23. August 2014

Das letzte Fuder

Schon mehrere Wochen vor dem großen Tag pusten die Mägde Eier aus, reihen sie auf Bindfäden, hängen sie als Ketten unter den Holzhahn, den der Großknecht oder ein sonst dazu Begabter nach Feierabend oder während der Mittagsnone geschnitzt und angemalt hat. Meist erhebt sich so ein „Erntehahn“ über zwei rechtwinklig sich kreuzenden Tannen- oder Buchsbaumkränzen. In Augustdorf blieb für all das keine Zeit. „De Luie hür herümme hadden seoveel Arbeit up den dreigen Sanne. Seu können sick nicht jümmer graut Erntehahnens maken we jensoits van den Bergen.“

17. Juli 2014

Detmolds alte Wassermühlen

Der schöne Kupferstich von „Detmolden“, den Matthaeus Merian im Jahre 1647 in seiner „Topographie Westphaliae. Das ist Beschreibung der Vornehmbsten und bekantisten Städte und Plätz im Hochlöbl. Westphälischen Creiße“ veröffentlichte, zeigt eine Gesamtansicht der Residenz von Westen. Deutlich hebt sich zwischen dem Lemgoer Tor (links) und dem Hornschen Tor (rechts) der Schloßbezirk von der mauerumringten Stadt ab, während außerhalb dieses Bereiches im Gelände des Bruches mit seinem Baum- und Hedtenbewuchs drei Bauten (im Vordergründe links) zu sehen sind: die „obere [...]

7. Juli 2014

Der Immendieb am Schandpfahl

Hans Br. aus der Grafschaft Sternberg hatte sich wiederholt für Süßigkeiten interessiert und Immen gestohlen. Nachdem er das erste Mal noch rechtzeitig „flüchtigen Fußes außer Landes entkommen“ war, hatte man ihn nach seiner Rückkehr im nächsten Jahre wieder bei seinen süßen Gewohnheiten ertappt. Für dieses Mal sollte ihm der Honig aber schlecht bekommen. Er wurde auf dem Schloß Brake gefangengesetzt. Der Vorgang wurde dem Hohen Peinlichen Halsgericht in Detmold unterbreitet. Das Verfahren ward schnell erledigt, und nach ein paar Tagen erschien [...]

25. März 2014

Der Heimkehrer

Eine Erzählung von August Meier Böke

Er war ganz seiner Arbeit verpflichtet und erschrak fast, als ich, die Tageszeit bietend, plötzlich vor ihn hintrat. Mein Anliegen nahm er nur widerstrebend an. Er sagte, das Kinn dem Spatengriff aufstützend und indem er mich zunächst abweisend, fast feindlich, zuletzt aber mit wachsendem Wohlwollen anblickte: „Lebensläufe suchen Sie? Schicksale gewissermaßen? Dann sind Sie hier richtig. Und sicher in der Gnade der rechten Stunde. Drüben geht eines hinter den Pferden. Die Pferde selbst auch sind Schicksale. [...]

21. März 2014

Heimat im Flachs – eine versunkene Welt

Kennt ihr die Geschichte von Vineta, der versunkenen Stadt in der Ostsee? Einst war sie groß und herrlich und reich an Menschen, Silber und Gold und anderen Schätzen der Erde. Da wurden ihre Bewohner übermütig und hartherzig und immer goldgieriger. Darum versank sie in den Fluten des Meeres und ward nicht mehr gesehen. Nur Fischerleute sehen sie zuweilen mit Häusern und Türmen und seltsam gekleideten Menschen auf dem Meeresgründe und hören ihre silbernen Kirchenglocken. An diese Sage mußte ich denken, [...]

19. Dezember 2013

Am Rand der Senne

Um die Mittagszeit wird es in den Kiefernschlägen unerträglich heiß. Die Baumpieper verstummen, und die Heidelerchen sind müde. Die Luft ist voller Harzgeruch. Aus den Kronen kommt ein leises Knacken, wenn sich die Zapfen öffnen. Nur die Waldameisen werden eiliger, sie mögen nicht den kühlen Morgen und die naßkalten Regentage.
18. September 2013

Haustenbeck im Jahre 1840

Die Dorfschaft Haustenbeck besteht aus 106 Stätten, den Pfarr- und Schulgebäuden, und dem Popp'schen Erbkruge nebst Mühle. Die Colonate liegen zerstreuet in der Senne umher, in einem Umkreise von etwa drei Stunden. Unter denselben ist nur eine einzige Kleinkötterstätte, die übrigen sind Hoppenplöcker-, Straßenkötter- und Neuwohnerstätten.
2. September 2013

Der Hasselhof bei Lage

Abschied von einem alten Hof des Klosters Corvey

Vor der Stadt Lage, an der nach Bielefeld führenden Bundesstraße 66 hat der Hasselhof, ein alter Einzelhof, seinen Platz. Er liegt innerhalb der Gemarkung von Ehrentrup, genauer gesagt, im Ortsteil Stadenhausen und wurde von dem Bauern Krietenstein, dem Besitzer des benachbart gelegenen Windhofes, an die Gemeinde Ehrentrup verkauft. Die Ländereien werden seit einer Reihe von Jahren vom Windhof bewirtschaftet, während in den fünf Gebäuden des Hofes augenblicklich noch 13 Familien ihre Wohnung haben. [...]

19. August 2013

Die große Wäsche

Das Waschen der Wäsche, das heute mit Hilfe von Waschmaschine, Trockner und Vollwaschmittel höchstens zwei bis drei Stunden dauert und - von wenigen Handgriffen abgesehen - völlig...
28. März 2013

Angela

Die Geschichte der Bäuerin Angela Uhl, verwitwete Falke von der „Falkenflucht“ unter dem Köterberg im Weserland, ist wahr. Sie findet sich, von der Hand eines Pfarrers nach den Akten des Geschworenengerichts zu Kassel aufgezeichnet, in dem „Schwarzen Buche“, das einem Verwundeten aus jener Gegend während des ersten Weltkrieges in einem Feldlazarett der Westfront in die Hände fiel und das er seinen Eltern in die Heimat sandte, die es getreulich zum Gedächtnis des bald danach Verstorbenen aufbewahrten. Daraus habe ich sie, ergänzt [...]

23. März 2013

Als es noch „Dienstmädchen“ gab

Die Minnas der guten alten Zeit sind ausgestorben. Heute will niemand mehr Dienstmädchen heißen, selbst der Titel einer Hausangestellten zieht nicht mehr. Es ist schon einige Generationen her – wir müssen ins vorige Jahrhundert zu­rückblicken -, als die Mädchen, selbst soweit sie noch als „gut situiert“ galten, Stellung im städtischen oder ländlichen Haushalt annahmen. Die Haushaltungen waren meist recht einfach. Oft war Vieh vorhanden. Eine Stellung bei einer Kaufmannsfamilie war schon eine „bessere Position“, und wenn ein Mädchen bei dieser [...]

23. März 2013

Eine Bauernhochzeit um 1850

Jeder Hochzeitsgast brachte Messer, Gabel und Löffel selbst mit.

Zu einer großen Bauernhochzeit wurde früher tüchtig eingeschlachtet, in der Regel ein fetter Ochse, mehrere fette Schweine und eine Anzahl Federvieh. Die Zubereitung des Gastmahles geschah gewöhnlich im Freien vor dem Hause. Starke Bäume waren zu einer Gabel zusammen gebunden und in diese Gabel war dann ein starker Wiesenbaum hineingelegt. War ein starker Obstbaum in der Nähe, dessen Äste eine Gabel bildeten, so wurde dieser dazu benutzt. An einem solchen Wiesenbäume hingen [...]

22. März 2013

Wendlinghausen – Die Geschichte eines lippischen Dorfes

Es ist schon etwas Ungewöhnliches, wenn ein Dörflein von der Größe Wendling­hausens sich seiner Vergangenheit erinnert! Große Dinge haben sich hier nicht zu­getragen. Die Menschen, die hier gelebt haben, sind gekommen und gegangen.