Was aus dem alten Barntruper Hagen wurde

Barntrup, Luftbild

Anna von Canstein, Franz von Kerßenbrocks Witwe, erwirbt Anno 1584 ein Stück des alten Knicks oder Hagens.

Am Sonnabend nach Reminiscere 1496 (5. März) hatte Bernhard, der Edelherr zur Lippe, seinen Untersassen, Mann und Getreuen Gerlach von Kerßenbrock mit einem rechten Erbmannlehen belehnt und zwar mit einem Hofe zu Hensentorp und einem freien lippischen Hof, innerhalb von Barrentorpe bei der Nedern Porten gelegen, nebst allen Zubehörungen. Knappe Gerlach von Kerßenbrock hatte dem lippischen Edelherrn dafür Huldigung und Unterstützung zugesagt.
Diese Urkunde finden wir in den Lippischen Regesten (L. R. 2842). Eine weitere Urkunde (L. R. 2843) berichtet, daß Edelherr Bernhard von Gerlach von Kerßenbrock 200 Rheinische Gulden in Gold erhalten und außerdem Gerlach an Haus und Schloss Barntrup 500 Goldgulden verbaut hat und ihm dafür Burg und Haus Barntrup verpfändet werden. Um diese Zeit hatten also die Kerßenbrocks die „obere Burg“ an der Nordostseite des alten Barntrup in Pfandschaft. Gerlach hatte für jenes Geld die verwüstete Burg, „das Steinwerk“, wieder fertig machen lassen. Graf Bernhard sagt seinem Ritter von Kerßenbrock außerdem Unterstützung zu, wenn die Burg ihm entrissen oder zerstört wird. Dagegen soll Gerlach von Kerßenbrock, solange er Burg und Haus inne hat, dem Edelherrn auf der Straße in Barrentorpe sicheres Geleit geben. Diese Urkunde wird einen Tag nach jener Belehnungsurkunde über den freien Niedern- oder Sattelhof am Sundage Oculi 1496 (6. März) ausgefertigt.

Annna von Canstein aus dem Verlöbnisjahr 1566 nach dem Stammbuch der Catherina von Canstein. Quelle: Heimatland Lippe

Beide Originalurkunden gingen 1642 in Ärzen verloren, wohin im Dreißigjährigen Kriege das Kerßenbrocksche Depositum sicherheitshalber verlagert wurde. Im Kopialbuch der von Kerßenbrock finden wir sie aufgezeichnet. Mit jenem 5. März 1496 tritt also der freie Hof am Niederntor urkundlich zum erstenmal auf und bleibt bis zur Jetztzeit, also fast ein halbes Jahrtausend, im Besitz des Rittergeschlechts von Kerßenbrock. Einen Tag später werden 1496 die Kerßenbrocks Pfandinhaber des alten, früher Sternbergischen Schlosses, der „Oberen Burg“ an der Nordostseite der Altstadt oben auf dem Thornesberg. Erst fast ein Jahrhundert später kam es zum Bau des heutigen Renaissanceschlosses oberhalb des freien Niedern Hofes, der hier am Niederntor des alten Sternbergischen Siedlungsrundlings lag, umwehrt von einem breiten Hagen wie bei Alverdissen und Bösingfeld.
Es ist der Initiative und der Tatkraft einer Frau zu danken, dass an dieser Stelle der imposante Schlossbau entstand mit den zwei Geschossen, den drei Ecktürmen und einem Treppenturm vor der Eingangsfront: ANNA VON CANSTEINS, Franz (II.) von Kerßenbrocks nachgelassener Witwe.
Im Jahre 1567 hatte Franz von Kerßenbrock, ein Enkel anfangs erwähnten Gerlach von Kerßenbrocks, Anna von Canstein aus der Gemeinde Heddinghausen, südlich Niedermarsberg, geheiratet und zunächst mit ihr den Adelssitz in Lemgo, Papen-straße bewohnt. Frantz war ein überzeugter Protestant und Lutheraner und als Söldnerführer in Frankreich wohlhabend geworden, so daß er im Jahre 1565 dem Grafen zu Mansfeld 34 000 Goldgulden vorschießen konnte und dafür Helfta mit dem Amte Eisleben sowie Kloster Helfta und Gut Helbra als Pfandschaft erhielt. Nach nur neunjähriger Ehe starb am 15. Mai 1576 ihr oft kränkelnder Mann und hinterließ seiner Witwe 4 unmündige Kinder namens Franz, Raban, Georg und Anton. Franz von Kerßenbrock starb schon 3 Monate nach seinem Bruder Tönies und war nur 46 Jahre alt geworden (geb. 1530/31). Schon bald nach dem Tode ihres Mannes begann Anna von Canstein als Inhaberin des Niederen Hofes die räumlichen Voraussetzungen zu schaffen für einen Wohnbau auf dem Hof an der Niederen Pforte. Es muss eine unbeugsame, tatkräftige Frau gewesen sein, kunstsinnig und geistreich, die den aus der Hamelner Schule stammenden Baumeister Eberhard Wilkening beauftragte, in der Folgezeit einen Schlossbau zu planen und auszuführen.
Da der eigene Niedere Hof räumlich zu klein für den geplanten Bau eines neuen Hauses für sich und ihre unmündigen Kinder, richtete Anna von Canstein ihren Blick auf den breiten sich nördlich anschließenden Knick oder Hagen Barrentorps und auf die angrenzenden Plätze von Nachbarstätten. Und bereits ein Jahr nach dem Tode ihres Mannes hören wir am 11. Juni 1577 (Depositum v. K. Urk. 78), dass Anna von Canstein kleine angrenzende Stücke von den beiden Nachbarhöfen erworben habe. Eine Quittung bekundet, daß Bürgermeister und Rat zu Barendorff 50 Joachimsthaler erhalten haben und zwar für die Stätte, den Platz, den sie Annas Schwager Tönnissen von Kerßenbrock neben Sewens Haus für die Anlegung einer Pforte überlassen haben, weiter für den Ort bei Bartold Vehemeiers für das Gebäude und die Genehmigung, dass Bartold Vehemeier etwas von seinem Hofe an Tönnies verkaufen durfte und endlich für die Zuleitung des laufenden Pfeifenbrunnens auf ihren Hof. Letzteres ist die erste urkundlich frühe Erwähnung städtischer Wasserversorgung. Anna von Canstein dachte sicher bei dem Erwerb des Anschlusses ihres Niederen Hofes an die Fleckenwasserleitung, die in langen Holzröhren lief, an die geplante große Baustelle für ihr Schloss und die Notwendigkeit, gleich an Ort und Stelle, Kalk brennen und löschen zu können. Aber noch war es nicht so weit. Bei den 1577 ersterwähnten Arrondierungen des Niederen Hofes treten noch keine gräflichen Unterhändler auf, die Grundveräußerungen erfolgen scheinbar schnell und reibungslos. Dann aber scheinen die Fleckenbürger etwas schwieriger zu werden. Einige Jahre vergehen.
Zwei Urkunden aus den Jahren 1584 und 1585, die sich im Archiv der Stadt Barntrup befinden, geben Auskunft über den erfolgten Ankauf des Hagenknicks durch Anna von Canstein. Die älteste Urkunde ist vom 14. Mai 1584, (siehe Abbildung Original: 51 cm x 46 cm Pergament), die folgende vom 30. März 1585. Beide sind ausgestellt und gesiegelt im Namen Simons VI., Edler Herr zur Lippe und Rethberg, Herr zu Esenns, Stedes-dorff und Withmunde etc. — Simon VI. hatte sich in erster Ehe 1578 mit Irmgard, einer der Rietbergischen Erbtöchter vermählt und dadurch die Grafschaft Rietberg erworben sowie die Städte Esens, Stedes-dorf und Withmunde im „HarlingerLand“. Nachdem Simon 1579 volljährig geworden war, trat er die Regierung beider Grafschaften an. Irmgard aber starb alsbald kinderlos. Da fiel Rietberg zurück an Enno von Ostfriesland, der Irmgards Schwester Waldburg zur Ehe hatte. Anno 1586 — ein Jahr nachdem Anna von Canstein den Barrentorper Hagen endgültig erworben hatte — heiratete Graf Simon VI. ein zweites Mal und zwar Elisabeth von Schaumburg und beseitigte damit den Anspruch Schaumburgs auf lippisches Gebiet. Aus der sehr glücklichen Ehe entsprangen 5 Söhne und 5 Töchter.
Betrachten wir zunächst die ältere Urkunde von 1584. Simon VI. bekennt für sich und seine Erben: die Erbare, Tugendsame, liebe Besonderinne Anna von Canstein, Frantz von Kerßenbrocks nachgelassene Witwe, habe ihn gebeten, untertänig vorgebracht und zu erkennen gegeben, daß sie etwas für die Notdurft ihrer unmündigen Kinder, für ihre Versorgung tun möchte. Nun biete sich die Gelegenheit. Sie habe schon mit ihren Verwandten und Freunden darüber beraten. Auf dem ihren Kindern zubehörigen Hofe, den ihr Mann und seine Erben vom Gräflichen Hause zu Lehen inne habe, möchte sie in Barntrup ein „Wohnhaus“ bauen. Nun ergebe sich da ein Hindernis. Erwähnter Hof sei bereits von anderen notwendigen Gebäuden eingenommen und der übrige Teil „zu solchem Vurhaben etwas geringeschet zigh und gnaw“ (knapp).

Urkunde vom 14. Mai 1584 (stark verkleinert). Quelle: Heimatland Lippe

Anna von Cansteins Hof, am Niedren Tor des gräflichen Fleckens Barrentorff gelegen, stoße an einen Knick oder Hagen, „der Rat und Gemeinheit zubehörig, aber dessen sie in itzigem seinem Wesen weinigh genießenn und geprauchenn können“. Darum sei ihre demütige Bitte, Gräfliche Gnaden möge geruhen, „nicht alleine obrigkeithalber gnedigh vorhengen und nachgebenn, mit den Eingesessenen zu Barrentorff Handt-lunge pflegen zu lassen, damit ihr zur Erweiterung des Hofes und umb so viell beßer und bequemer Ausfhurunge sotha-nen Gebeuwdes, von erwentem Knicke oder Hagen, ihr ein Theill gegen pillich-meißge Ergetzung muchte eingereumbt und uberlaßen werdenn.“

Anna von Cansteins Bitte entsprechend, setzt Graf Simon VI. zwei Unterhändler ein, die sich nach Barrentorff begeben, den Niederen Hof und auch den Knick und Hagen in Augenschein nehmen. Es sind der Landdrost Adolffen Schwartz und Hinrichenn Florckenn, Burgermeister „Unser Stadt Lemgo“.
Die beiden gräflichen Unterhändler sind „abgeordnet und committirt, zwischen der Witwe von Kerßenbroich und denen von Berrentorff Handlung zu pflegen“. Das Ergebnis haben sie dem Grafen Simon in einer Erklärung und Resolution eingebracht, die in beiden Verträgen wörtlich aufgenommen ist. In beiden Urkunden heißt es wechselnd in der Schreibweise sowohl „Kerßenbroich“ als auch „Kerßenbroick“, „Barrentorff“ als auch „Berrentorff“. Es heißt da: „ . . .weilen der Ogenschein außweisett, daß dieses (die Abgabe des Hagenstückes an Anna von Canstein) an unseren Regalien und Hoicheitten un-nachteiligh, sondern viellemer zu Verbeße-runge unseres Lehenguits sowohl als auch dem Raithe und Gemeinheit zu Berrentorff und den armen Notturftigen daselbst zu merklichem Nutz und Besten gereichen, also sein sie zur Handlung geschritten, haben auch endelich mitt beider Parthe Bewilligung dahin contrahirt und geschlossen“. Rat und Gemeinheit zu Barrentorff haben der Witwe von Kerßenbroich verkauft, cedirt und überlassen den Knick oder Hagen, „so weith ferner und der von Bartoldt Vehemeiers biß widder an Hermann Trachten Hoff in der Lengede sich erstrecket, in die Quer oder Breite aber den ganzen Hagen nach Anzeige itzo specificirter Lengede, biß auf zwo Ruthen, welche die von Berrentorff ihnen vorbehaltenn und außgenommen haben“. Im zweiten Kaufvertrag vom 30. März 1585 erfahren wir Näheres über dieses ausgenommene Hagenstück.
Die Käuferin soll „gutte Fueg, Recht und Macht haben, nunmehr auff sothanes Raum zu bauwenn, mit einer Mauren ihrer Gelegenheitt nach zu umbziehen und sonsten vor sich, ihre Erbenn und Erbnehmmen ihres besten Nutz und Gefallens zu geprauchen.“ Um diese Zeit, als die Bürger ein Stück Hagenknick verkauften, war der Knick an dieser Stelle durchsetzt mit Holz, vielleicht mit Hainbuchen, Erlen, einzelnen Eichen, die sich zu den ursprünglichen Schlehdornen, Hartriegel, Wildrosen und anderen urwüchsigen Gebüsch-sträuchern gesellt hatten. Dieses Holz behalten sich die Verkäufer beim ersten Knickverkauf vor. Es heißt da in der Urkunde: „Das Holz aber, so auff diesem angedeutenn Platze erwachsenn, haben sich die Vorkeuffere abzuhauwenn und zu ihrem Frommen zu wendenn außbeschieden.“
Anna von Canstein sagt den Barren-torffern 600 Thaler als Kaufsumme zu für diesen Knick, Raum und die Bewilligung. „Schirsten Michaelis Archangelij Tagk un-vorzugklich zu gebenn und zu entrichtenn.“
Jede Partei handelt noch etwas ein. Anna von Canstein löst sich aus einer alten Verpflichtung dem Flecken gegenüber, sie läßt sich befreien von der Beisteuer, die sie zur Unterhaltung der Steinwege und Steinplätze als Inhaberin des Niederen Hofes von altersher zu zahlen hatte. Andererseits geht die Käuferin eine neue Verpflichtung ein zugunsten der Stadt. Ein Vorfahre ihres Mannes, Herr Bernhardt von Kerßenbroich selig hat zu Lebzeiten in seinem Testament „legirt und verordnet 1000 Thaler Heubtgelds zu Erhaltung eines aus dem Kerßenbroicheschen Geschlechte zum Studiren und behueff der Armen. Die Gebrudere und Gefettere von Kerßenbroich haben die Heubtsummen unter sich biß noch behalten.“ Anna von Canstein hat bisher den Zins, so viel auf ihre Kinder von ihrem Anteil entfällt, nach dem Absterben ihres Mannes den Armen ausgeteilt, „an welchem Orte sie gewollt“. In beiden Kaufurkunden erneuert Anna von Canstein diese Verpflichtung an Stelle ihrer unmündigen Kinder. Sie will — „hindfüro jerlich unverjharet und alle Jhar besonderenn zwischen Micha elis und Martini heiligen Tagen, itz laufenden vier und achtzigstennn Jhares anzufahen, aus ihren Gutherrn funnff und zwanzigh Thaler von angezogenem Legato, und also denn Zinß auff funnffhunderth Thaler Capitals den rechten Armen im Flecken Barrentorff durch ihre darzu verordnete Mitrathe und im Beisein zweier Personen auß dem Mittel des Raiths an Gelde, Getreidigen, Gewand oder sonstenn nach der Notturfftigenn bester Gelegen-heitt außtheilen laßen.“ Damit erneuert Anna ‚von Canstein für sich und ihre Kinder die Zinsverpflichtung aus dem Legat, soweit es ihren verstorbenen Mann betrifft, es sind 5°/o von 500 Thalern Kapitals.

Luftaufnahme vom Barntruper Schloß. (Freigegeben Reg.-Präs. D’dorf: 25/BH 127 – 7.(Quelle: Heimatland Lippe)

Graf Simon VI. hat für beide Parteien von jedem Vertrag zwei gleichlautende Urkunden anfertigen, mit dem Gräflichen Siegel versehen und ihnen zustellen lassen. Wir haben die ältere vom 14. Mai 1584 für unserem Beitrag fotografieren lassen und unseren Darlegungen eingefügt, uns auf weiten Stellen an die Diktion der Sprache damaliger Zeit haltend.
Die ältere Urkunde (I) begegnet uns nochmals unter dem 30. März 1585 (II). Wodurch unterscheiden sich beide? Die zweite (II) gibt einen höheren Kaufpreis an für den Hagenknick: 730 Thaler. Es scheint so, als habe man nach dem Kaufabschluß vom 14. Mai 1584 weiter verhandelt. Anna von Canstein war sicher bestrebt, die räumliche Ausdehnung des neuerworbenen Hagengrundstücks genauer zu präzisieren und auch die Fleckenbürger für geplante weitere Erwerbungen geneigter zu stimmen. In der Urkunde II wird die Ausdehnung nach Norden in der Breite genauer angegeben. Das Knickgrundstück soll „bis auf die daranstoßenden Garten“ sich in die Quere oder Breite erstrecken. Die Längenausdehnung sind in beiden Urkunden gleich. Die Käuferin lässt sich in der Urkunde von 1585 auch das Holz aus dem erworbenen Hagenstück zusprechen, will das Holz aber erst abhauen, wenn das neue Baugrundstück mit einer Mauer umzogen ist, auf ihre Kosten. Anna soll aber jetzt und auch in Zukunft nicht das Recht haben, eine Pforte oder einen Durchgang durch die neue Mauer machen zu lassen, es sei denn mit gräflichem Consent und gutem Willen. Wahrscheinlich lag an dieser Stelle der alten Hagenumwehrung ein fortificatorisches Interesse der Bürgerschaft vor. Während dieser Jahre der Bauplanungen zu ihrem Schloss, des Ankaufs eines Stückes des Hagens als Baugrundstück dazu, der entscheidenden Beratungen mit dem Baumeister Eberhard Wilkening und des Baubeginns hinter dem Niederen Hofe und der vielfachen Beratungen und Vorgänge auf der großen Baustelle ist Anna von Canstein eine sehr aktive Frau mit großem Weitblick. Sie muss ein sehr freundschaftliches Verhältnis zur landesherrlichen Familie gehabt haben, so möchten wir glauben. Es gelingt ihr, auch ihren freien, eigentümlichen Hof zu Wierborn mit adliger Gerechtigkeit, Sitz und Wohnung auszustatten, obgleich in einem besonderen früheren Vertrag die Bedingung stand, den Hof zu Wierborn nicht zu einem adligen Sitz zu machen. Nun aber wird es ihr am 12. Oktober 1586 bewilligt, (Dep. v. K. Cop. buch 5/230) „weil Anna von Canstein sich wegen ihrer Treue, Sorgfalt und ihres Fleißes bei Elisabeth, geb. Gräfin zu Holstein und Schaumburg, Gräfin und Edelfrau zur Lippe, belie’ui. gemacht hat“. Es ist das gleiche Jahr, da Simon VI. Elisabeth von Holstein-Schaumburg geheiratet hat. Es wird Anna von Canstein für Wierborn — ebenso wie bei dem Nedderenhof — die Jagd- und Fischereigerechtigkeit zugestanden, auch für ihre Söhne Frantz, Rab, Tönnieß und Jürgen.
In den nächsten Jahren war Anna bestrebt, ihren Grunderwerb nach Norden fortzusetzen durch Grundstücksaustausch von städtischen Hagengärten. Zunächst gesteht ihr Graf Simon VI zu, eine Pforte nach Wierborn durch den städtischen Knick zu legen. Wir hören davon in einer Urkunde vom 12. Januar 1589. In diesem Vertrag wird ausdrücklich angeführt, dass er eine Ergänzung und Erweiterung des Grundstücksankaufs vom 30. 3. 1585 ist. Um diese Zeit waren seitens der Stadt schon manche Hagenstücke zu Knickgärten umgewandelt und an Fleckenbürger verpachtet. Zur weiteren Arrondierung ihres Baugrundstückes versucht Anna von Canstein mit Erfolg, die bei ihr angrenzenden Hagengärten gegen andere, ihr zugehörige, aber weiter vom neuen Schloßhof abliegende Gärten umzutauschen. Von solch einem Tausch hören wir am 16. März 1589 (Sonntag Judica; Cop. Buch 2/284): Bürgermeister und Rat zu Barrentorff bekennen, daß sie bei Unterhandlungen mit Christoffer von Donoppe, Jobst Schniedewindt, Gräflichen Drosten und Räten, der Annen, geb. von Canstein wegen eines Bauplatzes fünf an das Gebäude angrenzende Gärten (Hagengärten), die Herman Höpping, Henrich Winter, Johan Bremei, Johan Holtman und Bartold Penning unterhaben, abgetreten haben. Es sollen außerdem die 2 Gärten des Bartold Penning und Hanß Schuemacher hinzukommen. Dagegen tritt die Witwe 2 Gärten bei der Kleinen Twette vorm Osterthor am Steinwege und einen Garten, vorm Neddernthore am Kreuzwege belegen, einen Garten zwischen der Kleinen Twetten und der Gatzer nach der Marsch hinab gelegen, (letztere an die Kirche) erblich ab. Außerdem sollte von dem Holz- oder Hopfengarten vor dem Osterthor einiges Land zugemessen werden.

Heimatland Lippe: 05/1973 Louis Knese