Wie sahen unsere alten Schlösser aus?

Titelbild: Horn-Bad Meinberg (Lippe), Burg mit ausreitendem Grafenpaar, Elias von Lennep, 1663/66

Wohl wissen wir, daß sie einstmals da waren, auch daß sie die Geschicke der engeren aber weiteren Heimat weitgehend beeinflußt haben.Sie sind aber zum Teil ganz verschwunden, zum Teil nur in Resten oder Einzelbauten erhalten geblieben, haben ihre Wehrhaftigkeit verloren und lassen die ursprüngliche Größe nach Bedeutung kaum noch ahnen. Mancher hätte aber eine Vorstellung davon, wie sie aussahen und wie ihr Schicksal bis auf den heutigen Tag gewesen ist.

Burg Lipperode

Gewiß sind viele Besucher, die erwartungsvoll zu der alten Lippeburg kommen, enttäuscht, wenn sie vom Dorfe her über die Merschwiesen sich dem „Amt“ nähern und dann inmitten eines Schilfbewachsenen Grabens nur spärliche Ruinenreste erblicken. Das ist also die Burg, die einstmals angeblich solche Bedeutung hatte! Freilich, groß ist sie nie gewesen, auch auf unserem Bilde von 1630 sieht man eigentlich nur das große steinerne Haus mit verschiedenen Aus- und Anbauten sowie einem unten offenen Vorbau, gegenüber einige Wirtschaftsgebäude in Fachwerk, das Ganze umschlossen von einer Gräfte, über die der Zugang mittels der Zugbrücke führt. In Allem also ein bescheidener Burgsitz auf engem Raum.

Burg Lipperode 1663

Das Wichtigste an der Burg war die Lage an einer alten Heerstraße, deren Lippeübergang sie deckte. Die älteste Burganlage stammt vermutlich schon aus karolingischer Zeit, in den Urkunden erscheint sie einige Jahrhunderte später. Zu wirklicher Bedeutung versuchte Graf Simon VI. sie durch festungmäßigen Ausbau kurz vor dem 30-jährigen Krieg zu bringen. Mit erheblichen Kosten wurden Wälle und Bastionen in Form eines fünfzackigen Sterns angelegt, mit einem sehr breiten Graben umgeben und mit dem nötigen Geschütz ausgestattet. In der Mitte lag als Kernwerk die Burg mit ihrer eigenen Befestigung. Noch heute erkennt man deutlich im Gelände die sternförmigen Wälle und die ausgehobenen Gräben, wenn sie auch nicht mehr in voller Höhe und Tiefe erhalten sind. bei der Regulierung der Merschwiesen zum Schutze gegen Hochwasser (vor etwa 15 Jahren)1etwa 1935 mußten die Wälle teilweise abgetragen und die Gräben aufgefüllt werden. Die 5 Spitzen sind durch je 1 Baum gekennzeichnet.

In dieser festungsmäßigen Gestalt bestand Burg Lipperode bis gegen Ende des 30-jährigen Krieges. Strategische Bedeutung hatte sie nicht erlangt; die Festungswerke wurden geschleift, die wertlos gewordene und unbewohnte Burg zerfiel und heute spiegeln sich nur noch einige Mauern mit einem Fenstersitz und Kaminresten melancholisch im stillen Wasser der Gräfte.

Die Burg in Barntrup

Außer dem stattlichen Kerßenbrock’schen Schloß, das noch heute wohlerhalten die höhe beherrscht, besaß die Stadt Barntrup auch eine Burg in ihrem Besitz. Es ist uns überliefert, daß die Grafen von Sternberg ein „festes Haus“ im Orte hatten, das ihnen auch zeitweise als Residenz diente. Vergeblich suchen wir heute seine Spuren, es ist restlos verschwunden und nur noch die Platzbezeichnung „Auf der Burg“2Bugstraße und Meierhofstraße verrät seine Stelle. Von der alten Burg wissen wir, daß sie nach mehrmaligen Bränden umgebaut und 1447 in der Soester Fehde mitsamt der Stadt und der Nachbarschaft Blomberg zerstört und verbrannt wurde. Danach entstand sie aber neu und unser Bild zeigt sie in dem Zustand um das Jahr 1650.

Schloß Barndorff 1663

Es ist ein ansehnlicher Bau mit Erkern und einem reich geschmückten Giebel in den Formen der Weserrenaissance. Auf einem etwas früheren Stich, der den ganzen Ort Barntrup darstellt, erscheint sogar noch ein zweiter größerer Bau mit Giebel, der um 1650 schon nicht mehr bestand. Eine hohe Mauer umschließt den Hof, auf dem neben dem Burghaus eine Anzahl von Wirtschaftsgebäuden sichtbar wird. Torturm und Torhaus fehlen nicht. Die Burg bildete einen abgeschlossenen Bezirk am Rande der Stadt. Wehrhaft erscheint sie nicht mehr; die früher vermutlich vorhandene Gräfte ist verschwunden.

In dem wechselvollen Geschick des Amtes Sternberg, das als dauerndes Pfandobjekt oftmals seinen Besitzer wechselte, hat die Burg langsam an Bedeutung verloren. Teile hatten sich bis in das 19. Jahrhundert hinübergerettet, sind aber dann vollends beseitigt worden, als das Burggut nach Sevinghausen verlagert wurde3Jetzt Dömane Barntrup. Es bleibt uns nur die Vorstellung, die wir uns nach dem alten Bilde machen können.

Schloß Oesterholz

Wer heute von der Fürstenallee kommend durch den alten Torbogen den freundlichen Hof des Altersheims betritt, ahnt nicht die ansehnliche Schloßanlage, die unser Bild um 1650 datstellt. Erst bei näherer Betrachtung des Geländes gewinnt man den Eindruck von dem Umfang des ehemaligen Gebäudebereichs.Man erkennt die breite Gräfte, die das Ganze umschließt, aber nur noch teilweise Wasser führt. Man findet die Grundmauern des abgebrochenen Schloßteiles rechts vom tor, zwischen denen ein schöner Garten liegt, in dem sich die Alten aus dem Heim sonnen. Auch der Stumpf des runden Wehrturmes an der Südecke wird sichtbar, der allein von mehreren erhalten ist, ebenso die hohe Abschlußmauer des Hofes gegen den Wald, an die sich die stattlichen auf dem Bild erkennbaren Wirtschaftsgebäude anlehnten.

Schloß Oesterholz 1663

Vom Haupthaus des alten Schlosses steht heute nur noch der teil links vom Tor, ein reicher Fachwerkbau in Renaissanceformen auf steinernem Untergeschoß mit großer Freitreppe und stattlicher Tür. In diesem Hause verbringen fast 50 alte Männer und Frauen in Ruhe und Beschaulichkeit den Lebensabend.

Unser Bild zeigt die Ansicht von der Fürstenallee aus gesehen. Hinter der Gräfte erhebt sich die lange Schloßfront mit dem schönen Tor in der Mitte, zu dem man über eine Zugbrücke gelangt. Dahinter erscheinen die Dächer großer Stall- und Scheunenbauten, die einen weiten Hof umgeben, das Zeichen eines ausgedehnten Wirtschaftsbetriebes. So eintönig, wie der Kupferstich die Front darstellt, ist sie zweifellos nicht gewesen. Die Obergeschosse der Bauten, wahrscheinlich auch die Giebel, muß man sich in reichem Fachwerk vorstellen, wie den vorerwähnten gut erhaltenen Bau links vom Tor, der zur Zeit der Entstehung des Bildes schon bestand.

Oesterholz war hauptsächlich Jagdschloß der Lippischen Grafen, davon zeugen die schönen in Stein gehauenen Wildschweine vor der Freitreppe. Später, als Lopshorn #lopshorn mehr in den Vordergrund trat, verlor Oesterholz an Bedeutung. Der größte teil der Schloßbauten wurde abgetragen und das Material zum Bau der staatlichen Kurhäuser Rose und Stern in Bad Meinberg verwandt. Was stehen blieb, diente lange Zeit dem Forstamt Horn als Unterkunft und als dieses in die Stadt Horn übersiedelte, wurden die Gebäude dem Zwecke des Altersheims zugeführt.

Schloß Alverdissen

Anstelle des jetzigen Baues stand früher eine von den Sternberger Grafen im 14. Jahrhundert angelegte Wasserburg. Sie wechselte mit den Verpfändungen des Sternberg’schen Besitzes ( unter anderem an die Familie von Werpup) öfter den Eigentümer. Reste dieser alten Burg sind im heutigen Schloß noch nachweisbar. Als Alverdissen im 17. Jahrhundert an die Lippischen Grafen kam, entstand die Linie Lippe-Alverdissen, aus der später das Haus Schaumburg-Lippe hervorging. Das war die Blütezeit von Schloß und Flecken Alverdissen. Das Schloß erfuhr einen gründlichen Umbau, wurde wohnlicher gestaltet und erhielt eine prächtige Ausstattung mit Stuckdecken und Kaminen wovon noch Reste vorhanden sind. Umfangreiche Nebengebäude umgaben den Stattlichen Hof, wie das Bild von 1633 zeigt. Das letzte dieser Gebäude, das Pforthaus, wurde erst 1920 abgebrochen. Ein großer Garten lag seitlich und hinter dem Schloßgebäude auf dem zum Bach abfallenden Gelände. Dieses war ursprünglich allseitig, später auf einigen Seiten von einer Gräfte umgeben. Auch der Menteteich hat zur erweiterten Gartenanlage des Schlosses gehört, die trennende Straße bestand damals nicht.

Haus Alverdissen 1663

Der Bau war nach unserem Bilde nicht besonders groß, schlicht und wenig gegliedert. Freilich ist nur die Rückseite dargestellt, die Vorderfront weist bei aller ruhe schön gegliederte Fenster und gute Formen auf. An der Stelle der jetzt mit einem Renaissancegiebel gekrönten Wandfläche stand früher der Turm, der die Wendeltreppe enthielt. Das Innere ist bis heute ganz schmucklos, von der alten Ausstattung ist nichts geblieben, außer einigen Stücken.

Als im 18. Jahrhundert die Aemter Alverdissen und Schieder wieder an die Lippische Hauptlinie zurückfielen, wurde Schloß Alverdissen Beamtenwohnung, später Amtshaus und Amtsgericht. Man setzte um die Mitte des 19. Jahrhunderts dem massiven Unterbau ein Fachwerkgeschoß auf, das aber nie bezogen werden konnte und bei der Instandsetzung vor 30 Jahren41920 wieder entfernt wurde. Jetzt ist das Schloß trotz seiner schlichten Formen von vornehmer Erscheinung.

Am nahen Kirchturm birgt die aus reich ornamentierten und mit Inschriften versehenen Steinplatten erbaute Gruft die Särge der Geschlechter, die einst in ihrer Schloßresidenz glanzvolle Tage erlebten.

Rischenau

Kein Bild, keine Ruinenreste vermitteln uns eine Vorstellung der Burg Rischenau, die vermutlich schon im 13. Jahrhundert die Grafen von Schwalenberg erbauten. Eine Urkunde von 1352 erwähnt sie. Auch ist mancher erstaunt, zu hören, daß Rischenau einmal eine Stadt war. Sie wurde aber schon 1407 in der Eberstein’schen Fehde zerstört und nicht wieder aufgebaut. Erst allmählig siedelte sich ein Dorf in den Ruinen an.

Rischenau lag an der alten Handelsstraße Kassel – Bremen; hier vorbei führt der alte Postweg, von dem der jetzige „Nieser Graben“ noch ein Stück ist. Die Burg schützte den Verkehr und erhob den Zoll und das Geleitgeld. Deutlich ist im Gelände die Lage der Burg vor dem Orte erkennbar. Man gewahrt, talaufwärts kommend, rechts die regelmäßig gestaltete Erhebung, die aus dem vom Bach durchflossenen Wiesengrund aufsteigt. An diesen Seiten war die Burg von Wasser und Sumpf umgeben und so geschützt. Der Zugang an der Stelle, wo heute die Möbelfabrik Klocke steht. In den benachbarten Gärten ist man beim Graben öfter auf altes Gemäuer gestoßen. Als einzig erhaltener teil des Burggebäudes ist der große gewölbte Kellerraum anzusehen, den das auf dem höchsten Punkt („Auf der Burg“) gelegene Trompeter’sche Haus birgt.

Da die Urkunden versagen und uns auch mündlich nichts Näheres über die einstige Burg überliefert ist, lohnt es sich, einmal an Ort und Stelle den Spuren nachzugehen und zu versuchen, durch eigene Beobachtung eine Vorstellung von der früheren Situation zu gewinnen.

Quelle: Lippischer Kalender 1950 – Von K. Vollpracht, Detmold

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