Undank ist der Welt Lohn!

Das alte Barntruper Rathaus

Ein skurril-historischer Rückblick auf den November 1825

Aus den Unterlagen des Lippischen Landesarchivs, machten wir interessante Feststellungen: Am 11. November 1825 war im Bamtruper Waisenhaus und zwei weiteren Bürgerhäusern um 5 Uhr morgens eine Feuersbrunst ausgebrochen.
In der Stadt Blomberg erhielt man hier rein zufällig davon Nachricht als ein Mann gegen 9 Uhr morgens aus Richtung Barntrup kam.

Es wurde in Blomberg sofort durch die Feuerglocke Signal gegeben, und um 9.45 Uhr traf bereits eine stattliche Anzahl Blomberger Bürger mit ihrer Landspritze an der Brandstelle in Barntrup ein. Mit großem Eifer betrieben die Männer die Löschung des Feuers und halfen selbst unter Einsatz ihres Lebens beim Einreißen des Waisenhauses.

Bei dieser Arbeit und als das Feuer schon gedämpft war und der frühere Südwestwind sich glücklicherweise gelegt hatte, war es fast 12 Uhr.geworden, als einige von den Blomberger Bürgern in die Keller gingen, um sich mit einem Glas Branntwein zu stärken. Auch mehrere Barntruper hatten sich schon zechend eingefunden. In einem Wortwechsel bekamen die Blomberger die Antwort, dass sie hier überflüssig wären und hätten lieber gleich zu Hause bleiben sollen. Hierdurch, bei ihrer ehrlichen Absicht zu helfen, entspann sich ein Wortwechsel, der bald zu Raufereien führte.
Der Blomberger Magistrat beschwerte sich hierüber bei der Hochfürstlichen Regierung und schrieb wörtlich: „Die übrigen Blomberger, die sich bis dahin noch ruhig und eifrig in einer Wasser zubringenden Reihe beteiligten, wurden davon benachrichtigt, dass ihre Mitbürger Prügel bekämen und eilten diesen deshalb insgesamt zur Hülfe. Jetzt wurde die Schlägerei allgemein, die sich bald vom Rathause auf die Straße verbreitete, und woran nicht nur die Bamtruper sondern auch alle gegenwärtigen Bauern aus der Nachbarschaft Partei gegen die Blomberger nahmen.

Obgleich diese mit Reden einiger Magistratspersonen und andere bei ihnen in Respekt stehenden Männer aus Blomberg beruhigt und besänftigt wurden, so konnte solches nur auf einige Augenblicke fruchten und schrecklicher wurde diese Prügelei durch die gegenseitige Erbitterung aufs Höchste gesteigert, als auf einmal auf Befehl des Bürgermeisters Cordes aus Barntrup die Sturmglocke und die Landsturmtrommel gerührt wurde, auf welches Signal die Bamtruper haufenweise mit Schuten herbeieilten und mörderisch auf die Blomberger loshieben und viele arrestierten, jedoch nur Blomberger und selbst mehrere von ihnen, welche durchaus keinen Anteil an der Schlägerei genommen hatten. Hierdurch wurden die freigebliebenen Blomberger noch mehr erbittert und weigerten sich, nicht eher nach Hause zu gehen, als bis ihre Mitbürger wieder freigelassen wären.“ Von den Magistratsherren aus Blomberg wurde dies dem Syndikus Reimann mitgeteilt, der dann auch erreichte, dass die Arrestanten mit Hilfe des Pastors Kreck freigelassen wurden.

Das ehemalige Waisenhaus in der Mittelstraße in Barntrup. Quelle: Heimatland Lippe

Dann schreibt der Blomberger Magistrat weiter: „Den aber kaum bis zum Tore gelangten Blombergem folgte eine Masse Barntruper Bürger, Handwerksgesellen, Bauern und selbst die früher nur zur Ruhestiftung herbeigerufenen Schützen unter grässlichem Geschrei, dem Ausrufe nach: „So werden die Blomberger Spitzbuben aus dem Tore gebracht“.

Hier noch nicht zufrieden, fingen sie an auf jene mit Steinen und Knütteln zu werfen, womit sie viele verwundeten und stark beschädigten. Hierüber von neuem aufgebracht, versahen sich die Blomberger außer dem Tore nun auch mit Knütteln, Vietzbohnenstangen und zogen sich noch immer von jenen selbst von den Schützen verfolgt bis in das Tal unter Barntrup zu der Brücke über die Mühlenbache zurück, woselbst sich eine neue Schlägerei entspann, bis endlich ein blinder Feuerlärm die Barntruper zurückrief und die Blomberger ruhig nach Hause zogen “

 In der Nacht vom 10. zum 11. November 1825 brannte das ehemaligen Waisenhaus in der Mittelstraße fast völlig aus und konnte erst 1827 wieder bezogen werden. Die Waisenkinder wurden für die Übergangszeit in Barntruper Bürgerfamilien untergebracht (Lippische Staatszeitung 7, 1935, Nr. 161).
 Text als freundliche Leihgabe von Oberamtsrat a. D., August Marxmeier, Barntrup.