10. Dezember 2016

Die alten lippischen Papiermühlen

Vor der Erfindung des Papiers wurde bekanntlich Pergament als Schreibmaterial benutzt. Das Papier ist eine chinesische Erfindung, die um das Jahr 1140 nach Deutschland gelangte, von Frankreich und Italien her; doch noch bis ins 14. und 15. Jahrhundert überwog das Pergament. Die älteste lippische Papierurkunde stammt etwa aus der Zeit vor 1347. Mit der Ausbreitung der Buchdruckerkunst stellte sich jedoch ein immer größerer Papierverbrauch ein und die Zahl der Papiermühlen nahm zu. Auch im lippischen Lande entstanden Papiermühlen. Im Rheinland [...]

22. August 2015

Flachsverarbeitung in alter Zeit

Aus Großväter und Urgroßväter Zeiten schreibt ein alter Lipper aus dem Amte Brake, dessen Handschrift erkennen läßt, daß sie noch aus jener Zeit stammt, da man auf „Schönschreiben“ noch großen Wert legte, eine sehr anschauliche Schilderung des Flachsbaues in Lippe, der noch vor hundert Jahren in großer Blüte stand.
24. Juli 2015

Baumwollspinnerei im Flecken Lage 1797 – 1807

Das Leinengewerbe und die Flachsspinnerei standen in den Dörfern der Vogtei Lage und Lm Marktflecken Lage um 1800 in hoher Blüte. Im Werretal gedieh das Leinkraut, der Flachs, in besonderer Güte und Feinheit. Daher waren auch die Leinen-Erzeugnisse von besonderer Qualität. Mit der Zahl der Webstühle (808), der Webemeister (612), und der Webegehilfen (473), standen die Vogtei und der Flecken Lage in Lippe 1798 an erster Stelle.
18. Juli 2015

Chroniken Lippischer Dörfer – Hohenhausen

Wie schnell kann man heutzutage nach Hohenhausen kommen! Der Autobus, dieser Zauberwagen, der auch die kleinsten Orte unseres schönen Heimatlandes der Welt erschloß, bringt uns hin, fast zu jeder Stunde des Tages. Ist doch Hohenhausen, diese „Metropole des lippischen Nordens“, ein Treffpunkt der großen gelben Wagen geworden.
15. Juli 2015

Alte Mühlen heute

So richtig es ist, daß die Windmühle im norddeutschen Flachland zum Bilde der Landschaft gehört, so unbestritten dürfte aber auch sein, daß in unserem lippischen Bergland zwar nicht die Windmühle, so doch die Wassermühle seit jeher ein landschaftbelebendes Element darstellt.
26. Juni 2015

Das Lemgoer Leinengeschäft seit dem Dreißigjährigen Kriege

In der Lemgoer Kaufmannschaft war während des 30jährigen Krieges der alte Hanseatengeist erstorben. Unternehmungslust und Wagemut waren dahin. Doch als das erste, schlimmste Jahrzehnt nach dem Kriege überstanden war, kamen einsichtige Kaufleute zu der Überzeugung, daß sie ohne Belebung des Exporthandels weiterhin eine kümmerliche Existenz fristen müßten.
8. Juni 2015

Aus der Geschichte des alten „Pulverberghauses“ in Bösingfeld

Wie aus alten Akten des Staatsarchivs Detmold hervorgeht, ist Meister Cordt Möller oder Curt Müller an anderer Stelle auch Curdten Pulvermacher oder kurz der „Pulvermacher“ genannt, der Erbauer des schon viel erwähnten Bauernhauses auf dem Pulverberge, um den unsere Jugenderinnerungen kreisten.
22. Mai 2015

Bergbau in Lippe in alter Zeit

In früheren Jahrhunderten wurde in Lippe an vielen Orten Bergbau betrieben. Man schürfte, grub und bohrte eifrig nach Eisen, Kohle, Blei, Kupfer, Silber und Kali. Bis in die neueste Zeit wurden diese Versuche angestellt, mit wechselndem Erfolge. Auch die Bohrungen nach Heilquellen gehören hierher, in Bad Salzuflen und in Bad Meinberg, die einen vollen Erfolg ergaben und heilsame Quellen erschlossen.

Die Eisenschmiede zu Kohlstädt

Eine Urkunde von 1365 besagt, daß Junker Simon III zur Lippe den Brüdern Ritter Heinrich und Johann gen. Westphelinge seinen Hagen zu Kohlstede (Kohlstädt) versetzt, mit [...]

15. April 2015

Soll das vergessen werden ?

Wie war es früher? Was haben sich unsere Vorfahren dabei gedacht, wenn sie allem, was in ihrem Lebensablauf eine Rolle spielte, und wenn sie ihrem Glauben an übersinnliche Dinge in Sprichwörtern, Redensarten und Bräuchen Ausdruck verliehen? Waren sie so primitiv und rückständig, wie um dies heute oft erscheinen mag? Haben wir ein Recht, über ihre Anschauungen mitleidig oder erhaben zu lächeln?
10. April 2015

Das Recht des Sachsenpiegels im alten Ufflen des 16. Jahrhunderts

Durch das Zusammenleben der Menschen entstanden bereits in der Urzeit Gewohnheiten und durch deren Anerkennung zunächst eine freiwillige, recht bald aber eine zwangsweise Unterordnung. Aus dem Willen der Gemeinschaft entstand so das Gewohnheitsrecht und schließlich das Gesetzesrecht. Gegenseitig haben diese jahrhundertelang um die Vorherrschaft gestritten.
17. März 2015

Bohnenkaffee in Lippe

Dieser Tage stand in der Zeitung, im Jahre 1530 habe der Schah von Persien das Kaffeetrinken verboten, weil die Kaffeehäuser sich als Stätten politischer Debatten erwiesen hätten. Politische Meinungsbildung war damals nicht erwünscht. Ertappte Kaffeetrinker wurden in Säcke genäht und ertränkt.

Als ich das las, fiel mir ein, daß auch in Lippe mal ein Edikt das Kaffeetrinken verboten hat. Das war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die angedrohte Strafe war allerdings nicht so hoch wie in Persien. Sie betrug [...]

7. März 2015

Die Erbpachtmüller von Langenholzhausen

„Mühle zu Langenholzhausen bin ich genannt, bin eine der größten am Kallestrand, und wer den Hals mir will vollzwingen, muß jeden Tag ein Fuder bringen!“

Wo bist du hin, du stolzer Spruch unter dem farbenfrohen Konterfei der alten Mühle mit dem schäumenden Wasserfall und den vier großen Rädern? Ein kecker Malersmann hatte euch einst an die Wand gepinselt, drinnen bei den klappernden, staubenden Mahlgängen. Doch nun hat euch alle längst die neue Zeit verschluckt, die neue Zeit mit ihren Walzenstühlen, Elevatoren und [...]

17. Februar 2015

Hannes Hecker – Eine lippische Zieglertragödie

Als sie Johann Hecker mit durchstochener Brust aus dem Krugsaal getragen und auf das Sofa in der Schankstube gebettet hatten, blieb nur eben noch Zeit, die Sterbesakramente zu reichen. Der Blick Heckers ruhte unentwegt, aber langsam erlöschend,  im Gesicht seines Sohnes, der, breitschultrig und von hoher Gestalt, vor dem Tische stand, bis in die Lippen hinein erblaßt, die leise zitternden Finger auf die Platte gestützt. Stoßweise, doch nur den Nächststehenden vernehmbar, ging die röchelnde Stimme durch die atemlose Stille: „Hannes [...]

8. Februar 2015

Eigentümlichkeiten im Charakter der Lipper

Wer stets an seiner heimischen Scholle geklebt hat, wird nicht leicht zu einem unbefangenen Urteil über seine Landsleute gelangen. Weil der höhere Gesichtspunkt zur Beurteilung fehlt, wird die Perspektive nur zu leicht eine unrichtige sein: Die Vorzüge sowohl wie die Schwächen der Stammesgenossen erscheinen zu groß, ähnlich wie in der Optik ein Gegenstand, der aus zu großer Nähe betrachtet wird, in seinen Verhältnissen nur schwer erkannt wird.

Zu dieser Betrachtung fühlte ich mich veranlaßt, als in einem thüringischen Universitätsstädtchen eine hochgebildete [...]

7. Februar 2015

Wie Graf Simon August einen Maurer bestrafte

Graf Simon August, „Vater des Vaterlandes“, wie ihm sein dankbarer Sohn Leopold auf dem Denkmal im Büchenberge (jetzt im Kurpark Bad Meinberg) bezeugt, war ein tüchtiger Regent, der dem Luxus seiner verschwenderischen, prachtliebenden Väter tüchtig zu Leibe ging und durch seine harte Sparsamkeit den schlechten Finanzzustand des Landes bald wieder ausglich. Er war daher auch ebenso genau bei Lieferungen und Leistungen an den Hofhalt. Das hat im September 1773 der Maurer Georg Emilius Br. aus dem Kampe erfahren müssen. Br. hatte nach der Anzeige des Landbaumeisters Willich an [...]

29. Januar 2015

Vorgeschichtliche Eisenfunde

In vorgeschichtlichen Siedlungen findet man neben Waffen und Werkzeugen aus Eisen nicht selten auffallend schwere, unregelmäßig geformte Brodten von blasiger Struktur, die vielfach starken Rostansatz aufweisen. Es handelt sich hier um Eisenschlacken, ein Beweis dafür, daß an dieser Stelle in vorgeschichtlicher Zeit Eisen verarbeitet oder vielleicht ausgeschmolzen worden ist. Derartige Anhäufungen von Eisenschlacken sind z. B. vor Jahren in Kohlstädt geborgen worden. Im Leistruper Walde liegen mehrere Hügel, die zwar durchaus den Eindruck von Steinhügelgräbem machen, sich von diesen aber [...]

12. September 2014

Sachsen und Franken in Lippe

Die Sachsenkriege Karls des Großen, die mit der für die deutsche Geschichte so wesentlichen und folgenreichen Einbeziehung des sächsischen Stammes in das christliche Frankenreich endeten, waren eine Folge der sächsischen Ausdehnung nach Westen. Im 6. Jahrhundert verteidigte sich der Frankenkönig Chlotar I. gegen sie, im 8. Jahrhundert waren es Karl Martell und König Pippin, die in Feldzügen bereits vor Karl in das sächsische Gebiet vorstießen. Bonifatius begann seine Missionstätigkeit bei Fritzlar im fränkischen, aber noch heidnischen Hessenland 719 in einem durch wiederholte sächsische Einfälle heimgesuchten [...]

8. September 2014

Das Bauernhaus in der lippischen Kulturlandschaft

Diese Arbeit ist keine wissenschaftliche Abhandlung, und sie möchte sich 
auch nicht den Anschein geben, eine zu sein. Sie ist zunächst und vor allem 
dem Heimatfreunde gewidmet, und darum möchte ich die Veröffentlichung 
meiner Dorfinventarisation, die ich im Jahre 1970 im Aufträge des Deutschen 
Heimatbundes im Kalletal, im Siedlungstrio Brosen, Rafeld und Selsen
 durchgeführt habe, im Plauderton nahebringen. Dazu gehört u. a., daß ich 
dem Heimatfreunde auseinandersetze, was ein Zwei-, Drei- und ein Vier
ständerhaus, ein niederdeutsches Hallenhaus und ein Flettdeelenhaus [...]

31. August 2014

Gewerbliches Leben in Lemgo um 1900

Die große Industrie fehlte völlig, doch waren fast alle Handwerke vertreten. Viele sind inzwischen der Konkurrenz der Maschinenarbeit erlegen, so die Leinen- und Drellweber12Der Drellweber fertigte Drillichgewebe, Zeugmacher und Wollspinner, die Blau- und Schönfärber, die Filzschuh- und Filzhutmacher, die Holzschuh- und Galoschenmacher, Meerschaumdrechsler, Pfeifenschneider, Zinngießer sowie Nagel- und Kupferschmiede. Alle Handwerker, ja selbst Tagelöhner und Einlieber betrieben nebenher in größerem oder geringerem Umfange Garten- und Ackerbau mit Viehzucht.

Hempelmanns Scheune, Ostseite der Breiten Straße, ehemals Gerberei.

Es gab in der Stadt auch viele Bürger, die den [...]

6. August 2014

Leben an einer großen Straße

Bilder aus 2000 Jahren westlippischer Landesentwicklung

Das Buch „Auf den Spuren der Menschen im lippischen Westen” enthält den Versuch, das Überkommene in Landschaft und Siedlung nach der Entstehung zuordnen und über­schaubar zu machen. Die gestaltenden Kräfte, die das bewirkten, wurden in der Untersu­chung nicht gesondert dargestellt. Auf 6 Druckbogen war dafür kein Platz. Die Einbin­dung des Überkommenen in die überregiona­len Kräfte möchte ich in Umrissen hier nachholen.

Natürlich ist das Land an der großen Straße — von Niedermarsberg über Paderborn bis Verden [...]