Wie Graf Simon August einen Maurer bestrafte

Nächtliches trinkgelage . William Hogarth, 1732

Graf Simon August, „Vater des Vaterlandes“, wie ihm sein dankbarer Sohn Leopold auf dem Denkmal im Büchenberge (jetzt im Kurpark Bad Meinberg) bezeugt, war ein tüchtiger Regent, der dem Luxus seiner verschwenderischen, prachtliebenden Väter tüchtig zu Leibe ging und durch seine harte Sparsamkeit den schlechten Finanzzustand des Landes bald wieder ausglich. Er war daher auch ebenso genau bei Lieferungen und Leistungen an den Hofhalt. Das hat im September 1773 der Maurer Georg Emilius Br. aus dem Kampe erfahren müssen. Br. hatte nach der Anzeige des Landbaumeisters Willich an dem kleinen Kanal im Reithaus schlechte Arbeiten ausgeführt. Er trank gern einen, wobei es dann vorkam, daß er das Maß seiner handwerklichen Kunst verlor. Nachdem sich der Graf von den üblen Leistungen überzeugt hatte, befahl er am 14. September 1773 „2 Tage Arrest bei Wasser und Brot, dabei soll Br. unter der Pritsche sitzen“. Der Kammerrat Hoffmann war der Ansicht, daß die Strafe zu hart sei. „Eine gnädigst diktierte Strafe bei Wasser und Brot scheint mir gerecht und dem Betragen des Br. angemessen zu sein, da aber die Gefängnisstrafe bei Wasser und Brot schon eine proportionierlich große Strafe ist, so würde bei Illustrissimi Regentis Hochgräfliche Gnaden der unterthänigste, ohnmaßgebliche Antrag auf der Billigkeit beruhen, daß der Br. von dem Sitzen unter der Pritsche gnädigst dispensieret würde.“
Der Graf hatte für diese Freundlichkeit und das Mitleid seines Kammerrats kein Verständnis und verfügte handschriftlich am Rande des PM:

„Soll bei Wasser und Brot des nachts in der Ecke sitzen und bei Tage unter der Pritsche sich aufhalten, im übrigen ist ihm zu bedeuten, wenn jemals eine untüchtige Arbeit vorkäme, er seines Dienstes auf geschehene Anzeige erlaßen werden soll. Daher die Aufsicht, Attention zu verdoppeln. SA. (Simon August.)“

Am nächsten Tage befahl der Obristleutnant Schröder auftragsgemäß 2 Mann der Wache mit einem Unteroffizier, den Br. in Arrest zu bringen. Als er am 18. September entlassen wurde, erhielt er wegen seiner miserablen Arbeitsleistungen und seiner Trunkenheit noch eine scharfe Verwarnung, wonach er sich zu richten habe.
Drei Monate später hat sich Br. mit Wilhelmine Friederike Sprute aus Horn verheiratet. Er hat seine Liebe zum Gräflichen Hause durch den Aufenthalt unter der Pritsche aber nicht schmälern lassen, denn sein ältester Sohn Emil Anton Hermann, der seinem Vater in der Maurer-Profession nicht folgen sollte, wurde Bedienter bei der inzwischen verwitweten Fürstin Durchlaucht.

Quelle: Lippischer Dorfkalender 1955

Send this to a friend