Verordnungen der Landesherrschaft im 18. Jahrhundert

Diese Bilder finden sie auf dem Lippischen Meierhof im LWL-Freilichtmuseum Detmold.

Ein Spiegelbild der intensiven Staatstätigkeit des absolutistischen Regiments sind die Fülle von Verordnungen und Gesetze, durch die reglementierend in alle Lebensbereiche eingegriffen wurde. In unzähligen Einzelmandaten setzte die Landesherrschaft fest, was Rechtens sei in Sitte und Religion, woraufzu achten und was zu schaffen sei in Dingen der Wirtschaft, des Handels und der bürgerlichen Wohlfahrt. Selbst die Privatsphäre blieb davon nicht unberührt, wie die in den Jahren 1765 und 1768 erlassenen Verordnungen „wegen des Caffeetrinkens“ beispielhaft zeigen.

Die Landesherrschaft versuchte nicht nur der „Unsitte“ des „Caffeetrinkens“ unter der Landbevölkerung zu begegnen, sie beanstandete in gleichem Zuge auch die „verschwenderische Kleiderpracht“, die „insbesondere unter den gemeinen Bürgers- und Bauersleuten, der geldbeklemmenden Zeiten ohngeachtet, von Zeit zu Zeit solchergestalten überhand nimt, daß durch Anschaffung fremder ausländischer Waaren an Gold, Silber, Samt, Seiden- und Wollenzeugen und Laken etc. die Leute in Schulden und gar ins Verderben gerathen“. So wurde jetzt „das Tragen der goldenen und silbernen Borten und Tressen, des Sammets, der Seide und des Zitzes, nur mit einziger Ausnahme der Weibermützen von Sammet und Seide“, verboten. Wer sich dennoch in der Öffentlichkeit in den „verbotenen Kleidungsstükken“ zu zeigen wagte, dem sollten sie – wie es die Kleiderordnung von 1770 vorschrieb – „durch die Amts- und Stadt-Unterbedienten öffentlich abgerissen werden“. Darüber hinaus wurde mit einer Strafe von 6 Gr. gedroht.

Auch bei den Kleiderordnungen von 1767 und 1770 hotte sich die Landesherrschaft von fiskalischen Motiven leiten lassen: Sie wollte „die Abwendung des starken Geldverschleppens außer Landes“ verhindern und den Landmann in den „jetzigen geldlosen Zeiten“ vor Schulden bewahren.

Provinciallaster ist allerdings Unmäßigkeit, besonders Trunkenheit. Jedoch hat sich nach dem Siebenjährigen Kriege, der auf die Sittlichkeit dieser Gegend sehr viel Einfluß hatte, vieles verändert. In meinem Kreise, der nicht klein ist, sind mir nur 2 Säuffer bekannt“, so wußte Pastor v. Cölln im Jahre 1784 aus dem Oerlinghauser Kirchspiel zu berichten. Die Trunkenheit scheint in der Tat ein im ganzen Land weitverbreitetes Übel gewesen zu sein. Bereits 1766 hatte sich der Landtag mit der Alkoholfreudigkeit weiter Bevölkerungskreise befaßt und darüber geklagt, „daß dem sicheren Vernehmen nach die Vollsäuferey unter denen gemeinen Bürgers-, Haus- und Bauers-Leuten solchergestalten überhand nehme, daß viele mit Versäumung ihrer häuslichen Arbeit und anderer Geschäfte nachgehen, das ihrige verprassen und verschweigen und endlich an den Bettelstab geraten“. Um „diesem verderblichen ungeheuren Übel und Unwesen zu steuern“, wurde am 17.März 1767 eine „Verordnung wegen der Volsäuferei“ erlassen, die vor allem den „Saufern und Trunkenbolden“ – also den notorischen Trinkern – drastische Strafen androhte.
Wer sich uneinsichtig zeigte und die Ermahnungen in den Wind schlug, der sollte „bei Wasser und Brod“ ins Gefängnis gesteckt und „bei noch nicht verspürter Besserung auf einen Sonntag an den „Pfahl“ gestellt werden. Wenn auch „dieses nicht fruchten wil“, so galt es, „selbigen samt einen umständlichen Bericht zum Zuchthaus einzuschikken“.

Doch bei vielen Bürgern schien die „Liebe“ zum Alkohol stärker gewesen zu sein als die Furcht vor Bestrafung, denn noch 1770 berichtete der Liemer Pastor Führung dem Konsistorium, daß eine beträchtliche Zahl von Gemeindegliedern „so wol vor als unter der Predigt sich in den Wirtshäusern toll und voll säuft, bis an den hellen Morgen und mit Spielen und Saufen hinschwärmet, wozu denn die Freiheit, welche sich die Musikanten nehmen, an solchen Tagen in den Wirtshäusern zu spielen ein großes beträgt“.

Quelle: Lippe  „Leben – Arbeit – Geld“