20. Juni 2015

Eine Reisebeschreibung Lippes aus dem Jahre 1821

Im Besitze des Herrn Erich Weisser in Hillegossen, Heeperstraße Nr. 60, Papieringenieur der Feldmühle, Papier- und Zellstoffwerke A. G., Werk Hillegossen bei Bielefeld, befindet sidi aus dem schriftlichen Nachlaß seines Urgroßvaters Karl Friedrich Weisser, zuletzt Kanzleidirektor des Geheimen Rats in Stuttgart (geb. 25. September 1796, gest. 7. Juli 1873) ein zweibändiges „Tagebuch auf einer Reise durch die Rheinlande, das Bergische, die Niederlande nach Holland, von da durch Westphalen, Kurhessen, das Königreich Hannover, den Harz und die Mark Brandenburg nach Berlin und zurük über Dresden, Leipzig und Nürnberg nach Würtemberg, angefangen den 19ten Mai 1821, [...]

17. Februar 2015

Hannes Hecker – Eine lippische Zieglertragödie

Als sie Johann Hecker mit durchstochener Brust aus dem Krugsaal getragen und auf das Sofa in der Schankstube gebettet hatten, blieb nur eben noch Zeit, die Sterbesakramente zu reichen. Der Blick Heckers ruhte unentwegt, aber langsam erlöschend,  im Gesicht seines Sohnes, der, breitschultrig und von hoher Gestalt, vor dem Tische stand, bis in die Lippen hinein erblaßt, die leise zitternden Finger auf die Platte gestützt. Stoßweise, doch nur den Nächststehenden vernehmbar, ging die röchelnde Stimme durch die atemlose Stille: „Hannes [...]

6. August 2014

Leben an einer großen Straße

Bilder aus 2000 Jahren westlippischer Landesentwicklung

Das Buch „Auf den Spuren der Menschen im lippischen Westen” enthält den Versuch, das Überkommene in Landschaft und Siedlung nach der Entstehung zuordnen und über­schaubar zu machen. Die gestaltenden Kräfte, die das bewirkten, wurden in der Untersu­chung nicht gesondert dargestellt. Auf 6 Druckbogen war dafür kein Platz. Die Einbin­dung des Überkommenen in die überregiona­len Kräfte möchte ich in Umrissen hier nachholen.

Natürlich ist das Land an der großen Straße — von Niedermarsberg über Paderborn bis Verden [...]

29. März 2014

Ein Augustdorfer Zieglerleben um 1900

Um die Jahrhundertwende arbeitete ein großer Teil der Augustdorfer im Zieglerberuf. Die wenigen wirtschaftlichen Verdienstmöglichkeiten innerhalb des Dorfes zwangen die Männer, nach auswärts zu gehen. Die kümmerlichen Erträge des Sandbodens reichten zum Lebensunterhalt der Familie kaum aus. Überdies hatten fast alle Familien eine ansehnliche Kopfstärke.
19. Dezember 2013

Am Rand der Senne

Um die Mittagszeit wird es in den Kiefernschlägen unerträglich heiß. Die Baumpieper verstummen, und die Heidelerchen sind müde. Die Luft ist voller Harzgeruch. Aus den Kronen kommt ein leises Knacken, wenn sich die Zapfen öffnen. Nur die Waldameisen werden eiliger, sie mögen nicht den kühlen Morgen und die naßkalten Regentage.
14. August 2013

Die lippische Wirtschaft im Industriezeitalter

Wie alle absoluten Zahlen sind auch diese nur beschränkt aussagefähig und erhalten ihr volles Gewicht erst in Verbindung mit Bezugsgrößen. So sei denn daraufhingewiesen,....
12. August 2013

Aus der Zeit des wilden Automobilismus in Ostwestfalen-Lippe

„AUSSCHREITUNGEN GEGEN AUTOMOBILISTEN HABEN ÜBERHAND GENOMMEN

Im Herbst 1906 führte der Kaiserliche Automobil-Klub bei der Preußischen “ Regierung Klage darüber, „daß in letzter Zeit die Ausschreitungen gegen Automobilisten außerordentlich überhand genommen hätten“. „Besonders würden die Fahrer häufig mit Steinen beworfen.“ Wie kürzlich durch die Zeitungen gegangen sei, sei selbst Seine Königliche Hoheit Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder des Kaisers, bei einer Autombilfahrt „durch Steinwürfe getroffen worden“. Die preußische Regierung nahm die Angelegenheit ernst. Der Innenminister und der Minister der öffentlichen Arbeiten forderten [...]

11. August 2013

Als Radfahren noch gefährlich war

Mit Peitsche und Pistole

Nicht nur Kinder und frei umherlaufende Hunde bedeuteten um 1880 eine große Gefahr für einen Radfahrer, sodaß man jemanden, der ohne Peitsche gefahren wäre, mit Recht als äußerst leichtsinnig bezeichnet hätte.

Gruppenbild mit Kutsche und Radfahrer. Um 1910.

Wenn sich ein solcher Velozipedfahrer1Veloziped = Laufrad durch die Dörfer schlängelte, dann ließen die Bauern ihre Hunde los und hetzten sie hinter dem verrückten Kerl her. Übrigens hatten nicht alle Radfahrer Peitschen, sondern die ganz gewitzten waren mit Schreckschußpistolen ausgerüstet.

Die Reparatur [...]

24. Juli 2013

Die Amerika-Wanderung aus dem Fürstentum Lippe

Ein Beitrag zur 200-Jahrfeier der Vereinigten Staaten

Nur wenigen Lippern ist bekannt, daß sich jenseits des großen Ozeans ihre Landsleute ein Sinnbild ihrer Heimat errichtet haben. In Minnesota erhebt sich seit etwa einem Jahrhundert das Hermanns-Monument als eine naturgetreue Nachbildung des Bandeischen Denkmals. Es legt Zeugnis für die Heimatliebe ab und verdeutlicht den Wunsch der ausgewanderten Lipper, die Verbindung zu den Landsleuten auch in der neuen Umgebung aufrechtzuerhalten.

Das Hermann Heights Monument ist ein Denkmal in New Ulm (Minnesota). Es wurde [...]

18. Juli 2013

Die Straßenbahn von Detmold nach Paderborn

Sowohl in Paderborn wie auch in Detmold existierten seit 1900 Straßenbahnlinien. Sie dienten in erster Linie der Anbindung des Umlandes an die städtischen Zentren und an die überregionalen Eisenbahnen, weniger dem innerstädtischen Verkehr.
30. März 2013

Eine Postreise durch das Lippische Land 1835

Es war am Tage vor Pfingsten 1835, als ich ermüdet von einer langen Fußtour in Herford – dem alten „Herevorden“, in lippischem Platt „Hervede“ genannt -, ankam. Am Turm der Neustädter Kirche grüßte aus der obersten Helmluke ein grüner Pfingstbaum. Vor den Türen der spitzgiebeligen Häuser fegte hier und dort eine Frau und putzte die in Blei gefaßten kleinen Fensterscheiben; Kinder, mit Birkenzweigen beladen, eilten durch die Stra­ßen. Am alten Markte stand schon das schwerfällige gelbe Turn- und Taxis’sche Ungetüm [...]

19. März 2013

Ein königlicher Einzug

Wie König Karl, der spätere Vater der Kaiserin Maria Theresia von Österreich, als junger König am 9., Oktober 1703 in Barntrup einen feierlichen Einzug hielt und für eine Nacht auf der alten, früheren Gräflichen Burg Quartier nahm. Zu jener Zeit hat die damalige kleine Landstadt Barntrup immer wieder um ihr Stadtrecht ringen müssen gegen Landesherren und den Widerspruch der übrigen Alt-Städte. Kriege und Fehden — die Eversteiner und Soester Fehde sowie der Dreißigjährige Krieg—hatten der Stadt sehr zugesetzt. Dazu kamen die mannigfachen Brände.