe beschnitten waren, mussten die Hufeisen angepasst werden.

Konnte man die alten wieder benutzen – das ging eins ums andere Mal – hatte man Glück gehabt. Sonst musste man die Hufeisen genau auf den Huf anpassen. Dafür wurde das Eisen im Schmiedefeuer heiß gemacht, im rotglühenden Zustand gerichtet und in die passende Form gebracht. Das passende Eisen wurde dann abgekühlt, entkantet und entgratet. Hatte man alle Eisen angepasst, dann wurde jedes in der Regel mit acht Hufnägeln festgenagelt. Hierbei musste man aufpassen, dass man an der richtigen Stelle nagelte und nicht ins Leben des Hufes traf. Die Nägel, deren Köpfe im Eisen versenkt waren, traten oben im Huf wieder heraus. Das aus dem Huf heraustretende Teil des Nagels wurde umgelegt und vernietet. Zuvor wurden noch die Nagelspitzen abgekniffen. In einem vierten und letzten Arbeitsgang wurde der Huf noch abgeraspelt mit einer speziellen Hufraspel.

Bei ruhigen Pferden, die gut standen, konnte man ohne Hilfe arbeiten. Wenn allerdings die Pferde nicht wollten, besonders die jungen, dann musste man schon mal Gewalt anwenden. Wenn es überhaupt nicht ging, dann wurde Carells August benachrichtigt, der kam dann und hielt die Pferde etwas fester. Pferde, die überhaupt nicht stehen wollten, kamen in einen Zwangsstall. Zwei Gurte wurden unter dem Bauch hergezogen und daran wurden die Pferde aufgehängt. Wir haben aber keinen solchen Stall gehabt.
Heute werden bei uns keine Pferde mehr beschlagen. Wir haben auch kein Material mehr – aber ich könnte es noch, denn was man gelernt hat, das hat man gelernt.

Friedrich Brinkmann (79 Jahre) aus Brake

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