Von Quacksalberei, Aberglauben und Teufelsbannerei,

Der Alchimist. Cornelis Pietersz. Bega, Öl auf Holz 1663 [Public domain], via Wikimedia Commons

auch etwas über Haushaltung.

Von Quacksalberei.

Sein Leben zu erhalten ist Pflicht des Menschen. Für die Erhaltung seiner Gesundheit also zu sorgen, nicht minder. Gott hat in so manche Kräuter, Pflanzen und dergl. in der Natur Kräfte gelegt, wodurch verlorne Gesundheit wieder hergestellt werden kann. Es gehört aber viel Mühe, Fleiß und Untersuchung dazu, diese Kräfte, die darin liegen, recht zu kennen. Es gehört Kenntnis des ganzen menschlichen Körpers dazu, um es recht zu wissen, woher eine Krankheit ihren Ursprung hat. Und diese Kenntnis ist so leicht nicht erlangt. Der Körper des Menschen ist, wer ihn nur einigermaßen kennt, ein rechtes Wunder der Schöpfung; er ist aus so vielerlei weichen und vesten Theilen und Gliedern zusammengesetzt, daß man die Weisheit und Kunst, die Gott darin bewiesen, nicht genug bewundern kann. Nicht weniger gehört viele Kenntnis, Untersuchung und Erfahrung dazu, zu wissen, welche Kräuter zu Heilung einer Krankheit heilsam sind. Denn was z. B. bei einem Fieber recht heilsam seyn und die Krankheit heben kann, das würde bei einer andern Krankheit ein wahres Gift seyn, noch kranker machen, ja vielleicht gar den Tod bringen. Es ist darum eine große Wohlthat des hiesigen Landes, daß dafür gesorgt ist, daß überall bald Doctors zu haben sind, die darauf studirt haben. Die Arzeneien können sie aber selbst nicht zubereiten. Dazu fehlt es ihnen an Zeit; sondern dies muß auf den Apotheken geschehen. Handelt der nun nicht aber ganz gewissenlos? vernachlässiget der nicht ganz die Pflicht der Erhaltung seiner Gesundheit und Lebens, der lieber zu einem Ouacksalber geht, der von allen jenen Kenntnissen keine besitzt, als zu einem solchen Mann, der darauf studirt hat?
Verdient darum nicht folgendes, das vor einem Jahr sich zutrug, belacht oder vielmehr bedauert zu werden? Die Frau des Hauses war krank; der Mann sieht sich um nach Rettung und Hilfe. Nicht weit davon wohnt ein Ouacksalber; zu diesem nimmt er seine Zuflucht. Der Prediger besucht die Frau, fragt, ob sie nichts brauchten? Ermahnt, doch bald zu dem nächsten Arzt zu schicken , weil ja jener Quacksalber nicht helfen kann. Der Mann folgt zwar dieser Ermahnung, weil aber der Doctor ihm nur einen Zettel, ein Recept giebt, was er auf die Apotheke bringen und dort zubereiten lassen soll, so glaubt er, das würde seiner Frau nicht helfen, wüsten diese ja nicht, was seiner Frau fehlte. Der Quacksalber denkt er, sey doch ein ganz anderer Mann, der habe einen großen Topf hinter seinem Ofen stehen, theile daraus selbst Arzenein mit, und schicke nicht erst zu einem andern, das müsse doch weit besser helfen. Er geht also wieder zu diesem hin, bekomme wieder von ihm etwas; bald nachher aber stirbt die Frau. Wer war nun wohl Ursach an ihrem Tode?

Von Aberglauben

Unvernünftige Thiere des Feldes wissen nichts von dem, was Menschen begegnen soll. Es bedeutet also so wenig was Böses als etwas Gutes, wenn Jemand des Morgens eine Katze oder Haase begegnet, wenn er ausgeht oder ausfährt. Es ist belachenswerthe Thorheit, wenn dadurch Jemand sich in Furcht und Angst jagen laßt. Nachdem ein Haase ihm begegnet, erst wieder mit seinem Wagen umkehrt, ausspannt, von neuem wieder anspannt, und dann erst fortfahrt, in der Meinung, nun erst könne er sicher fahren. Alles das ist vergebene Mühe, verschwendet Zeit, die er zu etwas besserm hätte gebrauchen können. War der Wage vorher gut geschmiert und besehen, daß nichts schadhaftes daran war, wurde nur vernünftig und vorsichtig gefahren; so würde kein Unglück sich zutragen, wenn auch 100 Haasen entgegen gekommen wären. Fünfzig und mehrmalen könnte es geschehen, daß beim Ausfahren ein solches Thier entgegen kommt, und es ereignet sich nichts übels; das vergißt man; ein einziges mal trift gerade beides so zusammen. Und nun soll gleich an jenem Vorfall das Entgegenkommen des Thiers Schuld seyn; da doch, wenn man nur einigermaßen nachdenke und untersuchen will, die Schuld offenbar an der Unvorsichtigkeit oder an der Furcht des Menschen lag. Eben daher aber, weil man eine solche Untersuchung darüber nicht anstellt, kommt es, daß man thörigt genug ist, es noch fernerhin zu glauben. Den Juden war, wie man aus dem 5 B. Moses 18,10.11. sehen kann, solcher und ähnlicher Aberglaube verboten. Wie vielmehr sollten Christen von solchem Aberglauben frey seyn, die aus dem Munde ihres göttlichen Lehrers es wissen, daß alle Haare ihres Hauptes gezahlt sind, daß keines davon auf die Erde fallen rann ohne den Willen ihres Vaters im Himmel.
Lieblos, menschenfeindlich ist es gar, wenn man das Begegnen am frühen Morgen von betagten Personen, vorzüglich weiblichen Geschlechts, als solche Unglücksprophezeiung ansieht, wohl gar Haß darum gegen sie empfinder, da sie doch vielmehr ihres Alters und mehrerer Erfahrung wegen größere Liebe, Achtung und Ehrfurcht verdienten.

Von Teufelsbannerei.

Bey verlorenen Sachen u. d. gl. sich zu einem Teufelsbanner zu wenden; der es wieder herbannen soll, heißt sein Geld verschleudern. Durch List mögen sie es wohl bisweilen herausbringen wer es gestohlen hat. Sonst wenn man ihnen nicht selbst auf die Spur hilft, wissen sie er so wenig als irgend ein andrer Mensch in der Welt. Gewöhnlich geht es, wie es neulich einem ergieng, der bey ihnen Rath suchte.
Es war ein Stück Vieh weggekommen, er gieng zum Teufelsbanner, muste einen schwarzen Hahn und Geld bringen; der Teufelebanner sagt ihm: er solle sich aufs rechte Ohr legen, es würde ihm träumen, wer es hatte. Dem Mann träumt nichts davon, er geht wieder zu ihm, muß noch einmal Geld bezahlen; ihm träumt nun, daß es ein Mann habe; von dem er gewiß weiß, daß er es nicht haben könne. Wird auch, weil er Freimütigkeit genug hat, diesem von dem er geträumt hatte, die Sache zu erzählen, bald überführt, aß er ganz frei davon sey, üherzeugt; wie er bei der Nasee herum geführt sey. War er aber nun nicht blos um sein Stück Vieh, sodern auch um sein Geld? War aber dadurch nun so viel gebesserter, daß er ins künftige vernünftiger handelte, und nicht wieder ein solcher Thor war.
Etwas über Haushaltung.
Der Aufenthalt von Thieren, z.B. Hühnern, Gänsen, Enten u. d. g. im Winter in der Wohnstube ist für die Gesundheit der Bewohner sehr nachtheilig. Zum Theil ist schon die Ausdünstung dieser Thiere in einem kleinen warmen Stübchen schädlich, noch mehr aber ihr Unrath. Man gewöhne sie also ja nicht dahin, sondern verweise sie gleich an die ihnen bestimmten Orte. Denn selbst diesen Thieren ist die Stubenwärme weit schädlicher als die frische freie Luft, die sie draußen einathmen.
Kein Jahr, auch ein schlechtes, sey es das nässeste oder trockenste ist ganz ohne Segen. Ist es naß, so gerathen immer einige Arten von Getreide und Gemüsen besser; ist es trocken, so gerathen andere besser. Der Vorsichtge Wirtschaftliche und Nachdenkende sucht darin bald durch den Segen dieser den Mangel jener zu ersetzen, forscht und prüft auch, was er zu thun habe damit nicht ein zu häufiger Genuß einer solchen gut geratenen Speise bey dem Mangel der andern seiner Gesundheit schädlich werde.

Quelle: Fürstlich Lippischer Kalender 1791

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