Vom Pflügen und Eggen

Das Pflügen
Für die Pflugarbeit wurden hier früher nur die Karren- oder Beetpflüge benutzt. Später kamen dann die Kippflüge in Gebrauch, die aber sehr bald, mit dem Einsatz der Traktoren, ausgedient hatten. Schwingpflüge waren hier kaum bekannt. Sie wurden wohl mal bei ausgesprochener Streulage mit vielen kleinen Flächen und bei schlecht auspflügbaren Grenzen benutzt, weil man damit näher an die Acker-grenze herankam. Die nachstehenden Angaben beziehen sich auf die Arbeit mit den Karren- oder Beetpflügen.

Pflügen auf ebenen oder fast ebenen Flächen
Gepflügt wurde, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, in der Längsrichtung der Fläche, wie dies die Zeichnung Nr 1 zeigt. Das Pflügen in der Längsrichtung hat den Vorteil, dass nicht so oft gekehrt werden muss (Zeitverlust) und dass die Vorgewende nicht so groß werden. Aus der Zeichnung 1 ist dies deutlich zu ersehen. Die einzelnen Stücke (in der Zeichnung 5 Stücke) wurden so eingeteilt, dass sie möglichst gleich groß waren. Man hatte dadurch einen Größenanhalt, wenn die Fläche mit verschiedenen Früchten bestellt wurde und außerdem war die Tagesleistung der Gespanne besser zu kontrollieren. Zur Zeit der „Dreifelderwirtschaft“ und der „Reinen Brache“ wurde bei größeren Flächen darauf geachtet, dass sich diese in drei gleichgroßen Teilen bearbeiten und bestellen ließen. Beispiel: War eine Fläche 18 Scheffelsaat groß, wurde sie in 6 Stücke zu je 3 Scheffelsaat aufgeteilt. Da immer nur 2/s der Ackerfläche bestellt und das restliche Drittel gebracht wurde, hatte man dadurch gleich die richtige Einteilung. Dies ist nur ein Beispiel, denn meistens wurde die Einteilung von V» zu V> für die ganze zum Hof gehörende Ackerfläche getroffen. Mitunter waren die einzelnen Stücke mal an dem einen, mal an dem anderen Ende breiter. Diese Einteilung, die uns heute sinnlos erscheint, hatte den Zweck, das geringe Gefälle zur Ableitung des Oberflächenwassers auszunutzen, insbesondere, wenn der Untergrund undurchlässig oder die Fläche, was meistens der Fall war, nicht drainiert war.

Pflügen an Hängen
Hier konnte nicht immer in Längsrichtung der Flächen gepflügt werden. War die Fläche nicht zu schmal, wurde quer zum Hang gepflügt. Dadurch wurde den Zugtieren die Arbeit erleichtert und einem Verfließen und Abschwemmen des Bodens vorgebeugt. Im Gegensatz zu der im vorigen Abschnitt geschilderten Einteilung der einzelnen Stücke hatte diese hier den Zweck, das Oberflächenwasser möglichst langsam abfließen zu lassen und in die nächste „Waterfohr“ = Wasserfurche zu leiten. Die Flurbezeichnung „An der Waterfohr“ = An der Wasserfurche oder „Up der Waterfohr“ = Auf der Wasserfurche findet man öfter. Ich glaube, die letzte Bezeichnung ist nicht ganz sinngerecht. Ursprünglich wird es wohl geheißen haben „Ob“ = Oberhalb der Wasserfurche. In der Gemarkung Istrup trifft dies zu. Eine Waterfohr, die früher auch Gemarkungsgrenze gegen Blomberg war, hat auch bei der Umlegung ihren alten Lauf behalten. Die angrenzenden, höher gelegenen Grundstücke heißen „Up“, lies „Ob“ der Waterfohr. Eine andere Waterfohr, zum Teil Gemarkungsgrenze gegen Mossenberg-Wöhren, besteht, wenn auch verlegt, als Wegegraben weiter. Die Wasserfurchen gehörten früher zu den angrenzenden Grundstücken und waren nicht versteint; die Grenzsteine standen mitten im Graben. Seit der Umlegung sind sie versteint und Eigentum der Gemeinde. Ließ sich die langsame Ableitung des Oberflächenwassers durch die Einteilung der Stücke allein nicht regeln, wurde mit dem Pflug eine „Fohr“ = Furche in einer für die Ableitung des Oberflächenwassers günstigen Richtung, mitunter schräg durch die Flächen, gezogen. Beim Ziehen der Furchen wurden die Schollen in der Neigung des Hanges gekippt, damit an der unteren Seite der Furche ein kleiner Wall entstand. Während die Wasserfurchen, obwohl sie nicht versteint waren, beim Bearbeiten der Flächen „schaunt“ = geschont = nicht mit gepflügt wurden — es blieb sogar an jeder Seite eine bis zu 50 cm breite Grasbank stehen — wurden die mit dem Pflug gezogenen kleineren Furchen mit bearbeitet und, wenn erforderlich, neu gezogen. Die „Waterföhre“ mündeten alle in sog. „Erdpöhlen“ = Erdpfuhlen, Erdlöchern, wo der trotz aller Vorsichtsmaßnahmen mitgeführte Mutterboden sich absetzte. Etwa alle 2-3 Jahre konnten diese Erdlöcher ausgefahren werden, was in der arbeitsschwachen Zeit, der sog. „Broketüit“, zwischen Frühjahrsbestellung und Ernte geschah. Die Erde wurde dazu verwendet, Vertiefungen in den Ackerflächen auszugleichen, oder den Ackerboden zu verbessern. Der Wert der Wasserabteilung durch die Furchen war bis vor einigen Jahren, jetzt ist die Fläche drainiert, bei einem Grundstück in Niederschönhagen deutlich zu sehen. Seitdem die Fläche mit dem Traktor gepflügt wurde und dadurch die früher vorhandenen Furchen, die dem geringen Gefälle angepasst waren, verschwanden, bildeten sich immer wieder Wasserlachen, weil der Boden das Wasser nicht alle aufnahm. Die Ernte fiel auf diesen Stellen oft ganz aus oder war bedeutend geringer Aus den angegebenen Gründen konnten die einzelnen Stücke nicht immer gleich groß sein. Der Bauer wußte dann aber aus dem Gedächtnis, wie groß diese Stücke waren, denn die Einteilung blieb immer gleich. Je nach Größe wurde dann z. B. von dem „Tweu-Scheppel-Stücke“ = Zwei-Scheffel-Stück = ca. 1/3 Hektar, gesprochen.

1. Das Pflügen in einzelnen Stücken

Pflügen der einzelnen Stücke
Die einzelnen Stücke einer Fläche wurden in der Reihenfolge gepflügt, wie in der Zeichnung 1 angegeben. Bei dem Stück Nr I wurde in der Mitte, an der sog. „Rugfohr“ = Rückenfurche begonnen. Zunächst wurde eine „Fohr“ = Furche „iut-ploht“ = ausgepflügt, d. h., die Schollen wurden auf das noch ungepflügte Land „klappet“ = gekippt (gestrichelte Linie). Dann begann das eigentliche Pflügen. Das Stück wurde „tehaupeploht“ = zusammengepflügt, wobei immer „hotharümme“ nach rechts herum „kehrt“ = gekehrt wurde. Der Zuruf für die Pferde lautet „hotthen“ = nach rechts. Es wurde bis in die Senken, die vom früheren steten Zusammenpflügen immer noch vorhanden waren, zwischen den Stücken I und II und I und IV gepflügt. Diese einzelnen Stücke wurden früher stets zusammengepflügt und auseinander „strieket“ = geschält, wodurch naturgemäß Wälle und Senken entstanden. Nun aber wurde an der linken Seite des Stückes II (erste Linie) angefangen und die „Schnotfohr“ = Grenzfurche „up dat Stücke klappet“ = auf das Stück gekippt. Handelte es sich um Klee- oder Grasland, wurden die Schollen der flach gezogenen Furche mit dem Spaten zerstoßen und „up dat Stücke schmetten“ = auf das Stück geworfen, um eine einwandfreie „Schnotfohr“ pflügen zu können. Dann wurde an dieser eben gezogenen Furche zurückgepflügt (zweite Linie) und dann immer „haharümme“ = nach links herum gewendet. Der Zuruf für die Pferde lautete „haharümme“ = nach links. War dies Stück fertig gepflügt, blieb in der Mitte die schon erwähnte „Rugfohr“, die dann „teoploht“ = zugepflügt und zum Schluß „teoschliepet“ = zugeschleppc wurde, wenn das Stück noch im Herbst bestellt werden sollte. Sollte dann diese Fläche mit Sommergetreide bestellt werden, wurde die Furche nicht zugepflügt, weil dann die Gefahr bestand, dass der lockere Boden bei starkem Regen oder Schneeschmelze „wägspollt“ = weggespült wurde. Das Zu-pflügen erfolgte bei der Frühjahrsbestellung. Auf Stück III ging die Arbeit in der gleichen Weise wie auf Stück I weiter, d. h., es wurde zusammengepflügt. Auf Stück IV unterschied sich die Arbeit von Stück II nur dadurch, dass keine „Schnotfohr“ gezogen werden musste. Es wurde an den schon vorhandenen Furchen der Stücke I u. III weitergepflügt. Zuletzt wurde das Stück V gepflügt. Hier musste zunächst, wie bei Stück II, eine Schnotfohr gezogen werden. Beim nächsten Pflügen wurde auf einem der jetzt auseinandergepflügten Stücke mit dem Auspflügen der Rückenfurche begonnen. Es wurde also abwechselnd zusammen- und auseinandergepflügt. Die durch das stete Zusammenpflügen entstandenen Wälle und Senken (s. oben) waren gewollt. Drainagen und andere Maßnahmen zur Wasserregulierung waren fast unbekannt. Die Wälle und Senken trugen zum Ausgleich der Ernten bei. In feuchten Jahren brachten die Wälle die besseren Erträge und in trockenen die Senken. War die ganze Fläche gepflügt, wobei hier bis zur Mitte des „Schnotsteunes“ = Grenzsteines gepflügt wurde, s. Schwengelrecht, wurde die „Anewennjen“ = Vorgewende = Fläche zum Wenden des Pfluges, gepflügt. Hierbei wurde genau so verfahren wie bei dem Pflügen der Stücke, d. h., es wurde abwechselnd auseinander- und zusammengepflügt. Waren die angrenzenden Flächen nicht bestellt, wurde hierauf gekehrt, andernfalls mussten die Ecken mit dem Spaten gegraben werden. Um die zu grabenden Ecken möglichst klein zu halten, zogen die Knechte den Pflug beim „Ansetten“ = Ansetzen möglichst weit zurück. Es war keine leichte Arbeit, die von den Zugtieren festgetretenen Ecken zu graben. Das sog. „Schwengelrecht“ galt nicht überall. Das Schwengel recht bedeutete, daß beim Ziehen der ersten und der letzten Grenzfurche ein Zugtier den Nachbaracker betreten und ein Rad des Pflugkarrens darauf rollen durfte. Wo das Schwengelrecht nicht galt und keine Übereinkunft zwischen den Grundstücksnachbarn getroffen wurde, ließ jeder, soweit die Flächen mit dem Pflug bearbeitet wurden, an der Grenze einen entsprechend breiten Streifen unbestellt, der dann mit Gras bewuchs. Die Tagelöhnerinnen holten sich das Gras für ihre Ziegen und Schweine. Diese Grasstreifen zwischen den Grundstücken boten den Mäusen ideale Nistplätze, weil sie hier kaum gestört wurden.

Eggen zur Vorbereitung des Saatbettes

Vormerkung: Die Bezeichnung „twütinnjes“ = zweizinkig, „duwwelt“ = doppelt und „dichte“ = dicht sind gleichdeutend.

Zur Vorbereitung des Saatbettes, sowohl im Herbst als auch im Frühjahr, wurde so geeggt wie die Zeichnung 2 zeigt, also „twütinnjes“ War das Wetter zur Zeit der Herbstbestellung ungünstig und drängte daher die Zeit, wurde der erste Eggenstrich auch mal „entinnjes“ = einzinkig gezogen. Quer zur Pflugfurche wurde grundsätzlich twütinnjes geeggt, wenn nicht ausdrücklich etwas anderes angeordnet wurde. Die Vorteile lagen darin, dass der Acker in beiden Richtungen durchgearbeitet wurde und immer „haharümme“ = nach links herum gekehrt werden konnte. Das links gehende Pferd war das „Hand- oder Lüinjespeerd“ = Hand- oder Leinenpferd, denn bei der Ackerarbeit gebrauchte man keine „Kruißleuten“ = Kreuzleine, gleiches galt auch für andere Zugtiere. Die Zeichnung 2 zeigt: Twütinnjes twees up dat tweute Fosper = zweizinkig quer auf die zweite Fußspur. Es wurde auch auf die dritte oder vierte Fußspur geeggt. Dadurch konnte bequemer gekehrt und die Ränder der Grundstücke, die meistens fester und oft auch mehr verunkrautet waren, besser „iuteujjet“ = ausgeeggt = erreicht werden. Ältere Handpferde fanden die richtige Fußspur nach einigen Rundgängen allein. Wurde mit jungen oder „hitzigen“ = aufgeregten, lebhaften Pferden gearbeitet, eggte man stets auf das dritte oder vierte Fosper, um nicht so knapp kehren zu müssen, was in diesem Falle immer mit Gefahr verbunden war, weil bei Unruhe der Pferde oder Unachtsamkeit des Gespannführers die Eggen kippen konnten, was leicht zu Verletzungen der Pferde führte.

Zeichnung 2: Doppeleggen

Am Hang erfolgte der erste Eggenstrich nicht, wie allgemein üblich, gleichlaufend mit der Ackerfurche. Angefangen wurde am unteren Ende des Hanges in der rechten Ecke der Fläche (Zeichnung 2 unten rechts) schräg zur Ackerfurche und diese Schrägrichtung auch beibehalten. Erreicht wurde dadurch, daß die Zugtiere den Hang nie direkt hinaufgehen mußten und beim ersten Eggenstrich, der die meiste Kraft erforderte, immer bergab gehen konnten. Bei Beginn der Arbeit (Zeichnung 2, unten rechts) ging der Gespannführer hinter dem Handpferd, später links am Eggenzug, wenn der Acker verunkrautet war und die Eggen oft „licht’t“ = angehoben und evtl. gesäubert werden mußten. War der Acker sauber, ging der Gespannführer auf dem nächsten Fosper, welches dann deutlicher zu sehen war. Die gestrichelte Linie zeigt den Weg des Gespannführers, der diesen Weg zweimal ging.

Nacheggen
Als das Getreide, der Rübsen, der Raps und der Flachs noch „breitworpsk“ = breitwürfig = mit der Hand gesät wurden, kam dem Nacheggen eine besondere Bedeutung zu, denn der Samen musste ja in Wirklichkeit „ineujjet“ = eingeeggt = mit Erde bedeckt werden. Wie bereits beschrieben, musste der Acker, entsprechend der anzubauenden Frucht, zur Saat hergerichtet werden. Je nach Frucht und Vorbereitung erforderte das Ein- bzw Nacheggen entsprechend mehr oder weniger Zeit und Arbeit. War es eben möglich, erfolgte beim Nacheggen der Eggenstrich dann in Nord-Süd-Richtung, denn die dabei entstehenden kleinen Wälle schützten die kleinen Pflänzchen vor den scharfen Ostwinden, die besonders bei „Barfrost“ = Frost ohne schützende Schneedecke, gefährlich werden konnten. Gab es Schnee, bei dem meistens Ostwind herrschte, blieb dieser hinter den erwähnten kleinen Wällen liegen, und schützte so die Saat. Da: wurde anders, als bei den Drillmaschinen die Saattiefe durch Anhängen von Gewichten an die Schare reguliert werden konnte. Jetzt wurde nur noch mit einem Eggenstrich nachgeeggt, um die Radspuren der Drillmaschine und die Fußtritte der Menschen und Zugtiere zu verdecken. Krümeln bei feuchtem Wetter die einzelnen Drillreihen nicht zu, hat das Nacheggen auch heute noch den Zweck, das Saatgut mit Boden zu bedecken. Auf das Nacheggen des Rübsens, bzw Rapses, des Sommergetreides, des Flachses, und später auch der Rüben, wurde besondere Sorgfalt verwendet. Es wurde nur „mie Anschlag“ = mit Anschlag nachgeeggt, denn nach Beendigung der Arbeit durfte auf dem Acker kein Fußtritt von Mensch und Tier zu sehen sein.

Zeichnung 3: Nacheggen mit Anschlag

Bei der Zeichnung 3 zeigen die durchgehenden Linien den Gang der Zugtiere, die gestrichelten den Weg des Gespannführers an. Die schrägen Seitenpfeile zeigen an, welcher Eggenstrich gezogen wird. Für die Eggenstriche III, V und VII (bei dieser Zeichnung aufwärts), blieb ein etwas schmalerer Streifen als die Breite des Eggenzuges liegen, damit kein Ackerstreifen ungeeggt blieb. Bei dieser Art des Eggens war die Führung der Zugtiere etwas schwieriger, weil zwischen dem Gespannführer und den Zugtieren immer mehr als die Breite eines Eggenzuges lag. Auf ein schnurgerades Eggen wurde allergrößter Wert gelegt. Das war nicht so schwierig, als dies zunächst erscheint, denn die Radspuren der Drillmaschine boten einen Anhalt. Damit auch nach dem letzten Eggenstrich keine Fußspur zu sehen war, wurden die Zugtiere dabei am Kopf geführt. Bevor es die leichteren Saateggen gab, wurden die Ackereggen auch bei der Frühjahrsbestellung zum Nacheggen benutzt. Es wurde damit „verkehrt“ oder „stump“ = stumpf nachgeeggt, d. h., die Spitzen der Eggenzinken zeigten dabei nach hinten. Darum hatten die einzelnen Eggenfelder an beiden Enden kurze Ketten zum Anhängen an den Eggenbaum. Vieles, was früher bei den Arbeiten auf dem Acker beachtet werden musste, insbesondere bei der Herbstbestellung, gehört der Vergangenheit an und wird heute, besonders von den jüngeren Menschen, als Rückständigkeit angesehen. Bei unvoreingenommener Betrachtung muß man aber zu dem Schluss kommen, dass alle diese Maßnahmen ihren Sinn und Zweck hatten und wohldurchdacht waren. Heute ist es gar nicht mehr möglich, und zum Teil auch nicht mehr nötig, die früher so wichtigen Punkte zu beachten, obwohl viele davon ihre Gültigkeit behalten haben.

Quelle: Heimatland Lippe 05/1973

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